Montagsfrage: Isolationslektüre

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Momentan ist es etwas chaotisch bei mir, weil ich auf Homeoffice umstellen muss. Mein Laptop wird heute fertig eingerichtet und wenn alles läuft, bin ich ab morgen bis vorerst Ende nächster Woche mit der Arbeit daheim. Das ist das erste Mal für mich und meine KollegInnen. Wir arbeiten in einem Bereich, der stets enge Abstimmung erfordert. Klar, wir haben Tools dafür, aber es ist einfach eine Umgewöhnung nötig.

Noch dazu kann ich zuhause nicht Arbeit und Privat räumlich trennen, also werde ich findig werden müssen. Allerdings finde ich diese neue Erfahrung sehr spannend und bin froh, dass ich so meinen Teil zu #flattenthecurve beitragen kann.

Aber kommen wir nun zur Montagsfrage von Antonia: Welches Buch hast du zuletzt beendet und wäre es eine gute Quarantäne-Lektüre?

Ich hoffe mal, dass die meisten von uns nicht in behördlich angeordnete Quarantäne kommen, sondern sich „nur“ in freiwilliger Selbstisolation befinden.Aber ich denke, dass mein zuletzt gelesenes Buch so oder so nur bedingt passen würde…

„Die Ewigkeit in einem Glas“ von Jess Kidd

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Ich habe kürzlich „Die Ewigkeit in einem Glas“ von Jess Kidd beendet, dass ich noch mit einer eigenen Rezension vorstellen werde, aber so viel sei gesagt: Es ist sehr düster und schaurig.

Gerade jetzt, wo so viele negative Schlagzeilen auf uns niederprasseln, würde ich es nicht als „Ablenkung“ empfehlen. Ich würde jetzt eher zu lockeren und heiteren Büchern greifen wie beispielsweise zu „Well Met“ von Jen DeLuca.

Welche leichten Bücher würdet ihr vorschlagen?

Bleibt gesund!

 

Montagsfrage: Ausgediente Klischees

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Die Montagsfrage diese Woche finde ich – wieder einmal – ausgesprochen interessant.

Antonia möchte wissen: „Welche Klischees haben für euch wirklich ausgedient?“

Der kaputte Ermittler

Ganz ehrlich, ich ertrage ihn nicht mehr, den kaputten Ermittler, der irgendein Trauma in seiner Laufbahn hatte, deswegen alkoholabhängig ist, keine festen Beziehungen eingehen kann, dem die Frauen dennoch zu Füßen liegen, weil sie ihn so „interessant“ finden, und der am Ende natürlich souverän den Fall löst – ohne Hilfe versteht sich.

Solche Menschen gehören in Behandlung und nicht mit verantwortungsvollen Positionen betraut! Sie verhalten sich ihrer Umwelt gegenüber ausgesprochen toxisch, ziehen andere in ihr Elend und kommen mit ihrem unsozialen Verhalten immer wieder durch, weil natürlich ihr Können wichtiger ist als ihre (nicht vorhandene) Mitmenschlichkeit. Solche Männer sind keine Helden, sie sind ein Fall für die Therapie…

Frau „heilt“ mit ihrer Lieben den Arschlochtypen

Deutlich schlimmer noch als den kaputten Ermittler finde ich die Frau, die einen Mann trifft, der sich ihr und anderen gegenüber wie der letzte Arsch verhält (sorry, ein besserer Begriff fällt mir dafür nicht ein), für den sie sich aber aufopfert, ihre Freundinnen verlässt, die sie vor ihm warnen, immer wieder von ihm benutzt wird, ihn aber zu guter Letzt mit ihrer Hingebung zu einem besseren Menschen macht, weil eigentlich hat er nur etwas sehr Schreckliches erlebt, was ihn so hat werden lassen.

Wer sich freiwillig einem Tyrannen oder Narzissten an den Hals wirft, wird mitgerissen in die Negativspirale – so etwas geht in den meisten Fällen nicht gut aus für die Frau. Und ich sehe so gar nichts Romantisches an Selbstzerstörung…

Warum mich diese Klischees stören

Ich bin der Meinung, dass Geschichten, die wir oft lesen, unsere Wahrnehmung im Alltag und damit auch unsere Einstellung und unser Verhalten unbewusst prägen.

