Momentaufnahme: Von Plänen und Vorsätzen

Bei Aequitas et Veritas gibt es heute im Rahmen der Aktion „Momentaufnahme“ die Frage:

Wagst du es vor dem Hintergrund der Erfahrungen von 2020 noch, für das neue Jahr Pläne zu schmieden, gute Vorsätze aufzustellen?

Aber Hallo! Wie viel Zeit habt ihr? :-)

Es gibt für mich kaum etwas Wichtigeres, als mein Leben selbstbestimmt zu führen und ihm eine Richtung zu geben oder zumindest eine geplante Wegstrecke – Umwege nicht ausgeschlossen.

Eine Lebensvision statt Vorsätzen

Es wird so oft von „Vorsätzen“ gesprochen, dabei müsste es eigentlich „Lebensvisionen“ heißen. Ein Vorsatz ist nichts anderes, als eine gute Vorstellung von einem guten Leben.

Was dabei oft vergessen wird: Diese Vision muss zu mir ganz persönlich passen und nicht zu den Erwartungen anderer. Viele betrachten nur die am meisten bekannten „Vorsätze“ wie „abnehmen“, „mehr Sport machen“,… Aber was, wenn ich gar keine Lust auf Sport habe, wenn ich eigentlich zufrieden bin mit meinem Gewicht? Dann passt diese Vorstellung einfach nicht zu mir und ein „Scheitern“ ist vorprogrammiert.

Vielmehr sollte man sich fragen: Was verstehe ich ganz persönlich unter einem guten Leben und was könnte mir dabei helfen, ein solches Leben ganz bewusst zu führen?

Ein Plan ist ein Sicherheitsnetz

Nun hilft es aber nichts, wenn man eine Vorstellung von einem guten Leben für sich hat, aber sich dennoch einfach treiben und vom Alltag und den Umständen rumstupsen lässt.

Man benötigt einen Plan bzw. ein System, das einen auch in schwierigen Zeiten auffängt.

Darunter verstehe ich persönlich nicht solche Dinge wie „einen neuen Job suchen“ oder „mehr Geld machen“ oder „Termine festlegen“. Ich verstehe darunter Dinge und Vorhaben, die mich glücklich machen, von denen ich weiß, dass sie mir guttun und mich unterstützen, selbst dann, wenn mein Leben aus den Fugen gerät (und glaubt mir, das wurde bereits mehrfach auf die Probe gestellt und erfolgreich durchlaufen).

Es geht darum, mir ein Sicherheitsnetz zu schaffen.

Pläne, die Spaß machen

Ich möchte jetzt nicht im Detail festhalten, wie ich plane (viel zu viel für eine Momentaufnahme), aber ich plane regelmäßig und hinterfrage auch regelmäßig die Richtung, die ich mir gebe.

Die große Rückschau und Neuplanung erfolgt immer am Jahresende. Ich schaue in meine Fotos und Notizen und überlege, was in diesem Jahr gut lief, was weniger gut war und was die Gründe dafür waren.
Dann denke ich darüber nach, was ich im nächsten Jahr tun könnte, um mich (weiterhin) wohlzufühlen, was mir aktuell fehlt, was ich brauche, um meine Energiereserven aufzufüllen, was ich einfach mal gern ausprobieren würde und was ich am besten nicht mehr tun sollte.

Es folgt meine nach vielen Jahren ausgetüftelte Planungsroutine, die mit einer groben „guten Jahresvision“ beginnt, dann in kleinere Ziele/Projekte für das nächste Quartal heruntergebrochen wird und dann wiederum kleinere Teile davon auf den nächsten Monat verteilt werden.

Da es mir nur dann gut geht, wenn ich auch nur einen kleinen Funken Spaß an meinem Leben habe, sind es solche Vorhaben wie „aktiv einem Online-Mixed-Media-Kurs“ folgen oder auch „mich von ungenutzten Dingen befreien“ oder „mir lustige Aktionen ausdenken, um mit meinen Freunden auch auf Distanz in Kontakt zu bleiben“,…

Es sind alles solche Sachen, von denen ich weiß, dass sie mich wie ein Sicherheitsnetz auch dann auffangen, wenn das Leben haarig wird. Ich würde in eine Schockstarre fallen, käme eine existentielle Angst auf mich zu. Ich brauche diese persönlichen Pläne, um handlungsfähig zu bleiben, auch in den größten Stresssituationen.

