Rezension: „Six Wakes“ von Mur Lafferty

28962996.jpgTitel: Six Wakes
Autorin: Mur Lafferty
Verlag: Orbit
Übersetzung: „Das sechste Erwachen“ (erscheint am 11.6.2018 bei Heyne)

Inhalt:
„It was not common to awaken in a cloning vat streaked with drying blood.
At least, Maria Arena had never experienced it. She had no memory of how she died. That was also new; before, when she had awakened as a new clone, her first memory was of how she died.
Maria’s vat was in the front of six vats, each one holding the clone of a crew member of the starship Dormire, each clone waiting for its previous incarnation to die so it could awaken. And Maria wasn’t the only one to die recently…“

Rezension:

Mur Lafferty kannte ich bislang zwar nicht als Autorin, aber als Host diverser Podcasts, wie damals „Escape Pod“ oder aktuell „I should be writing“.
Aug ihr Buch bin ich aufmerksam geworden, weil es zu den diesjährigen Finalisten der Hugo Awards gehört und ich gern das ein oder andere Buch von dieser Liste lese.

„Six Wakes“ ist auf den ersten Blick ein „locked-room mystery“: auf einem Raumschiff geschahen gruselige Morde – aufgelöst werden sie von den Klonen der Opfer.
Zunächst weiß man als Leser nicht, worum es hier eigentlich geht, wer diese „Menschen“ sind, was ihre Mission ist und wieso diese Taten begangen wurden.
So besteht der Anfang des Buches darin, ein wenig Ordnung in dieses Chaos zu bringen und den Crewmitgliedern bei der Auflösung der Situation zur Seite zu stehen.

Doch schon bald wird klar, dass es hier um deutlich mehr geht. Klonen gehört in dieser Gesellschaft zur Norm, allerdings wird die Technologie nicht zu Vervielfältigungszwecken eingesetzt, sondern sie ist eine Option der Verlängerung des Lebens. Es darf jeweils nur eine Kopie eines Menschen existieren, dessen „Mindmap“ (was ihn als Persönlichkeit ausmacht, seine Erinnerungen, Erfahrungen, usw.) werden auf den Klon 1:1 und ohne Veränderungen übernommen, auch seine DNA bleibt gleich, sein Körper erwacht jedoch in einer starken, frischen Form.

Während die Besatzung den aktuellen Ereignissen auf den Grund geht, werden nach und nach Hintergründe zu ihrer Vergangenheit offengelegt und darin wiederum erfährt man als Leser, dass die Situation der Klone in dieser Welt nicht so einfach ist, wie sie erscheint. Man lernt etwas über die geschichtlichen Entwicklungen der Technik, dem Umgang mit den Kopien, den politischen Bestrebungen und religiösen Ansichten.

Insbesondere das Kapitel, in dem die Religion im Vordergrund steht, fand ich hochinteressant. Die Diskussion darüber, ob ein Klon tatsächlich die Seele seines Vorgängers besitzt oder lediglich eine maschinelle Vervielfältigung ohne eigenen Charakter darstellt, hätte meiner Meinung nach vertieft werden können. Sie ist der stärkste Erzählstrang in diesem Buch, voller Emotionen und wertvoller moralischer und ethischer Aspekte, die zukünftig im Hinblick auf Künstliche Intelligenz eine Rolle spielen könnten.

Mur Lafferty bringt großartige Ideen zum Thema „Klonen“ in ihrer Erzählung ins Spiel. Sie reißt sie grob an und überlässt es dem Leser, sich auszumalen, welche Folgen dies für das Zusammenleben hat.

„Six Wakes“ ist nicht nur hervorragende Unterhaltung. Es regt außerdem zum Nachdenken darüber an, wie KI oder das Klonen sowohl eine Gesellschaft als auch den Einzelnen verändern können, denn mit den Möglichkeiten kommen auch die Gefahren eines Missbrauchs und man wird sie nur eindämmen, niemals aber verhindern können.

Ein tolles Buch für Einsteiger in das SciFi-Genre und genug Grübelstoff für Fortgeschrittene!

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