Diese Erzählungen geben egozentrischen und dominanten Menschen mehr Raum, als ihnen zustehen sollte. Sie vermitteln uns „es ist ok, wenn du unter xy leidest, am Ende wird alles gut werden“. Nein, wird es nicht!
Niemand sollte sich in Hoffnung auf ein „Happy End“ von anderen schikanieren und quälen lassen, niemand sollte anderen die Oberhand über das eigene Glück geben.

Und AutorInnen sollten dieses Bild nicht weiter vermitteln. Wobei wir aber bei einem anderen Problem wären, nämlich was Verlage wollen – gut verkaufbare Klischees für MainstreamleserInnen.

Dazu sollte ihr euch unbedingt DIESEN Artikel anschauen, der erklärt, warum wir uns mit Klischees überhaupt herumschlagen müssen.

Es gäbe noch viel zu sagen zu diesem Thema aber ich möchte es vorerst bei diesen beiden Punkten belassen. Alles andere würde den Rahmen doch etwas sprengen.

 

 

 

Montagsfrage: Charmant illustriert

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Ich weiß, es ist nicht mehr Montag, aber leider verlief der bei mir ein wenig stressig. Aber auch am Dienstag ist die Montagsfrage von Antonia durchaus noch relevant:

Welche Bücher mit Illustrationen im Mittelpunkt des Werkes (= Graphic Novels, Comics/Manga, illustrierte Schmuckausgaben etc.) sollten in keinem Buchregal fehlen?

Mein erster Gedanke war: „Ich hab und kenne keine“, aber haha, was war der falsch.

Da wäre zunächst einmal das Buch „Hier“ von Richard McGuire.

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„›HIER‹ ist die Geschichte eines Stücks Welt, an dem das Leben vorüberzieht. Richard McGuire erzählt sie, indem er den örtlichen Fokus unverändert lässt, sich aber virtuos über alle Grenzen der Zeit hinwegsetzt. „

In einem älteren Blogpost von mir findet ihr mehr dazu.

Das nächste Buch, das ich besitze und liebe ist „Sabrina“ von Nick Drnaso.

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Hier steht definitiv die Handlung stärker im Vordergrund als die eher schlicht gehaltenen Bilder, was ich sehr mag.

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Dazu habe ich auch eine Rezension geschrieben.

Und dann wären da auch noch die wundervoll illustrierten Schmuckausgaben aus dem Coppenrath Verlag wie beispielsweise „Alice im Wunderland / Alice hinter den Spiegeln“, das ich kürzlich erworben habe:

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Ah, fast hätte ich „Weltliteratur für Eilige“ von John Atkinson vergessen:

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Das ist meiner Meinung nach ein echtes Muss für jeden Literaturliebhaber.

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Wochenrückblick: Viren und Romantik

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Da denkt man, das Jahr beginnt, besser zu werden und dann wird man von einem fiesen Virus überrascht.

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Ab Dienstag wurde ich vom Doc zur Ruhe gezwungen, aber ich hätte auch kaum was anderes tun können.

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So entschloss ich mich spontan, an der „Romance Week“ auf Goodreads teilzunehmen und las einen ziemlich schnulzigen, aber schon unterhaltsamen Liebesroman aus dem viktorianischen England.

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Aber viel, viel schöner ist dieses Buch, das mich Ende der Woche erreichte! „Alice im Wunderland, Alice hinter den Spiegeln“ aus dem Coppenrath Verlag  ist ein kleines Kunstwerk, das ich euch bei nächster Gelegenheit noch genauer vorstellen möchte.

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Und da ich mittlerweile wieder virenfrei und recht fit bin, stürze ich mich heute furchtlos in den nächsten Quell für Krankheiten jeglicher Art: Ich gehe auf einen Kindergeburtstag…

Habt ein schönes Wochenende!

