Rezension: „Schatten über Ulldart“ von Markus Heitz

1213715 Titel: Schatten über Ulldart
Autor: Markus Heitz
Serie: Ulldart – Die dunkle Zeit #1
Verlag: Piper Taschenbuch

Inhalt:
„Kurz vor seinem Tod prophezeit ein Mönch, dass die Dunkle Zeit den Kontinent Ulldart erneut mit Leid und Zerstörung überrollen werde. Der verwöhnte Prinz Lodrik wird unterdessen in die Provinz gesandt, um die Stelle des neuen Statthalters einzunehmen. Noch ahnt Lodrik nicht, dass er das Schicksal seiner Welt entscheiden wird – denn die Dunkle Zeit droht zurückzukehren, und er wird der Retter oder Zerstörer Ulldarts sein…“

Rezension:

Obwohl ich begeisterte Wahlsaarländerin bin, muss ich zu meiner eigenen Schande gestehen, dass ich in all den Jahren, die ich hier lebe, noch kein einziges Buch von Markus Heitz, einem gebürtigen Homburger, gelesen hatte.

Umso passender war es dann, dass ich fast alle Bände aus der Ulldart-Reihe auf einem Flohmarkt in seinem Geburtsort fand – nun gab es keine Ausrede mehr.

Der Einstieg in diese Geschichte gelingt erstaunlich leicht und flüssig. Auch wenn zunächst die wichtigsten Figuren vorgestellt werden und es noch wenig Handlung gibt, wird das Interesse über die Darstellung der Personen schnell geweckt.
Es sind schillernde und facettenreiche Charaktere, die Heitz hier vorstellt und zu denen man schnell eine Beziehung aufbauen kann.

Der Spannungsbogen ist ein wenig flach, was aber daran liegen mag, dass es der erste Band in der Reihe ist und diese sich über weitere fünf Bücher hinwegstreckt.
Etwas schade fand ich allerdings, dass in den actionreichen Szenen, auf die man schließlich am Ende trifft, das Geschehen mehr berichtet als gezeigt wird. Der Leser befindet sich in einer Vogelperspektive über allem, was zwar insgesamt zum Rest des Schreibstils passt, was aber dazu führt, dass man zu viel Distanz zur Handlung hat.

Aber zugegebenermaßen ist dies ein Roman aus dem Jahr 2002, also ein Buch aus den frühen Zeiten des Autors. Ich nehme an, der Erzählstil wird sich im Laufe der nächsten Bücher ein wenig entwickeln.

Ein solider Einstieg in eine interessante Fantasygeschichte.

Rezension: „Midnight, Texas“ von Charlaine Harris

35454610.jpgTitel: Midnight, Texas
Autorin: Charlaine Harris
Verlag: Heyne
Originaltitel: Midnight Crossroad

Inhalt:
„Sie alle haben Midnight aus einem Grund zu ihrem Zuhause gewählt: Das texanische Städtchen ist klein und ruhig. Und damit ein perfektes Versteck. Doch wovor verstecken sich die Einwohner? Allein Bobo Winthrop, der Besitzer des Pfandhauses, scheint von jedem in der Stadt etwas zu wissen. Da ist Bobos neuer Untermieter, der seine Wohnung nur nachts verlässt. Oder die Esoterik-Lady, die behauptet, eine Hexe zu sein. Als Bobos Freundin Aubrey verschwindet, fangen die Einwohner an, Fragen zu stellen. Zu viele Fragen, denn plötzlich drohen Geheimnisse ans Tageslicht zu kommen, die besser verborgen bleiben“

Rezension:

Charlaine Harris ist in erster Linie für ihre Reihe „Sookie Stackhouse“ bekannt, die mittlerweile auch als deutschsprachige TV-Serie erschienen ist.

„Midnight, Texas“ ist kein neues Buch, auch wenn man das zunächst glauben mag. Diese Reihe gibt es seit 2014, wurde allerdings erst im Juli 2017 im amerikanischen Fernsehen auf NBC ausgestrahlt, eine zweite Staffel soll in Kürze erscheinen.
Vermutlich aus diesem Grund wurde man nun auch in Deutschland auf die Bücher aufmerksam und nahm sich der Übersetzung an. Bisher gibt es die ersten beiden Bände in deutscher Sprache.

Auch in „Midnight, Texas“ gibt es, ähnlich wie in „Sookie Stackhouse“ Vampire und andere zwielichtige Gestalten, von denen man als Leser allerdings erst nach und nach ihre Geheimnisse andeutungsweise erfährt.
Wir steigen mit dem Neuzugang Manfred in die Geschichte ein und betrachten den Ort zunächst als Fremde, der seine Umgebung erkundet und versucht, sich in die Gemeinschaft zu integrieren, was ihm relativ schnell und gut gelingt.

