Rezension: „Let the right one in“ von John Ajvide Lindqvist (Spoiler)

943402.jpg Titel: Let the right one in
Autor: John Ajvide Lindqvist
Verlag: Quercus
Übersetzung: So finster die Nacht (Bastei Luebbe)

Klappentext:
„It is autumn 1981 when the inconceivable comes to Blackeberg, a suburb in Sweden. The body of a teenage boy is found, emptied of blood, the murder rumored to be part of a ritual killing. Twelve-year-old Oskar is personally hoping that revenge has come at long last—revenge for the bullying he endures at school, day after day.
But the murder is not the most important thing on his mind. A new girl has moved in next door—a girl who has never seen a Rubik’s Cube before, but who can solve it at once. There is something wrong with her, though, something odd. And she only comes out at night….“

Meinung:
Dieses Jahr nehme ich an der Popsugar Reading Challenge 2018 teil. Hier erhält man Listen mit Themen, zu denen man ein Buch finden und lesen soll. Dazu gehören z.B. „A book set at sea“ oder „A book with song lyrics in the title“. Es gibt eine Goodreadsgruppe zu dieser Aktion, in der Vorschläge zu den diversen Vorgaben gesammelt werden.

Ich habe mich für mein erstes Buch in 2018 für die Herausforderung „Nordic noir“ entschieden und bin dabei auf das Buch „Let the right one in“ gestoßen, von dem ich bis dato noch nichts gehört hatte.
Allerdings handelt es sich um kein unbekanntes Werk, den es wurde unter dem gleichnamigen Titel bzw. in Deutschland unter „So finster die Nacht“ verfilmt.

Vor dem Lesen war mir außer dem Klappentext der englischen Ausgabe nichts über den Inhalt bekannt und so begann dieser Roman recht verstörend für mich.

Ein Junge, der an der Schule heftigst gemobbt wird, Mordgedanken hegt, mit einem Messer auf Bäume einsticht während fast zeitgleich einem gleichaltrigen Jungen die Kehle durchgeschnitten wird und sein Blut am Tatort fehlt.
Ein Mädchen, das nur nachts anzutreffen ist, das nie zu frieren scheint, das Sonnenlicht meidet und eine zarte Freundschaft zu dem Jungen entwickelt.

Neben diesen Protagonisten bringt der Autor noch weitere Figuren ins Spiel, jede einzelne auf ihre eigene Art und Weise interessant und bemitleidenswert. Jede bekommt einen gleich großen Part in dieser Geschichte wie die anderen. Von jeder Figur erfahren wir ihre Sorgen und Ängste, Hoffnungen und Wünsche.

Nur nicht von Håkan, dem pädophilen Serienkiller.

Diese Geschichte, die als „romantic horror“ eingestuft wird – ein Genre, das mich eigentlich gar nicht anspricht – hat mich unglaublich fasziniert und beeindruckt.
Es ist eine extrem düstere Story mit sehr graphischen Szenen, die (auch sexuelle) Gewalt gegen Kinder beinhalten. Es sind überzogene Schilderungen und dennoch wirken sie im Gesamtzusammenhang glaubwürdig und schlüssig.
Aber – Warnung – diese Teile der Erzählung sind nichts für ungeübte Horrorleser. Ich habe mir sehr schwer damit getan, das Buch immer wieder aufzugreifen und weiterzulesen. Ich wollte wissen, wie sich die Freundschaft zwischen Eli und Oskar entwickelt, ob sie zu einem guten Ende führen wird, doch ich fürchtete mich vor den eindrücklichen Horrorteilen, die sich so realistisch anfühlten.

John Ajvide Lindqvist ist es wie keinem anderen gelungen, unmenschliche Taten so menschlich wie möglich zu beschreiben. Man empfindet Sympathie mit den meisten Charakteren und wünscht sich einen guten Ausgang, wohl wissend, dass es den eigentlich nicht geben kann.

Nichts für schwache Nerven aber absolut empfehlenswert!