Montagsfrage: Von Buchbloggern und echten Literaturkritikern

Juhu, in wenigen Tagen beginnt der NaNoWriMo und ich freu mich schon sehr darauf! Meine Geschichte ist fertig strukturiert, ich muss sie im November „nur“ noch mit Wörtern füllen. Haha.

Aber erst einmal widme ich meine Aufmerksamkeit noch der aktuellen Montagsfrage von Antonia bzw. dem Büchernarren, die da lautet: Wie sehen sich Blogger im Vergleich zu professionellen Literaturkritikern?

Befragen wir zunächst das allwissende Orakel Wikipedia, was sich überhaupt hinter diesem Begriff verbirgt:

„Ein Literaturkritiker ist ein meist als Journalist für das Feuilleton arbeitender Beobachter der Literaturszene, der vor allem die Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt analysiert, bewertet und darüber berichtet.“

Sehr schwammige Definition, nicht wahr?
Eigentlich besagt sie doch nur, dass der Kritiker für seine Arbeit bezahlt wird, dass er das also hauptberuflich macht.

Mach ich nicht – bin ich also keine Literaturkritikerin?
Hm….

Ich würde behaupten, dass auch ich die Literaturszene (wenn auch derzeit überwiegend die englischsprachige) beobachte, sie zumindest in diversen Genres analysiere, bewerte und darüber hier berichte.
Ist meine Studie objektiv? Natürlich nicht! Aber: niemand, wirklich niemand, kann ein Buch objektiv rezensieren. Klar, ich kann sagen, dass Grammatik und Rechtschreibung korrekt sind, aber alles andere wird von den persönlichen Hintergründen geprägt.
Das war ja auch ein großes Thema für Marcel Reich-Ranicki, der sich gerade dadaurch einen Namen gemacht hat, dass er eben nicht besonders objektiv an seine Kritikerrolle heranging, sondern teilweise sehr harsch mit Werken umging.
Gleiches gilt aktuell auch für Denis Scheck und seine Sendung „Druckfrisch“.

Ok, die beiden gaben/geben sich etwas mehr Mühe mit der Ausformulierung ihrer Kritik, sind eloquenter, haben durchaus auch mehr Allgemeinwissen als ich, aber auch sie sind eigentlich nur „passionierte Leser“, die dafür – im Unterschied zu mir – bezahlt werden.

Bin ich also als Hobbybloggerin keine Literaturkritikerin? Doch, bin ich! Ich sehe mich definitiv in dieser Rolle. Ich bekomme lediglich kein Geld dafür und meine Zielgruppe ist eine andere.

Wie seht ihr das?

 

7 Antworten auf „Montagsfrage: Von Buchbloggern und echten Literaturkritikern

  1. Hallo Sonja,

    dieser Wiki-Artikel ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie schlecht das Onlinelexikon wirklich sein kann. Dass man Kunst kaum objektiv bewerten kann, ist sicherlich richtig, aber ist die Frage, ob die Literaturkritiker nicht bestimmten Bewertungskriterien folgen müssen, die für uns Blogger vollkommen schnuppe sind, oder?

    Viele Grüße
    Frank

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    1. Ja, aber müssen sie das wirklich? „Literaturkritiker“ ist kein Beruf mit einer klaren Definition und es gibt keine Ausbildungsordnung dafür. Wir wissen nicht, ob und welche Vorgaben diese Menschen von ihrem Arbeitgeber für ihre Texte bekommen – vielleicht sind das eher so Punkte wie „stark polarisieren“, um genug Leser zu gewinnen. Dieser Titel „Literaturkritiker“ ist schnell vergeben und jeder kann ihn sich aneignen (was ich mit meinem Beitrag auch ein wenig zum Ausdruck bringen wollte). Ich bezweifle nicht, dass diese Leute sehr belesen sind und einen großen Erfahrungsschatz haben, aber das sind andere, die nicht für ihre Literaturmeinung bezahlt werden, auch. Ich denke da zB an den YouTuber „Simon Savidge“ oder die Autorin (mit YouTube-Kanal) „Jen Campbell“. Sie betreiben ihre Kanäle ganz privat, werden nur indirekt über YT gezahlt, sind aber meiner Meinung nach ganz hervorragende Literaturkritiker. Der Journalismus hat sich geändert. Wir können meiner Meinung nach nicht mehr nur Feuilletons und TV-Sendungen als „Macher“ der „wahren Literaturkritiker“ betrachten. Es gibt im Web so viele ausgesprochen gute Buchblogs – warum sollte man diese BlogerInnen nicht auch als „Literaturkritiker“ bezeichnen? Muss da nicht langsam mal ein Umdenken passieren?

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      1. Ja, solche Diskussionen gibt es immer wieder, was ja auch die Intention für mich war, die Frage in die Runde zu werfen. Es gibt nicht sehr viele Buchblogger, die sich wie Du den Literaturkritikern näher fühlen. Die meisten versuchen sich eher von ihnen abzugrenzen und sei es nur über die Wahl der vorgestellten Bücher.

        Was defintiv der Fall ist, dass der Journalismus sich geändert hat und sich künftig sicherlich auch noch weiter verändern wird. Und natürlich darf sich jeder Literaturkritiker nennen und seinen eigenen YT-Kanal führen oder FB-Seite oder Instgramm-Kanal oder was weiß ich führen. Wohin die Reise des Journalismus führen wird, bleibt zumindest abzuwarten …

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      2. Letzten Endes ist es nur ein Begriff… und auch die Sprache wandelt sich ununterbrochen.
        War aber eine coole Frage, hat viele Gedanken losgestoßen :-)

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