Kaffeeplausch: Vom Feminismus und zu vielen Büchern

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Dieses Jahr begegne ich der Berichterstattung rund um die Frankfurter Buchmesse sehr kritisch. Ich habe beispielsweise die Pressekonferenz am Dienstag auf Facebook ein wenig mitverfolgt und mich gefragt „Wieso stehen dort lauter alte Männer?“. Es war nur Olga Tokarczuk als einzige Frau auf dieser Bühne und sie durfte wohl erst ganz am Ende ein paar Worte äußern (was ich leider aus Zeitgründen nicht mehr sehen konnte).
Außerdem feierte sich dort die Branche ein wenig zu stark selbst – man distanzierte sich zwischen den Zeilen „vom kulturlosen Volk“ und sah sich als Retter in der intellektuellen Not…

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Im Zusammenhang mit der mangelnden Frauenquote stieß ich gestern bei „Nacht und Tag“ auf den sehr guten Artikel „Es ist was faul im deutschen Feuilleton“, der mich sehr zum Nachdenken brachte. Spielen die Feuilletons nach wie vor eine so große Rolle für das Verlagswesen, dass man Bücher in erster Linie auf ihre Rezensierbarkeit dort verlegt? Und da dort überwiegend (alte) Männer ihre Meinung kundtun dürfen, werden mehr Bücher von Männern als von Frauen besprochen und folglich mehr Bücher von Männern als von Frauen publiziert. Bitte, lasst das nicht wahr sein… (allerdings gibt es eine Studie dazu, die genau das besagt).
HIER gibt es einen weiteren sehr guten Artikel zu diesem Thema.

„So steigt der Anreiz für Verlage, Bücher herauszugeben, die wahrscheinlicher besprochen werden, und sie füllen ihre Programme deshalb mit mehr Büchern von Männern.“

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Ich habe einen Blick auf meine Bücher auf Goodreads geworfen – ich scheine mehr Bücher von Frauen als von Männern zu lesen, was aber u.a. daran liegt, dass ich momentan gern zu „Young Adult“ greife und hier viele Autorinnen stark vertreten sind.

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Ich setze dieses Jahr bei der Frankfurter Buchmesse aus und bedauere das nicht einmal besonders. Woran liegt das? All die Jahre habe ich mich immer auf diese Veranstaltung gefreut, nun plötzlich nicht mehr? Bin ich übersättigt? Mein SUB ist in 2019 stärker gewachsen als in den Jahren zuvor. Sind es zu viele Bücher geworden? Habe ich mir selbst den Spaß daran ein wenig genommen? Ich werde meinen Buchbestand im Dezember auf jeden Fall noch einmal kritisch betrachten und mir vornehmen, *weniger* statt *mehr* zu lesen, dafür besser auszuwählen.

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Um nochmal zum Thema „Feminismus“ zu kommen: Ich lese aktuell ein Buch von einem männlichen Autor, in dem die Frauenfiguren wirklich lachhaft sind. Eine ist nur die Gespielin eines wichtigen Mannes, die andere ist ein Sex-Vamp… es ist kein sehr anspruchsvolles Buch, dennoch stößt es mir etwas unangenehm auf, nachdem ich die oben zitierten Beiträge gelesen hab.

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Hin und wieder – aber sehr selten – fühle ich mich als Frau auch dumm behandelt. Aber eigentlich ist mir das alles ziemlich egal, zumal ich mich zu wehren weiß, wenn es etwas betrifft, das mir wichtig ist. Ansonsten hab ich schon immer mein Ding gemacht und mich wenig um Erwartungen und Rollen gekümmert…

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Pünktlich zur Buchmesse gibt es wieder neue eReader auf dem Markt (wer hätte es gedacht), dafür gehen allerdings weniger Onlineportale als letztes Jahr an den Start. Haben die Verlage gemerkt, dass damit nichts zu holen ist?

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Was beschäftigt euch gerade so?

