„Mirage“ von Somaiya Daud

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Titel: Mirage | Autorin: Somaiya Daud | Serie: Mirage #1 | Verlag: Flatiron Books

Inhalt:
„In a star system dominated by the brutal Vathek empire, eighteen-year-old Amani is a dreamer. She dreams of what life was like before the occupation; she dreams of writing poetry like the old-world poems she adores; she dreams of receiving a sign from Dihya that one day, she, too, will have adventure, and travel beyond her isolated moon.
But when adventure comes for Amani, it is not what she expects: she is kidnapped by the regime and taken in secret to the royal palace, where she discovers that she is nearly identical to the cruel half-Vathek Princess Maram. The princess is so hated by her conquered people that she requires a body double, someone to appear in public as Maram, ready to die in her place.
As Amani is forced into her new role, she can’t help but enjoy the palace’s beauty—and her time with the princess’ fiancé, Idris. But the glitter of the royal court belies a world of violence and fear. If Amani ever wishes to see her family again, she must play the princess to perfection…because one wrong move could lead to her death.“

Meine Meinung:
„Mirage“ ist das Erstlingswerk einer amerikanischen Autorin mit marokkanischen Wurzeln, auf die sie in ihrer Erzählung zurückgreift und die die Geschichte maßgeblich beeinflussen.

Die Welt

Die Welt von Amani und Maram ist ein Mix aus Fantasyelementen, mythologischen und poetischen Teilen und ein ganz klein wenig SciFi.
Geprägt ist sie von Unterdrückung, sowie Kolonialismus und orientiert sich geschichtlich an den „Jahren der Führung“ zwischen 1960 und 1990 in Marokko, als König Hassan II das Volk mit harter und willkürlicher Hand regierte.

Die Charaktere

„Mirage“ ist eine Geschichte, die stark von den Charakteren und ihren Beziehungen untereinander lebt.
Sowohl Amani als auch ihre Gegenspielerin Maram sind sehr facettenreich und beide haben ihre guten und ihre schlechten Seiten. Die Grenze zwischen Gut und Böse ist nicht immer einfach zu ziehen und je mehr Zeit sie verbindet, umso stärker ähneln sie sich nicht nur optisch, sondern auch in ihren Persönlichkeiten,

Warum die beiden Mädchen wie eineiige Zwillinge aussehen, wird nicht erklärt und wirkt deswegen nicht unbedingt überzeugend. So etwas dürfte in der Realität äußerst selten vorkommen und hätte meiner Meinung nach einer kurzen Erklärung bedurft, um die Leser nicht irritiert zurückzulassen.

Dennoch sind die Figuren sympathisch. Es gab eigentlich niemanden, den ich in diesem Buch nicht gemocht hätte, zumal der Antagonist eher das System als eine einzige Person ist.

Die Stärken des Buches

„Mirage“ ist unserer Welt sehr ähnlich und wirkt dennoch wegen seiner mythologischen Symbolik fremd genug, um uns als Leser von Anfang bis Ende zu faszinieren.

Die Hauptcharaktere sind vielschichtig, emotional und haben Hoffnungen und Ängste, die sie für uns Leser verwundbar und liebevoll machen.

Die Schwächen des Buches

Leider fand ich die Plotideen ein wenig schwach. Ja, sie orientieren sich an historischen Ereignissen, aber die Vergangenheit schreibt nicht immer die interessantesten Geschichten.
Die Situation in der wir uns befinden ist zwar nicht schön, wirkt aber auch nicht sehr bedrohlich. Selbst die Szene mit Amanis Eltern vermittelte keine echte Gefahr und hätte deutlicher gezeichnet werden können.

Auch das Ende ist nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte, nachdem der Anfang mit der Entführung des Mädchens so stark war. Ich weiß, dass es sich um eine Fortsetzung handelt und dass der Schluss dieser Geschichte auf den Beginn einer neuen hinweisen soll, aber dennoch werden die Erwartungen der Leser relativ hochgeschraubt und zum Schluss ein wenig enttäuscht.

Fazit

„Mirage“ ist ein Debütwerk und deswegen von ein paar Fehlern durchzogen, Nichtsdestotrotz ist es auf seine Weise einzigartig und hebt sich ein wenig von typischen YA-Werken ab.

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen und ich bin sehr gespannt auf den zweiten Band, der nächstes Jahr erscheinen soll.

