Lasst uns über Amazon und Co reden

gray steel shopping cart
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Ich weiß, ich begebe mich hier auf ein heißes Pflaster, aber wieder einmal verfolge ich eine Diskussion, in der Amazonkunden für ihre Shopwahl kritisiert werden.

Ich kann den Frust der Buchhändler absolut nachvollziehen, aber…

Die verpassten Anfänge

… liebe Händler, wo wart ihr zwischen 1995 und 1998, als das Internet in Deutschland gerade in Schwung kam?

Damals gab es den ABC-Bücherdienst, bei dem man eine CD mit einem Bücherkatalog bestellen konnte und dann eine Mail mit seinen Kaufwünschen abgeschickt hat.

Damals wurde das von allen belächelt.

Damals hat Amazon erkannt, dass das die Zukunft war und hat 1998 diesen Bücherdienst in Deutschland gekauft.

Es hat wirklich lange gedauert, bis kleinere Buchläden nachzogen. Sicherlich gab es Gründe dafür, aber dennoch wurde das Internet viele Jahre nicht ernst genommen – Jahre in denen die ersten „Nerds“ ihre ersten Bestellungen über Amazon tätigten und ihren Freunden davon erzählten.
Amazon konkurrierte zu dieser Zeit hauptsächlich mit Katalogfirmen in Deutschland und von denen gab es in der Buchbranche kaum welche.

Die verpasste Weiterentwicklung

Wenn ich sage, ich habe einen Kindle, werde ich oft gefragt, warum ich nicht einen anderen Reader genommen und meine Käufe über andere Läden tätige?

Nun, wer sagt denn, dass ich nicht *auch* einen anderen Reader besitze (den ich tatsächlich zusätzlich habe)?

Und…

… wo waren die deutschsprachigen eBooks und Gerätehersteller, als Amazon 2007 seinen ersten Kindle in den USA und 2009 dann in Deutschland verkaufte?

Ich habe meinen ersten eReader Anfang 2009 gekauft, da „taugte“ nur der Kindle etwas und andere waren hier so gut wie gar nicht erhältlich.
Meine eBook-Bibliothek ist in all den Jahren natürlich gewachsen, umfasst jetzt über 1000 Bücher und die werde ich sicher nicht aufgeben, nur um den deutschen Buchhandel zu unterstützen, der seine Chancen nicht früh genug wahrgenommen hat.

Das heutige Onlineangebot

Und wie sieht es heute online so aus?

Da surfe ich mal auf die Webseiten der kleinen Buchläden in meiner Nähe und sehe auf der Starteseite des Onlineshops…

…sowas…

a

…oder sowas…

b

..oder gar sowas…

c

Dort soll ich „stöbern“ und meine Buchkäufe tätigen?

Tut mir leid, aber nein.

Und wenn die Läden einen vernünftigen Shop haben, weiß außer vielleicht ihren Stammkunden kaum jemand etwas darüber, weil sie ihn nicht bewerben.

Jammern ohne Einsatz

Ich habe einfach keine Lust mehr, mich für mein Konsumverhalten rechtfertigen zu müssen. Es ist auch mittlerweile nicht nur „das böse Amazon“. Erwähne ich z.B. dass ich auch gern in den „Thalia“ vor Ort gehe, weil der echt groß und nett dekoriert ist, werde ich dafür genauso kritisiert.

Und was ist eigentlich mit Gebrauchtwarenhändler wie „Momox“ und Co? Wann werden die wohl zur nächsten Zielscheibe erwählt?

So mancher Händler – und ich spreche hier natürlich nicht von allen, es gibt auch tolle Ausnahmen! – beklagt sich über den momentanen Zustand, ist aber einfach nicht früh genug oder etwas „tollpatschig“ auf den Zug „Onlinehandel“ aufgesprungen. Wenn man von einer Sache profitieren möchte, muss man den entsprechenden Einsatz bringen und nicht die Verantwortung einfach auf die Kunden abwälzen.

