Bücher wegwerfen

pile of covered books
Photo by Pixabay on Pexels.com

Marie Kondō, bekannt für ihr Buch „Magic Cleaning“, hat kürzlich ihre eigene Netflix-Serie bekommen.

Dort sieht man unter anderem, wie sie Bücher decluttert, indem sie sie zunächst „weckt“ und dann die Frage stellt „Will these books be beneficial to your life moving forward?“ („Helfen dir die Bücher dabei, dein Leben zu verbessern?“) oder auch „does it spark joy?“ („Bringt es dir Freude?“).

Wie erwartet ging ein Aufschrei durch die Leserschaft, insbesondere auf Twitter und nun hat sich die Initiatorin, die Autorin Anakana Schofield, im Guardian dazu geäußert: „What we gain from keeping books – and why it doesn’t need to be ‘joy’“.

Dort bemerkt sie zunächst:

Surely the way to wake up any book is to open it up and read it aloud, not tap it with fairy finger motions – but this is the woo-woo, nonsense territory we are in.

Ja, ich finde dieses Antippen zum „Aufwecken“ von Büchern auch schräg, aber wir sind hier im Fernsehen, es geht um Effekte.
Außerdem ist Frau Kondō Japanerin und  vermutlich fließt ihre eigene Kultur stark in ihre Handlungen ein. Kann man mögen, muss man aber nicht. Sich darüber lustig zu machen, ist allerdings auch keine schöne Art.

Schofield argumentiert weiter:

Literature does not exist only to provoke feelings of happiness or to placate us with its pleasure; art should also challenge and perturb us.

Ich habe Kondōs Definition von „Joy“ nie als reines „Glücksgefühl“ gesehen. Vielmehr geht es ihr darum zu erfahren, „Hat dieser Gegenstand einen besonderen Wert für dich?“. Sie verurteilt niemanden dafür, Heftklammern oder sonstige Dinge aufzuheben, die für die meisten anderen Menschen vielleicht nur „nutzloser Krempel“ sind. Alles was sie anstrebt ist, dass man lediglich die Sachen aufbewahrt, die für einen selbst „sinnvoll“ sind.
Zudem sehen wir sie hier bei Menschen, die ganz bewusst einen großen Teil ihres Eigentums aufgeben wollen – natürlich betrachtet man dann jede Kategorie sehr genau im Hinblick darauf, ob es nur ein „dummer Spontankauf“ oder eine wertvolle Investition war.

Kommen wir nun zu den Büchern: ich habe mehr als genug Bücher in meiner physischen und digitalen Bibliothek, die kaum Wert für mich haben. Ich lese nicht nur Bücher, die besondere Emotionen in mir wecken, ich lese auch solche, die mich einfach nur für den Moment unterhalten, mal mehr und mal weniger gut. Das sind Bücher, von denen ich mich leicht trennen kann, sobald ich sie gelesen habe.
Dazu gehören natürlich auch Fehlkäufe bzw. Bücher, die mich beim Lesen sehr enttäuscht haben oder solche, die ich schrecklich fand. Die möchte ich nicht länger um mich herum haben, das waren definitiv keine guten Investitionen in meine Zeit und mein Geld.

Dann sind da aber auch natürlich noch die Bücher, die starke Gefühle hervorrufen und die haben sehr wohl einen Wert für mich und geben mir im weiteren Sinne „Freude“, weil sie mich verändert haben. Diese bleiben Teil meiner Bibliothek, denn sie bringen mein Leben voran.

Zu guter Letzt:
Nirgendwo sagt Marie Kondō, dass man die Bücher, die man nicht behalten möchte, wegwerfen soll. Man kann sie verschenken, verkaufen, spenden, so dass sie vielleicht noch für andere von Nutzen sind. Sie behandelt sie nicht, wie man dem Artikel entnehmen könnte, als „Dekogegenstände“, die man getrost entsorgen kann.

Für mich waren gedruckte Bücher nie „magische Sachen“, nur weil sie Wörter enthalten, an denen andere vielleicht jahrelang geschrieben haben. Ich konnte schon immer Bücher sehr gut „loslassen“, wenn sie mir nichts weiter in meinem persönlichen Leben brachten. Gleiches gilt natürlich für alle anderen Dinge um mich herum.

Sonstiges Gedanken zum Entrümpeln:
Ich entrümpel regelmäßig in den Monaten Januar bis März und jedes Mal finde ich es irrsinnig, wie viel Zeug man so im Laufe der Zeit ansammelt, was man unbedingt haben musste, aber schnell wieder vergisst.
Eigentum wird oft mit dem eigenen Selbstwert verwechselt: haste was, biste wer. Doch je mehr man hat, umso belastender kann es sich auf die Psyche auswirken. Muss ja alles auch verstaut und abgestaubt werden ;-)
Loslassen wirkt sehr befreiend und setzt – zumindest bei mir – viel Kreativität frei. Es ist einfach schön, wenn man an die Dinge, die man gern zur Hand nimmt, schnell herankommt, ohne sich erst durch einen Stapel unnützen Kram wühlen zu müssen.

Bei meinen Büchern muss in dieses Jahr nicht aufräumen, darum habe ich mich 2018 bereits gekümmert und seitdem nur die in meine Wohnung gelassen, an denen ich ein echtes Interesse besitze.

Wie seht ihr das? Könnt ihr euch von Büchern trennen? Sollten sie zum „Decluttern“ dazugehören oder nicht?

15 Antworten auf „Bücher wegwerfen

  1. Ich trenne mich regelmäßig von Büchern. Immer wieder, übers Jahr verteilt.
    Ich hab die Serie übrigens angefangen. Mir ist sie zu „konstruiert“. Aber die Japaner haben eh keinen solchen Hang zu Dingen wie wir. Die definieren sich anders.