Montagsfrage: Autorenkollaboration

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In Saarbrücken haben wir „Sabine“ relativ gut überstanden. Auf den Dörfern rundherum sieht es wohl etwas anders aus. Viele Straßen sind gesperrt und die Züge fahren auch noch nicht.

Ich hoffe, bei Euch hat der Sturm nicht zu viel Schaden angerichtet.

Kommen wir zur heutigen Montagsfrage von Antonia: Welche Autoren-Kollaboration wäre euer Traum?

Ich bin kein großer Fan von Autorenkolloborationen, nicht alle gelingen wirklich gut. Schauen wir uns mal an, was wir aktuell so haben:

Schreibende Ehepaare oder Freunde

Da wären zum Beispiel die schreibenden Ehepaare Iny Lorentz, Wolfgang und Heike Hohlbein oder die gemeinsam schreibenden Freunde Rose Snow oder Auerbach & Keller.

Das sind Fälle, in denen meist (aber natürlich nicht immer) beide gemeinsam von Anfang an die Bücher schreiben, selten sind die Einzelpersonenen selbst für Bestseller bekannt (ja, bei Hohlbein ist dem nicht so).
Hier finde ich die Zusammenarbeit am harmonischsten. Hier „hört“ man nicht die unterschiedlichen Stimmen so stark heraus.

Einer denkt, der andere schreibt

Ok, die Überschrift ist nicht ganz ernst gemeint, aber spontan denke ich da an James Patterson, dessenMasterclass ich kürzlich anschaute. Er bereitet das Outlining vor, dann hat er andere Autorinnen und Autoren, die ihm die Struktur mit Wörtern füllen. Er steht in engen Kontakt mit den Schreibenden, jeder bringt Ideen ein, aber das Sagen hat letzten Endes Patterson.

Ich hab nur wenig von Patterson gelesen, weil es nicht mein Genre ist, aber offensichtlich scheint diese Art der Kollaboration gut zu gelingen, denn fast jedes seiner Bücher ist ein Bestseller.

Bekannte AutorInnen schreiben gemeinsam

Das dürfte wohl die Konstellation sein, die in der heutigen Frage gemeint ist: zwei AutorInnen, die für sich genommen bereits bekannt sind, schreiben gemeinsam ein Buch, als da wären: Douglas Preston & Lee Child, Ursula Poznanski & Arno Strobel, Jay Kristoff & Amie Kaufman,…

Das sind die Zusammenstellungen, die ich persönlich am Schwierigsten finde. Beide Schreiberlinge haben für sich genommen eine starke Schreibstimme, da ist es nicht leicht, einen „gemeinsamen Ton“ für ein Buch zu finden. Meist wird es so gelöst, dass jeder aus der Sicht eines eigenen Protagonisten schreibt. Gelingt meiner Meinung nach nicht immer gut, die Erzählung wirkt dann nicht stimmig. Sehr gestört hat mich das beispielsweise bei Poznanski und Strobel.

Traum-Kollaborationen

Da ich lieber eine Geschichte „mit einer Stimme“ lese, gibt es für mich keine Traum-Kollaboration.
Was ich aber natürlich absolut in Ordnung finde, sind Anthologien, Stories zu einem Thema von unterschiedlichen AutorInnen.

Wie seht ihr das?

 

 

Montagsfrage: #ownvoice

Es ist Montag und mich hat der Alltag wieder eingeholt. Alles fühlt sich noch etwas zäh an, aber so ist das ja immer nach dem Urlaub.

Schauen wir lieber, was Antonia heute wissen möchte: Kann ein Autor über etwas außerhalb der eigenen Erfahrung schreiben? (Und muss er es sogar?)

Das ist ein Thema, mit dem ich mich gedanklich schon seit einer Weile befasse und mir nicht sicher bin, wie ich es bewerten soll.

Die Diskussion kam bereits vor einiger Zeit – so um 2016 herum –  das erste Mal auf Twitter unter #ownvoice auf. Damals ging es zunächst um Kinderbücher, später dann auch um „queer“-Literatur, also Bücher über Menschen aus Randgruppen.

