Neu auf dem SUB

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Die letzte Woche war sehr bücherreich, was natürlich u.a. auf die Buchmesse zurückzuführen war 🙂

Auf dem SUB sind gelandet (Goodreadslinks):

  • „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky: Ich habe sehr viel Gutes über das Buch gehört und bin neugierig geworden
  • „Tyll“ von Daniel Kehlmann: ich mag Retellings. Auch wenn ich weiß, dass Kehlmann die Hauptfigur wohl in einer falschen Epoche platziert hat, stört mich das wenig
  • „Die Kunst des guten Lebens“ von Rolf Dobelli: ich habe die Idee einiger YouTuber aufgegriffen und werde den November zum „Non-fiction-November“ erklären
  • „Glückskind“ von Steven Uhly: dieses Buch habe ich von einer guten Kollegin ans Herz gelegt bekommen
  • „Six Four“von Hideo Yokoyama: auf der Buchmesse fiel mir ein Plakat zur ins Deutsche übersetzten Version dieses Thrillers auf
  • „Der Bruder des Wolfs“ von Robin Hobb: Band 2 der Weitseherchroniken und ein Rezensionsexemplar vom penhaligon Verlag

Nicht auf dem Foto zu sehen ist mein digitaler Kauf:

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Rezension: „The Silent Companions“ von Laura Purcell

34600633 Titel: The Silent Companions (Goodreadslink)
Autorin: Laura Purcell
Verlag: Raven Books

Klappentext:
„Inspired by the work of Shirley Jackson and Susan Hill and set in a crumbling country mansion, The Silent Companions is an unsettling gothic ghost story to send a shiver down the spine…
Newly married, newly widowed Elsie is sent to see out her pregnancy at her late husband’s crumbling country estate, The Bridge.
With her new servants resentful and the local villagers actively hostile, Elsie only has her husband’s awkward cousin for company. Or so she thinks. But inside her new home lies a locked room, and beyond that door lies a two-hundred-year-old diary and a deeply unsettling painted wooden figure – a Silent Companion – that bears a striking resemblance to Elsie herself..“

Meinung:
Die Geschichte beginnt in einem Krankenhaus, in dem die Protagonistin, die nicht in der Lage ist, ihre Stimme zu gebrauchen, aufschreiben soll, was ihr widerfahren ist. Schon diese Tatsache allein schickte mir eine Gänsehaut über den Rücken, denn diese Situation ist bedrückend.

Doch richtig gruselig wird es, als wir zurück gehen in Elsies Vergangenheit. Es beginnt recht harmlos mit einem alten, fast leerstehendem Haus und Gerüchten, die die Dorfbewohner davon abhalten, sich dem Anwesen zu nähern. Zunächst dachte ich „ok, alles schon mal dagewesen, alles schon mal gelesen“. Doch dann kommt es zur Begegnung mit den ersten „silent companions“, den stillen Begleitern.

Auch deren Story wirkt anfangs zwar etwas „creepy“, aber nicht gefährlich. Anfangs…

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, ich kann nur sagen, dass ich mich selten so beim Lesen gegruselt habe wie bei diesem Buch!

Mit „The Silent Companions“ ist Laura Purcell ein großartiger Geisterroman gelungen, der sich sehr gut als passende Lektüre für eine neblige Halloweennacht eignet.

Die Frankfurter Buchmesse 2017

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Am 13.10.2017 fuhr ich früh morgens von Saarbrücken mit meinem kleinen grünen Smart Richtung Frankfurt. Das tollste Event des Jahres stand mir bevor: die Frankfurter Buchmesse!

Es war nicht meine erste Buchmesse, aber ich war zum ersten Mal als Bloggerin mit Presseticket an einem Fachbesuchertag unterwegs.

