Rezension: „The Word is Murder“ von Anthony Horowitz

33797958.jpg Titel: The Word is Murder
Autor: Anthony Horowitz
Verlag: Century

Inhalt:

„A wealthy woman strangled six hours after she’s arranged her own funeral.
A very private detective uncovering secrets but hiding his own.
A reluctant author drawn into a story he can’t control.
What do they have in common?“

Rezension:

Anthony Horowitz habe ich über sein Buch „The House of Silk“, das er im Auftrag des „Arthur Conan Doyle Estate“ geschrieben hatte. Mir hatte diese „neue“ Sherlock-Holmes-Story ausgesprochen gut gefallen und mich neugierig auf diesen Autor gemacht.

Leider funktionierte „The Word is Murder“ für mich überhaupt nicht.

A) Ich wusste sofort, wer der Mörder war, es fehlten mir nur die Hintergründe
B) die Hauptfiguren sind unsäglich nervig

Hier hat sich Horowitz in guter, alter Sidekickmanier selbst ins Buch geschrieben, sozusagen als „Watson“ seines Protagonisten Hawthorne. Ich habe keine Ahnung, wie er auf die Idee kam, dass das der Geschichte einen gewissen Pfiff verpassen könne – es nervt ungemein, wenn er alle paar Seiten von seinen vorherigen Büchern erzählt und jammert, dass das neue Buch „seins“ ist und er sich nicht von Hawthorne in seine Kreativität hineinreden lassen werde. ich wollte ihm mehrfach zurufen „ist ja gut, wir haben das kapiert!“
Dennoch klebt er als Figur an seinem ach-so-klugen Detektiv, hängt an seinem Rockzipfel und hofft, selbst das Rätsel lösen zu können.

Auch Hawthorne mit seiner distanzierten, überheblichen Art ging mir ungeheuer auf den Keks. Natürlich wusste er alles schon viel früher, aber wir als Leser werden komplett im Dunkeln gelassen und sehen keine Zusammenhänge, so sehr wir uns auch bemühen. Doch Hawthorne steht weit über uns und belächelt uns milde…

Tut mir leid, aber das Buch hat mich von Anfang bis Ende einfach nur genervt. Ich wollte lediglich wissen, wie er die Fäden zusammenführt und habe es deswegen bis zum bitteren Schluss gelesen.

Eine Leseempfehlung kann ich nicht wirklich aussprechen.

 

Rezension: „Der Bote“ von Dieter Paul Rudolph

der-bote Titel: Der Bote
Autor: Dieter Paul Rudolph
Verlag: Conte Verlag

Inhalt:

„Das Jahr 2168 in Zeiten von Postkutschen und rationiertem Wasser. Im Weiler Bankies findet man die Leiche eines Unbekannten. Ein Kriminalrichter reist an, um den Fall zu untersuchen. Merkwürdiges geschieht, die Zeit fließt schneller, ein Strudel, der alles und jeden erfasst. Unter einem Schafstall summen Computer, unter Ruinen liegen Relikte einer merkwürdigen Vergangenheit.“

Rezension:

Ein weiteres Buch aus meiner Auswahl zum diesjährigen Indiebookday – erneut aus den Conte Verlag.

Ist das nicht ein großartiges Cover, das zusammen mit den Worten „Ein Science-Fiction-Krimi“ absolut verlockend klingt? Ich konnte mich diesem Charme jedenfalls nicht entziehen und habe nicht einmal den Klappentext gelesen, bevor ich mich darauf einließ.

„Der Bote“ hat mich komplett überrascht und es ist schwierig, etwas darüber zu sagen, ohne viel preiszugeben.
Der Einstieg ist ungewöhnlich. Wir werden mit einer seltsamen Figur konfrontiert, die ein paar irre Züge zu haben scheint, von der wir aber sonst nichts erfahren. In kurzen, abgehackten Sätzen stolpern wir ins Geschehen. Doch dann kommt ein hilfreicher Kriminalrichter, der die Sache und uns Leser in die Hand nimmt und versucht, einen Mord aufzuklären.

