„Prophet der sechs Provinzen“ von Robin Hobb

40379474 Titel: Prophet der sechs Provinzen
Autorin: Robin Hobb
Serie: Das Erbe der Weitseher #2
Verlag: Penhaligon
Originaltitel: The Golden Fool
Übersetzung: Eva Bauche-Eppers

Inhalt:
„Fitz Weitseher hat Prinz Pflichtgetreu befreit und ist mit ihm nach Bocksburg zurückgekehrt. Nun steht der Heirat des Prinzen mit Prinzessin Elliania von den Roten Korsaren scheinbar nichts mehr im Weg. Doch die Anspannung im Volk der Sechs Provinzen und der Widerstand der Adligen wächst stetig, und selbst Bocksburg ist nicht mehr sicher. Widerstrebend willigt Fitz ein, den Prinzen zu beschützen und ihn in der Gabe zu unterrichten. Da trifft er auf einen Anwender dieser magischen Fähigkeit, der sie weit effektiver als er selbst einzusetzen vermag; von dem niemand wusste – und der Haus Weitseher zu Grunde richten könnte …“

Meine Meinung:
Dies ist das zweite Buch der zweiten Trilogie von Robin Hobb rund um die Weitseher, das ich gelesen habe und meine Begeisterung für diese Reihe ist weiterhin ungebrochen.

Fitz, der Protagonist, hat sich zurückgezogen aus der Gesellschaft und sich ein beschauliches Leben aufgebaut – bis er erneut von seiner Vergangenheit eingeholt wird und schneller als er denkt, wieder inmitten der politischen Probleme seiner königlichen Familie steckt.
Er scheint sich seinem Schicksal nicht entziehen zu können, doch dieses Mal versinkt er nicht in Selbstmitleid wie im ersten Band, sondern er beginnt, sein Handeln zu reflektieren, Vergleiche zu ziehen und sich Fehler einzugestehen.

Ja, die Entwicklung der Geschichte und auch die der Figuren geht nur sehr langsam voran und es gibt Szenen, die sich zunächst nicht einordnen lassen, durch die man sich ein wenig quälen muss, die aber später ihren Platz im Gesamtbild finden. Doch die mangelnde Spannung wird ausgeglichen durch die Tiefe der Hauptfiguren, die immer wieder neue Seiten offenbaren, immer wieder zu überraschen vermögen.

Robin Hobb hat mir mit den Chroniken der Weitseherfamilie eine „Leseheimat“ geschenkt: sobald ich mich auf sie einlasse, versinke ich darin und vergesse tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben Raum und Zeit um mich herum beim Lesen.

Jetzt bleibt mir nur noch ein Band aus dieser Serie, was mich ein wenig in Panik versetzt. Aber nichts hindert mich daran, irgendwann noch einmal ganz von vorn zu beginnen.

Absolute Leseempfehlung!

 

„Otherworld“ von Jason Segel, Kirsten Miller

28238589Titel: Otherworld
Autoren: Jason Segel, Kirsten Miller
Serie: Last Reality #1
Verlag: Delacorte Press

Inhalt:
„The company says Otherworld is amazing — like nothing you’ve ever seen before. They say it’s addictive — that you’ll want to stay forever. They promise Otherworld will make all your dreams come true.
Simon thought Otherworld was a game. Turns out he knew nothing. Otherworld is the next phase of reality. It’s everything you’ve ever wanted.
And it’s about to change humanity forever.
Welcome to the Otherworld. No one could have seen it coming.“

Meine Meinung:
Ich bin eher zufällig über diesen Titel gestolpert und da mich alles interessiert, was Realität und Fantasie vermischt, war ich auf diese Geschichte sehr gespannt, zumal gerade der Folgeband erschienen ist.

Der Einstieg fiel mir ehrlich gesagt ein wenig schwer. Alles las sich ein wenig ungelenk: jetzt sind wir hier, jetzt machen wir das, da ist der, nun gehen wir dorthin,…
Aber da ich das Buch überwiegend vor dem Schlafen las und ohnehin nicht mehr viel Energie für Anspruchvolleres hatte, blieb ich darin hängen.

Je weiter ich mich durch die Erzählung bewegte, umso besser fand ich sie.
Das lag nicht unbedingt an den Charakteren, die eher flach sind und sich etwas vorhersehbar verhalten. Doch die Welt als solche ist recht gut gelungen und die Überschneidung mit der Realität wurde spannender als anfangs angenommen.

„Otherworld“ mag kein herausragendes Werk sein, beinhaltet aber einige interessante Ideen und ein facettenreiches Worldbuilding.
Ich habe bereits mit Band 2 begonnen, weil mich die Story gut unterhalten hat.