Meine Vorschläge für Händler

  • Sucht euch engagierte Schüler/Studenten/LeserInnen, die euren Shop auf Herz und Nieren prüfen und ihn ggf. optimieren? Heute ist HTMl keine Zauberkunst mehr, viele Dinge lassen sich mit geringem Aufwand verbessern.
  • Fragt die Kunden nicht nur „soll ich Ihnen das bestellen?“ sondern macht sie auch sofort auf euren Onlineshop aufmerksam „Sie können auch gern online bestellen, wenn Sie keine Zeit haben, immer in den Laden zu kommen“
  • Nutzt Social-Media-Kanäle und Newsletter, um euren Onlineshop bekannt zu machen

Kurz: zeigt den Kunden, dass es auch online Alternativen zu Amazon und Co. gibt!

Ich geh wirklich gern „da draußen“ in den Buchläden einkaufen, aber genauso mag ich Amazon und Co.

Wer Veränderung möchte, muss Veränderung herbeiführen.

 

Ohne Kunden kein Verkauf

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Wenn ich mich so in den sozialen Netzwerken oder auf „Branchenseiten“ mit Kommentarfunktion bewege, frage ich mich doch mittlerweile erschreckend oft, ob Geschichten und Leser eigentlich noch im Mittelpunkt des Geschehens stehen oder nur noch nackte Zahlen und Umsätze?

Da wird öffentlich über Rezensionen gemeckert, über Fandoms innerhalb der Leserschaft gelästert, kleinere Veranstaltungen werden nicht ernst genommen,…

Aber anderseits wird ganz laut über schwindende Kundschaft und schlechte Verkaufsstatistiken gejammert.

Wir als Leser lieben unsere Bücher und unsere Stories, sie gehören für uns zum Leben wie die Luft zum Atmen, doch wenn ich merke, dass ich als Leserin gar nicht wahrgenommen oder – noch besser – kritisiert werde, weil ich bei x und nicht bei y gekauft habe, dann macht es mir irgendwann einfach keinen Spaß mehr, ein Buch zu kaufen.

Man kennt das ja mit der selffulfilling prophecy…

 

Bloggen mit Redaktionsplan

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Ich versuche immer und immer wieder, etwas Struktur in meine Blogertätigkeit zu bekommen.

Ausprobiert habe ich bisher: MindMaps, Notebooks, Kalender, Sticky Notes am Whiteboard,…

Airtable

Momentan führe ich ein Redaktionsplan auf Airtable.com,  Das ist ein Webangebot (zu dem es Apps für mobile Geräte gibt), das Excel sehr ähnelt, für mich aber komfortabler zu bedienen ist.

Mir gefallen insbesondere die unterschiedlichen Ansichten einer Tabelle sehr gut. Ich bin großer Fan von Kanban-Boards und Airtable bietet mir die Möglichkeit, meine Daten entsprechend zu betrachten:

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Es gibt Hilfevideos, die man sich anfangs anschauen sollte, um die Grundlagen zu verstehen, aber eigentlich sind viele Funktionen leicht zu bedienen.

Hier notiere ich mir aktuell meine geplanten Blogpost, die, die ich in Vorbereitung habe und erledigte Beiträge.

Der Airtable-Account ist kostenlos, eine Proversion bietet einen größeren Umfang, aber mir reicht das Basisangebot.

Außerdem stehen viele Vorlagen zur freien Verfügung, darunter auch ein Redaktionsplan, den ich als Idee herangezogen und dann entsprechend angepasst habe.

Momentan funktioniert das sehr gut für mich, solange ich regelmäßig in die Tabelle hineinschaue.

Arbeitet ihr mit einem Redaktionsplan? Wenn ja, wie führt ihr diesen?

Die Montagsfrage #2 – Hörbücher

montagsfrage

Heute fragt Antonia: Ist Hörbuch-Hören für dich mit ’klassischem’ Lesen gleichzusetzen? Oder ist beides für dich grundverschieden?

Sind Hörbücher echte Bücher?

Letztens kam auf Twitter eine Diskussion auf, die ich sehr überflüssig fand. Jemand dort war der Meinung, dass Hörbücher nicht wie „echte“ Bücher zu zählen seien.