Kreativ planen

Ein ganz wichtiger Aspekt für mein Wohlbefinden ist die Kreativität. Deswegen halte ich meine Pläne auch nicht einfach irgendwo in einem digitalen Dokument fest, sondern lasse sie selbst zu etwas Kreativem werden.

Ohne ins Detail zu gehen hier einfach ein paar Beispiele:

Meine aktuelle Monatsplanung in den „Powersheets“.

Mein „Kanbanboard“ mit den Monatsvorhaben (so hab ich es besser im Blick; absichtlich unscharf hier)

Ein Beispiel für eine Wochenplanung mit eingefügten tatsächlich getanen Dingen.

Ein Beispiel für eine Tagesplanung.

Umwege und neue Wege statt holpriger Strecke

Der Mensch verändert sich, ich verändere mich, meine Umstände ändern sich…. und um mich immer wieder neu auszurichten, betrachte ich jedes Quartal erneut meine Pläne und schaue, ob sie noch zu mir passen, ob sie mir noch helfen oder mich eher behindern. Stelle ich fest, dass der Weg, den ich mir anfangs überlegt habe, nicht mehr der Richtige ist, dass es mir trotz allem schlechter statt gut geht, dann werden die Pläne angepasst und neu gefasst.
Manchmal habe ich am Ende nur einen Umweg gemacht, manchmal auch ganz andere Wege eingeschlagen und das Ziel geändert.

Pläne sollen helfen

Um das noch einmal kurz zusammenzufassen: Ein Plan ist mehr als Urlaubsbuchungen, Termine und Vorsätze – ein Plan ist ein ganz persönliches Sicherheitsnetz für das eigene Glück, der Kompass für mein Wohlbefinden, das Seil, das mich an meinem Schiff festbindet.

Ein guter Plan lässt mich handlungsfähig bleiben, auch wenn um mich herum ein Sturm tobt und mich ins Meer des Lebens zu stürzen droht. Ein guter Plan, richtig umgesetzt, hilft mir, ich selbst zu sein.

20 Antworten auf „Momentaufnahme: Von Plänen und Vorsätzen

  1. Ganz ehrlich? Wenn ich dieses ganzen „Boards“ so sehe, finde ich es verdammt verplant, das Leben ;) Wo bleibt da der Freiraum?
    Pläne bedeuten für mich eher all die Dinge, die mit Geld, Wunscherfüllung etc. zu tun haben. Deswegen fasse ich für dieses Jahr keinerlei Pläne. Die vom letzten Jahr sind durchweg alle gescheitert – dank Corona.

    Was du als „selbstbestimmt“ ansiehst, ist für mich eigentlich das „normale Leben“. Tun was einen froh und/oder glücklich macht. Hobbys nachgehen etc. Dafür brauche ich keine Pläne. Das kommt, wenn es kommt. :)

    1. Haha, die Frage kommt immer: das sind Pläne für die Zeitspanne von 30/31 Tagen oder für 1-2 Stunden am Tag. Ich hab so viel Freiraum, dass mir so viel Zeit bleibt, dass mir langweilt wird und ich mal eben 134 Bücher im Jahr lese 😉 oder mal am Wochenende in Nichtpandemiezeiten 100km fahre, um spontan diverse Flohmärkte zu besuchen. Glaub mir, ich hab mehr Freiraum, als mir lieb ist, mir tun Strukturen gut 🙂

      1. Ich hab normal nicht so viel Freiraum mit Schichtarbeit, Familie und Hobbys ;) Jetzt zu Corona hab ich davon genug. Da wird man schon bisschen träge aber ich bin kein Fan von Plänen. Außer Urlaub aber da weiß man eh nicht, ob das überhaupt geht dieses Jahr.

    2. Und große Teile meiner Pläne gehören zu meinen Hobbies 🙂 ich will aber auch nicht warten, bis „es kommt“, ich will das aktiv herbeiführen 🙂 sonst hänge ich doch nur müde auf dem Sofa rum und tue nichts

      1. Hin und wieder ist Sofa auch ganz nett :)
        Ich weiß schon was du meinst :) Die Gefahr ein bisschen zu „verlottern“ ist in diesen Zeiten natürlich schon groß. Hab auch schon genug Tage einfach nur herumgehangen :)

      2. Das Verlottern führt bei mir halt auch schnell zu einem nicht so tollen mentalen Zustand, deswegen pushe ich mich ganz bewusst zu den Dingen, die mir guttun.

