„Vanitas – Schwarz wie Erde“ von Ursula Poznanski (Spoiler)

42929309 Titel: Vanitas – Schwarz wie Erde
Autorin: Ursula Poznanski
Verlag: Droemer Knaur

Inhalt:
Auf dem Wiener Zentralfriedhof ist die Blumenhändlerin Carolin ein so gewohnter Anblick, dass sie beinahe unsichtbar ist. Ebenso wie die Botschaften, die sie mit ihren Auftraggebern austauscht, verschlüsselt in die Sprache der Blumen – denn ihre größte Angst ist es, gefunden zu werden. Noch vor einem Jahr war Carolins Name ein anderer; damals war sie als Polizeispitzel einer der brutalsten Banden des organisierten Verbrechens auf der Spur. Kaum jemand weiß, dass sie ihren letzten Einsatz überlebt hat. Doch dann erhält sie einen Blumengruß, der sie zu einem neuen Fall nach München ruft – und der sie fürchten lässt, dass sie ihren eigenen Tod bald ein zweites Mal erleben könnte …

+++ Pfusch am (Roman)Bau +++

Meine Meinung:
Ursula Poznanski gehört zu meinen Lieblingsautorinnen, deren Bücher ich mittlerweile blind kaufe, also ohne vorher etwas über den Inhalt oder Bewertungen gelesen zu haben.

Freudig griff ich daher nach „Vanitas“, als ich das Buch vor Ort entdeckte und war bereit für ein außergewöhnliches Leseerlebnis, wie ich es von ihr gewohnt war.

Doch leider, leider entsprach es nicht ganz meinen Vorstellungen.

Die guten Seiten

Vanitas (lat. „leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit“; auch „Lüge, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit“) ist ein Wort für die jüdisch-christliche Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen, die im Buch Kohelet (Prediger Salomo) im Alten Testament ausgesprochen wird (Koh 1,2 LUT): „Es ist alles eitel.“ Diese Übersetzung Martin Luthers verwendet „eitel“ im ursprünglichen Sinne von „nichtig“.
(Wikipedia)

Titel und Cover sind fraglos toll geworden – ein optisches und haptisches Erlebnis, passend zur Story gestaltet.

Auch sprachlich ist an diesem Buch nichts auszusetzen. Es liest sich angenehm und flüssig, obwohl ich den ein oder anderen Ausdruck ein wenig seltsam fand wie beispielsweise „innerlich klamm“ im Zusammenhang mit dem Angstzustand, in dem sich die Protagonistin in dieser Situation befand.

Spannung gibt es ebenso mehr als genug in dieser Geschichte. Es werden genau genommen zwei Spannungsbögen aufgebaut, einer, der mit dem konkreten Fall zu tun hat, der andere, der die Protagonistin selbst betrifft.

Da kommen wir dann schon zu den unzähligen Kleinigkeiten, die mich nicht begeistern konnten.

Die weniger guten Seiten

Über die Hälfte des Buches hinweg befindet sich Carolin in einem Dauerpanikzustand. Wir haben eine Ahnung, warum dem so ist, aber dennoch stürzt sie sich ein wenig planlos in gefährliche Abenteuer, nur um anschließend in ihrer Wohnung (!) wieder wie ein gehetztes Tier zusammenzubrechen.
Daheim lauert sie mit einer Langwaffe hinter den Wänden und erwartet ihre Feinde, während sie draußen völlig schutzlos durch die Gegend rennt und ihr das nur wenig auszumachen scheint. Dort fürchtet sie sich vielmehr vor Kameras und Fotos, die von ihr irgendwo kursieren könnten.

Nichts an Carolin konnte mich überzeugen. Ja, sie hat eine mysteriöse Vergangenheit und scheint für das organisierte Verbrechen tätig gewesen und sich in starker Abhängigkeit dazu befunden zu haben.
Nun wird sie für die Polizei tätig, zu der sie in einem erneuten Abhängigkeitsverhältnis steht – aus Angst, aus Sympathie, aus Verzweiflung? So recht schlau geworden bin ich nicht aus ihren Motiven für ihr Handeln. Ihr Auftrag bestand aus einer recht harmlosen Sache, aber sie begibt sich stattdessen bewusst in Gefahr, obwohl sie sich auf Schritt und Tritt verfolgt wird.
Ich weiß nicht…

Kommen wir zum eigentlichen Fall:
Ja, ich fand es spannend, mit der Protagonistin auf Mördersuche zu gehen, doch die Auflösung war eine herbe Enttäuschung.