Über diese Figur wechselt die Perspektive dann ein wenig sprunghaft zu anderen Charakteren. Niemanden lernt man detailliert kennen, von allen erfährt man lediglich Bruchstücke ihrer Story, was es ein wenig schwer macht, sich mit einem der Handelnden zu identifizieren bzw. zu sympathisieren.

Der Klappentext ist zusätzlich ein wenig verwirrend, denn dort ist von Aubreys Verschwinden die Rede, doch das Geschehen beginnt sehr viel später, entwickelt sich recht langsam und führt zu einem überraschenden, leider nicht vorhersehbaren, Ende.

Verglichen mit anderen Werken von Harris wie z.B. die Bücher rund um „Aurora Teagarden“ gehört „Midnight, Texas“ für mich zu den eher schwächeren Romanen der Autorin.
Vielleicht hat man es filmisch etwas interessanter umgesetzt, aber mich als Leserin konnte dieser Serienstart nicht so recht überzeugen.

Rezension: „Nevermoor“ von Jessica Townsend

38352645.jpg Titel: Nevermoor
Autorin: Jessica Townsend
Reihe: Nevermoor #1
Verlag: Orion Children’s Books
Übersetzung: Nevermoor: Fluch und Wunder (Dressler)

Inhalt:
„Morrigan Crow is cursed. Having been born on Eventide, the unluckiest day for any child to be born, she’s blamed for all local misfortunes, from hailstorms to heart attacks–and, worst of all, the curse means that Morrigan is doomed to die at midnight on her eleventh birthday.
But as Morrigan awaits her fate, a strange and remarkable man named Jupiter North appears. Chased by black-smoke hounds and shadowy hunters on horseback, he whisks her away into the safety of a secret, magical city called Nevermoor.“

Rezension:

Dieses Buch begegnet einem gerade überall und als ich kürzlich krank auf dem Sofa lag und Ablenkung mit einer leichten Lektüre brauchte, griff ich zu dieser Geschichte.

Die Altersempfehlung für „Nevermoor“ liegt zwischen 9 und 11 Jahren, man darf also keinen allzu komplexen Schreibstil oder komplizierte Handlungsstränge erwarten.
Natürlich gibt es Abenteuer, aber diese sind überschaubar.
Im Vordergrund stehen eindeutig das Land „Nevermoor“, seine Bewohner und Morrigans Eingewöhnung in diese fremde Umgebung.

Die Welt ist sehr liebe- und vor allem phantasievoll beschrieben. Auf jeder Seite gibt es für den Leser etwas Neues, Ungewöhnliches zu entdecken – fast schon etwas zu viel des Guten. Ich hätte gern die ein oder andere Szene etwas mehr auf mich wirken lassen, aber schon ging es weiter zur nächsten Beschreibung.

Die Figuren sind gut ausbalanciert. Im Zentrum steht Morrigan, daneben gibt es weitere Charaktere, mit denen man sich schnell anfreunden kann. Alle weiteren werden nur gezeigt, für sie gibt es aber keine eigenen Hintergrunderzählungen, was sehr hilfreich ist, da es sonst zu überladen wäre.

„Nevermoor“ ist ein tolles Kinderbuch, das auch Erwachsenen Spaß machen kann.
Etwas weniger „Zauber“ hätte mir gutgetan, aber Kinder werden genau dies vermutlich lieben.

Rezension: „The Hazel Wood“ von Melissa Albert

34275232.jpg Titel: The Hazel Wood
Autorin: Melissa Albert
Verlag: Flatiron Books
Übersetzung: „Hazel Wood: Wo alles beginnt“ (erscheint am 16.8.2018 bei Dressler)

Inhalt:
„Seventeen-year-old Alice and her mother have spent most of Alice’s life on the road, always a step ahead of the uncanny bad luck biting at their heels. But when Alice’s grandmother, the reclusive author of a cult-classic book of pitch-dark fairy tales, dies alone on her estate, the Hazel Wood, Alice learns how bad her luck can really get: her mother is stolen away―by a figure who claims to come from the Hinterland, the cruel supernatural world where her grandmother’s stories are set. Alice’s only lead is the message her mother left behind: “Stay away from the Hazel Wood.”
Alice has long steered clear of her grandmother’s cultish fans. But now she has no choice but to ally with classmate Ellery Finch, a Hinterland superfan who may have his own reasons for wanting to help her. To retrieve her mother, Alice must venture first to the Hazel Wood, then into the world where her grandmother’s tales began―and where she might find out how her own story went so wrong.“

Rezension:

„The Hazel Wood“ war bereits auf der Frankfurter Buchmesse 2016 ein heiß gehandelter Titel, der nun im Januar 2018 veröffentlicht wurde.
Die Meinungen zu diesem Buch variieren stark von „total langweilig, die laufen nur rum“, über „der Schreibstil ist ganz ok“ bis zu „gruselig genial“.

