Rezension: „H wie Habicht“ von Helen Macdonald

32708183.jpgTitel: H wie Habicht
Autorin: Helen Macdonald
Verlag: Ullstein
Originaltitel: H is for Hawk

Inhalt:
„Schon als Kind beschließt Helen Macdonald, Falknerin zu werden. Ihr Vater unterstützt sie in dieser ungewöhnlichen Leidenschaft, er lehrt sie Geduld und Selbstvertrauen und bliebt eine wichtige Bezugsperson in ihrem Leben. Als er stirbt, setzt sich ein Gedanke in Helens Kopf fest: Sie muss ihren eigenen Habicht abrichten. Sie ersteht einen der beeindruckenden Vögel, ein Habichtweibchen, das sie auf den Namen Mabel tauft, und begibt sich auf die abenteuerliche Reise, das wilde Tier zu zähmen.“

Rezension:

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„H wie Habicht“ der britischen Historikerin und Autorin Helen Macdonald gewann 2014 sowohl den Samuel-Johnson-Preis als auch den Costa Book Award.  Es ist eine Mischung aus Memoiren, Trauerbewältigung, Naturbeschreibung und einer Kurzbiografie des Schriftstellers T. H. White (1906 bis 1964).

Macdonald ist bereits seit früher Jugend Falknerin, eine Tätigkeit, über die ich bisher recht wenig wusste.
Das Abrichten des Habichts Mabel ist Dreh- und Angelpunkt dieses Buches, und so findet man darin unzählige Fachbegriffe aus der Beizjagd. Einige erklärt Macdonald, andere werden ohne Erläuterungen eingeworfen. Als Leser sollte man daher ein gewisses Interesse an diesem Thema mitbringen. Ich habe viele Dinge online recherchiert und viel über das Abrichten von Greifvögeln erfahren.

Alles in der Falknerei ist darauf ausgerichtet, einen wilden Vogel zu einem gezähmten Jagdpartner zu machen – entsprechend kriegerisch ist das Vokabular, das die Autorin verwendet, um ihre Geschichte zu erzählen.
Allerdings liest sich ihr Text wie Poesie, wenn sie ihre Umgebung beschreibt:

„Nachts aber, wenn der Regen orangefarbene Lichtpunkte an die Fensterscheiben pikste, träumte ich von dem Habicht, der durch die feuchte Luft woandershin verschwand. Ich wollte ihm folgen“

Während Macdonald den Verlust ihres Vaters verarbeitet und sich intensiv mit T. H. White und ihrem Habicht befasst, verfällt sie immer stärker in eine sehr esoterische Betrachtung ihrer Situation:

„Was mir auf den Straßen im Norden aber vielleicht auch hätte bewusst werden sollen, war, dass sich die Seele nach dem Verlust des Vaters nicht nur neue Väter in der Welt sucht, sondern auch ein neues Ich, mit dem sie diese neuen Väter lieben kann.“

Sie stellt Thesen auf, die für mich nicht immer nachvollziehbar waren. Ich fand mich irgendwann in der Welt von Mabel besser zurecht als in Helens Welt. Sie interpretiert viel in ihr eigenes Verhalten und das des Habichts hinein, verliert sich in seltsamen Gedanken und damit hin und wieder mich als Leserin.

Doch im Laufe der Zeit wird der ihr klar: „Ich glaube, ich habe eine leichte Depression“ und begibt sich nach der Trauerfeier für ihren Vater in Behandlung.
An dieser Stelle kehrt Normalität in ihr Leben zurück und die Geschichte läuft ein wenig plötzlich ins Alltägliche aus.

„H wie Habicht“ ist ein faszinierendes Buch, dessen Schreibstil mich gefesselt hat. Wäre es sachlicher verfasst worden, hätte ich vermutlich nicht genug Geduld für die etwas abgedrehten Ansichten der Autorin aufgebracht. So aber fühlte ich mich bis zum Schluss gut unterhalten.

Man muss Gefallen an „Nature Writing“ und etwas schrägen Menschen haben, um sich auf diese Erzählung wirklich einlassen zu können.

 

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