Es war wirklich ungewöhnlich, nicht sofort morgens um 9 Uhr in Halle 3.0. über den Haufen gerannt zu werden 😉 Es wurde zwar im Laufe des Tages etwas voller, war aber immer angenehm und kein Vergleich zu den Publikumstagen (Klick auf Foto für Vergrößerung):

Ich gehöre nicht zu denen, die gern zu Lesungen oder Interviews gehen, aber das ein oder andere konnte ich im Vorbeigehen doch erhaschen:

Viel interessanter fand ich die vielen schönen Stände, die Neuerscheinungen und die kleinen Verlage, die man sonst kaum wahrnimmt.
An einigen Ständen hatte ich sehr nette Gespräche, so z.B. beim Conte Verlag, wo ich die wirklich sehr sympathische Autorin Isabella Archan kennenlernte.

Gastland war in diesem Jahr Frankreich und die Präsentation fand ich sehr ansprechend:

Es gab viel zu entdecken und zu bewundern:

Neben vielen Prospekten und einem Messebecher…

… nahm ich unzählige Eindrücke, Inspirationen und Informationen mit auf den Heimweg.

Ich freue mich auf die Buchmesse 2018!

Rezension: „Halloween“ von Ray Bradbury

18754007 Titel: Halloween
Autor: Ray Bradbury
Verlag: Diogenes (vielen Dank für das Rezensionsexemplar)
Originaltitel: Halloween Tree

Auszug Klappentext:
„Es ist Halloween. Die Nacht vor Allerheiligen ist auch die Nacht des Spuks, die Nacht, in der die Seelen der Toten zurück auf die Erde kommen. Acht Jungen machen sich auf den Weg: der Knochenmann, die Hexe, der Höhlenmensch, der Wasserspeier, der Bettler, die Mumie, der Sensenmann, das Gespenst. Ein neunter Junge, Pipkin, fühlt sich eigentlich nicht wohl, aber er will unbedingt nachkommen. Das wird ihm fast zum Verhängnis. Der unheimliche Chitinus Charybdis Downground führt die Jungen tief in die Geheimnisse dieser gruseligsten Nacht des Jahres.“

Meinung:
Auf den ersten Blick ist dies eine nette Halloweengeschichte für Kinder, die sich gern gruseln. Die Figuren sind liebenswert, es gibt spannende, aufregende und schaurige Stellen und man kann das Buch gut an einem Abend lesen oder vorlesen.

Doch Ray Bradbury unterhält nicht nur, er lehrt uns etwas über dieses Fest vor Allerheiligen, das mittlerweile auch in Deutschland immer mehr Beachtung findet.
Er zeigt, dass Menschen schon zu allen Zeiten Rituale hatten, um den Tod zu huldigen und die Geister, die sie fürchteten, zu beschwichtigen.
So reisen wir mit den Kindern von den Höhlenmenschen, durch das alte Ägypten bis hin in das moderne Mexiko und erfahren, wie jede Epoche halloweenartige Traditionen pflegte.

Die Begegnung mit dem Tod zeigt den Kindern, wie wichtig und wertvoll das Leben ist und so treffen sie am Ende eine Entscheidung, die ihnen ein wenig von ihrer Lebenszeit stiehlt, dafür aber einen ihrer Freunde vor dem vorzeitigen Sterben bewahrt.

„Halloween“ ist ein Buch, das nicht unterschätzt werden sollte. Es mag kindlich wirken, doch es beinhaltet gute Gedanken, die es wert sind, gelesen und mit den Jüngsten geteilt und besprochen zu werden.

Rezension: „Der Chor der Zwölf“ von Andreas Dury

36393558 Titel: Der Chor der Zwölf
Autor: Andreas Dury
Verlag: Conte (vielen Dank für das Rezensionsexemplar)

Auszug Klappentext:
„Der Informatiker Ludwig Pfahl hat in jahrzehntelanger Eigenbrötelei ein hochkomplexes System entwickelt, das jede Sprache versteht – die gesprochene und die geschriebene, die Sprache der Gesichter und das binäre Flüstern in den Datenwolken. Das Sterben seines Vaters ruft ihn zurück in das Haus seiner Kindheit. In seiner alten Heimat entdeckt er seine Vertrautheit mit der Natur und seine Sehnsucht nach Liebe und familiärer Geborgenheit wieder. Doch KAIRA, der Prototyp seines Computersystems, spielt bereits eine entscheidende Rolle in den Planungen einer geheimen Arbeitsgruppe der Europäischen Kommission.“

Meinung:
Die Koexistenz von Mensch und Maschine ist ein Thema, das immer aktueller und drängender wird. Bereits jetzt gibt es beeindruckende Werke im Bereich der künstlichen Intelligenz, mit denen man sich rechtlich, philosophisch und ethisch intensiv auseinandersetzen muss, um auf lange Sicht ein gutes Miteinander gewährleisten zu können.