„To all the boys I’ve loved before“ von Jenny Han

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Titel: To all the boys I’ve loved before | Autorin: Jenny Han | Verlag: Penerbit Spring | Übersetzung: To all the boys I’ve loved before (dtv)

Inhalt:
„Lara Jeans Liebesleben verlief bisher eher unauffällig. Genau genommen fand es gar nicht statt. Nicht, dass es ihr an Herz oder Fantasie mangelte. Im Gegenteil, unsterblich verliebt war sie schon öfter. Einmal sogar in den Freund ihrer großen Schwester. Klar, dass sie das niemandem anvertrauen kann. Außer ihrer Hutschachtel. Um sich ihrer Gefühle klar zu werden, schreibt Lara Jean jedes Mal einen Abschieds-Liebesbrief und legt ihn dort hinein. Diese Briefe sind ein streng gehütetes Geheimnis. Bis zu dem Tag, als auf mysteriöse Weise alle fünf Briefe zu ihren Empfängern gelangen und Lara Jeans rein imaginäres Liebesleben völlig außer Kontrolle gerät.“

Meine Meinung:
Dieses Buch geistert momentan über alle Buchseite und durch alle Buchvideos, was vermutlich u.a. daran liegt, dass Netflix daraus eine Serie gemacht hat, die nun verfügbar ist.

Viel zu oft entkomme ich solch‘ einem Hype ja nicht und viel zu oft bereue ich es später.

Geht mir hier ähnlich.

Ich habe ziemlich schnell festgestellt, dass ich hier mit meinen Ü40 absolut nicht die richtige Zielgruppe bin, wobei es mehr als genug YA-Werke gibt, die mich sehr ansprechen.
Aber In „All the boys I’ve love before“ geht es in erster Linie nun mal um Jungs und Verwirrungen und Romanzen (ok, hätte man dem Titel auch entnehmen können…).

Ich selbst war mit 16 nicht „mädchenhaft“, Jungs haben mich nur am Rande interessiert und meinen Freund hatte ich auch erst viel später (übrigens der erste und bisher einzige seit über 20 Jahren). Ich kann also die Schwärmereien der Mädels in diesem Buch nur wenig nachvollziehen.

So nach 20 Seiten fand ich das Lesen auch wirklich ein wenig anstrengend, weil es eigentlich nur „Geblubber“ war, es geschah nichts Weltbewegendes, selbst die versendeten Briefe sorgten weniger für Aufmerksamkeit, als ich es aufgrund des Klappentextes angenommen hatte.

Es gibt hier weder eine ausgeprägte Handlung noch irgendwelche Charakterentwicklungen. Selbst die Protagonistin ist am Ende nicht viel schlauer als vorher.

Sympathisch sind die Figuren schon und man kann dieses Buch auch locker und flockig lesen. Ist ein wenig wie Zuckerwatte: aufgebauscht, pappig und ziemlich süß.

Für junge Mädels ist „To all the boys I’ve loved before“ sicherlich eine nette Lektüre, Erwachsene werden sich vermutlich überwiegend eher schwer damit tun.

„Thalamus“ von Ursula Poznanski

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Titel: Thalamus | Autorin: Ursula Poznanski | Verlag: Loewe

Inhalt:
„Ein schwerer Motorradunfall katapultiert den siebzehnjährigen Timo aus seinem normalen Leben und fesselt ihn für Monate ans Krankenbett. Auf dem Markwaldhof, einem Rehabilitationszentrum, soll er sich von seinen Knochenbrüchen und dem Schädelhirntrauma erholen. Aber schnell stellt Timo fest, dass sich merkwürdige Dinge im Haus abspielen…“

Meine Meinung:
Ich liebe die Jugendbücher von Ursula Poznanski. Sie behandeln immer ein brandaktuelles Thema, sind spannend und eine Garantie für gute Unterhaltung.

Auch „Thalamus“ hat mich nicht enttäuscht. Allein das Cover finde ich sehr gut gelungen und es deutet darauf hin, dass der Inhalt für Jungs und Mädels geeignet ist.

In dieser Geschichte befasst die Autorin sich mit einem wirklich sehr neuen Thema, das sich noch im Anfangsstadium der Forschung befindet, worauf sie in einem Nachwort deutlich hinweist. Es dürfte derzeit schwierig für Laien sein, einzuschätzen, wohin die Entwicklung geht und wie sie letzten Endes kontrolliert werden kann.

So erklärt Poznanski auch nicht, wie die Technik, die hier zum Einsatz kommt, genau funktioniert. Da die Story aber aus Sicht eines Jugendlichen erzählt wird, für den dies alles ohnehin böhmische Dörfer sind, spielt es hier auch keine große Rolle, dass wir keine Hintergrundinformationen bekommen.

