Jahresmitte Review

Die erste Jahreshälfte ist bereits vorüber. Zeit sie ein wenig Revue passieren zu lassen.
Ich bediene mich dafür der Fragen, die auf Booktube als „Mid Year Freak Out Tag“ bekannt wurde.

Was ist das beste Buch, das du bisher gelesen hast?

Von den 67 Büchern, die ich bis heute gelesen habe, ist mir dieses in ausgesprochen guter Erinnerung geblieben:

„The Calculating Starts“ von Mary Robinette Kowal, der Start einer Serie, deren zweites Buch schon auf mich wartet.

Die beste Fortsetzung, die du bisher gelesen hast?

Das ist schnell beantwortet:

„Children of Virtue and Vengeance“ von Tomi Adeyemi, das zweite Buch der Reihe „Legacy of Orisha“.
Die Autorin setzt ihre Geschichte auf gleichbleibendem hohen Niveau fort und schafft komplexe Beziehungen, die mich sehr faszinieren.

Welche der bisherigen Neuerscheinungen möchtest du noch lesen?

Es sind tatsächlich mal zwei deutschsprachige Bücher, die ich unbedingt noch lesen möchte:

Da wäre zunächst „Hawaii“ von Cihan Acar, über das ich viel Gutes gehört und gelesen habe und das auch schon eine Weile auf dem Stapel schlummert.

Mit „Nerds retten die Welt“ von Sibylle Berg hatte ich sogar schon begonnen, aber für diese Essays benötigt man viel Ruhe und Muse und beides kam in letzter Zeit etwas kurz. Aber beenden möchte ich es auf jeden Fall noch in diesem Jahr.

Auf welche Neuerscheinung im nächsten Halbjahr freust du dich besonders?

Ich freu mich ganz besonders auf „Hollowpox“ von Jessica Townsend, dem dritten Buch einer Serie für Kinder, das im Oktober erscheinen soll.
Ich hatte so viel Spaß mit den ersten beiden Romanen und hoffe, der dritte ist genauso gut!

Deine größte Enttäuschung bisher?

Die größte Enttäuschung bislang war eindeutig „A Heart so Fierce and Broken“ von Brigid Kemmerer.
Ich hatte mich so sehr auf dieses Buch gefreut, weil mich der erste Teil so begeistert hatte, aber hier standen andere Protagonisten im Vordergrund und es passierte einfach nichts. Sehr schade.

Deine größte Überraschung bisher?

Die größte Überraschung war für mich „The Ballad of Songbirds and Snakes“ von Suzanne Collins.
Nachdem die „Tribute von Panem“ mich schon im zweiten Buch ein wenig verloren hatte und ich mich nicht einmal mehr an das dritte erinnern konnte, war ich sehr skeptisch, wie wohl das Prequel dazu ausfallen würde. Gekauft habe ich es aus purer Neugier und ich wurde positiv überrascht! Eine sehr komplexe, hervorragend konstruierte Geschichte mit Tiefgang!

Der/die liebste neue AutorIn (für dich)?

Meine Neuentdeckung des Jahres ist Mary Robinette Kowal, die es meiner Meinung nach ausgesprochen gut gelingt ein wichtiges (feminstisches) Thema mit viel Feingefühl und gutem Storytelling zu erzählen. Ich werde auf jeden Fall noch mehr von ihr lesen.

Eine neue fiktionale Lieblingsfigur?

Im Original wird hier von einem „Crush“ gesprochen, aber das ist nichts, was mir je passieren kann/wird.

Daher entscheide ich mich für eine Figur, die mich sehr beeindruckt hat: Megan/Morgan eine genderneutrale Figur aus „Girl, Woman, Other“ von Bernardine Evaristo.

Ich weiß nicht, was genau es ist, was mich an ihr begeistert, aber die Äußerungen, die sie macht und die Gedanken, die sie hat, beschäftigen mich auch jetzt noch.

Welches Buch hat dich zum Weinen gebracht?

Ich weine nicht beim Lesen, daher: keins.

Welches Buch hat dich glücklich gemacht?

Mir hat dieses Buch sehr gut getan:

„The Ten Thousand Doors of January“ von Alix E. Harrow.
Ein ganz toller Schreibstil, eine süße Geschichte, einfach nur schön.

Deine liebste/beste Buch-zu-Film-Adaption, die du bisher gesehen hast?

Ich schaue ja nur sehr selten Filme, aber das was Studio Ghibli aus „Howl’s Moving Castle“ gemacht hat, ist phänomenal und sollte sich jeder anschauen!

Deine beste Rezension, die du bisher geschrieben hast?