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  2. Ich habe vor ein paar Jahren, nach der Trennung von meiner – mittlerweile – Ex-Frau angefangen, auszumisten. Der ganze Kram um mich herum wurde mir einfach zu viel und ich war schon immer der Meinung, dass das persönliche Umfeld und die Landschaft im Inneren eines Menschen immer gegenseitig beeinflussen. Für Ordnung in meinem Kopf, meiner Seele und generell meinem Leben musste also auch Ordnung in meiner Wohnung herrschen. Also habe ich angefangen an meinem eigenen Minimalismus zu arbeiten. Klamotten, Möbel, Kleinkram, alles wurde gnadenlos verkauft, gespendet, verschenkt…

    Problematisch wurde es bei DVDs, CDs und eben auch Büchern. Diese Dinge zählten lange zur Kategorie „Hat man, behält man“. Am Arsch. Es musste vorwärts gehen und irgendwann war sonst fast nichts mehr da, wo man beim Ausmisten noch merkbare Fortschritte erzielen konnte. Musik und Filme wurden mittlerweile halbiert und die Bücher… von den vollgestopften drei Regalen ist nun noch etwas ein halbes Regalfach übrig geblieben. Allesamt Bücher, die auf irgendeine Art und Weise wichtig für mich sind. Und selbst die werden irgendwann auch weiter ausgedünnt.

    Prinzipiell kann ich mich also (mittlerweile) sehr gut von Büchern trennen. Ich würde sogar sagen, dass sie zum „Decluttern“ dazugehören sollten. Aber eben immer nur so weit, wie man sich wohl damit fühlt. Ein bibliophiler Sammler, in dessen Wohnung man vor lauter Regalen keine Wände mehr sieht, hat beim Ausmisten definitiv andere Prioritäten als ich. Man muss sich eben wohlfühlen können mit allem, das einen umgibt (und ohne alles, was man ausmistet).

    Hui, was nicht alles an Kommentaren entsteht, so kurz nachdem man sich gedacht hat „Gut, den einen Beitrag liest du noch, dann wird konzentriert gearbeitet“ xD

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    1. Stimmt, es gibt so eine Kategorie von Sachen, die „man behält“. Bei uns wird das schwierig, wenn ich die Küche (wie jedes Jahr) in Angriff nehme, weil man Partner sich da von nix trennen kann. „Die Schüssel kann man aber brauchen“, Ja, haben wir aber seit 20 Jahren nicht gebraucht und selbst wenn wir dann eine zusätzliche Schüssel brauchen würden, die Dinger kann man nachkaufen, die kosten nicht die Welt. Nun ja, zu diesem Problem dann aber erst später ;-)
      Frohes Schaffen! :-)

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  3. Hey!
    Ich trenne mich regelmäßig von Büchern. Einige kommen in den öffentlichen Bücherschrank, einige verschenke ich an Kollegen oder Freunde und einige kommen in die blaue Tonne. Für mich sind Bücher ehrlich gesagt nur Gebrauchsgegenstände. Ich behalte nur die Bücher, die mir besonders am Herzen liegen, weil es sonst einfach zu voll wird im Haus.
    An Marie Condos Buch hat mich persönlich aber gestört, dass es mir zu „esoterisch“ war. Für mich haben die Dinge in meinem Haushalt keine Seele. Da war doch auch irgendwie sowas mit den Klamotten, die sich nicht wohlfühlen, wenn sie zu dicht gedrängt oder verknüddelt im Schrank liegen, wenn ich mich recht erinnere.
    LG und ein schönes Wochenende
    Yvonne

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    1. Ja, ihre Art ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber im Prinzip drückt sie damit Dankbarkeit für jeden Gegenstand aus, was eine schöne Geste ist, zumal man sich damit selbst das Gefühl vermittelt „ich hab mein Geld nicht einfach aus dem Fenster geworfen“ :-)

      Gefällt 2 Personen

  4. Ein schöner Beitrag und passend zum Frühling! Ich habe ca 30 Jahre alle Bücher gehortet (ok, meine Kinderbücher sind nach meinem Auszug bei meinen Eltern geblieben) und bin dann umgezogen…. Vor dem nächsten Umzug war ich schlauer – ich habe einige wenige Bücher entsorgt und ca 50 Bücher verschenkt. Mittlerweile entscheide ich direkt nach dem Lesen was mit dem Buch passiert. Direkt gegenüber findet monatlich der Verkauf von Büchern für wohltätige Zwecke statt, die nehmen stets gern, das macht es mir natürlich leicht.
    Kurzum – es bleiben nur Bücher, die ich mit Sicherheit nochmal lesen möchte.

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      1. Ja das ist schon echt gut – daher fällt es mir wirklich nicht schwer! Vorletztes Jahr habe ich einmal richtig ausgemistet (nochmal ca 100 Stück) und alle Freunde u Bekannte ebenso ermuntert, unser (großer!) Flur sah aus…. Direkt bei uns findet im Herbst immer ein Apfelfest statt und meine Tochter und ich haben dann die Bücher verkauft und den Erlös unserem Tierheim übergeben. Die Restbestände sind auch ans Tierheim gegangen – die veranstalten auch regelmäßig Flohmärkte um Geld in die Kasse zu holen.

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      2. Würde ich auch prinzipiell gern machen, aber ich habe überwiegend englischsprachige Bücher, die verkaufen sich leider nicht so gut auf Flohmärkten. Aber im Bücherschrank finden sie meist doch noch LeserInnen.

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