„Beim Morden bitte langsam vorgehen“ von Sara Paborn

39864800.jpgTitel: Beim Morden bitte langsam vorgehen
Autorin: Sara Paborn
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
Originaltitel: Blybröllop

Inhalt:
„Die Leute leben einfach zu lange. Und die wenigsten haben das verdient. Horst jedenfalls nicht. Nach 39 Ehejahren voller Sticheleien hat Irene endgültig genug von ihrem Mann. Als sie eines Tages in einer alten Schachtel Vorhang-Bleibänder findet, kommt ihr die beste Idee ihres Lebens: Aus der immer so netten Bibliothekarin wird eine gerissene Hobbychemikerin, die ihre bisher von Braten- und Kuchenduft erfüllte Küche in ein Labor verwandelt. Dort bereitet sie Bleizucker zu. Geduldig rührt sie ihrem Mann täglich ein Löffelchen in den Kaffee. Bei den wirklich wichtigen Dingen muss man langsam vorgehen …“

Meine Meinung:
Aus Schweden kennt man überwiegend männliche Schriftsteller und depressive Protagonisten. Ich war also sehr gespannt, was für eine Art von Kriminalgeschichte eine Autorin aus Schweden schreiben würde.

Um es gleich vorweg zu sagen: „Beim Morden bitte langsam vorgehen“ ist kein Whodunit-Buch. Wer wen ermordet, steht von Anfang an fest. Wir erfahren als Leser, wie und warum es zu dieser Tat kam.

Irene hat das Pech, in einer Zeit zu leben, in der Ehen daraus bestehen, dass die Frauen ihrem arbeitenden Mann daheim ein schönes Leben gestalten und selbst nur dekorativer Teil des großen Ganzen sind.
Zudem wurde sie offenbar mit sehr romantischen Vorstellungen einer Partnerschaft erzogen, denn sie himmelt Horst zu Beginn ihres Kennenlernens aufgrund seines Auftretens an und erhofft sich von ihm, all ihre Wünsche über ein Zusammenleben in Erfüllung zu bringen. Allerdings wird zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte klar, wie diese Wünsche konkret aussehen. Es lässt sich lediglich erahnen, dass sie „Gleichberechtigung“ in der Partnerschaft möchte, doch ihr ganzes Verhalten widerspricht dem. Horst trifft Entscheidungen und Irene ordnet sich – wenn auch verärgert – diesen unter. Nie zieht sie ihre Grenzen, sie versucht es nicht einmal ernsthaft.

Ich kann zwar aufgrund ihrer Erzählungen nachvollziehen, warum sie sich unglücklich in einer Ehe mit einem dominanten und noch dazu recht zynischem Mann fühlt, aber ich kann kein Verständnis für ihre Lösung des Problems aufbringen. Handelt so eine Frau, die ihre eigenen Bedürfnisse beachtet sehen möchte? Muss sie wirklich zu einem Mord greifen? Zeugt das von Stärke oder doch eher von Schwäche?

Die Geschichte ist sprachlich gut formuliert, doch es fehlen einfach ein paar wesentliche Informationen, um das Handeln der Protagonistin wirklich mittragen zu können. Über Horst erfahren wir kaum etwas, außer dass er hier und da Fehler macht, die Irene allerdings nie korrigiert und vermutlich auch nie offen anspricht. Was macht Horst in der übrigen Zeit?
Selbst über ihr Innenleben lässt sich ihre Entscheidung nicht erschließen. Sie wirkte auf mich einfach nur unzufrieden, nicht besonders glücklich und nicht weniger zynisch als ihr Partner. Wo sind die tiefen Emotionen, die einen Menschen dazu bringen, zum letzten Mittel zu greifen?

„Beim Morden bitte langsam vorgehen“ ist kein schlechtes Buch, allerdings wird das Bild einer schwachen Frau gezeichnet, die ihr Leben nur mit einem Mord zu verbessern vermag. Schade. Man hätte aus dieser Situation so viel mehr machen können.
Kann man lesen, muss man aber nicht.

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