„Every Heart a Doorway“ von Seanan McGuire

25526296 Titel: Every Heart a Doorway
Autorin: Seanan McGuire
Serie: Wayward Children #1
Verlag: Tor
Übersetzung: Der Atem einer anderen Welt (Fischer Tor)

Inhalt:
„Children have always disappeared under the right conditions; slipping through the shadows under a bed or at the back of a wardrobe, tumbling down rabbit holes and into old wells, and emerging somewhere… else.
But magical lands have little need for used-up miracle children.
Nancy tumbled once, but now she’s back. The things she’s experienced… they change a person. The children under Miss West’s care understand all too well. And each of them is seeking a way back to their own fantasy world.
But Nancy’s arrival marks a change at the Home. There’s a darkness just around each corner, and when tragedy strikes, it’s up to Nancy and her new-found schoolmates to get to the heart of the matter.
No matter the cost.“

Meine Meinung:
Dieses erste Buch aus der Wayward-Children-Serie hat so einige Auszeichnungen gewonnen wie beispielsweise den Hugo Award für die beste Novelle in 2017 und findet immer wieder auf Fantasyseiten Erwähnung, was mich dann doch irgendwann neugierig werden ließ.

Es beginnt relativ vielversprechend: ein Heim für Kinder, die für einige Zeit in einer anderen Welt gelandet waren, aus zahlreichen Gründen wieder ausgestoßen wurden und wieder in ein normales Leben finden sollen – eine ungewöhnliche Idee und ein interessantes Konzept.

Doch leider verpasst es die Autorin, aus diesem Konzept eine wirklich fesselnde Geschichte zu machen.

Die paar wenigen Charaktere, die wir kennenlernen, sind zwar skurril, aber da es keine Vergleichsmöglichkeiten zu anderen Schülern gibt, lässt es sich schwer einschätzen, ob sie in diesem Heim „besonders“ sind oder sich wie all die anderen verhalten und nur beispielhaft hervorgehoben wurden.
Wir erfahren auch nur sehr wenig über ihre Hintergründe und ihr Innenleben. Sie bleiben ziemlich eindimensional wenig unterscheidbar.

Nun gibt es zwar einen Hauptplot, der sich um mysteriöse und bedrohliche Ereignisse dreht, aber all das wirkt ein wenig aufgesetzt, um der eigentlichen Idee eine Geschichte hinzuzufügen. Es passt einfach nicht recht zusammen, will man doch als Leser eigentlich mehr über die phantastischen Welten erfahren.

170 Seiten sind definitiv zu wenig für diese Story. Hätte die Autorin ihrer Erzählung hier und da etwas mehr Tiefgang verpasst und sich mehr Zeit dafür genommen, hätte das ein richtig gutes Buch werden können.
So ist es zwar recht kurzweilig, aber ich denke nicht, dass ich die weiteren Novellen aus dieser Reihe lesen werde.

„Wundersmith: The Calling of Morrigan Crow“ von Jessica Townsend

36260006Titel: Wundersmith: The Calling of Morrigan Crow
Autorin: Jessica Townsend
Serie: Nevermoor #2
Verlag: Lothian Children’s Books
Übersetzung: Das Geheimnis des Wunderschmieds (erscheint am 18.3.2019 bei Dressler)

Inhalt:
„Morrigan Crow has been invited to join the prestigious Wundrous Society, a place that promised her friendship, protection and belonging for life. She’s hoping for an education full of wunder, imagination and discovery – but all the Society want to teach her is how evil Wundersmiths are. And someone is blackmailing Morrigan’s unit, turning her last few loyal friends against her. Has Morrigan escaped from being the cursed child of Wintersea only to become the most hated figure in Nevermoor?

Worst of all, people have started to go missing. The fantastical city of Nevermoor, once a place of magic and safety, is now riddled with fear and suspicion…“

Meinung:
„Wundersmith“ ist das zweite Buch aus der Serie „Nevermoor“, eine Geschichte für Kinder zwischen 9 und 11 Jahren, die aber auch von vielen Erwachsenen sehr gemocht wird.
Auch mich hatte der erste Band bereits so weit überzeugt, dass ich mich auf die Fortsetzung schon sehr gefreut hatte.

„Nevermoor“ ist eine Welt, in die man sich fallenlassen kann. Sie ist bizarr, außergewöhnlich, steckt voller Geheimnisse und Überraschungen.  Mir hat es großen Spaß gemacht, diese Umgebung gemeinsam mit der Protagonistin zu erkunden.

War der Serienauftakt für meinen Geschmack etwas zu „zuckersüß“, so lernen wir hier nun die eher dunklen Seite Nevermoors und seiner Bewohner kennen. Morrigan lernt so einiges über ihr Umfeld, aber auch über sich selbst, ihre Schwächen und Stärken und sieht sich erneut im Zentrum von Misstrauen und Zweifel.

Aber es wäre kein Kinderbuch, würde am Ende nicht alles gut ausgehen – allerdings nicht unbedingt, wie man es als LeserIn erwartet hatte.

Ein leichtes, unterhaltsames Buch, das einen in eine magische Welt entführt und den Alltag für einige Stunden vergessen lässt.
Ich hoffe, es folgen noch ein paar Bände.