5 Antworten auf „Kaffeeplausch: Vom Feminismus und zu vielen Büchern

  1. Auch von einem anspruchslosen Buch kann man meines Erachtens erwarten, dass die Figuren nicht nur da sind, um augenscheinlich irgendwelche pubertären Fantasien zu bedienen. :-)

    Bevor ich den Artikel gelesen habe – das hätte ich mal zuerst tun sollen … – habe ich mir mal die Zeit genommen, exemplarisch die Feuilleton- bzw. Kultur-Redaktionen von „Zeit“, „Spiegel“ und „FAZ“ durchzuschauen.

    „Zeit“: 9 Männer, 5 Frauen
    „FAZ“: 4 Männer, 2 Frauen
    „Spiegel“: 15 Männer, 6 Frauen

    Letzteren Wert finde ich ziemlich erschreckend, alles andere würde ich – in meiner männlichen Weltsicht – mal als „ein Anfang“ bezeichnen.

    Bei den Longlists von Buchpreis und Booker sieht es etwas anders aus:

    Buchpreis: 11 Frauen, 9 Männer
    Booker: 8 Frauen, 5 Männer

    Bei der Diskussion dazu, was im nun im Feuilleton besprochen wird und was nicht, fehlt meines Erachtens bis heute einerseits eine Angabe, wie hoch der Anteil an Frauen in der Literatur überhaupt ist. Andererseits fehlt eine Angabe dazu, in welchen Genres sie schreiben.

    Zwar wird auch im Artikel unterstellt, man würde viele der von Frauen geschriebenen Bücher als „Frauenliteratur“ abtun, aber berücksichtigen sollte man diesen Punkt eben doch.

    Ebenso wie es die Thriller von Sebastian Fitzek oder Andreas Winkelmann – zu recht – wohl nicht in die ernsthaften Feuilletons der Tageszeitungen schaffen, gilt das eben wohl auch für die Bücher von Hera Lind, Sophie Kinsella oder Lucinda Riley. Vollkommen unabhängig übrigens von der literarischen Qualität der Bücher dieser Autorinnen und Autoren.

    1. Das Problem ist ja: gibt es vielleicht insgesamt weniger Autorinnen (wobei ich keine Zahlen kenne, muss ich recherchieren), weil die Verlage lieber Männer verlegen? Wie viele Frauen schreiben unter einem männlichen Pseudonym? Und sind die Feuilletons wirklich noch so wichtig, dass Verlage sich daran orientieren? Ich dachte, die Zeiten seien längst vorüber dank Internet…
      Allerdings habe ich auch festgestellt, dass man bei den Preisen in den letzten Jahren mehr Frauen auf den Listen sieht. Das finde ich sehr erfreulich.
      Und übrigens schreiben auch Frauen schlechte Frauenfiguren ;-) Ich hasse es ja, wenn eine Autorin ihre weiblichen Figuren sinnlos abschlachten lässt, nur um einen „guten Thriller“ zu schreiben.

      1. Aber die männlichen dürfen sinnlos abgeschlachtet werden? 😛

        Die Tatsache, dass Feuilletons weiterhin Relevanz haben, würde ich der Einfachheit halber daraus ableiten, dass es sie noch gibt. 😉 Würde sie niemand lesen, gäbe es sie nicht mehr. Nach welchen Kriterien dort Bücher vorgestellt werden bzw. nach welchen Kriterien die Verlage die Bücher aussuchen, die sie versuchen, ins Feuilleton zu bekommen, kann ich nur mutmaßen, kann mir aber durchaus vorstellen, dass die auf einem ähnlichen Prinzip beruhen, wie das der damaligen Buchhändlerin meines Vertrauens, die ich gefragt hatte, ob sie den seinerzeit neuen Dan-Brown-Roman schon gelesen habe, sagte: „Nein, meine Aufgabe ist es, Bücher zu lesen, die sich nicht von selbst verkaufen!“ ;-)

        Was mir – aus meiner typisch männlichen Weltsicht, das gebe ich zu – mehr Sorge bereitet, als das Frau-Mann-Verhältnis, ist, dass ich allgemein das Gefühl habe, dass trotzdem jährlich steigender Anzahl an Neuerscheinungen die thematische Vielfalt abnimmt. Aber das ist ein anderes Thema. :-)