Wir erfahren etwas mehr über die Hintergründe und dass wir uns in einer Zivilisation in ferner Zukunft befinden, die sich ausnahmsweise einmal nicht vorwärts, sondern rückwärts entwickelt hat und den Errungenschaften aus der „Leserjetztzeit“ skeptisch gegenübersteht und sie als Märchen abtut. Die Protagonisten hängen – im wahrsten Sinne des Wortes – in ihrer Zeit fest. Zumindest hat es den Anschein.

Es ist ein absolut außergewöhnliches Buch, das mich bis zum Schluß völlig im Unklaren ließ und zwar bekannte Elemente verwendet, diese aber neu zusammensetzt.

Mich hat „Der Bote“ begeistert. Die Geschichte ist zwar kurz, aber sehr intensiv und ich möchte nun auch die weiteren Werke des Autors lesen.

 

Rezension: „Marie spiegelt sich“ von Isabella Archan

28500793 Titel: Marie spiegelt sich
Autorin: Isabella Archan
Verlag: Conte Verlag

Klappentext:
„Winter in Köln: Marie ist dreizehn, Marie liebt ihren Stoffbären und Marie schreibt gern. Sie erwacht in einem kalten Raum, dessen einziges Fenster zugemauert ist. Ihr Aufbäumen, ihr Widerstand, ihre Fluchtversuche scheitern und schließlich bleiben nur Durst und Kälte und Angst.
Maries Schule in Köln-Brück ist der letzte Ort, an dem sie gesehen wurde.
Die Kripo Köln sucht fieberhaft, die Mutter verzweifelt und Willa Stark muss tief graben, um die Hoffnung am Leben zu halten.
Doch auch die Zeit der jungen Grazer Polizistin läuft ab und als die Suche nach Marie scheitert, sich alte wie neue Spuren im Schnee verlieren, helfen nur noch Mut und Waghalsigkeit.“

Meinung:
„Marie spiegelt sich“ ist der zweite Fall der Ermittlerin Willa Stark von Isabella Archan – einer sehr sympathischen, engagierten Autorin, die ich auf der Frankfurter Buchmesse kennenlernen durfte.

„Helene geht baden“, das erste Buch der Reihe, hatte ich bereits vor drei Jahren gelesen und ich konnte mich nicht mehr gut an die Ermittlerin erinnern. Das spielt allerdings für diese Geschichte keine große Rolle. Es sind nicht Willa und ihre Kollegen, die hier im Vordergrund stehen, sondern das Opfer Marie und „Es“, die Figur, die lang im Dunkeln bleibt und für die Polizei schwer greifbar ist.

Mich haben der Schreibstil und die Charakterdarstellung von Marie unglaublich beeindruckt. Selten gelingt es einer deutschen Krimiautorin, ein solch eindrückliches Bild nicht nur von der Tat, sondern auch der Psyche von Opfer und Täter zu zeichnen. Viele Schriftsteller in diesem Genre konzentrieren sich auf Spurensuche und Verfolgung, nicht so Isabella Archan. Mit sehr viel Liebe zu Details gelingt es ihr, Personen zu erschaffen, mit denen man sich verbunden fühlt, deren Schicksale einem nicht egal sind, von denen man gern wissen würde, wie ihr Leben sich weiterentwickelt. Fast poetisch mutet ihre Erzählung an, die eigentlich nichts mit Poesie gemein hat.

Interessant ist auch, dass die Polizisten und selbst Willa Stark in diesem Katz-und-Maus-Spiel nicht die wahren Helden sind. Es sind Zufälle, aufmerksame Beobachtungen und mutige Heranwachsende, die die Geschichte prägen und letzten Endes zu einem guten Ausgang bringen.

Isabella Archan beweist mit „Marie spiegelt sich“, dass der deutschsprachige Kriminalroman noch lang nicht vom Aussterben bedroht ist und sehr gut mit Werken aus UK oder den USA mithalten kann.

