Rezension: „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ von John Green

36464432.jpg Titel: Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken
Autor: John Green
Verlag: Hanser
Originaltitel: Turtles all the way down

Klappentext:
„Die 16-jährige Aza Holmes hatte ganz sicher nicht vor, sich an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett zu beteiligen. Sie hat genug mit ihren eigenen Sorgen und Ängsten zu kämpfen, die ihre Gedankenwelt zwanghaft beherrschen. Doch als eine Hunderttausend-Dollar-Belohnung auf dem Spiel steht und ihre furchtlose beste Freundin Daisy es kaum erwarten kann, das Geheimnis um Pickett aufzuklären, macht Aza mit. Sie versucht Mut zu beweisen und überwindet durch Daisy nicht nur kleine Hindernisse, sondern auch große Gegensätze, die sie von anderen Menschen trennen. Für Aza wird es ein großes Abenteuer und eine Reise ins Zentrum ihrer Gedankenspirale, der sie zu entkommen versucht.“

Meinung:
Von John Green hatte ich bisher nur „Looking for Alaska“ gelesen, was mir wirklich gut gefallen hatte. Alaska war eine sehr starke Protagonistin, schillernd, vielseitig, auf ihre eigene Art gefährlich.

Solche Charaktere sucht man vergeblich in „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“.

Daisy ist eine aufgedrehte Teenagerin, die in ihrer Freizeit außer Jungs und Fanfiction kaum etwas anderes kennt. Irgendwann beschwert sie sich bei Aza, dass diese über ihr Leben nichts weiß, aber das tun wir als Leser auch nicht. Wir erfahren *nichts* über ihre Hintergründe oder Daisys Innenleben.

Dafür bekommen wir einen sehr starken Einblick in die Gefühlswelt der Protagonistin Aza. Aza lebt mit einer Zwangsneurose und Angststörungen und gerät immer wieder in eine Gedankenspirale, die sie daran hindert, ein normales Teenagerleben zu leben. So zumindest behauptet es Green. Allerdings ist Azas Angst zu Beginn des Buches nur immer mal wieder am Rande ein Thema. Hier konzentriert sich die Geschichte eher um den verschwundenen Milliardär und die detektivischen Bemühungen der Mädchen.
Erst im letzten Teil drehen sich die Verhältnisse, das Verschwinden gerät in den Hintergrund, dafür verstärken sich Azas Probleme.

Ich habe mich beim Lesen immer wieder gefragt „Wieso? Was will John Green hier sagen oder bezwecken?“
Ich denke nicht, dass er Teenager mit Verwaltungsproblemen über diese Story ansprechen oder helfen möchte. Aza hat keinen besonders guten Draht zu ihrer Therapeutin und weigert sich immer wieder, ihre Medikamente zu nehmen. Kein gutes Vorbild für Betroffene.
Außerdem wird ihre Angst bis zum „Showdown“ eher wie ein „Tick“ oder eine „Macke“ beschrieben. Ängste sind aber sehr viel lebensbestimmender. Ich habe selbst als Teenager und Studentin unter Panikattacken (allerdings ohne Zwangsneurose) gelitten. Ich habe mich eingeigelt und irgendwann fast komplett von der Außenwelt abgeschottet. Ich war kaum noch in der Lage, normal zu funktionieren. Ich befand mich dauerhaft „am Ende der Spirale“ (und hab mich am Ende selbst daraus befreit, was ich aber auch niemandem empfehlen würde, weil es langwierig ist). Ängste sind bedrohlicher, viel bedrohlicher als das, was Aza hier erlebt.

Ich hatte das Gefühl, dass Green vielmehr diese Angststörung für philosophische Betrachtungen über das Leben insgesamt benutzte. Dieses Buch steckt voller philosophischer Fragmente, die einfach so in den Raum hineingeworfen werden. Platitüden, abgegriffene Ideen, nicht nachvollziehbare Ansichten ohne Erklärungen – und das alles spielt sich in den Köpfen zweier Heranwachsender ab. Ja sicher…

Ich konnte mit „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ so gar nichts anfangen. Körperlose Figuren als Instrumente entrückter Gedankenspiele, eine Detektivgeschichte, die keine ist, kein interessantes Setting, zusammenhangsloser Plot.Ich kann das Buch nicht weiterempfehlen.

2 Antworten auf „Rezension: „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ von John Green

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