Rezension: „Magonia“ von Maria Dahvana Headley (Spoiler)

33939439.jpg Titel: Magonia
Autorin: Maria Dahvana Headley
Verlag: Heyne
Originaltitel: Magonia

Klappentext:
„Seit sie klein ist, leidet die 16-jährige Aza an einer seltsamen Lungenkrankheit, die ihr ein normales Leben unmöglich macht. Als sie eines Tages ein Schiff hoch in den Wolken erspäht, schiebt sie das Phänomen auf ihre akute Atemnot. Bis jemand auf dem Schiff ihren Namen ruft …
Nur ein Mensch glaubt ihr diese Geschichte: ihr bester Freund Jason, der immer für sie da war, den sie vielleicht sogar liebt. Aber gerade als sie versucht, sich über die neuen tiefen Gefühle zu Jason klarzuwerden, überstürzen sich die Ereignisse. Aza meint zu ersticken – und findet sich plötzlich in Magonia wieder, dem Reich über den Wolken. Dort ist sie das erste Mal in ihrem Leben nicht mehr krank, sondern stark und magisch begabt. In dem heraufziehenden Kampf zwischen Magonia und Azas alter Heimat, der Erde, liegt das Schicksal aller mit einem Mal in Azas Händen“

Meinung:
Ich wollte dieses Buch wirklich mögen, weil mir die Idee so gut gefiel, aber leider wurde ich enttäuscht.

Ich liebe Urban Fantasy, ich mag es, wenn „normale Menschen“ plötzlich herausfinden, dass es da noch eine weitere Welt in ihrer gibt und dass sie vielleicht sogar ein Teil davon sind, aber hier entwickeln sich die Ereignisse und auch die Charaktere viel zu schnell.

Der Übergang von „todkrankes, schwaches Mädchen“ zu „starkes, fremdes Wesen“ geschieht genauso abrupt wie der Übergang von „eine Feder in meiner Lunge?!“ bis hin zu „ich vermisse den Vogel, der ab und zu in mir wohnt“.
Auch nicht nachvollziehbar war der plötzliche Wechsel zwischen „wir trauern heftig um unsere verstorbene Tochter und Freundin“ und „oh schön, da ist sie ja wieder“….

Schade, schade, schade – diese Geschichte hätte mehr Raum benötigt. Die Welt hätte langsamer eingeführt und detaillierter ausgearbeitet werden. Die Protagonisten hätten mehr Zeit für ihre Entwicklung benötigt. Nebenfiguren hätten besser beleuchtet werden sollen – es sind zu viele Kleinigkeiten, die den Eindruck trüben.

„Magonia“ hat für mich leider gar nicht funktioniert. Unausgereift und hektisch.

Kurzrezension: „The Scorpio Races“ von Maggie Stiefvater

10626594 Titel: The Scorpio Races
Autorin: Maggie Stiefvater
Verlag: Scholastic Press
Übersetzung: Rot wie das Meer

Klappentext:
„It happens at the start of every November: the Scorpio Races. Riders attempt to keep hold of their water horses long enough to make it to the finish line. Some riders live. Others die.
At age nineteen, Sean Kendrick is the returning champion. He is a young man of few words, and if he has any fears, he keeps them buried deep, where no one else can see them.
Puck Connolly is different. She never meant to ride in the Scorpio Races. But fate hasn’t given her much of a chance. So she enters the competition — the first girl ever to do so. She is in no way prepared for what is going to happen.“

Meinung:
Zu dem Buch hab ich nicht viel zu sagen: Pferde, Pferde aus dem Meer, ein gefährliches Pferderennen, Menschen, die Pferde kaufen und verkaufen, ein Junge und ein Mädchen, die Pferde reiten, Happy End.

Es war mein erstes Buch von Maggie Stiefvater und es wird vermutlich auch mein letztes gewesen sein. Es passiert einfach nichts und steckt voller Klischees.

Vielen gefällt das Buch. Mir nicht.

Leben mit der Angst im Nacken

John Greens Buch „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ berührt ein Thema, das mich selbst stark betrifft: Leben mit Angst.

