Rezension: „Unsere Seelen bei Nacht“ von Kent Haruf

34664849.jpg Titel: Unsere Seelen bei Nacht
Autor: Kent Haruf
Verlag: Diogenes (zur Buchseite)
Originaltitel: Our Souls at Night (Knopf)

Klappentext:
„Holt, eine Kleinstadt in Colorado. Eines Tages klingelt Addie, eine Witwe von 70 Jahren, bei ihrem Nachbarn Louis, der seit dem Tod seiner Frau ebenfalls allein lebt. Sie macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag: Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten möchte? Louis lässt sich darauf ein. Und so liegen sie Nacht für Nacht nebeneinander und erzählen sich ihre Leben. Doch ihre Beziehung weckt in dem Städtchen Argwohn und Missgunst.“

Meinung:
„Unsere Seelen bei Nacht“ ist der letzte Roman des 2014 verstorbenen Schriftstellers Kent Haruf – und ein wahres Kleinod.

Selten trifft man auf eine Erzählung, die mit wenigen Worten so viele Emotionen weckt. Sie beleuchtet die Einsamkeit in späteren Jahren, den Wunsch nach Nähe, schmerzlichen Erinnerungen, lange vergraben, nun behutsam an die Oberfläche zurückgeholt.
Im Dunkeln der Nacht verschwimmen die Kanten, alles wird gemeinsam erträglicher, aus den Schatten wachsen neue Kräfte für den Alltag.

Und es ist kein leichter Alltag, den Louis und Addie meistern müssen. Da sind die Nachbarn, die boshaft tratschen, der Enkel Jamie, für den Addie plötzlich Verantwortung übernehmen muss und da ist der Sohn, der um sein Erbe bangt und dem Freund seiner Mutter den weiteren Umgang mit ihr untersagt.

Ich bin kein besonders emotionaler Mensch und es haben bisher nur sehr wenige Bücher geschafft, mich zu berühren.
„Unsere Seelen bei Nacht“ hat mich zum Schmunzeln gebracht, ich habe getrauert, doch am stärksten war die Wut, die ich empfand, als der gierige Gene diese zarte Liebe unterbindet und Jamie als Druckmittel einsetzt. „Wie kann er nur?“, habe ich mich ereifert und war tatsächlich kurz davor, das Buch in die Ecke zu pfeffern.

So zärtlich diese tragische Liebesgeschichte auch geschrieben ist, so nah an der harten Realität ist sie dennoch. Wir rühmen uns damit, modern und aufgeschlossen zu sein, doch wenn es um unsere einsamen Hinterbliebenen geht, verhalten wir uns oft sehr kindisch und verstockt.

„Unsere Seelen bei Nacht“ mahnt uns leise, die Entscheidungen anderer zu respektieren oder zumindest zu tolerieren, gerade wenn es sich um nahe Menschen handelt. Jeder hat ein Recht auf einen Neuanfang und spätes Glück im Leben, auch wenn die Vergangenheit vielleicht voller Fehler und Leid steckt.

Ein wundervolles Buch, das durch seine sanften Töne besticht!

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