„Die Geschichte der getrennten Wege“ von Elena Ferrante

34623369Titel: Die Geschichte der getrennten Wege
Autorin: Elena Ferrante
Serie: Neapolitanische Saga #3
Verlag: Suhrkamp
Originaltitel: Storia di chi fugge e di chi resta

Inhalt:
„Es sind die turbulenten siebziger Jahre und die beiden inzwischen erwachsene Frauen. Lila ist Mutter geworden und hat sich befreit und alles hingeworfen – den Wohlstand, ihre Ehe, ihren neuen Namen – und arbeitet unter entwürdigenden Bedingungen in einer Fabrik. Elena hat ihr altes neapolitanisches Viertel hinter sich gelassen, das Studium beendet und ihren ersten Roman veröffentlicht. Als sie in eine angesehene norditalienische Familie einheiratet und ihrerseits ein Kind bekommt, hält sie ihren gesellschaftlichen Aufstieg für vollendet. Doch schon bald muss sie feststellen, dass sie ständig an Grenzen gerät.
Ganze Welten trennen die Freundinnen, doch gerade in diesen schwierigen Jahren sind sie füreinander da, die Nähe, die sie verbindet, scheint unverbrüchlich. Würde da nur nicht die langjährige Konkurrenz um einen bestimmten Mann immer deutlicher zutage treten.“

Meine Meinung:
Die Neapolitanische Saga hat mich seit dem ersten Band fasziniert. Buch 3 lag stand sehr lange in meinem Regal, doch immer wieder scheute ich mich davor, denn es ist eine sehr intensive Geschichte, die hier erzählt wird.

Lila und Elena kommen aus einem sehr heruntergekommenen Stadtviertel in Neapel, in dem die Menschen eigen sind und in ärmlichen Verhältnissen leben. Es ist nicht leicht, sich diesem Umfeld zu entziehen. Während Elena das Glück hatte, einen höheren Bildungsweg einschlagen und ihrer Heimat entkommen zu können, arbeitet Lila in einer Wurstfabrik, kämpft gegen frauenfeindliche Übergriffe und zieht ein uneheliches Kind groß. Dennoch scheint sie es zu sein, die in ihrem mehr erreicht hat als ihre Freundin.

Elena verhält sich in dieser Erzählung ausgesprochen destruktiv, sieht nicht das Gute, das sie sich erarbeitet hat, kann ihrer Situation nichts Positives abgewinnen und wendet sich immer wieder an Menschen aus ihrer Vergangenheit, die ihr bereits damals geschadet haben und sich nun kaum besser verhalten.
Sie vergleicht sich ununterbrochen mit ihrer besten Freundin, die wie ein Magnet auf sie wirkt, auf die sie einerseits neidisch ist, aber andererseits auf sie herab blickt.
Auch wenn sich die beiden nur selten real begegnen, so hat Lila auch über die Distanz hinweg einen sehr toxischen Einfluss sie.

Hinzu kommt eine alte Liebe, von der sich Elena nicht fern halten kann, die für sie die Erfüllung ihrer Träume bedeutet, obwohl auch dieses Verhältnis auf keiner guten Basis steht.

Es ist ein wenig anstrengend, Elenas ununterbrochenem Jammern zuzuhören, mitzuerleben, wie sie sich klein macht, dabei aber krampfhaft versucht, wahrgenommen zu werden und Anerkennung zu finden.
Obwohl sie doch offensichtlich sehr intelligent ist, kann sie nicht über ihren Schatten springen und sich von der Meinung anderer lösen.

Dennoch hat Ferrante erneut eine fesselnde Story geschrieben, die so intensiv ist, dass ich das Lesen mehrfach unterbrechen musste, weil es mich stellenweise an eine eigene toxische Freundschaft aus meiner Jugend erinnerte, was nicht immer angenehm war.

„Die Geschichte der getrennten Wege“ steht den beiden ersten Bänden in nichts nach.

Absolut empfehlenswert!

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