***SPOILER***

Nichts, aber auch gar nichts, deutete im Laufe der Geschichte darauf hin, dass eine Doppelvergewaltigung (oder wie immer man es nennen mag) der indirekte Auslöser für all das Töten auf Baustellen war. Und dann war es nicht einmal ein unmittelbarer Rachefeldzug für das eigentliche Opfer, was ich extrem lieblos fand. Ein weiterer „Fall“ wurde aus dem Hut gezaubert, der als Motiv für all die Gewalt galt, die wiederum nicht von der eigentlichen Person ausging, sondern für die ein Dritter eingespannt worden war, der im Buch von Anfang bis Ende ein unbeschriebenes Blatt blieb.

All das passte einfach für mich nicht zusammen, es kam zu überraschend, es war zu verworren.

Dann die Sache mit der Brailleschrift, über die Tamara sowohl mit ihrem sehenden Bruder als auch mit ihrer erblindeten Oma kommuniziert.

Ich zitiere Wikipedia:

Die Schrift besteht aus Punktmustern, die, meist von hinten in das Papier gepresst, mit den Fingerspitzen als Erhöhungen zu ertasten sind.

Es gab in der Story eine Situation, in der Tamara auf die Toilette rennt, sich dort mit einer Nadel eine „Nachricht“ in den Arm sticht (was wir erst später erfahren), die kurz darauf ihr Bruder ertastet und liest.
Really?!

Ich war für einen Moment versucht, ein Experiment zu starten.
a) schwillt die gestochene Haut tatsächlich so schnell an und b) ist das überhaupt „lesbar“?
Keine Angst, ich habe es nicht getestet, aber dennoch bezweifle ich die Machbarkeit dieser Nachricht.

Weiterhin verwendet Tamara Pflanzen, um mit ihrer Großmutter zu „sprechen“, die auf Schritt und Tritt von Pflegepersonal verfolgt wird und aus diversen familiären Gründen nicht Klartext mit ihrer Enkelin reden kann.
Diese Mitteilung wird in den Stängel einer Amaryllis gestochen. Ich hab nun keine solche Blume in der Nähe, aber funktioniert das wirklich? Ergibt das klar ertastbare Punkte, die eine Blinde entziffern kann? Ich bin skeptisch, sehr skeptisch.
Wäre es nicht einfacher gewesen, etwas nicht „mit der Blume“, sondern „durch die Blume“ zu übermitteln?
Und sind nicht viel zu viele Punkte notwendig, um einen ganzen Satz auf dem Stängel gut unterzubringen?

Zu guter Letzt fehlt mir in „Vantias“ die unverkennbare Stimme der Autorin.
Poznanski erzählt üblicherweise mit „unglaubwürdigen Mitteln“ wie VR-Brillen, Drohnen, Gehirnexperimenten glaubwürdige Geschichten.
Hier sind es „glaubwürdige Mittel“ wie Hass, Rache, Trauer die zu einer völlig unglaubwürdigen Story führen.

Es gäbe noch einige andere Kleinigkeiten aufzuzählen, die mich an diesem Roman störten, aber ich denke, es ist deutlich klar geworden, dass ich kein gutes Leseerlebnis hatte.

„Vanitas“ ist für mich das bisher mit Abstand schwächste Buch von Ursula Poznanski und ich kann keine Empfehlung dafür aussprechen, so leid mir das auch tut.

 

3 Antworten auf „„Vanitas – Schwarz wie Erde“ von Ursula Poznanski (Spoiler)

      1. Na ein paar Deiner Punkte (nicht mal nur die kritischen) lassen mich dann doch zögern. Aber ist ja auch nicht so, dass hier nicht genug zu lesen rumliegt 😁

        Gefällt 1 Person

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