Natürlich bewegt sich dadurch alles ein wenig im phantastischen Bereich, ist aber in sich schlüssig und trägt zur Spannung bei.

Die Charaktere sind nicht unbedingt tiefgründig und vielschichtig. Hin und wieder hätte ich mir mehr Emotionen und unberechenbarere Handlungen gewünscht. Auch wäre es interessant gewesen, über den ein oder anderen Antagonisten etwas mehr zu erfahren.

Dennoch hat mich „Thalamus“ gut unterhalten und ich kann es sowohl Jugendlichen als auch Erwachsenen empfehlen.

„Tell me three things“ von Julie Buxbaum

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Autorin: Julie Buxbaum
Verlag: ONE
Originaltitel: Tell me three things

Inhalt:
Gar nichts macht Jessie richtig. So fühlt es sich zumindest in ihrer ersten Woche an der ultraschicken privaten Highschool in Los Angeles für sie an. Gerade als sie überlegt, alles hinzuschmeißen, bekommt sie eine E-Mail von jemandem, der sich selbst Mister Glück nennt und seine Hilfe im Highschooldschungel anbietet. Nach anfänglicher Skepsis beginnt Jessie, sich auf die Ratschläge des mysteriösen Unbekannten einzulassen. Schnell wird Mister Glück zu ihrem Verbündeten – aber wer verbirgt sich hinter dem Namen? “

Meine Meinung
Mir war nach einer leichten Lektüre und auch wenn ich YA eher als Dystopie mag, klang der Inhalt dieses Buches nach guter Unterhaltung.

Und die habe ich bekommen.

Thematisiert wird in „Tell me three things“ der Umgang mit Verlust eines geliebten Menschen. Wie findet man sich – gerade als Jugendliche/r – in dieser neuen Situation zurecht?
Für Jessie verschärft sich die Lage zusätzlich, da ihr Vater überraschend wieder heiratet und sie in eine ihr völlig fremde Umgebung geworfen wird, die noch dazu völlig andere Erwartungen an ihr gesellschaftliches Auftreten stellen.
Sie fühlt sich verloren, bekommt jedoch unerwartet anonyme Hilfe.

Die Autorin zeigt, wie wichtig es ist, nach dem Tod eines Familienangehörigen Unterstützung zu suchen, weiter am Leben teilzunehmen, Interesse an anderen zu zeigen, auch wenn es schwer fällt und einem alles wie eine neue Welt erscheint.

Buxbaum hat eine interessante Geschichte erschaffen, die zwar ein wenig typisch „Highschoolstory“ und „Girl meets Boy“ ist, deren Hauptfiguren aber vielschichtig sind und mit dem beginnenden Erwachsenenleben jede auf ihre eigene Art kämpfen.

Aber!

Einen Kritikpunkt muss ich loswerden: in diesem Buch werden Haschisch und Alkohol mehr oder weniger als „cool“ beschrieben. Es gibt am Anfang eine Szene, in der Jessie und ihr Halbbruder Theo das Eis zwischen sich brechen – bei einem Joint und Wein, der beide wundersam auflockert und die Beziehung zwischen ihnen verbessert.
Vor andere Drogen wie Heroin wird zwischen den Zeilen gewarnt, aber die weichen Drogen nehmen viel Raum in der Erzählung ein. Es mag zu einem Teenagerleben dazugehören, hätte sich aber auch etwas zurückhaltender einbauen lassen.

Ein nettes YA-Buch mit kleinem Manko.

„Scythe“ von Neal Shusterman

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Autor: Neal Shusterman
Serie: Arc of a Scythe #1
Verlag: Simon Schuster Books for Young Readers
Übersetzung: Scythe – die Hüter des Todes

Inhalt:
„A world with no hunger, no disease, no war, no misery. Humanity has conquered all those things, and has even conquered death. Now scythes are the only ones who can end life—and they are commanded to do so, in order to keep the size of the population under control.
Citra and Rowan are chosen to apprentice to a scythe—a role that neither wants. These teens must master the “art” of taking life, knowing that the consequence of failure could mean losing their own.“

Meine Meinung:
Der Klappentext klang für mich ziemlich vielversprechend und irgendwann konnte ich seinem Sog nicht mehr entkommen. Hat es sich gelohnt? Hmmm….