Ein tolles Leseerlebnis, das ich jedem ans Herz legen kann!

Rezension: „Grimms Morde“ von Tanja Kinkel

36308168.jpg Titel: Grimms Morde
Autorin: Tanja Kinkel
Verlag: Droemer

Klappentext:
„Kassel, 1821: Die ehemalige Mätresse des Landesfürsten wird nach Märchenart bestialisch ermordet. Die einzigen Indizien weisen ausgerechnet auf die Gebrüder Grimm. Weil die Polizei nicht in Adelskreisen ermitteln kann, die sich lieber Bericht erstatten lassen, anstatt Fragen zu beantworten, kommen den Grimms Jenny und Annette von Droste-Hülshoff zur Hilfe. Ein Zitat aus einer der Geschichten, welche die Schwestern zur Märchensammlung der Grimms beigetragen hatten, war bei der Leiche gefunden worden. Bei ihrer Suche müssen sich die vier aber auch ihrer Vergangenheit stellen: Vorurteilen, Zuneigung, Liebe – und Hass, und diese Aufgabe ist nicht weniger schwierig. In einer Zeit, wo am Theater in Kassel ein Beifallsverbot erteilt wird, damit Stücke nicht politisch missbraucht werden können, Zensur und Überwachung in deutschen Fürstentümern wieder Einzug halten und von Frauen nur Unterordnung erwartet wird, sind Herz und Verstand gefragt.“

Meinung:
Eigentlich bin ich kein Fan historischer Romane, aber wie kann ich einem Krimi widerstehen, der die Brüder Grimm in einen Zusammenhang mit Morde bringt?

Zu den Grimms habe ich ein gespaltenes Verhältnis: ich mag keine Märchen, allerdings hatte sich mein Vater (Deutschlehrer) intensiv mit Märchen und Sagen befasst und die Grimms gehörten schon allein deswegen zu seinen bevorzugten Autoren, da sie einen Bezug zu unserer Heimat haben. Die Brüder besuchten als Jurastudenten die Philipps-Universität Marburg – und ich trat sozusagen in ihre Fußstapfen 😉

Noch bevor ich das Buch begonnen hatte, habe ich die Autorin auf der Frankfurter Buchmesse bei einer kurzen Lesung gesehen. Ich war beeindruckt, wie ausführlich sie sich mit den geschichtlichen Fakten befasst, wie viel Leidenschaft sie in die Recherche steckt und was sie alles über die Zeiten zu berichten weiß, in denen sie ihre Romane ansiedelt.

So war ich beim Lesen regelrecht überwältigt von all den Details, die mir rund um die eigentliche Story begegneten: So viele Informationen über das historische Kassel, die Vorgänge in den Adelskreisen, die politischen und privaten Verwicklungen. Ich musste das Buch immer wieder zur Seite legen, weil es voller Fakten steckt, die alle ihren Teil zum Gesamtwerk beitragen und ich das alles nicht „in einem Rutsch“ verarbeiten konnte.

Die Autorin gibt sich zudem große Mühe, den gesellschaftlichen Umgangston möglichst genau zu treffen. Das führt einerseits dazu, dass der Roman sich etwas „sperrig“ liest, andererseits ist es sehr authentisch und versetzt die Leser unmittelbar in das Jahr 1821.

Ich bin positiv überrascht von „Grimms Morden“ und Tanja Kinkel. Das war mit Sicherheit nicht das letzte Buch, das ich von ihr gelesen habe.