Ich schließe mich der letzten Gruppe an.

Die Geschichte beginnt in der Tat ein wenig langsam. Wir lernen zunächst die Hauptfiguren kennen und ihre momentane Situation. Wir erfahren, dass sich Alice und ihre Mutter seit Jahren auf der Flucht befinden, aber warum und von wem bleibt unklar. Erst als Alice Mutter entführt wird, kommen die Dinge ins Rollen – aber dann so richtig.

Es tauchen gleich zu Beginn ein paar wundersame Charaktere auf, die nicht in diese Welt zu gehören scheinen, die zwar nicht sehr auffällig sind, aber denen eine seltsame Aura anhaftet. Mit diesem Kunstgriff hat mich die Autorin sofort an das Buch gefesselt und ich habe mich von Alice in ihr Abenteuer hineinziehen lassen, denn ich liebe fantastischen Realismus.
Allerdings schlug dieser „Realismus“ im Laufe der Story immer mehr in Fantasy um, doch zu diesem Zeitpunkt war ich bereits so Teil der Handlung, dass das für mich keinen Unterschied mehr machte.

„The Hazel Wood“ ist eine sehr intensive Erzählung mit extrem schrägen Gestalten, die selten etwas Gutes im Schilde führen. Es ist nicht die Bonbonwelt, die man aus anderen Fairy Tales kennt. Vielmehr erinnert das Buch an die ursprünglichen Grimmmärchen, die sehr dunkel und bedrohlich wirkten.
Ich musste die Lektüre von meinem Nachttisch verbannen, weil sie mir gruselige Träume beschert hatte, die mich den ganzen Tag beschäftigt hielten.

Besonders fasziniert hat mich die Tatsache, dass Alice Teil einer „Story“ ist und aus dieser entkommen möchte. Sonst treffen wir eher auf Protagonisten, die in ein Buch eintauchen möchten, Alice will ihrer niedergeschriebenen Bestimmung entkommen und sucht dafür ihre „Erfinderin“, die Autorin ihrer Erzählung „Alice Three Times“ auf.
Es geht um Veränderung und darum, dass jeder Einzelne nicht eine Geschichte *hat* sondern vielmehr eine Geschichte *IST* und diese verändern kann, was allerdings Kraft kostet.
Melissa Albert vermittelt den Lesern „ihr lenkt euer Schicksal selbst, ihr könnt eure Rolle, in die ihr hineingewachsen seid, wechseln“ und das ist eine sehr wichtige Mitteilung für alle Jugendlichen, die mit der eher düsteren Seite des Erwachsenwerdens zu kämpfen haben.

Über einige Charakteren wie Ella, Ellery Finch oder Althea hätte ich gern ein wenig mehr erfahren, allerdings ist wohl mindestens ein weiteres Buch geplant, in dem es vielleicht etwas mehr Hintergrundinformationen gibt.

„The Hazel Wood“ war für mich ein tolles, intensives und recht gruseliges Leseerlebnis!

Rezension: Die Talon-Reihe von Julie Kagawa

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Band 1: Talon (Übersetzung: „Drachenzeit“, Heyne)
Band 2: Rogue (Übersetzung: „Drachenherz“, Heyne)
Band 3: Soldier (Übersetzung: „Drachennacht“, Heyne)
Band 4: Legion (Übersetzung: „Drachenblut“, Heyne)
Band 5: Inferno (Übersetzung: „Drachenschicksal“, Heyne, erscheint am 1.10.2018)

Autorin: Julie Kagawa
Verlag: Harlequin Teen

Inhalt:
In dieser Serie begegnen wir Drachen – allerdings nicht, wie man sie unbedingt kennt. Diese Wesen sind dazu in der Lage, sowohl in Drachen- als auch in Menschengestalt zu leben. Doch nicht jeder akzeptiert sie als Menschen. Eine Organisation namens „St. George“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, all diese „Monster“ – von deren Existenz die Normalsterblichen nichts wissen – zu vernichten.
Um dies zu verhindern, haben die Drachen ihr eigenes Netzwerk gebildet: Talon. Ihr Ziel ist es, die Drachenjäger auszulöschen und die Weltherrschaft zu übernehmen.
Doch niemand hat mit der Freundschaft zwischen dem Drachenmädchen Ember und dem Soldaten Garret gerechnet – eine Verbindung, die alles auf den Kopf stellt.

Rezension:

Ich kann nicht mehr sagen, wie ich auf diese Serie aufmerksam wurde, aber sie hat mich vom ersten Buch an gepackt, auch wenn wir es mit typischen YA-Elementen wie einer Dreiecksbeziehung und unerwiderter Liebe zu tun haben.

