Review: Der Sommer der schwarzen Schafe

Der Sommer der schwarzen Schafe: RomanTitel: Der Sommer der schwarzen Schafe
Autor: Joanna Cannon
Übersetzer: Astrid Finke
Verlag: Limes Verlag
Originaltitel: The Trouble with Goats and Sheep

„Diese Stadt wird immer sofort nervös, wenn etwas Ungewöhnliches passiert. Mit Abwechslung kommt sie nicht gut zurecht.“

1976 irgendwo in einer kleinen Vorstadt in England. Es ist Sommer, es ist unerträglich heiß – und plötzlich verschwindet Mrs. Creasy.
Die beiden 10-jährigen Freundinnen Grace und Tilly beschließen, Gott zu finden, denn – davon sind sie fest überzeugt – wenn sie Gott finden, kommt Mrs. Creasy zurück.
So machen sie sich auf, gehen von Tür zu Tür, stellen Fragen und stoßen auf ein Geheimnis aus der Vergangenheit, das alle unruhig werden lässt.

Ich bin verliebt! Ich bin verliebt in fiktive Charaktere, in ihre Verschrobenheiten, in die beiden klugen Mädchen Grace und Tilly, in herrliche Formulierungen und Wortmalerei – ich bin verliebt in ein wundervolles Buch einer mir bisher unbekannten Autorin.

Ich weiß gar nicht, wo ich mit meiner Begeisterung beginnen soll.
Da wäre zuerst dieser typisch englische Ort, in dem jeder wenn auch nicht jeden, so aber wenigstens seine nächsten Nachbarn kennt. Alle haben sie ihre Eigenarten und tragen ihre kleinen und größeren Lasten. Alle versuchen, diese Lasten zu verbergen. Sie wollen nicht zu einem Außenseiter werden wie Walter Bishop, einer unter, aber nicht einer von ihnen.

Walter, den seine Nachbarn hassen, der zurückgezogen lebt, über den auch der Leser nicht viel erfährt, ist Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte und der Schlüssel zu dem großen Mysterium, das alle anderen verbindet und das sie alle fürchten.

Doch nicht nur die Figuren sind hervorragend gezeichnet. Auch der Sprachstil und die gelungene Übersetzung machen das Lesen zu einem Genuß! Hier gib es „schlecht gelaunte Haare“, ein Zimmer, das aussieht, „als hätte man es mit einem Eisportionierer ins Haus gelöffelt“, ein anderes, das „matt und unglücklich“ wirkte. Wunderbar! Ich konnte von einigen Sätzen gar nicht genug bekommen und habe sie immer und immer wieder gelesen.

Trotz dieser Leichtigkeit, die Joanna Cannon über die Seiten legt, ist es ein ernsthaftes und wichtiges Thema, das sie beleuchtet. Es ist die Angst vor dem Alleinsein, dem nicht dazu gehören, der Andersartigkeit – eine Angst, die schon im Kleinen beginnt und zu etwas ganz Großem heranwachsen kann, wenn niemand den Mut hat, nach der Wahrheit zu suchen.

„Der Sommer der schwarzen Schafe“ ist eins der Bücher, das ich digital gelesen habe und nun als Hardcover kaufen werde, um mir die Figuren und ihre Geschichte greifbar nach Hause zu holen. Ich möchte nicht, dass sie zwischen Bits und Bytes verschwinden 🙂

Für mich ist es das bisher beste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe und eigentlich verdient es weit mehr als fünf Sterne.

5sterne

 

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