  2. Ich komme leider mit diesen detaillierten Plänen gar nicht klar. EIne liebe Kollegin von mir geht auch auf diese Weise vor, aber ich merke, dass mich solche Pläne im Gegenteil sogar unter Druck setzen. Vielleicht liegt es teilweise daran, dass ich schon von Haus aus ein gut planender Mensch bin. Viele lachen, wenn ich erzähle, dass ich z. B. schon Wochen vor Weihnachten alle Geschenke hatte. Aber das leigt daran, dass ich das ganze Jahr über Geschenkideenliste führe (auf denen Wünsche landen, die jemand nebenbei fallen lässt), auf die ich immer zurückgreifen kann. Aber wenn ich wüsste, im Februar findet dieses Seminar statt, im März muss ich jenes Projekt planen, für eine Veranstaltung im April muss ich das noch erledigen – mir gibt das keine Halt, mich setzt das unter Druck. Hier sieht man wieder, wie unterschiedlich die Menschen doch sind. Das Wichtigste ist sicher, dass jeder seinen Weg findet.

    1. Ja, offensichtlich planst du gut 🙂 ich mach das halt auch gern auf Papier und in Bunt 🙂 und ich muss mir viele Sachen einfach aufschreiben, weil ich sie schlicht und ergreifend sonst vergessen.
      Arbeitspläne sind eine ganz andere Nummer, die setzen mich auch unter Druck 😉

  3. Leider musste ich in den vergangnen Jahren die Erfahrung machen, dass Pläne bei unvorhergesehenen und einschneidenden Erlebnissen sehr schnell für die Katz werden; statt dessen verlasse ich mich jetzt eher öfters mal auf das, was andere Instinkt oder Intuition nennen oder gebe spontanen Entscheidungen nach.

    Ist nicht die schlechteste Wahl.

    Pläne, falls überhaupt, sind bei mir seit dem Tod des Ehepartners auf kürzere Zeiträume ausgelegt. Und manchmal ergibt eine Änderung im letzten Augenblick für mich mehr Sinn. Gerade überlege ich, ob ich nicht sogar lieber eine Collage mache, die das zeigt, was der vergangene Monat für mich so gebracht hat.

  4. Puh, wenn ich deine Pläne so lese…
    Wäre nicht meins, da würde mir der Kopf schwirren.
    Ich mache vieles automatisch, dafür benötige ich keinen Plan oder eine Erinnerung.
    Ich bin ein gut strukturierter Mensch und so läuft es ohne Plan.
    LG, Nati

      1. Das strukturierte Leben gibt mir Sicherheit, so brauche ich sie mir nicht erst bauen.
        Aber so kann ich es nachvollziehen bei dir.
        Wenn ich kopflos durchs Leben laufen würde, wäre es sicherlich eine gute Unterstützung.

      2. Naja, kopflos laufe ich nicht durchs Leben 😉 ich muss nur aufpassen, dass ich auch zu Dingen Nein sage und denen den Vorzug gebe, dir für mich wirklich einen Unterschied machen. Daher die Planung 🙂

      3. Lach, ich habe dich nicht unbedingt gemeint.
        Es gibt aber wirklich so einige die jeden Tag aufs Neue nachdenken was sie nun machen wollen. Und bis sie mal loslegen ist der Tag vorbei.
        Mein Tag ist durchstrukturiert, mit Freiraum zwischendurch.
        Aber sie haben Rhythmus und ich muss nicht erst groß überlegen wann ich was mache. Ich tue es einfach. Für mich wäre es ein Graus in den Tag hinein zu leben.

      4. Die hatte ich schon immer, wurde nur an die jeweilige Lebenssituation angepasst.
        Ich drücke dir die Daumen.
        Wenn du Tipps brauchst, gerne. 🙂

  5. Die Pläne sind mir zuviel (wobei ich im Kleinen plane), aber mit dem Rest gehe ich konform.

    Sei lieb umarmt
    Susi

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