Ich bin des Rezensierens müde

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Schon seit geraumer Zeit schiebe ich einige Rezensionen vor mir her, doch jedes Mal, wenn ich meine Gedanken zu einem Buch sammeln will, lege ich irgendwann frustriert den Stift wieder nieder.

Ich bin des Rezensierens müde.

Es ist das ewig gleiche Muster: ich schreib etwas zur Story, zu den Charakteren und zum Gesamteindruck und frage mich, ob ich das Richtige tue.
Jeder hat einen anderen Zugang zu Geschichten, jeder mag einen anderen Schreibstil, sucht nach anderen Zügen an den Figuren. Ist es da nicht vermessen, meine Meinung zu einem Buch in vielleicht ein paar kritische Worte zu packen und jemanden im schlimmsten Fall veilleicht davon abzuhalten, dieses Buch zu lesen, was er/sie vielleicht am Ende sogar geliebt hätte?

Ich merke zudem, dass ich immer harscher werde, was meine Kritik angeht oder immer verwöhnter, was das Lesen betrifft. Doch ich greife auch zu oft nach (ich nenne das mal vorsichtig) „Anfängerbüchern“, die Gelegenheitsleser begeistern können, mich als Vielleserin aber nicht unbedingt. Sie unterhalten mich, sie lenken mich eine Weile vom Alltag ab, aber sie sind eher Fast Food statt ein Gourmetessen…
Ich weiß das, doch ich kritisiere es in meinen Rezensionen. Ist das fair?

Momentan überlege ich hin und her, was ich mit meinen Rezensionen mache. Ich denke darüber nach, die Highlights der gelesenen Bücher nur noch vorzustellen, ohne sie ausgiebig zu besprechen, vielleicht die kleinen Besonderheiten der Stories zu erwähnen. Ich weiß es noch nicht, aber…

…ich bin des Rezensierens müde.

13 Antworten auf „Ich bin des Rezensierens müde

  1. Ich denke, das geht früher oder später Jeder und Jedem mal so. Ich persönlich war mal an dem Punkt angelangt, nicht mehr zu wissen, was genau ich denn nun über die Bücher schreiben soll, ohne die immer selben Worthülsen und Textversatzstücke zu nutzen. Ich habe dann einfach Pause gemacht, danach ging es wieder. :-)

    Grundsätzlich gilt aber: Du kannst nur für Dich sprechen. Und wenn Du ein Buch kritisierst, dann ist das eben DEINE Meinung und wenn eine Leserin oder ein Leser „nur“ anhand Deiner, also einer einzigen, Rezension von der Lektüre des Buches absieht, dann liegt das zum Einen nicht in Deiner Verantwortung und zum Anderen kann das Interesse der potenziellen Leserin am Buch nicht so wirklich groß gewesen sein.

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    1. Danke für dein Feedback! genau, die Worthülsen sind auch mein Problem. Das klingt alles so gleich und so „abgelutscht“ und irgendwie wenig aussagekräftig (in meinen Augen). Ich geh mal in mich und denk über mein weiteres Vorgehen nach.

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  2. Hallo Sonja,
    so ging es mir im Herbst auch. Hinzu kam, dass ich neben meinem Vollzeitjob nicht auch noch die Muße hatte, für jede Rezension ein oder zwei Stunden zu opfern, denn freie Zeit ist mittlerweile rar und kostbar.
    Ich habe aus diesem Grund meine Rezensionen umgestellt, sie verkürzt und schreibe nur noch über die Bücher, die mir nicht aus dem Kopf gehen, positiv wie negativ. 300 Wörter sind nun leichter zu schaffen, als um die 1000 pro Buch. Und wenn ich mal mehr zu sagen habe, dann wird der Beitrag eben länger.

    Mir hat diese Vorgehensweise geholfen und plötzlich fand ich wieder mehr Zeit für meinen Blog und die Arbeit daran machte wieder Spaß. Vielleicht ist dies auch eine Idee für dich? Am Ende zählt sowieso, dass du das machst, was dir Freude bereitet und wobei du dich wohlfühlst. Nur so spüren deine Leser auch deine Leidenschaft in den Texten.

    LG, Reni

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  3. Moin Sonja!

    Ich kann mich meinem/-r verehrte/-n Vor-Redner/-in nur anschließen: Für viele von uns ist der Buch-Blog eine wunderschöne Bereicherung unseres Lebens – nicht mehr, nicht weniger! Wer verlangt, wie eine Rezension auszusehen hat? Wer setzt uns unter Druck, möglichst regelmäßig (täglich?) einen Beitrag zu posten? Wir selbst legen die Regeln fest: Bei meinem Buch-Blog bin ich der Boss, und somit liegen alle Entscheidungen bei mir!