Diese Ansicht teile ich nicht. Hörbücher sind nichts anderes als vertonte Bücher und statt meiner eigenen Stimme im Kopf höre ich dort einfach nur eine fremde Stimme.

Entsprechend waren auch die Rückmeldungen auf diesen Post und ich frage mich im Nachhinein, ob dieser Beitrag nicht vielleicht anders gedacht war, nämlich..

Liefern Hörbücher das gleiche Leseerlebnis wie Bücher?

Da ist zunächst einmal der haptische Eindruck, den ein gedrucktes Buch oder auch ein eReader liefern: wir nehmen etwas in die Hand, blättern oder wischen, d.h. wir sind in gewisser Weise auch psychisch mit dem Inhalt verbunden und nehmen zumindest minimal aktiv daran teil. Das kann für einige Leser durchaus einen Unterschied machen, so auch für mich.

Blättern und wischen sorgen dafür, dass ich die Konzentration behalte. Bei einem Hörbuch verliere ich den Faden, wenn ich nebenbei nicht meine Hände beschäftige und zum Beispiel dabei etwas Kreatives mache oder Routineaufgaben. Ich benötige diese aktive Teilnahme, um mich über längere Zeit auf etwas Gesprochenes fokussieren zu können.

Durch die Wahl des Sprechers oder sogar mehrerer Sprecher und eventuell der Verwendung kurzer Musikstücke liefern Hörbücher zudem einen Mehrwert zum gedruckten Buch. Das kann positiv für den Leser sein, allerdings kann es genauso gut das Leseerlebnis trüben.

Ein Sprecher kann uns mit seiner Interpretation des Textes und der Figuren ein ganz anderes Bild der Geschichte zeichnen, als wir es vielleicht zuvor hatten.
Musik kann eine eigene Atmosphäre schaffen und die Welt aus einer anderen Perspektive erscheinen lassen.

Hörbücher und gedruckte Bücher lassen uns also die Handlung unterschiedlich erleben und können so auch zu einer unterschiedlichen Beurteilung des Buchs führen.
Ich hatte schon Bücher, die ich in gedruckter Form langweilig fand, die mich als Hörbuch aber sehr fasziniert haben – oder umgekehrt.

Ist das Hören grundverschieden vom Lesen?

Um Antonias Frage dann auch endlich zu beantworten: das Hören ist für mich nicht „grundverschieden“ vom klassischen Lesen, sondern vielmehr eine interessante Variation.

Wie seht ihr das?

„Mirage“ von Somaiya Daud

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Titel: Mirage | Autorin: Somaiya Daud | Serie: Mirage #1 | Verlag: Flatiron Books

Inhalt:
„In a star system dominated by the brutal Vathek empire, eighteen-year-old Amani is a dreamer. She dreams of what life was like before the occupation; she dreams of writing poetry like the old-world poems she adores; she dreams of receiving a sign from Dihya that one day, she, too, will have adventure, and travel beyond her isolated moon.
But when adventure comes for Amani, it is not what she expects: she is kidnapped by the regime and taken in secret to the royal palace, where she discovers that she is nearly identical to the cruel half-Vathek Princess Maram. The princess is so hated by her conquered people that she requires a body double, someone to appear in public as Maram, ready to die in her place.
As Amani is forced into her new role, she can’t help but enjoy the palace’s beauty—and her time with the princess’ fiancé, Idris. But the glitter of the royal court belies a world of violence and fear. If Amani ever wishes to see her family again, she must play the princess to perfection…because one wrong move could lead to her death.“

Meine Meinung:
„Mirage“ ist das Erstlingswerk einer amerikanischen Autorin mit marokkanischen Wurzeln, auf die sie in ihrer Erzählung zurückgreift und die die Geschichte maßgeblich beeinflussen.

Die Welt

Die Welt von Amani und Maram ist ein Mix aus Fantasyelementen, mythologischen und poetischen Teilen und ein ganz klein wenig SciFi.
Geprägt ist sie von Unterdrückung, sowie Kolonialismus und orientiert sich geschichtlich an den „Jahren der Führung“ zwischen 1960 und 1990 in Marokko, als König Hassan II das Volk mit harter und willkürlicher Hand regierte.