Ich war 16, als ich das erste Mal ohne „Ankündigung“ in einem Kino ohnmächtig wurde. Das war selbst nicht weiter tragisch, aber dort begann meine Angst. Meine Eltern waren natürlich sehr besorgt und haben mich von Arzt zu Arzt gebracht. Ich weiß nicht mehr, was dort untersucht wurde, aber ich blieb ohne Diagnose. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass jemand das Wort „Angststörung“ erwähnt hätte, ein Arzt bot mir lediglich einen „Gesprächskreis“ an, was ich ablehnte, weil ich nicht wusste, was ich dort sollte.
Niemand sagte mir „He, das ist nicht ungewöhnlich, Heranwachsende haben hin und wieder mit Ohnmachtsanfällen zu kämpfen“. Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass ich dieser potentiellen Ohnmacht hilflos ausgesetzt sei und ich jederzeit und überall einfach umkippen könnte.

Ich steigerte mich in eine Angst hinein, die immer schlimmer wurde. Und natürlich: je mehr ich mich verkrampfte, umso schlechter atmete ich, umso näher rückte das Ohnmachtsgefühl.
Ich versuchte, es unter den Tisch zu kehren. Sprach mit niemandem darüber (ich wäre sonst vermutlich ohnehin nur bei Arzt Nr. 15 gelandet), versuchte, so normal wie möglich zu leben, hörte aber ununterbrochen in mich hinein, ob mein Körper wieder das Ruder übernahm oder meine Gedanken ihn in Schach halten konnten.

Wirklich schlimm wurde es dann, als ich daheim auszog und mein Studentenleben begann. Hier musste ich ja nicht mehr funktionieren. Hier beäugte mich niemand kritisch und fragte „geht’s dir nicht gut?“. Ich konnte mich sozusagen meiner Angst komplett überlassen und alle Situationen meiden, die sich nicht gut anfühlten. Ich ging noch zu Vorlesungen, verließ sie aber, sobald es „ungemütlich“ in mir drin wurde“. Ich kapselte mich immer mehr ab, ging zu keiner Feier von Freunden und schließlich auch nicht mehr zum Einkaufen in die Stadt.

Irgendwann – ich muss so zwischen 26 und 27 Jahren alt gewesen sein – dachte ich „Ok, das kann so nicht weitergehen“. Doch statt Hilfe zu suchen, verschrieb ich mir eine eigene Verhaltenstherapie: ich begab mich bewusst in jede Situation, die sich unerträglich für mich anfühlte. Irgendwo hatte ich gelesen „die Angst kommt in Wellen“ und ich versuchte, sie über mich hinwegschwappen zu lassen – immer und immer wieder, bis ich merkte, dass sie weniger bedrohlich wurde. Mein Leben funktionierte nach und nach wieder, ich lernte, die Angst im Hintergrund zu halten.

Heute bin ich bei weitem nicht „angstfrei“ oder „geheilt“. Die Angst sitzt mir IMMER im Nacken, ich werde nervös, sobald sich mein Körper anders anfühlt als üblich. Aber ich habe gelernt, diese Angst als dauernden Begleiter zu akzeptieren und sie einigermaßen zu beeinflussen. Ich meditiere, um nicht in eine Gedankenspirale zu gelangen. Ich ernähre mich besser (Fett und Süßigkeiten fördern die Angst) und ich setze mich nach wie vor immer wieder bewusst Situationen aus, die mir Unbehagen bereiten.

Jemand sagte mal, ich sein ein sehr mutiger Mensch. Nun, ich bin mutig, weil ich mutig sein muss, weil ansonsten die Angst wieder die Kontrolle über meinen Körper übernimmt und ich das nicht möchte. Es fühlt sich schrecklich an, bedrohlich, dunkel.

Zurück zu Green: ich habe HIER gelesen, dass er selbst mit Angststörungen zu kämpfen hat. Ich frage mich allerdings: wenn er es selbst aus eigener leidvoller Erfahrung kennt, wieso spielt er es in seinem neuen Roman so herunter? Wieso lässt er Aza nicht mutiger werden, sie aus freien Stücken zur Therapie gehen, willentlich der Angst die Stirn bieten? Am Ende findet Aza sich zwar mit allem ab, aber wie sie dorthin gekommen ist, bleibt zu unklar, ist keine Hilfe für andere in ihrer Situation – und eine Zwangsneurose ist nochmal eine ganz andere Nummer als eine „einfache“ Panikattacke.

Ich hätte mir eine mutigere Protagonistin, mehr Augenmerk auf ihrer Geschichte als auf der ihrer Romanze gewünscht. Mut ist das erste Gegenmittel gegen die Angst. Man muss den Mut finden, sich ihr zu stellen und dann sollte man jede Hilfe in Anspruch nehmen, die man kriegen kann!