Die Figuren haben mich fasziniert. Die Idee, Drachen als Menschen leben zu lassen, war neu für mich und hat mich positiv überrascht. Kagawa gelingt es ausgesprochen gut, dies als einen völlig normalen Zustand zu schildern. Wir erfahren nicht, was genau bei der Verwandlung geschieht und wie aus einem winzigen Wesen ein mächtiger Drache entstehen kann, aber das spielt für die Geschichte auch keine Rolle.
Vielmehr handelt es davon, dem Fremden mit Offenheit zu begegnen, die eigenen Strukturen zu hinterfragen, die Persönlichkeit hinter der Andersartigkeit kennenzulernen und Gemeinsamkeiten zu entdecken.

Sowohl die Guten als auch die Bösen kämpfen sehr damit, ihr Weltbild zu erhalten bzw. neu zu formen. Ihre Handlungen und Entscheidungen sind glaubwürdig, ihre Emotionen nachvollziehbar.

Ja, es gibt viel Schwarzweißmalerei in „Talon“, jedem Leser ist klar, wer auf welcher Seite steht und mit wem man sympathisieren sollte, dennoch ist der Konflikt zwischen den Kontrahenten gut ausgearbeitet und die Message sehr deutlich „Verurteile niemanden, versuche, dein Gegenüber zu verstehen“.

Im letzten Band „Inferno“ gibt es den großen Showdown, der meiner Meinung nach ein wenig überzogen war: zu viele große Kampfschauplätze in zu kurzer Zeit. Auch die Wandlung Embers vom heranwachsenden, unsicheren Mädchen in eine Frau mit hohem Verantwortungsbewusstsein kam etwas zu plötzlich.

Trotz allem ist „Talon“ eine ausgesprochen unterhaltsame YA-Serie für alle, die Drachen mögen.

Rezension: „Priester“ von Trudi Canavan

priester Titel: Priester (Das Zeitalter der Fünf #1)
Autorin: Trudi Canavan
Verlag: Blanvalet
Originaltitel: Priestess of the White (Age of the Five #1)

Inhalt:
Die junge Auraya ist auserwählt, eine Priesterin der Weißen zu werden. Doch diese Ehre bedeutet auch, dass sie ihre Heimat für immer hinter sich lassen muss. Dabei könnte Auraya die Hilfe ihrer alten Freunde nun dringend gebrauchen. Denn geheimnisvolle, schwarz gekleidete Zauberer sind ausgeschwärmt – und verfolgen anscheinend nur ein Ziel: die totale Auslöschung des Weißen Ordens …

Rezension:

Trudi Canavan kenne ich zwar vom Hörensagen, habe aber ihre berühmte erste Trilogie um die Gilde der schwarzen Magier nie gelesen. Vermutlich hätte ich auch nie zu ihren Büchern gegriffen, wäre ich nicht auf einem Flohmarkt über die komplette zweite Trilogie zum Schnäppchenpreis gestolpert.

Der Einstieg in die Geschichte ist etwas verwirrend, weil es nicht nur unterschiedliche Erzählstränge sondern auch einen größeren Zeitsprung gibt. Erst begegnen wir Auraya als Kind und plötzlich sehen wir sie als Priesterin.
Mir ist bewusst, dass es so konzipiert wurde, um die frühe Verbindung mit dem Traumweber zu zeigen, dennoch fand ich diese Wandlung vom Kind zu einer bedeutenden Figur sehr überraschend.

Abgesehen davon liest sich der Rest der Story sehr flüssig und unterhaltsam. Canavan baut in diesem ersten Band eine phantastische Welt mit vielen interessanten Völkern, real existierenden Göttern und Magie, die keinen festen Strukturen gehorcht – sind die Götter gewillt, entstehen neue magische Fähigkeiten.

Auch wenn die Geschehnisse auf einen Krieg hindeuten (dessen Entstehung allerdings nicht sehr ausführlich erklärt wird), bleibt der Grundton des Buches positiv und optimistisch.
Gibt es so etwas wie „Cozy Fantasy“? Dazu würde ich „Priester“ zählen: man kann sich mitziehen lassen in all die drohenden Gefahren und hat stets das Gefühl „alles wird gut“.

„Priester“ ist keine High Fantasy. Vielmehr ist es eine nette, ein wenig weichgespülte Erzählung mit phantastischen Elementen und relativ friedlichen Wesen. Selbst der Krieg am Ende ist weniger dramatisch, als man hätte annehmen können, beinhaltet aber einen interessanten Gedanken, der Lust auf den Folgeband macht.

Leichte Fantasy für zwischendurch.