Rezension: „Malé“ von Roman Ehrlich

Titel: Malé
Autor: Roman Ehrlich
Verlag: S. Fischer

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar.

Inhalt:
„Alle Versuche, die Malediven vor dem steigenden Meeresspiegel zu retten, sind gescheitert, Pauschaltouristen haben sich neue Ziele gesucht, und der Großteil der Bevölkerung musste die Inseln verlassen. Gleichzeitig ist die heruntergekommene Hauptstadt Malé zum Ziel all jener geworden, die nach einer Alternative zum Leben in den gentrifizierten Städten des Westens suchen. Und so wird die Insel für die kurze Zeit bis zu ihrem Untergang zur Projektionsfläche für Aussteigerinnen, Abenteurer und Utopistinnen, zu einem Ort zwischen Euphorie und Albtraum, in dem neue Formen der Solidarität erprobt werden und Menschen unauffindbar verschwinden.“

Rezension

„Malé“ von Roman Fischer hat es auf die Longlist des Deutsche Buchpreises 2020 geschafft und wurde mir über Netgalley freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt, denn ich glaube nicht, dass ich ohne diesen Anreiz das Buch selbst gekauft hätte. Ich hätte es wohl ein wenig bereut…

Das Setting

Wir befinden uns in einer denkbaren, nicht allzu fernen Zukunft. Die Malediven sind am Untergehen, der Wasserspiegel ist gestiegen und überflutet auch bereits die ehemalige Hauptstadt. Müll wird an die Ufer gespült und das ehemalige Touristenparadies ist zu einem trostlosen Ort geworden.

Dennoch verschlägt es weiterhin Menschen auf die Insel, die nach einem Regierungssturz von den Einheimischen verlassen wurde.

Die Figuren

In Malé leben nun zwei Gruppen: Da sind zum einen die „Eigentlichen“, die bewaffnet sind, auf einem verlassenen Kreuzschiff ihr Quartier errichtet haben und die anderen mit Lebensmitteln und Drogen versorgen. Sie sind mit Vorsicht zu genießen, man erfährt aber nichts Besonderes über sie.

„Die anderen“, das sind die Aussteiger, Ausgestoßenen, Geflüchteten und Suchenden, die hier gestrandet sind, alle aus unterschiedlichen Gründen und mit unterschiedlichen Vorstellungen ihres neuen Lebens im sinkenden Paradies.

Wir erfahren sehr wenig über die Vergangenheit der Figuren, wir kennen nur ihre Rollen, die sie irgendwann einmal gewählt hatten wie beispielsweise „Literaturwissenschaftlerin“, „Professor“, „Lyriker“,… Wir sehen nur ein paar schemenhafte Ausschnitte aus ihrem momentanen Dasein, womit sie ihren Alltag ausfüllen und was sie aktuell treibt.

Die Sprache

„Malé“ ist kein Buch, das man entspannt lesen kann. Es erfordert sehr viel Konzentration, denn der Autor arbeitet hier mit langen und verschachtelten Sätzen, die von Aufzählungen nur so gespickt sind. Er bedient sich Alliterationen und setzt sehr stark das Stilmittel der Lautmalerei ein.
Dabei bleibt er in seiner Art zu erzählen nüchtern und distanziert, als würde ein unbeteiligter Beobachter einen sachlichen Bericht über das Geschehen schreiben.

Meine Meinung

Ich finde das Spiel mit Sprache zwar sehr faszinierend, aber es war einfach zu viel, zu überladen. Die eigentliche Story verschwindet hinter einer Flut von Wörtern. Die Absicht dahinter kann man nur erahnen, man muss viel interpretieren, will man das Buch begreifen bzw. will man einen Sinn darin erkennen.

Vermutlich geht es sogar darum: Die Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz in einer untergehenden Welt, einem Raum ohne Zukunft und ohne echte Perspektiven.

Mir persönlich war „Malé“ von Roman Ehrlich ein wenig zu sperrig und zu „künstlich“. Er beherrscht den Umgang mit Sprache hervorragend, aber seine Geschichte bleibt eher blass, nur erahnbar und so auch ein wenig bedeutungslos.

2 Antworten auf „Rezension: „Malé“ von Roman Ehrlich

  1. Einerseits mag ich derzeit literarische Herausforderungen jeglicher Art, und vor allem der Umfang des Buches scheint überschaubar, andererseits aber aufgrund ausgeprägter Alliterations-Aversion – ups … – bin ich dennoch unschlüssig. Aber ich behalte das mal im Hinterkopf, daher herzlichen Dank von jemandem, an dem jegliche Arten von Longlists fast ausnahmslos vorbeigehen. ;-)

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