Ich muss sagen, dass ich so ab Mitte März ein wenig den Schwung für Rezensionen verloren habe. Ich frage mich, wie relevant Blogrezensionen überhaupt noch sind im Hinblick auf Instagram, YouTube und Twitter….

Sehr viel Mühe habe ich mir jedenfalls mit „Three Women – Drei Frauen“ von Lisa Taddeo gegeben, deren Buch mit wirklich beeindruckt hat.

Das schönste Buch, das du bisher gekauft hast?

Das ist für mich „The Ten Thousand Doors of January“ (siehe oben). Ich mag dieses blumige, etwas mysteriöse Cover, das das Märchenhafte der Geschichte gut einfängt.

Welche Bücher möchtest du noch bis zum Ende des Jahres gelesen haben?

Da wären zum einen die Bücher von meinem Sommerlesestapel.

Außerdem warte ich noch sehr gespannt auf den abschließenden Teil der Lifeliketrilogie von Jay Kristoff, der schon in wenigen Tagen erscheinen wird:

Wie ist Euer Lesehalbjahr bislang verlaufen?

Der ambitionierte Urlaubslesestapel

Photo by Ylanite Koppens on Pexels.com

In einer Woche habe ich 14 Tage Urlaub. Wir sind ja keine Fernreisenden, aber sonst war in dieser Jahreszeit immer irgendwo was los: Märkte, Feste, andere Veranstaltungen. Das fehlt ja nun ein wenig, also habe ich den Urlaub zum Leseurlaub erkoren.

Dafür bekam meine Lieblingsbuchhandlung Hahn den Auftrag „sucht mir doch bitte ein paar Bücher mit ’sommerlichem Urlaubsfeeling‘ zusammen“.
Ich liebe solche Überraschungen, weil sie meinen Horizont erweitern und ich mehr deutschsprachige Literatur lese.

Das da habe ich gestern abgeholt:

Es sollten eigentlich etwas weniger Bücher werden, schließlich sind zwei Wochen jetzt auch nicht soooo lang….

Aber dann konnte ich mich wirklich nicht entscheiden, weil einfach alle zu interessant klangen und ich hab sie alle mitgenommen! Alle! Mein SuB freut sich. Ich mich noch mehr!

Ich zeig euch hier nach und nach, was sich dahinter verbirgt, soll ja spannend bleiben.

Was lest ihr so im Sommer?

Rezension: „The Ballad of Songbirds and Snakes“ von Suzanne Collins

Titel: The Ballad of Songbirds and Snakes
Autorin: Suzanne Collins
Verlag: Scholastic Press
Übersetzung: Das Lied von Vogel und Schlange (Oetinger)

Inhalt:
„It is the morning of the reaping that will kick off the 10th annual Hunger Games. In the Capitol, 18-year-old Coriolanus Snow is preparing for his one shot at glory as a mentor in the Games. The once-mighty house of Snow has fallen on hard times, its fate hanging on the slender chance that Coriolanus will be able to out charm, outwit, and outmaneuver his fellow students to mentor the winning tribute.
The odds are against him. He’s been given the humiliating assignment of mentoring the female tribute from District 12, the lowest of the low. Their fates are now completely intertwined – every choice Coriolanus makes could lead to favor or failure, triumph or ruin. Inside the arena, it will be a fight to the death. Outside the arena, Coriolanus starts to feel for his doomed tribute… and must weigh his need to follow the rules against his desire to survive no matter what it takes.“

Rezension

Ich habe schon ein wenig mit mir ringen müssen, ob ich eine Vorgeschichte zu den Tributen von Panem überhaupt lesen möchte, da mich der letzte Band der Trilogie nicht so wirklich überzeugt hatte:
Doch letzten Endes konnte ich mich dem Sog nicht entziehen und bin sehr fro darum

— Achtung: kann Spoiler enthalten —

Die Hungerspiele

Wir befinden uns zu Beginn der Spiele, in der Zeit, als viele sich noch an den Krieg erinnern konnten und mit Verlusten und Erinnerungen leben mussten. So auch der Protagonist Coriolanus Snow, der beide Eltern verloren hat und sich langsam daran gewöhnen muss, ein ärmeres Leben zu führen, als er es einst gewohnt war.

Die Hungerspiele werden nicht zum ersten Mal ausgetragen, neu ist jedoch, dass nun Studenten involviert werden und als Mentoren für die Verurteilten dienen. Sie erhalten einen Blick hinter die Kulissen und lernen die Mechanismen der Spiele kennen – so auch unser Protagonist Snow.

Noch dient der Wettkampf eher der Unterhaltung des Kapitol, noch ist die Kulisse eher spartanisch und die Übertragung der Spiele in alle Distrikte lediglich ein Beiwerk und die Kandidaten sterben eher an den widrigen Umständen als während der Spiele selbst.