„Predator’s Gold“ von Philip Reeve

48722 Titel: Predator’s Gold
Autor: Philip Reeve
Serie: Mortal Engines Quartet #2
Verlag: Eos
Übersetzung: Mortal Engines – Jagd durchs Eis

Inhalt:
„After their airship is attacked by the Green Storm, Tom and Hester find themselves in the icy city of Anchorage and now have to fight their way out of the plaque-infested city filled with thieves and savages before the Huntsman of Arkangel makes his next appearance in this dramatic sequel to Mortal Engines.“

Meine Meinung:
Nachdem ich ja trotz des sehr kindlichen Charakters von „Mortal Engines“ recht angetan war, wollte ich wissen, wie Reeve diese Welt weiterentwickelt hat.

Nach wie vor ist es eine faszinierende Steampunkumgebung, in der wir uns befinden. Mir gefällt die Idee der jagenden Städte unglaublich gut und der Autor hat sie so aufgebaut, dass sie in sich schlüssig ist. Sicherlich bleiben viele Fragen offen, dennoch funktioniert dieses Setting sehr gut für die Geschichte.

Wie so oft in einem zweiten Band einer Serie mangelt es hier leider ein wenig an neuen Ideen. So spannend das erste Buch war, so zäh ist dieses stellenweise.
Zwar begegnen wir neuen Figuren, doch sie tragen nicht sehr viel zur Entfaltung der vorhandenen Charaktere bei, was ich ein wenig schade fand. Die Reaktionen dieser waren vorhersehbar und es irritiert mich nach wie vor, dass die Erzählstimme nicht zum Alter der Protagonisten passt.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich zum nächsten Band greifen werde, aber wer leichte Unterhaltung für zwischendurch sucht, ist hiermit sicher recht gut bedient.

Robin Hobb: Diener der alten Macht

40379455 Titel: Diener der alten Macht
Autorin: Robin Hobb
Serie: Das Erbe der Weitseher #1
Verlag: Penhaligon
Originaltitel: Fool’s Errand
Übersetzung: Eva Bauche-Eppers

Inhalt:
Fünfzehn Jahre sind seit dem schrecklichen Krieg der sechs Provinzen mit den Roten Korsaren vergangen, seitdem herrscht ein unsicherer Friede. Da verschwindet Prinz Pflichtgetreu kurz vor seiner Hochzeit mit einer Prinzessin der Roten Korsaren. Will er der Vermählung ausweichen, wie einige behaupten? Oder ist ihm etwas zugestoßen? Es gibt nur einen, der sich auf die gefahrvolle Suche nach ihm machen kann: Fitz der Bastard mit seinem Wolf Nachtauge. Doch der hat sich geschworen, nie wieder in die Intrigen des Königshofs verstrickt zu werden …

Meine Meinung:
„Das Erbe der Weitseher“ ist die zweite Trilogie von Robin Hobb, die dem Charakter Fitz folgt. Sie hat zwischen der ersten und dieser noch drei weitere Bände verfasst, die zwar im gleichen Land spielen, aber anderen Figuren folgen.

Ich bin sehr erfreut, dass ich Penhaligon auch dieser Geschichte noch einmal angenommen hat (alle Bücher wurden bereits zuvor unter anderen Titeln veröffentlicht), denn sowohl die Aufmachung der Bücher als auch die Übersetzung sind überaus gelungen.
Genau genommen ist es die Übersetzung, die mich davon überzeugt hat, ausnahmsweise nicht zum Original zu greifen, denn es ist sprachlich ein Fest, der Erzählung zu folgen. Ich habe selten eine so gelungene Übersetzung im Fantasybereich gelesen!

Inhaltlich steigen wir dort ein, wo der letzte Band der vorherigen Serie endete und auch hier ist es wieder ein sehr langsamer Anfang. Man darf sich allgemein nicht zu viel Action in diesen Büchern erwarten, aber wenn etwas passiert, dann ist es immer von großer Bedeutung und für mich als Leserin teilweise emotional ungewöhnlich schwer zu verarbeiten.

Selten habe ich so „intensive“ Fantasy gelesen wie die von Robin Hobb. Ich weiß nicht, wie ich das Erlebnis anders als „intensiv“ beschreiben soll.
Fitz ist als Protagonist ein sehr vielschichtiger, tiefgehender und etwas düsterer Charakter, der mir immer wieder unter die Haut geht. Das kenne ich in der Art bisher nur von „The Chronicles of Thomas Covenant“ von Stephen R. Donaldson.
Ich muss die Geschichten der Weitseher regelmäßig für eine gewisse Zeit liegen lassen und fürchte mich dann fast schon vor einem Wiedereinstieg, weil ich nie weiß, was mich erwarten und welche Gefühle es bei mir hervorrufen wird.

„Das Erbe der Weitseher“ steht seinen Vorgängern in absolut nichts nach und ich kann die Serien jedem empfehlen, der High Fantasy liebt!