(Literatur)Themen, zu denen ich keinen Zugang finde

Ich greife sehr gern zu Büchern, die in irgendeiner Weise meinen Horizont erweitern. Ich versuche, mich in mir unbekannte Situationen einzudenken und über die Literatur mehr darüber zu lernen und zu erfahren.

Es gibt allerdings ein paar Themen, zu denen ich einfach keinen Zugang finde, so sehr ich mich auch bemühe.

Dazu gehören:

  1. Gender/Sexualität: ich bin eine Heterofrau, die sich nie weder besonders weiblich noch männlich gefühlt hat. Ich sage immer „ich fühle mich menschlich“. Das nennt man heutzutage wohl „gender neutral“, aber all die Diskussionen rund um dieses Thema berühren mich nicht. Es ist mir egal, ob man für mich das weibliche Pronomen verwendet, ein männliches oder ein neutrales (im Saarland „et“ = „es“). Ich definiere mich nicht über mein Geschlecht oder meine Sexualität und ich weiß einfach nicht, wie es sich anfühlt, wenn man Zeit seines Lebens in diesem Bereich mit Problemen konfrontiert war. Ich lese Bücher zu diesem Thema, aber ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll. Ich respektiere jeden Menschen, so wie er ist (oder gern wäre) und hin und wieder vermag ich nicht einmal, weiblich von männlich zu unterscheiden.
  2. Feminismus: Damit zusammenhängend kann ich nur wenig mit feministischer Literatur oder Debatten anfangen. Mir ist bewusst, dass Frauen vor mir für die Rechte gekämpft haben, die ich in diesem Land nun genießen darf. Mir ist aber auch bewusst, dass es so schnell keine wirkliche Gleichberechtigung geben wird. Ich werde schlechter bezahlt als männliche Kollegen, die die gleiche Arbeit verrichten. Stört mich aber nicht, da ich keinen Wert auf Karriere lege und mich auch nicht über Arbeit oder Lohn definiere. Es ist nicht fair, aber es ist mir egal. Ich sehe auch genug Frauen, die auf gleiche Behandlung pochen, dann aber wiederum ihre weiblichen Reize betonen, um Männer für sich zu gewinnen. Widersprüchliches Verhalten, mit dem ich nicht umgehen kann.
  3. Rassismus: Ich spreche hier nicht von kulturellem Rassismus, sondern von dem, der sich allein auf die Hautfarbe bezieht. Ich lese zwar auch über Ungleichbehandlungen in Deutschland andersfarbigen Menschen gegenüber, ich habe in diesem Bereich nie eine bewusste Erfahrung gemacht. Hier im Saarland sieht man mehr „People of Color“ durch die Nähe zu Frankreich als in Hessen damals (dort waren es die religiösen Unterschiede, die stärker zum Tragen kamen). Ich habe aber keinen Kontakt zu ihnen. Nicht weil ich es nicht wollen würde, mir ist auch die Hautfarbe eines Menschen egal, es hat sich einfach nie ergeben bisher. Ich kenne die Schwierigkeiten nicht, die sie hier auszufechten haben, aber ich informiere mich darüber.
  4. Körperbewusstsein/Äußerlichkeiten: Mittlerweile gibt es ein ganzes Genre zum Thema „Liebe dich selbst, so wie du bist“ und hin und wieder greife ich zu solchen Büchern, stelle aber immer wieder fest, dass ich auch damit nichts anfangen kann. Ich habe kein optimales Gewicht und von Kleidergröße 34 zu 44 schon alles getragen, ich wurde gehänselt, kritisiert, neidisch beäugt. Es gab Zeiten, da hat mir das nicht gefallen, aber es hat mich auch nie dazu gebracht, mich deswegen nicht zu mögen. Mir ist es schnuppe, welche Formen ein Körper hat, ob er schlank ist, dick, krumm, gerade, ob Körperteile fehlen, nicht richtig funktionieren oder was auch immer. Ich bemühe mich, meinen eigenen Körper „gepflegt“ (sauber und gesund) und einigermaßen fit zu halten, um möglichst lang unabhängig leben zu können („Unabhängigkeit“ steht auf meiner persönlichen Werteskala ganz oben), aber ansonsten sind mir der eigene Körper und die Körper anderer Menschen einfach nicht wichtig genug.

Das alles hat nichts mit Ignoranz von meiner Seite aus zu tun. Ich interessiere mich wirklich für diese Themen und versuche immer, zu verstehen, warum sie andere so stark betreffen. Deswegen führe ich nicht nur Gespräche darüber, sondern greife auch zu dementsprechender Literatur, aber mangels eigener Erfahrungen begreife ich es zwar intellektuell, aber nicht emotional.

Ergeht es euch auch so? Habt ihr auch Themen, von denen ihr meint, ihr solltet euch damit auseinandersetzen, die sich euch aber nicht erschließen?

3 thoughts on “(Literatur)Themen, zu denen ich keinen Zugang finde

  1. Emer O’Tooles Buch müsste dir dann eigentlich liegen, sie plädiert nämlich dafür, Gender und Sexualität nicht als bipolare Angelegenheit, sondern als Verlauf auf einer Skala zu begreifen. Ich finde das Buch auch sehr zugänglich, hab vorher auch nichts zu dem Thema gelesen.

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