Rezension: „Zugvögel“ von Charlotte McConaghy

Titel: Zugvögel
Autorin: Charlotte McConaghy
Verlag: S. Fischer
Originaltitel: Migrations
Übersetzung: Tanja Handels

Inhalt:
„Franny hat ihr ganzes Leben am Meer verbracht, die wilden Strömungen und gefiederten Gefährten den Menschen vorgezogen. Als die Vögel beginnen zu verschwinden, beschließt die junge Ornithologin den letzten Küstenseeschwalben zu folgen. Inmitten der exzentrischen Crew eines der letzten Fischerboote macht sie sich auf den Weg in die Antarktis. Schutzlos ist die junge Frau den rauen Naturgewalten des Atlantiks ausgeliefert, allein die Vögel sind ihr Kompass. Doch wohin die Tiere sie auch führen, vor ihrer Vergangenheit kann Franny nicht fliehen. Ihr folgt das Geheimnis eines Verbrechens, die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe. Und schon bald entwickelt sich die Reise zu einem lebensbedrohlichen Abenteuer.“

Rezension

Mir ist dieses Buch in seiner Originalversionen in einigen Podcasts begegnet, die ich regelmäßig höre. Es wurde zwar häufig vorgestellt, aber kaum jemand schien es gelesen zu haben, was mich ein wenig neugierig werden ließ. Da ich das deutsche Cover sehr gelungen fand, griff ich in diesem Fall zur Übersetzung.

Ein Melodrama in mehreren Zeiten

Franny, unsere Protagonistin, möchte zunächst aus nur ihr bekannten Gründen den letzten Küstenschwalben folgen und sieht sich auf ihrer schwierigen Reise mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Sie schwelgt in Erinnerungen, die schmerzen, die sie immer wieder zurückdrängt, doch auch in der Gegenwart trifft sie zu viele Entscheidungen, die sie anschließend bereut. Selbst für die Zukunft hat sie einen Entschluss gefasst, von dem sie zwar behauptet, er würde sie befreien, der sie jedoch ebenso belastet.

Es liegt auf der Hand, dass ihre Fahrt über die raue See als Symbol für ihr bisheriges Leben dient, die Vögel, denen sie folgt, ihr eigenes Wesen widerspiegeln und die Reise eine in ihr Inneres ist.

Zu viel von allem, zu wenig vom Wichtigen

Hier wird auch schon das Problem des Buches deutlich: Es gibt zu viel von allem und zu wenig vom Wichtigen.

Zu den Themen, die die Autorin behandelt, gehören Umweltprobleme (schwindende Tierarten), Existenzprobleme (Fischer ohne Fang) und Sinnprobleme (die Überforderung mit der Situation).
Es wird nicht ganz klar, worüber genau McConaghy eigentlich schreiben wollte, es ist ein Mischmasch aus allem Möglichen, aber nichts davon hat genug Raum, um die Leser nachhaltig zu berühren oder zu beschäftigen.

Beliebige Charaktere

Abgesehen von der Protagonistin, die ich zutiefst egozentrisch fand, die keinerlei Rücksicht auf ihre Mitmenschen nimmt und in ihrem Selbstmitleid fast ertrinkt, sind alle anderen Charaktere etwas beliebig. Alle sind sehr verständnisvoll, schonen und schützen sie und tragen ebenfalls ein stilles Schicksal auf ihrem Rücken…

Es mangelt der Geschichte an Kontrasten und Konflikten, an unterscheidbaren Figuren, mit denen man sich als LeserIn identifizieren kann.

Mein Lesefazit

Auch wenn die Story gut lesbar ist und Motive beleuchtet, die aktuell von Bedeutung sind, so fehlt es ihr doch an einer Ausgewogenheit. Alle Erzählstränge zusammen ergeben kein rundes Bild, eher einzelne Fäden, die wild miteinander verknotet werden und sich ineinander verlieren.

„Zugvögel“ von McConaghy kann man lesen, wenn man das möchte, man sollte aber keine zu hohen Erwartungen daran stellen. Ich denke, der Hype um dieses Buch herum, ist eher aus dem Marketing heraus entstanden, weniger aus der Qualität und Tiefe der Geschichte selbst.

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