Viele LeserInnen fordern, dass nur solche AutorInnen über spezielle Erfahrungen wie Homosexualität, Behinderung,… schreiben sollten, die es auch selbst erlebt haben. Das muss aber nicht immer gut gehen.

George

Mein erstes Negativbeispiel für #ownvoice ist das Buch „George“ von Alex Gino. Sie haben schon ein Problem damit, die Zielgruppe zu definieren: sind es die Kinder, die sich falsch zugeordnet fühlen oder die Erwachsenen, die mit solchen Kindern umgehen?
Dann drängen sie den Charakter extrem in die maskuline Ecke. Nur weil jemand ein Junge sein möchte, heißt es nicht, dass er auch ein entsprechend „männliches Verhalten“ an den Tag legen muss. Sie thematisieren die Alltagsprobleme nicht genug und überhaupt ist es erzählerisch misslungen.

#ownvoice heißt noch lang nicht, dass jemand empathisch genug ist, seine Erfahrungen in eine Figur zu transportieren und zwar so, dass sie von allen verstanden wird. Vielleicht kann das tatsächlich jemand besser, der diese Erfahrungen nicht gemacht, sich aber sehr einfühlsam in andere hinzuversetzen versucht – und der noch dazu die Erzählkunst besser beherrscht.

American Dirt

Brandaktuell und heiß diskutiert ist derzeit „American Dirt“ von Jeanine Cummins, eine Erzählung über eine mexikanische Mutter, die mit ihrem Sohn über die Grenze nach Amerika fliehen muss, weil sie im eigenen Land von einem Drogenboss verfolgt wird.

So weit, so gut. Geschrieben hat dieses Buch eine Weiße (ok, ihre Oma stammt aus Puerto Rico), die keinerlei Erfahrung mit Immigration hat. Zwar erwähnte sie, dass ihr Mann jahrelnag ein nicht gemeldeter Immigrant gewesen sei – was sie aber verschwieg war, dass er aus Irland eingewandert war – nicht aus Mexiko und nicht unter diesen verschräften Umständen.

Viele Latinx werfen Cummins nun vor, die Problematik herabzuwürdigen. Ihre Figuren seien ausgesprochen klischeehaft, das Verhalten der Portagonistin unrealistisch (sie hat in der Story genug Geld, um sich in einen Flieger zu setzen und so in die USA einzureisen, wählt aber den gang durch die Wüste) und ihre spanischen Ausdrücke seien sprachlich falsch eingesetzt worden.

Das alles wäre vermutlich gar nicht so hochgekocht, hätte a) der Verlag nicht eine siebenstellige Summe dafür gezahlt und nun die entsprechende Marketingmaschinerie angeworfen, um das Geld wieder einzufahren und hätte b) Oprah dieses Buch nicht als ein Werk für ihren sehr populären Buchclub gewählt und als „den Migrationsroman schlechthin“ bezeichnet.
Da war der Aufschrei – zu Recht – groß, denn es gibt genug „Betroffene“, die bereits über dieses Thema geschrieben haben, die aber im weißen Verlagswesen untergehen. Überhaupt wirft das ein erschreckendes Bild darauf, wie wenig divers diese Branche ist und wie wenig kritisch dieser Roman intern bereits betrachtet wurde.

Ich könnte jetzt auch noch ein paar Worte über das romantische Cover mit Stacheldraht verlieren, aber das würde den Rahmen der Montagsfrage sprengen…

Mein persönliches Fazit

Es gibt für beide Seiten – erzählt aus eigener Erfahrung oder nicht – genug Negativ- und Positivbeispiele.
Bei Themen, mit denen ich mich noch nicht ausgiebig befasst habe, würde mir wohl ein stereotypisches Erzählen nicht einmal auffallen, was es nicht unbedingt besser macht.

Ich sehe es nicht so, dass ausschließlich #ownvoice-Romane in gewissen Bereichen publiziert werden sollte, aber ich erwarte von einem Verlag, der etwas auf sich hält, dass er den Text auf Klischees hin überprüft und ggf. eine Nachbesserung anregt.

Wie seht ihr das?