Rezension: „Wohin der Wind uns trägt“ von João Ricardo Pedro

42429 Titel: Wohin der Wind uns trägt
Autor: João Ricardo Pedro
Verlag: Suhrkamp (zur Buchseite)
Originaltitel: O Teu Rosto Será O Último
Übersetzung: Marianne Gareis

„An diesem Morgen lief Duarte zwischen zwanzig nach neun und zehn Uhr zwölfmal um die Kirche herum. Nicht dass ihm der Mut gefehlt hätte einzutreten, nein, das hatte er zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt. Er versuchte lediglich eine tröstliche Distanz zu wahren, oder wenigstens eine für ihn erträgliche Distanz. Eine Distanz, bei der er sich nicht zu nah und auch nicht zu fern fühlte.“

Klappentext:
„Duarte wächst auf umgeben von fremden Erinnerungen. Jeder Weg, jedes Haus im Ort hat schon längst seinen Platz in der Familiengeschichte. Kein Blick, ohne Spuren zu erkennen – die seines Vaters, gebrochen zurückgekehrt nach einem einzigen Abenteuer, die seines Großvaters, beseelt von dem einfachen Glück auf dem Land. Allein am Klavier kommt Duarte zu sich selbst und einer Geschichte. Doch nach und nach entpuppt sich die Verheißung der Musik als Gefahr, und Duarte droht zu verlieren, was ihm lieb ist. Erst als er die vergilbten Briefe seines Großvaters entdeckt, scheint sich eine letzte Chance zu bieten – auf Läuterung und ein still leuchtendes Lebensglück.“

Meinung:
Dieses Buch habe ich schon vor einiger Zeit gelesen und musste es zunächst zur Seite legen, um zur Geschichte einen gewissen Abstand zu bekommen.

Es ist keine leichte Familienchronik, in die wir uns zusammen mit Duarte begeben. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf in nicht ganz so einfachen Verhältnissen, sucht der Junge seinen Platz im Leben. Seine Freunde sind das Klavier, das ihm jedoch zum Verhängnis zu werden droht, und der „Indio“, ein Außenseiter wie er selbst.

Wir irren als Leser durch ein Labyrinth von Erinnerungen, springen zwischen Ereignissen hin und her, die in keinem Zusammenhang zu stehen scheinen und müssen uns große Teile des Verlaufs selbst zusammenreimen, was – und hier sind wir beim Thema des Romans – uns von Duarte distanziert.

Distanz zieht sich durch den gesamten Roman. Zwar erfahren wir sehr viele Details über die Umgebung und das Leben Duartes, doch kurze, unvollständige Sätze verhindern, dass man in das Geschehen eintauchen und Teil davon werden kann.
Es ist zwar ein Schreibstil, der mich sehr fasziniert und mich stellenweise stark an Márquez erinnerte (einen Autor, den ich sehr mag), aber im Gegensatz zu diesem driftet Pedro zu stark in die Melancholie und ins Vulgäre ab.

Ich hatte große Probleme mit den Schilderungen von Gewalt, sexuellen Begebenheiten und Exkrementen. Ich fand diese Stellen unglaublich abstoßend, auch wenn sie in den Kontext passten. Selten hat mich ein Buch so abgestoßen, obwohl ich es wegen seiner Erzählweise so gern gemocht hätte.

„Wohin der Wind uns weht“ ist keine einfache Lektüre, das sicherlich zum Nachdenken anregt, aber etwas verwirrend und lückenhaft ist.
Mehr Poesie und weniger Obszönitäten hätte dem Buch sehr gut getan und es für mich zu einem besseren Werk werden lassen.

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