Die Grundidee ist super: es gibt kein Sterben mehr, aber um die Population im Griff zu halten, gibt es eine Gruppe von Menschen, die andere umbringen darf und zwar endgültig.
Doch dort begann mein Problem schon: ich denke, ich habe darüber hinweggelesen, aber mir ist nicht klar geworden, wie die Scythe den endgültigen Tod herbeiführen können.
Und wenn man sich jünger wiedererwecken lassen kann, wie geht das? Führt das nicht zu Komplikationen, wenn sich beispielsweise der Ehepartner noch in einem älteren Stadium befindet?

Leider konzentriert sich die Geschichte überwiegend auf die Gruppe der Todbringenden. Wir erfahren sehr wenig über das Leben der normalen Bevölkerung, es gibt viel zu wenig Interaktion zwischen diesen beiden Gruppen.

Dennoch ist die Story rund um Citra und Rowan recht gut gelungen. Diese beiden Figuren sind detailliert gestaltet und fügen sich nicht ins übrige Bild, auch wenn man immer wieder ins Zweifeln gerät. Sie erschüttern das System und biegen die Regeln.

Irgendwann werde ich sicher auch den zweiten Band lesen, aber momentan benötige ich ein wenig Abstand von all der Gewalt, die hier zum Tragen kam und mit der ich aktuell in Jugendbüchern ein wenig hadere. Ich will keine „Blümchenwelt“, aber mich beschleicht das Gefühl, dass einige Autorinnen und Autoren Brutalität regelrecht zelebrieren.

„Scythe“ ist ein interessantes Buch, das allerdings ein paar Schwächen hat.

Rezension: „Everlife“ von Gena Showalter

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Autorin: Gena Showalter
Serie: Everlife #1
Verlag: Harlequin Teen
Übersetzung: Immerwelt – der Anfang

Inhalt:
„Tenley „Ten“ Lockwood is an average seventeen-year-old girl…who has spent the past thirteen months locked inside the Prynne Asylum. The reason? Not her obsession with numbers, but her refusal to let her parents choose where she’ll live — after she dies. There is an eternal truth most of the world has come to accept: Firstlife is merely a dress rehearsal, and real life begins after death.
In the Everlife, two realms are in power: Troika and Myriad, long-time enemies and deadly rivals. Both will do anything to recruit Ten, including sending their top Laborers to lure her to their side. Soon, Ten finds herself on the run, caught in a wild tug-of-war between the two realms that will do anything to win the right to her soul. Who can she trust? And what if the realm she’s drawn to isn’t where the boy she’s falling for lives? She just has to stay alive long enough to make a decision…“

Rezension:

Ich weiß gar nicht mehr, wie und warum ich auf dieses Buch aufmerksam wurde. Ich wusste auch nicht viel über den Inhalt, aber ab dem ersten Satz war ich darin gefangen.

Die Idee, dass es ein Leben nach dem Tod gibt und dass man sich für eine von zwei dort herrschenden möglichen Welten entscheiden muss, um nicht in der „Hölle“ zu landen, ist für ein Jugendbuchthema sehr faszinierend.
Ich konnte mir diese Welten zwar nicht gut vorstellen, da dafür zu viele Informationen fehlen, die es vermutlich im nächsten Band gibt und ich verwechselte auch immer das gute mit dem bösen Land (was eventuell an der Namenswahl der Autorin liegt, Wörter mit T am Anfang klingen „dunkler“ als solche mit „M“), doch es sind die Charaktere, die diese Geschichte so spannend machen.

Ja, die Figuren sind stark überzeichnet. Es sind Superhelden, die einen Superkampf austragen, doch sie sind nicht emotionslos. Sie mögen sich auf einer Mission befinden, doch sie stellen sich selbst immer wieder infrage und entdecken neue Seiten an sich und an anderen, die sie vielleicht für ihre Feinde hielten.
Selbst für die wirklich schlimmen Charaktere findet Ten „menschliche“ Erklärungen dafür, warum sie handeln, wie sie handeln.

Was mich stellenweise ein wenig abgeschreckt hat, war die extreme Brutalität, die sich durch das gesamte Buch zieht und von der man sich als Leser kaum erholen kann. Stellenweise erinnerte es mich an die Panemtrilogie, allerdings hat „Everlife“ seine ganz eigene Form von Gewalt. Etwas weniger davon wäre mir ganz lieb gewesen.

Mit „Everlife“ ist Gena Showalter ein fesselndes Werk gelungen, das Lust auf die nächsten beiden Bände macht.