Rezension: „Allegro Pastell“ von Leif Randt

allegro-püastell-buch.jpgTitel: Allegro Pastell
Autor: Leif Randt
Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

Inhalt:
„Leif Randt erzählt vom Glück. Von Tanja und Jerome, von Wirklichkeit und Badminton, von idealen Zuständen und den Hochzeiten der anderen. Eine Lovestory aus den späten Zehnerjahren. Tanja Arnheim, deren Debütroman PanoptikumNeu Kultstatus genießt, wird in wenigen Wochen dreißig. Mit Blick auf den Berliner Volkspark Hasenheide wartet sie auf eine explosive Idee für ihr neues Buch. Ihr fünf Jahre älterer Freund, der gefragte Webdesigner Jerome Daimler, bewohnt in Maintal den Bungalow seiner Eltern und versucht sein Leben zunehmend als spirituelle Einkehr zu begreifen. Die Fernbeziehung der beiden wirkt makellos. Sie bleiben über Text und Bild eng miteinander verbunden und besuchen sich für lange Wochenenden in ihren jeweiligen Realitäten. Jogging durchs Naturschutzgebiet und Meditation im südhessischen Maintal, driftende Dauerkommunikation und sexpositives Ausgehen in Berlin – Jerome und Tanja sind füreinander da, jedoch nicht aneinander verloren. Eltern, Freund*innen und depressive Geschwister spiegeln ihnen ein Leid, gegen das Tanja und Jerome weitgehend immun bleiben. Doch der Wunsch, ihre Zuneigung zu konservieren, ohne dass diese bieder oder schmerzhaft existenziell wird, stellt das Paar vor eine große Herausforderung.“

Rezension

„Allegro Pastell“ von Leif Randt wurde für den Preis der Leipziger Buchmesse 2020 nominiert. Der Autor hat für seine Werke bereits einige Preise gewonnen und wird vermutlich auch diese Auszeichnung bekommen.

Millenials und die große Liebe

Wo fange ich am Besten mit meinen Eindrücken an? Das ist gar nicht so einfach, denn alle Teile des Buches – Story, Charaktere, Schreibstil – kommen zu einem großen Ganzen zusammen, eins besteht nicht ohne das andere.

Beginnen wir mit dem Kernstück, den beiden „Millenials“ Tanja und Jerome, die sich im heißen Sommer in 2018 begegnen, verlieben und ihre Gefühle so lang zerdenken und dezimieren, bis… nun, das müsst ihr selbst lesen.

Zu den „Millenials“ oder auch der Generation Y gehören laut Wikipedia die im Zeitraum der frühen 1980er bis zu den späten 1990er Jahren geboren wurden. Nicht nur die Protagonisten gehören dieser Gruppe an, auch der Autor selbst, der 1983 das Licht der Welt erblickte, ist ein sog. „Jahrtausender“.
Ihnen wird nachgesagt, eine „gewisse Neigung zum Hinterfragen“ zu haben (Wikipedia) und genau dies tun Tanja und Jerome hier bis ins winzigste Detail mit sich selbst, ihrem Umfeld, ihrer Liebe – nichts wird als gegeben hingenommen, alles wird durchleuchtet, analysiert und mit einer großen emotionalen Distanz betrachtet. Man will sich nicht festlegen, will sich nicht binden, aber auch nicht wirklich endgültig voneinander trennen.

Stilistische Mittel

Immer wieder streut Randt an jeder möglichen und unmöglichen Stelle Markennamen sehr gezielt ein, sind sie doch für den Alltag dieser Generation wesentlich. Da hat man nicht einfach nur ein Handy, da besitzt man vielmehr ein Samsung Galaxy S7, trägt einen Quechua-Rucksack oder ein Kalenjishirt und fährt einen Tesla.

Üblicherweise bekommt man als AutorIn empfohlen, keine Marken in der Geschichte zu nennen, weil das Buch so datiert wird und die Begriffe für LeserInnen, die es erst Jahre später entdecken, keine Bedeutung mehr haben.

Doch hier ist das alles ein Mittel zum Zweck. Es zeigt und überspitzt dabei das Umfeld, in dem sich die Generation Y bewegt, die früh mit Technik in Verbindung gekommen ist und sich bewusst nach diversen Markenartikeln umsieht – einerseits, um ihre Individualität auszudrücken, andererseits um unter ihren Peers nicht unangenehm aufzufallen.

All dies kombiniert mit dem ausgesprochen reservierten Ton, mit dem der Autor seine Story erzählt, ergibt das perfekte Bild einer Altersgruppe, die von Soziologen und andere selbsternannten Experten als  „Millenials“ bezeichnet wird. So perfekt, dass eigentlich sehr schnell klar wird, dass es sich nur um eine Satire handeln kann.

Mein Leseeindruck

Um die zynische und eher humorvolle Seite des Buches schätzen zu können, sollte man unbedingt hin und wieder eine Lesepause einlegen, denn der emotionslose Erzählton ist auf Dauer anstrengend und ein wenig nervig. Doch mit ein paar Unterbrechungen kann die Lektüre durchaus Spaß machen.

Die Story selbst ist eher ein wenig langweilig und belanglos – aber auch das ist wohl Absicht, passt es doch in die „pastellfarbene“ Welt der Jahrtausender, in der alles in einem Einheitsbrei verschwimmt im Gegensatz zur – überholten – Popkultur, in der alles so einzigartig, laut und farbenfroh war.

Fazit

„Allegro Pastell“ von Leif Randt ist ein echtes Meisterwerk, aber, wenn ich ehrlich bin, fand ich es viel zu zäh und zu lang, selbst wenn ich davon ausgehe, dass es genauso gewollt ist.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich tatsächlich Vertreter der Generation Y kenne, die haargenau in dieses Schema passen, die mich immer wieder ermüden mit ihren tausend komplizierten Gedanken zu einem einfachen Sachverhalt. Es könnte sein, dass das Buch einfach nur meinen „roten Knopf“ ausgelöst hat und ich deswegen froh und dankbar war, als ich damit fertig war.

Super würde sich das Buch aber in einer Zeitkapsel machen, um der Menschheit in hundert Jahren – so denn es noch eine solche gibt – zu zeigen, was für eine schreckliche Phase ihre Vorfahren durchstehen mussten…

 

 

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