Montagsfrage: Ausgediente Klischees

montagsfrage

Die Montagsfrage diese Woche finde ich – wieder einmal – ausgesprochen interessant.

Antonia möchte wissen: „Welche Klischees haben für euch wirklich ausgedient?“

Der kaputte Ermittler

Ganz ehrlich, ich ertrage ihn nicht mehr, den kaputten Ermittler, der irgendein Trauma in seiner Laufbahn hatte, deswegen alkoholabhängig ist, keine festen Beziehungen eingehen kann, dem die Frauen dennoch zu Füßen liegen, weil sie ihn so „interessant“ finden, und der am Ende natürlich souverän den Fall löst – ohne Hilfe versteht sich.

Solche Menschen gehören in Behandlung und nicht mit verantwortungsvollen Positionen betraut! Sie verhalten sich ihrer Umwelt gegenüber ausgesprochen toxisch, ziehen andere in ihr Elend und kommen mit ihrem unsozialen Verhalten immer wieder durch, weil natürlich ihr Können wichtiger ist als ihre (nicht vorhandene) Mitmenschlichkeit. Solche Männer sind keine Helden, sie sind ein Fall für die Therapie…

Frau „heilt“ mit ihrer Lieben den Arschlochtypen

Deutlich schlimmer noch als den kaputten Ermittler finde ich die Frau, die einen Mann trifft, der sich ihr und anderen gegenüber wie der letzte Arsch verhält (sorry, ein besserer Begriff fällt mir dafür nicht ein), für den sie sich aber aufopfert, ihre Freundinnen verlässt, die sie vor ihm warnen, immer wieder von ihm benutzt wird, ihn aber zu guter Letzt mit ihrer Hingebung zu einem besseren Menschen macht, weil eigentlich hat er nur etwas sehr Schreckliches erlebt, was ihn so hat werden lassen.

Wer sich freiwillig einem Tyrannen oder Narzissten an den Hals wirft, wird mitgerissen in die Negativspirale – so etwas geht in den meisten Fällen nicht gut aus für die Frau. Und ich sehe so gar nichts Romantisches an Selbstzerstörung…

Warum mich diese Klischees stören

Ich bin der Meinung, dass Geschichten, die wir oft lesen, unsere Wahrnehmung im Alltag und damit auch unsere Einstellung und unser Verhalten unbewusst prägen.

Diese Erzählungen geben egozentrischen und dominanten Menschen mehr Raum, als ihnen zustehen sollte. Sie vermitteln uns „es ist ok, wenn du unter xy leidest, am Ende wird alles gut werden“. Nein, wird es nicht!
Niemand sollte sich in Hoffnung auf ein „Happy End“ von anderen schikanieren und quälen lassen, niemand sollte anderen die Oberhand über das eigene Glück geben.

Und AutorInnen sollten dieses Bild nicht weiter vermitteln. Wobei wir aber bei einem anderen Problem wären, nämlich was Verlage wollen – gut verkaufbare Klischees für MainstreamleserInnen.

Dazu sollte ihr euch unbedingt DIESEN Artikel anschauen, der erklärt, warum wir uns mit Klischees überhaupt herumschlagen müssen.

Es gäbe noch viel zu sagen zu diesem Thema aber ich möchte es vorerst bei diesen beiden Punkten belassen. Alles andere würde den Rahmen doch etwas sprengen.

 

 

 

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