Die Charaktere

„Mirage“ ist eine Geschichte, die stark von den Charakteren und ihren Beziehungen untereinander lebt.
Sowohl Amani als auch ihre Gegenspielerin Maram sind sehr facettenreich und beide haben ihre guten und ihre schlechten Seiten. Die Grenze zwischen Gut und Böse ist nicht immer einfach zu ziehen und je mehr Zeit sie verbindet, umso stärker ähneln sie sich nicht nur optisch, sondern auch in ihren Persönlichkeiten,

Warum die beiden Mädchen wie eineiige Zwillinge aussehen, wird nicht erklärt und wirkt deswegen nicht unbedingt überzeugend. So etwas dürfte in der Realität äußerst selten vorkommen und hätte meiner Meinung nach einer kurzen Erklärung bedurft, um die Leser nicht irritiert zurückzulassen.

Dennoch sind die Figuren sympathisch. Es gab eigentlich niemanden, den ich in diesem Buch nicht gemocht hätte, zumal der Antagonist eher das System als eine einzige Person ist.

Die Stärken des Buches

„Mirage“ ist unserer Welt sehr ähnlich und wirkt dennoch wegen seiner mythologischen Symbolik fremd genug, um uns als Leser von Anfang bis Ende zu faszinieren.

Die Hauptcharaktere sind vielschichtig, emotional und haben Hoffnungen und Ängste, die sie für uns Leser verwundbar und liebevoll machen.

Die Schwächen des Buches

Leider fand ich die Plotideen ein wenig schwach. Ja, sie orientieren sich an historischen Ereignissen, aber die Vergangenheit schreibt nicht immer die interessantesten Geschichten.
Die Situation in der wir uns befinden ist zwar nicht schön, wirkt aber auch nicht sehr bedrohlich. Selbst die Szene mit Amanis Eltern vermittelte keine echte Gefahr und hätte deutlicher gezeichnet werden können.

Auch das Ende ist nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte, nachdem der Anfang mit der Entführung des Mädchens so stark war. Ich weiß, dass es sich um eine Fortsetzung handelt und dass der Schluss dieser Geschichte auf den Beginn einer neuen hinweisen soll, aber dennoch werden die Erwartungen der Leser relativ hochgeschraubt und zum Schluss ein wenig enttäuscht.

Fazit

„Mirage“ ist ein Debütwerk und deswegen von ein paar Fehlern durchzogen, Nichtsdestotrotz ist es auf seine Weise einzigartig und hebt sich ein wenig von typischen YA-Werken ab.

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen und ich bin sehr gespannt auf den zweiten Band, der nächstes Jahr erscheinen soll.

Von Büchern und Filmen

Ich schaue nicht viele Filme oder Serien, aber es gibt so ein paar Geschichten, die mich so sehr fasziniert haben, dass mich nach dem Lesen interessiert, wie sie verfilmt wurden.

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Gestern habe ich mir The Circle“ von Dave Eggers angeschaut. Ich habe das Buch in sehr guter Erinnerung, weil es sehr bedrückend und so verflixt nah an der Realität ist. Ich habe den Roman damals verschlungen und will ihn unbedingt noch einmal lesen.

Leider fand ich den Film zum Buch – wie so oft – eher enttäuschend. Das Ende war super, aber alles davor war zu stark verkürzt. Die wichtigen Ereignisse traten zu schnell aufeinander auf, die komplette und vereinnahmende Vernetzung der Mitarbeiter wurde nicht gut genug herausgestellt, es kam einfach nicht die rechte Atmosphäre auf.

Für mich funktionieren die meisten Filme zu Büchern einfach nicht. Ich finde auch die Harry-Potter-Umsetzungen nicht besonders gut gelungen. In Bücher kann ich mich fallenlassen, Filme hetzen mich ein wenig…

Wie geht euch das? Schaut ihr die Filme zu den Büchern?