      2. Nun ja, ich finde es prinzipiell nicht gut, wenn Gewalt nur Mittel zum Zweck in einem Buch ist – je blutiger, je höhere Verkaufszahlen. Aber gerade Frauen, die im Zeitalter von #metoo leben, die für Anerkennung in ihrem Beruf kämpfen müssen (siehe Problem Feuilletons), sollten vielleicht ein wenig achtsamer mit ihren eigenen weiblichen Figuren umgehen. Ein weiteres schwieriges Thema, das ich noch ein wenig durchdenken muss :-)

  2. Ich kann gar nichtmal so sehr behaupten, dass ich es komplett anders sehe als du. Ich bewerte es nur, nevtl natürlich, etwas anders.
    a) von 80 Romanen, die ich dieses Jahr geelsen habe, stammen gerade mal 8 von Frauen. Und in meiner Schrankwand aus 3000 CDs hat man Mühe 100 CDS „von Frauen“ zu finden. Warum das so ist? Übles Patriarchat? Nein. Es interessiert mich einfach mehr wie „Leute wie ich“ ihre Umwelt sortieren, bewerten, sehen. Wie sie stolpern, fallen, aufstehen. Umso näher der Autor an mir und meinem Leben ist, umso besser (auch zur Abgrenzung, denn ichs age ja nicht, dass die alle toll sind und Recht haben. Dass Fitzek idiotische Bücher schreibt sage ich auch deswegen, weil er, wie ich ein weißer, gar ncht mal doofer Mann ist. Würde ich über eine Frau zB nie sagen)

    b) In den Büchern von Frauen (aber auch in Blogtexten und Presseartikeln von Frauen) finde ich auch oft Männerbilder die so daneben und schlichtweg irreal sind, dass es traurig oder komisch ist. Zuletzt in „GRM“ von Sybille Berg. Ein an sich gutes Buch, das dadurch total verhunzt wird, dass die Autorin sich Männerbilder herbeifantasiert, die in den Plot passen, aber so schief sind, dass die Autorin leider selbst zur Lachfigur wird dadurch. In Artikel las ich schon oft „der weiße Mann wächst auf mit dem Bewusstsein, dass ihm ja die Welt gehört und alles so gemacht wird, damit er Erfolg hat“. Und dass ich „privilegiert“ bin. Ich kenne keinen Mann der das denkt, der das so sieht (was nicht heißen soll, dass es diese Kerle nicht vereinzelt auch gibt). Die meisten Kerle denken einfach, dass es für sie nur oben oder unten gibt. Also versuchen viele das oben zu erreichen. Befördert wird dieses denken „vom System“, Schule zB, kam ja gerade raus, PISA bestätigt es und jeder kennt das: im Klassenspiegel gibt es vorne paar einzelne männliche Überflieger und der Rest tummelt sich unten, hinten, am Erpel.
    c) ich selbst habe mal eine Musikhitparade bestücken dürfen, sechs Neuvorstellungen jeden Monat. Das war oft ne reine Männerveranstaltung. Wurde mir auch vorgeworfen, was gar nicht nötig war, da ich „als Mann vom Musikfach“ den Makel selbst sah. Leider war das theoretisch, die Praxis sah so aus, dass von 20 CD Einsendungen keine, bestenfalls eine von einer Frau war. Wenn eine kam, kam die immer sofort rein. Qualität egal, Frau: juhu, rein. Manchmal war die echt gut, manchmal war die aber auch echt schlecht. Bedeutete im Umkehrschluss: paar talentierte Kerle blieben auf der Strecke, weil sie das Pech hatten das ne weniger talentierte Frau eben Frau war. Und die Frauen haben im Übrigen auch gemotzt: es sei ja auffällig, dass ich von Frauen nurn so untalentierte Heulbojen einsetze, wo der Qualitätsunterschied zu den Männern derart offensichtlich sei. Ja ob ich eventuell Angst vor talentierten Frauen habe, die Kerle an die Wand singen.
    Seit dieser Zeit bin ich ein Gegner der Frauenquote. Qualität setzt sich durch, immer. In allen Bereichen. Deswegen gibt es ja auch viele erfolgreiche Frauen, gottseidank.
    Liebe Grüße und eine schöne Woche !

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