Rezension: „Camino island“ von John Grisham

34121119.jpg Titel: Camino Island
Autor: John Grisham
Verlag: Doubleday
Übersetzung: Das Original (Heyne Verlag)

Klappentext:
 „A gang of thieves stage a daring heist from a secure vault deep below Princeton University’s Firestone Library. Their loot is priceless, but Princeton has insured it for twenty-five million dollars.
Bruce Cable owns a popular bookstore in the sleepy resort town of Santa Rosa on Camino Island in Florida. He makes his real money, though, as a prominent dealer in rare books. Very few people know that he occasionally dabbles in the black market of stolen books and manuscripts.
Mercer Mann is a young novelist with a severe case of writer’s block who has recently been laid off from her teaching position. She is approached by an elegant, mysterious woman working for an even more mysterious company. A generous offer of money convinces Mercer to go undercover and infiltrate Bruce Cable’s circle of literary friends, ideally getting close enough to him to learn his secrets.
But eventually Mercer learns far too much, and there’s trouble in paradise as only John Grisham can deliver it.
 “

Meinung:
Ich weiß nicht wirklich, was ich zu diesem Buch groß schreiben soll, außer „Was bitte war das denn?“

Es begann wie ein Thriller mit einer guten und spannenden Idee.
Im Mittelteil gab es dann lediglich feiernde und Alkohol trinkende Autorinnen und Autoren und gegen Ende eine unglaublich kitschige Bettgeschichte.

Vermutlich soll der Roman ein wenig an Fitzgerald und „The Great Gatsby“ erinnern, anders kann ich mir diesen furchtbaren Plot nicht erklären.

Muss man nicht lesen.

Rezension: „Grandhotel Angst“ von Emma Garnier

36017578.jpg Titel: Grandhotel Angst
Autorin: Emma Garnier
Verlag:  Penguin Verlag (zur Buchseite)

Klappentext:
„Italien, März 1899. Die junge Nell reist mit ihrem Mann Oliver an die ligurische Küste, um in Bordighera ihre Flitterwochen zu verbringen. Das Paar logiert im luxuriösen Grandhotel Angst. Nell ist von dem großartigen Gebäude, dem exotischen Hotelpark und dem Blick aufs funkelnde Meer fasziniert. Doch zu ihrer Überraschung kennt Oliver nicht nur bereits das Personal und einige Gäste, sie scheinen auch Geheimnisse zu teilen. Als ein Hotelgast überraschend verstirbt, beginnt Nell, nachzuforschen. Und stößt auf eine Geschichte von Schuld und Verrat – und auf eine unheimliche Legende, die sie in ihren Bann zieht. Bis sie plötzlich selbst im Verdacht steht, ein Verbrechen begangen zu haben …“

Meinung:
Was passt besser in den Herbst, als eine „unheimliche Legende“ in einem Hotel, das „Angst“ heißt? Das klingt nach Gänsehaut und verspricht spannende Leseabende.

Von Emma Garnier hatte ich bis zu diesem Roman noch nichts gehört und wer ein wenig recherchiert, wird merken, dass es ein Pseudonym ist. Hinter diesem Namen steckt die deutsche Schriftstellerin Heike Koschyk oder auch  Sophie Bonnet.
Dass sie reichlich Schreiberfahrung besitzt, merkt man sofort. Hatte ich ein wenig skeptisch ein holpriges Debütwerk erwartet, wurde ich schon auf den ersten Seiten von einem flüssigen und zur Epoche, in der die Geschichte spielt, passenden Schreibstil überrascht.

Auch die Handlung selbst hat mir sehr gut gefallen. Es gibt interessante Figuren und eine überzeugende Charakterentwicklung der Protagonistin, die am Ende sogar ein paar feministische Züge annimmt. Lässt sie sich zunächst noch von den Geistergeschichten beeindrucken, besinnt sie sich irgendwann und versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu gehen, selbst wenn dies ihre junge Ehe gefährdet.

Es gibt einige unerwartete Wendungen in diesem Buch, die für anhaltende Spannung bis zum Schluss sorgen. Auf den letzten Twist hätte ich persönlich zwar verzichten können, aber das ist Geschmacksache und tut dem übrigen Geschehen keinen Abbruch.

„Grandhotel Angst“ ist tatsächlich eine hervorragende Lektüre für neblige Oktobertage und wer noch ein passendes Halloweenbuch sucht, sollte dieses in Erwägung ziehen.