„Schäfchen im Trockenen“ von Anke Stelling

41738340Titel: Schäfchen im Trockenen
Autorin: Anke Stelling
Verlag: Verbrecher Verlag

Inhalt:
Resi hätte wissen können, dass ein Untermietverhältnis unter Freunden nicht die sicherste Wohnform darstellt, denn: Was ist Freundschaft? Die hört bekanntlich beim Geld auf. Die ist im Fall von Resis alter Clique mit den Jahren so brüchig geworden, dass Frank Lust bekommen hat, auszusortieren, alte Mietverträge inklusive. Resi hätte wissen können, dass spätestens mit der Familiengründung der erbfähige Teil der Clique abbiegt Richtung Eigenheim und Abschottung und sie als Aufsteigerkind zusehen muss, wie sie da mithält. Aber Resi wusste’s nicht. Noch in den Achtzigern hieß es, alle Menschen wären gleich und würden durch Tüchtigkeit und Einsicht demnächst auch gerecht zusammenleben. Das Scheitern der Eltern in dieser Hinsicht musste verschleiert werden, also gab’s nur drei Geschichten aus dem Leben ihrer Mutter, steht nicht mehr als ein Satz in deren Tagebuch. Darüber ist Resi reichlich wütend. Und entschlossen, ihre Kinder aufzuklären, ob sie’s wollen oder nicht. Sie erzählt von sich, von früher, von der Verheißung eines alternativen Lebens und der Ankunft im ehelichen und elterlichen Alltag. Und auch davon, wie es ist, Erzählerin zu sein, gegen innere Scham und äußere Anklage zur Protagonistin der eigenen Geschichte zu werden.

Meine Meinung:
Zu diesem Buch habe ich eigentlich nur gegriffen, weil es den Preis der Leipziger Buchmesse 2019 verliehen bekommen hat.

Um es gleich vorweg zu sagen: nicht meine Welt, nicht meine Geschichte.

Zwar ist die Protagonistin etwa in meinem Alter, doch das ist auch schon das Einzige, das mich mit ihr verbindet. Ich lebe nicht in Berlin, habe keine Kinder und muss mich in keinem Freundeskreis behaupten, der einer anderen „gesellschaftlichen Klasse“ angehört als ich.

Die gute Resi kommt plötzlich nach all den Jahren, die sie ihre Freunde hätte näher kennenlernen müssen, zur Erkenntnis, dass sie doch etwas von ihnen trennt, dass die Freundschaft auf der Strecke geblieben ist, da sie finanziell sich nicht in ihre Kreise einreihen konnte. Sie jammert und jammert und wundert sich noch dazu, dass ihre öffentliche Kritik am Leben ihrer Clique bei ihr nicht auf Gegenliebe gestoßen ist.

Ernsthaft? Wie oberflächlich muss man denn sein, um nicht zu merken, dass man sich als Freunde vielleicht auseinandergelebt hat und vor allem, dass man die aufkeimenden Unterschiede nicht in aller Öffentlichkeit breittritt?

Aber keine Bange: die Misere führt zu keiner echten Veränderung auf beiden Seiten, man geht sich nun aus dem Weg und zieht um…

„Schäfchen im Trockenen“ ist sicherlich kein schlechtes Buch, aber ich konnte wenig mit der Erzählung anfangen und kein Mitgefühl für die Protagonistin entwickeln.

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