Seid mutig, lasst euch helfen!

Rezension: „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ von John Green

36464432.jpg Titel: Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken
Autor: John Green
Verlag: Hanser
Originaltitel: Turtles all the way down

Klappentext:
„Die 16-jährige Aza Holmes hatte ganz sicher nicht vor, sich an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett zu beteiligen. Sie hat genug mit ihren eigenen Sorgen und Ängsten zu kämpfen, die ihre Gedankenwelt zwanghaft beherrschen. Doch als eine Hunderttausend-Dollar-Belohnung auf dem Spiel steht und ihre furchtlose beste Freundin Daisy es kaum erwarten kann, das Geheimnis um Pickett aufzuklären, macht Aza mit. Sie versucht Mut zu beweisen und überwindet durch Daisy nicht nur kleine Hindernisse, sondern auch große Gegensätze, die sie von anderen Menschen trennen. Für Aza wird es ein großes Abenteuer und eine Reise ins Zentrum ihrer Gedankenspirale, der sie zu entkommen versucht.“

Meinung:
Von John Green hatte ich bisher nur „Looking for Alaska“ gelesen, was mir wirklich gut gefallen hatte. Alaska war eine sehr starke Protagonistin, schillernd, vielseitig, auf ihre eigene Art gefährlich.

Solche Charaktere sucht man vergeblich in „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“.

Daisy ist eine aufgedrehte Teenagerin, die in ihrer Freizeit außer Jungs und Fanfiction kaum etwas anderes kennt. Irgendwann beschwert sie sich bei Aza, dass diese über ihr Leben nichts weiß, aber das tun wir als Leser auch nicht. Wir erfahren *nichts* über ihre Hintergründe oder Daisys Innenleben.

Dafür bekommen wir einen sehr starken Einblick in die Gefühlswelt der Protagonistin Aza. Aza lebt mit einer Zwangsneurose und Angststörungen und gerät immer wieder in eine Gedankenspirale, die sie daran hindert, ein normales Teenagerleben zu leben. So zumindest behauptet es Green. Allerdings ist Azas Angst zu Beginn des Buches nur immer mal wieder am Rande ein Thema. Hier konzentriert sich die Geschichte eher um den verschwundenen Milliardär und die detektivischen Bemühungen der Mädchen.
Erst im letzten Teil drehen sich die Verhältnisse, das Verschwinden gerät in den Hintergrund, dafür verstärken sich Azas Probleme.

Ich habe mich beim Lesen immer wieder gefragt „Wieso? Was will John Green hier sagen oder bezwecken?“
Ich denke nicht, dass er Teenager mit Verwaltungsproblemen über diese Story ansprechen oder helfen möchte. Aza hat keinen besonders guten Draht zu ihrer Therapeutin und weigert sich immer wieder, ihre Medikamente zu nehmen. Kein gutes Vorbild für Betroffene.
Außerdem wird ihre Angst bis zum „Showdown“ eher wie ein „Tick“ oder eine „Macke“ beschrieben. Ängste sind aber sehr viel lebensbestimmender. Ich habe selbst als Teenager und Studentin unter Panikattacken (allerdings ohne Zwangsneurose) gelitten. Ich habe mich eingeigelt und irgendwann fast komplett von der Außenwelt abgeschottet. Ich war kaum noch in der Lage, normal zu funktionieren. Ich befand mich dauerhaft „am Ende der Spirale“ (und hab mich am Ende selbst daraus befreit, was ich aber auch niemandem empfehlen würde, weil es langwierig ist). Ängste sind bedrohlicher, viel bedrohlicher als das, was Aza hier erlebt.

Ich hatte das Gefühl, dass Green vielmehr diese Angststörung für philosophische Betrachtungen über das Leben insgesamt benutzte. Dieses Buch steckt voller philosophischer Fragmente, die einfach so in den Raum hineingeworfen werden. Platitüden, abgegriffene Ideen, nicht nachvollziehbare Ansichten ohne Erklärungen – und das alles spielt sich in den Köpfen zweier Heranwachsender ab. Ja sicher…

Ich konnte mit „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ so gar nichts anfangen. Körperlose Figuren als Instrumente entrückter Gedankenspiele, eine Detektivgeschichte, die keine ist, kein interessantes Setting, zusammenhangsloser Plot.Ich kann das Buch nicht weiterempfehlen.

