Rezension: „Netzwerk“ von Robert Charles Wilson

35425371 Titel: Netzwerk
Autor: Robert Charles Wilson
Verlag: Heyne
Originaltitel: The Affinities (Tor Books)

„Affinitäten drehen sich nur um Kooperationen innerhalb der Gruppe, nicht zwischen den Gruppen.“

Klappentext:
„Das Leben des jungen Grafikdesigners Adam Fisk erfährt eine entscheidende Wende, als er sich eines Tages einem Persönlichkeitstest bei der Firma Inter Alia unterzieht. Die hat ein Computersystem entwickelt, mit dessen Hilfe sich ermitteln lässt, welche Menschen besonders gut miteinander kooperieren können, und bringt die Probanden in sogenannten Netzwerken zusammen. Auch Adam wird so einem Netzwerk zugeordnet, doch was sich anfangs wie eine paradiesische Form des sozialen Miteinanders anfühlt, wird bald zum tödlichen Albtraum …“

Meinung:
Ich kenne Robert Charles Wilson von „Spin“, dem ersten Teil der Spin-Saga und ich fand dieses Buch sehr faszinierend und spannend. So erwartete ich von „Netzwerk“ ein ähnlich gutes Szenario.

Die Geschichte begann sehr vielversprechend mit einer Welt, die in 22 Affinitäten plus der Gruppe der Nichtzugehörigen eingeteilt ist. Was anfangs noch nach einer netten sozialen Idee klingt, entwickelt sich immer mehr zum Status Quo, dem man kaum noch entrinnen kann und der das gesellschaftliche Leben prägt.

Jede Affinität, so scheint es, funktioniert nach eigenen Regeln mit unausgesprochenen Erwartungen an seine Mitglieder. Personen, die zur Gruppe gehören, werden unterstützt und gefördert – ein Gefüge wie ich es aus meiner Studienzeit kenne, in der männliche Kommilitonen oft in Studentenverbindungen involviert waren, die ihren Leuten über Wohnungen, Praktika bis hin und zu Jobs alles vermittelten.
So gesehen ist es keine neue Idee, die Wilson hier aufgreift. Er spinnt sie lediglich weiter und lässt ein Machtspiel daraus entstehen.

Das große Problem des Buches ist, dass wir nur von der Affinität „Tau“ Details erfahren. Andere Zweige werden zwar erwähnt, aber wir können keine Vergleiche ziehen, denn wir erfahren nicht, wie andere Fraktionen beschaffen sind, welchen Werten sie folgen und wie sie ihr Ziel definieren.
Es gibt zwar im Laufe der Erzählung einen Konflikt mit einer weiteren Affinität, doch dieser entwickelt sich erst sehr spät und funktioniert meiner Meinung nach deswegen nicht für einen Spannungsaufbau.

„Netzwerk“ bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück! Es wäre  interessanter gewesen, die Interaktion zwischen den Gemeinschaften aufzuzeigen, die Auswirkungen auf Unbeteiligt zu schildern und die Identitäten als Teil einer Affinität deutlicher darzustellen.
So ist es nur das Schicksal eines einzigen Protagonisten, der sich entschieden hat, Teil des Netzwerks zu werden, aber im Grunde seinen ganz eigenen, persönlichen Kampf austragen muss.

Wer wirklich gute SciFi lesen möchte, sollte „Spin“ in Erwägung ziehen.

Rezension: „Steelheart“ von Brandon Sanderson

Steelheart (The Reckoners, #1) Titel: Steelheart
Serie: The Reckoners, Buch 1
Autor: Brandon Sanderson
Verlag: Delacorte Press
Deutscher Titel: Steelheart (Heyne)

„Where there are villains, there will be heroes. Just wait. They will come.“

Zum Inhalt:
Selbst der stärkste Gegner ist verwundbar – du musst nur wissen, wo
Als David sechs ist, zerstört eine gewaltige Explosion die Welt, die er kannte. Einige der Überlebenden erlangen Superkräfte, die sie dazu nutzen, sich die übrigen untertan zu machen. Als David acht ist, muss er miterleben, wie einer dieser Superhelden, ein gewisser Steelheart, seinen Vater ermordet. Von da an kennt David nur ein Ziel: herauszufinden, warum sein Vater sterben musste. Und ihn zu rächen. Er schließt sich einer Untergrundbewegung an, die die Herrschaft der scheinbar unbesiegbaren Superhelden bekämpft. David ahnt, dass sogar der mächtige Steelheart eine Schwachstelle hat. Er muss sie nur entdecken. Doch das bunt zusammengewürfelte Grüppchen der Widerstandskämpfer muss sich erst zusammenraufen. Und nicht jeder billigt Davids Plan, Jagd auf Steelheart zu machen …
(Klappentext der deutschen Ausgabe)

Meine Meinung:
Da ich bisher noch nichts von Sanderson gelesen hatte und mich nicht sofort an ein Fantasyepos wagen wolle, griff ich zu diesem Buch, das nach netter und leichter Unterhaltung klang.