Dury widmet sich in „Der Chor der Zwölf“ der Geburtsstunde des von Menschen erschaffenen Bewusstseins, das er eng mit der Figur eines Informatikers verknüpft, der im Laufe seines Berufslebens sein eigenes Ich immer mehr verloren und in die Entwicklung eines technischen Ichs gesteckt hat.
Als sein Vater stirbt, wird er mit der Vergänglichkeit alles Natürlichen konfrontiert, mit der er nur sehr schwer umgehen kann. Er vermag sie nicht – wie einen Computer – zu kontrollieren und zu steuern. In dem Moment jedoch, in dem er erkennt, dass er nicht mehr weiß, wer er als Mensch ist, „erwacht“ KAIRA, die von ihm maßgeblich entwickelte KI – ein neuronales Netz, das Informationen aufsaugt, analysiert und, so nimmt Pfahl an, am Ende etwas formt, was dem menschlichen Sein nahe kommt oder es gar übertrifft. Mit Schrecken stellt er fest, dass er auch diesen Prozess nicht weiter beeinflussen kann, dass andere Spieler ins Rennen gekommen sind, mit denen er nicht gerechnet hat und die eigene Motive verfolgen.
Als Pfahl schließlich die Tragweite seiner Handlungen realisiert und erneut mit einem Tod konfrontiert wird, findet er zu sich selbst zurück.

Das Buch beginnt sehr langsam und leise. Ich wusste lange nicht, was ich davon halten sollte. Erst ab der Hälfte kommt es ins Rollen und je weiter ich las, umso mehr glaubte ich, eine Absicht hinter diesem Aufbau zu erkennen. Es kann sein, dass ich damit völlig falsch liege, doch ich denke, der Autor hat nicht zufällig die 12 für seinen Roman gewählt. In der kulturgeschichtlichen und religiösen Symbolik gibt es Zahlen, denen eine besondere Bedeutung beigemessen wird, darunter sind u.a. die 3, die 6 und die 12. Steht die 12 beispielsweise im Alten Testament für Struktur und Ordnung, so wurde sie später wegen ihrer Teilbarkeit durch 3 und 4 (dreieiniger Gott, vier irdische Elemente) als Hinweis auf die kommende Erlösung interpretiert. Auch die EU, die in der Geschichte eine wesentliche Rolle spielt, trägt die Zahl 12 – repräsentiert durch Sterne – in ihrer Flagge.

Auffällig ist zudem, dass Dury sein Buch in 12 Kapitel unterteilt, die ich mir ein wenig genauer angeschaut habe, um zu sehen, ob ich mit meiner Vermutung richtig liege.
In Kapitel 3 (die Gotteszahl) wird Pfahls Vater beerdigt, in Kapitel 6 beginnt das Leben der Maschine (am sechsten Tag erschuf Gott die Menschen) und in Kapitel 12 wird der Protagonist sich wieder seiner eigenen Existenz bewusst und findet so seine Erlösung.

Ich könnte noch viel mehr zu diesen Deutungen schreiben, doch ich möchte mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Allerdings bin ich überrascht, wie viele philosophische Gedanken „Der Chor der Zwölf“ in mir ausgelöst hat und genau darin liegt seine Stärke. Es ist nicht unbedingt ein spannendes Buch mit schillernden Charakteren. Vielmehr ist es ein Roman, der zum Nachdenken über die Zukunft des Menschen und die Komplexität der Welt, die wir zum Teil miterschaffen haben, anregt.

Ein Buch für jeden, der sich für Mathematik, Technik und mögliche Zukunftsszenarien interessiert.