Montagsfrage: Bücher im All

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Heute stellt das Buchfresserchen eine gar nicht so einfach zu beantwortenden Frage: Wenn die Welt untergehen würde und du ins All oder auf einen anderen Planeten entkommen könntest, welche 3 Bücher/Reihen würdest du retten, damit sie kommenden Generationen erhalten bleiben?

Es sollten ja nun ein paar Bücher sein, die nachfolgenden Generationen Hoffnung und Inspiration und Stoff zum Nachdenken geben. Meine Wahl würde deswegen auf diese fallen:

  • „Stadtgeschichten“ von Armistead Maupin: neue Generationen werden ebenfalls das Problem haben, dass es Menschen jenseits der Normen gibt und Maupin hat schon sehr früh ein fürsorgliches Miteinander in seinen Büchern beschworen.
  • Was wäre ein einsamer Planet ohne „Faust. Eine Tragödie“ von Johann Wolfgang von Goethe? Goethes Werke sind vielschichtig, klug, unberechenbar und zeigen die Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens. „Faust“ finde ich unglaublich eindrucksvoll und ein gutes Beispiel dafür, zu welchen Dingen nicht nur eine erdachte Figur, sondern auch ein Autor in der Lage ist.
  • Ein Märchenbuch würde ich als drittes Buch wählen. Ich bin kein Fan von Märchen, aber Märchen haben seit jeher Schriftsteller inspiriert und neue tolle Geschichten hervorgebracht. Märchen regen die Phantasie an wie kein zweites Genre.

Welche Bücher würdet ihr ins All schießen? 😉

Rezension: „The Toymakers“ von Robert Dinsdale

34846987.jpg Titel: The Toymakers
Autor: Robert Dinsdale
Verlag: Ebury Digital

Klappentext:
„It is 1917, and London has spent years in the shadow of the First World War. In the heart of Mayfair, though, there is a place of hope. A place where children’s dreams can come true, where the impossible becomes possible – that place is Papa Jack’s Toy Emporium.
For years Papa Jack has created and sold his famous magical toys: hobby horses, patchwork dogs and bears that seem alive, toy boxes bigger on the inside than out, ‘instant trees’ that sprout from boxes, tin soldiers that can fight battles on their own. Now his sons, Kaspar and Emil, are just old enough to join the family trade. Into this family comes a young Cathy Wray – homeless and vulnerable. The Emporium takes her in, makes her one of its own. But Cathy is about to discover that while all toy shops are places of wonder, only one is truly magical…“

Meinung:
Dieses Buch begann so wundervoll und vielversprechend: ein riesiger, magischer Spielzeugladen und ein Mädchen, das dort ihr neues Zuhause findet – so unglaublich schön und gefühlvoll geschrieben. Man taucht sofort ein in diese verzauberte Welt, die man sich für die eigene Kindheit auch gewünscht hätte. Man möchte darin verschwinden, träumen,…

Wären da nicht alle die Kleinigkeiten, die dieses Bild trüben.

Zunächst einmal die Protagonistin Cathy. Ich fand es toll, dass sie den Mut hatte, in ihrer Situation sich aus der Sicherheit ihres Elternhauses zu begeben und in eine unbekannte Welt aufzubrechen, um auf eigenen Beinen zu stehen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Doch später ist davon kaum noch etwas übrig. Sie geht unter in diesem riesigen Haus, gerät zwischen die Fronten der Brüder und ist letzten Endes nur ein Spielball im Geschehen.

Überhaupt: Krieg, Rivalität, Kampf – das sind die großen Themen in diesem Roman, so „zauberhaft“ die Geschichte auch erscheinen mag. Eltern, die nicht anecken wollen, die die Auseinandersetzung scheuen und ihre Tochter nicht unterstützen können, weil sie nicht wollen. Zwei Brüder im dauernden Wettbewerb darum, wer das beste Spielzeug baut. Der Vater, der das wohl erkennt, aber nicht eingreift. Immer wieder habe ich ärgerlich den Kopf geschüttelt und die Menschlichkeit gesucht, die in dieser behüteten Welt wenigstens vor dem Krieg draußen hätte zutage treten sollen.

Dann kommt der „richtige“ Krieg, der wie erwartet Menschen verändert. Und an dieser Stelle nahm das Buch seltsame Züge an, es driftete für meinen Geschmack viel zu plötzlich und zu weit ins Phantastische ab, was auch das Ende nicht mehr retten konnte.

Eine toll geschriebene Story, die aber für mich leider zu viele schlecht konstruierte Elemente aufwies.