    „Ja!“, werden einige jetzt vielleicht denken, „aber ich habe ja Fans/ Follower, die ich dann verlieren könnte!“ Gegenfrage: Was ist im Moment für Dich und Deine Situation relevanter? Wirkliche Fans „followern“ Dir auch weiterhin, auch wenn Du sie nicht täglich mit Deinen geistigen Ergüssen beschenkst. Den Druck verursachen wir nur selbst, niemand sonst!!!

    Ich bin mir sicher, dass Du die für Dich richtige Entscheidung treffen wirst. Kopf hoch!

    Herzlichen Gruß
    Andreas

    Gefällt 4 Personen

    1. Danke für die Augmunterung :-) Mir geht es nicht mal um Follower oder regelmäßiges Posten. Damit hab ich mir noch nie Druck gemacht. Ich störe mich gerade nur an der Eintönigkeit von Rezensionen und der Frage, was sie mir/anderen wirklich bringen und ob nicht vielleicht ein anderes Format nützlicher wäre. Ich grübel noch :-)

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  4. Ich bin jedenfalls immer sehr dankbar für deine Rezensionen, besonders bei den englischen Titeln. Da finde ich immer viele Anregungen.
    Aber wenn die Luft grad etwas raus ist, dann braucht es vielleicht tatsächlich ein neues Format, daß man die Lust nicht ganz verliert.

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    1. Freut mich, dass Du bei mir Anrgungen findest! Die werde ich sicher auch weiterhin posten, aber das „wie“ ist noch nicht so ganz klar momentan.

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  5. Hey Sonja,

    ich glaube, das geht vielen Buchblogger_innen so. Auch mich packen manchmal Ermüdungserscheinungen. Dann möchte ich eine bestimmte Rezension (oder auch mal drei) einfach nur hinter mich bringen. Ich habe festgestellt, dass meine Lust am Rezensieren immer dann besonders groß ist, wenn ich ein Buch entweder richtig gut oder richtig schlecht fand. Schwärmerei und Verriss machen mir fast gleich viel Spaß. Sollte es dir ebenso ergehen, vielleicht beschränkst du dich in Zukunft auf Positiv- und Negativ-Highlights?

    Liebe Grüße,
    Elli

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    1. Auch dir danke für deine Anregungen. An sowas hatte ich auch schon gedacht. Ich werde wohl etwas experimentieren müssen, um herauszufinden, was mir gefällt.

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  6. Rezensionen sind meiner Meinung nach in gewissem Maße immer subjektiv, auch in den höchsten Gefilden, das sieht man doch auch immer an den weit auseinandergehenden Meinungen in Sendungen wie dem literarischen Quartett. Du brauchst daher kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn du deine ehrliche Meinung wiedergibst. Ich habe oft auch nicht wirklich Lust, eine Rezension zu schreiben, aber wenn ich sie dann mal verfasst habe und vielleicht auch für ganz gelungen halte, freue ich mich immer. Manchmal ist man halt auch etwas unglücklich in der Auswahl der Bücher, ich hatte zum Beispiel in diesem Jahr auch erst ganz wenige 5-Sterne-Bücher und viel 3-Sterne-Material (wobei ich 3-Sterne Bücher noch zu denen zähle, die ich gern gelesen habe). Vielleicht brauchst du mal wieder ein richtiges Top-Buch, das zu rezensieren kannst. Ich hoffe jedenfalls, dass du dabei bleibst.

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  7. Ich denke es fällt leichter zu rezensieren, wenn nicht jede Rezi gleicht ist. Manchmal gibt es zum Schreibstil etwas zu sagen, weil er aussergewöhnlich ist, manchmal lasse ich diesen Punkt aber auch weg, wenn es nicht viel darüber zu sagen gibt. Ich bin es leid immer die Charaktere oder Stile oder oder oder zu beschreiben nach Schema F. Lieber schreibe ich nur über die Dinge, die mir wirklich aufgefallen sind, auch wenn es nur Kleinigkeiten sein mögen.

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  8. Oh je! Wie, um Himmels Willen, kann man ein so triviales Thema so verkomplizieren? Bücher rezensieren ist erst mal ein Job. Und man jeden Job „kündigen“. Einfach den Betrieb einstellen und warten was geschieht. Wo also ist das Problem? Es ist für jeden sichtbar: Das Ego macht Schwierigkeiten. Der vermeintlich zwanghafte Ausstieg aus dem geschätzten Literaturbetrieb! Der gefühlte, aber niemals reale Absturz des Intellektuellen auf das Putzfrauen-Niveau!

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