Ich war überrascht, wie schnell ich in die Geschichte, die eigentlich ein Comic in Prosaform ist, hineingezogen wurde. Dabei würde ich mich nicht einmal zur Zielgruppe zählen: Bösewichte mit Superpower, wilde Schlachten, ein Junge, der seinen Vater rächen will, technische Wunderwaffen, halzbrecherische Verfolgungsjagden – alles eher etwas für  10 – 16-Jährige.
Doch auch mir hat diese Story sehr viel Spaß gemacht, Nie wurde es langweilig, aus unsicheren Kindern, die sich im Kampf gegen das Böse zusammengetan hatten, wurden mutige Helden und am Ende gab es die Hoffnung, dass auch die Bösen wieder zu Guten werden könnten.

Eine gute Geschenkidee insbesondere für heranwachsende Jungs, für die es nicht immer leicht ist, ein passendes Buch zu finden.
Aber auch für alle Erwachsenen geeignet, die nie die Superhelden ihrer Kindheit vergessen haben.

4sterne

Rezension: „Die Neunte Stadt“ von J. Patrick Black

Die Neunte Stadt: Roman Titel: Die Neunte Stadt
Autor: J. Patrick Black
Verlag: Random House / Heyne
Originaltitel: Ninth City Burning

„In diesem Moment hätte ich meine Eckzähne hergegeben, um woanders zu sein, nur nicht auf dieser steinernen Ebene, in dieser Nacht, mit dem Feind über uns.“

Der Inhalt ist sehr kurz wiedergegeben: ein Haufen Kinder kämpft im letzten Viertel des Buches  gegen Aliens, die die Welt erobern wollen. Zuvor werden die Akteure über 120 Seiten vorgestellt, weitere folgen später. Was zwischen Vorstellung und Kampf passiert, ist nicht erwähnenswert. Es passiert einfach nichts.

Besonders ärgerlich ist allerdings, dass der Klappentext nicht nur auf eine sehr viel actionreichere Story hoffen lässt, darüber hinaus passt er so gut wie gar nicht auf die Geschichte, die letzten Endes erzählt wird.
Erwartet hatte ich, nachdem ich die Zusammenfassung gelesen hatte, eine Dystopie, den Untergang der Welt, wie wir sie kennen, Angriffe fremder Wesen – bekommen habe ich ein paar 12-Jährige in einer Militärakademie, die brav jedem Befehl Folge leisten.
Es fehlt jeglicher Spannungsbogen. Es fehlen Konflikte, tiefe Emotionen, aufreibende Dialoge, innere und äußere Zerissenheit, bedrohliche, greifbare Feinde, kurz: es fehlt ein funktionierender Plot!

Leider wissen das auch die Charaktere nicht zu retten. Es ist eigentlich egal, wie sie alle heißen, denn wie sie aussehen, was sie denken, was sie hoffen und fürchten, erfahren wir als Leser ohnehin nicht. Sie scheinen noch dazu in einem Vakuum zu existieren. Es gibt so gut wie keine Interaktion mit ihrer Umwelt, sie haben keinen Alltag, keine Freunde oder Feinde. Sie bereiten sich lediglich auf den Kampf gegen Aliens vor, über die man ebenfalls kaum etwas erfährt.
Immerhin fehlt es wenigstens an irgendwelchen Liebesverwicklungen zwischen den Heranwachsenden.

Womit wir beim weiteren Punkt meiner Kritik wären: Die Protagonisten sind zwischen 12 und 17 Jahre alt. Es sind Kinder! Doch den Roman findet man in der Buchhandlung im „Erwachsenenbereich“! Mit wem soll sich ein Erwachsener hier identifizieren? Die technische Seite der Erzählung mag reizvoll sein, aber sowohl Charaktere als auch Schreibstil würden deutlich besser in die Jugendbuchabteilung passen.

Schreibstil, das nächste Thema.
Immer wieder stolperte ich über seltsame Formulierungen wie „dünn und pummelig zugleich“, oder eine Protagonisten, die ihre Eckzähne hergeben würde oder eine,  die in Fußnoten spricht.
Hinzu kommen bereits auf den ersten Seiten und später auf weiteren viel zu viele Wortwiederholungen. Das mag eine Kleinigkeit sein, die nur mich stört, aber wenigstens hätte man Grammatikfehler wie die falsche Verwendung von „dass“ und „das“ und Ausdrücke wie „insofern…weil“ oder „bleiernde Müdigkeit“ (aua!) korrigieren können.

Ich war wirklich gewillt, diesem immerhin 800-seitigen Debütwerk des Autors etwas Positives abzugewinnen und es nicht ganz so kritisch zu betrachten.
Doch letzten Endes ist es ein schlecht geschriebenes, schlecht platziertes/beworbenes Buch mit sprachlichen Schwächen. Es kann sich bei weitem nicht – wie auf der Coverrückseite angedeutet – mit Klassikern wie beispielsweise „Ender’s Game“ messen!

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