Coriolanus Snow

Viele LeserInnen sind sehr enttäuscht, dass sich diese Geschichte nicht so sehr an die Spiele anlehnt als vielmehr die Vorgeschichte der Person beleuchtet, die später als tyrannischer Präsident bekannt wird.

Ich finde diese Umsetzung jedoch genial.

Anhand des jungen Snow sehen wir, wir indoktriniert die Gesellschaft bereits ist, wie sehr man gerade denen, denen es besser geht, eingepflanzt hat, dass man nur mit Kontrolle und Gewalt Frieden bewahren könne.

Noch gibt es ein paar Menschen, die das nicht so sehen und auch Snow gerät immer wieder in Zweifel, dennoch siegt der eigene Überlebensinstinkt. Mal mehr mal weniger unbewusst manipuliert er die, die ihm nahe stehen, um seine eigene Existenz zu sichern, das Leben zu führen, das ihm für sich vorschwebt.

Schriftstellerisches Können

Suzanne Collins zeigt von den ersten Seiten an, dass sie eine begnadete Erzählerin ist, die auf viel Erfahrung zurückgreifen und LeserInnen in ihren Bann ziehen kann.

Anhand des jungen Snow und seinen ersten Schritten im Machtgefüge, zeigt Collins die Komplexität der Situation auf und spielt dabei gekonnt mit Gegensätzen. Da wäre die schillernde Lucy Grey, die trotz der Lebensgefahr, in der sie schwebt, das Publikum mit Lieder unterhält oder Snows bester Freund, der all dem nicht gewachsen ist und an der Brutalität des Staates zerbricht und sie unterbinden möchte, ohne die dafür notwendigen Mittel zu haben.

Auch wenn Snow keine sympatische Figur ist, können wir doch ein wenig erahnen, warum er zum Tyrannen wurde, dass auch außerhalb der Arena ein Überlebenskampf stattfand, den man nur gewinnen konnte, wenn man besser und brutaler wurde als alle anderen.

Mein Fazit

Dieses Buch hat mich positiv überrascht. Erwartet hatte ich eine actiongeladene Story mit viel Herzschmerz, aber ich bekam eine komplexe Erzählung, die zum Nachdenken anregt.

Zwar konnte ich nicht ganz die Verliebtheit zwischen Lucy Grey und Snow nachvollziehen, aber es störte mich im Gesamtbild auch nicht besonders.

„The Ballad of Songbirds and Snakes“ ist ein hervorragend geschriebener Roman, den ich absolut empfehlen kann!

Buchlotto Juni 2020

Ein neuer Monat hat begonnen und damit wird auch wieder ein neues Überraschungsbuch beim Buchlotto ausgelost.

Das Buch aus dem Mai habe ich tatsächlich gelesen und fand es recht unterhaltsame. Schauen wir mal, was mich jetzt erwartet.

Gezogen habe ich die Nummer….

8!

Dahinter verbirgt sich bei mir…

… ein recht ungewöhnliches Buch. „Die Ritter der vierzig Inseln“ von Sergej Lukianenko, das ich irgendwann einmal spontan auf einem Flohmarkt gekauft habe. Ich bin gespannt.

Welches Buch habt ihr für den Juni ausgelost?

Englischsprachige Neuerscheinungen im Juni

Ein neuer Monat bringt natürlich wieder neue Bücher. Ich beginne mit denen, die auf meiner Liste vom „Summer Reading Guide“ stehen:

Los geht es mit „The Vanishing Half“ von Brit Bennett am 2. Juni. Es ist die Geschichte von Zwillingsschwestern, die mit 16 von daheim weglaufen und jede für sich ihr eigenes Leben beginnen. Während eine von ihnen zurück in ihre Heimat geht, baut die andere ein Leben auf einer Lüge auf und alles droht aufzufliegen.

Am 16. Juni erscheint „28 Summers“ von Elin Hilderbrand, einer vielgelobten Autorin, von der ich bislang noch nichts gelesen habe,
Sie erzählt von einer Liebe, die immer nur an einem Wochenende über 28 Jahre hinweg existieren darf.

Weiter geht es am 16. Juni mit „The Last Train to Key West“ von Chanel Cleeton, ein historischer Roman, in dem das Leben dreier Frauen während eines nahenden Hurricans in Key West für immer verändert wird.

„I was told it would get easier“ von Abbi Waxman erscheint ebenfalls am 16. Juni.
Ich mochte „The Bookish Life of Nina Hill“ von ihr sehr gern und freue mich auf eine weitere leichte Erzählung über eine Mutter-Tochter-Beziehung, die im Laufe einer Busreise auf die Probe gestellt wird.

Am 9. Juni gibt es endlich das dritte Buch aus der Reihe „The Black Witch Chronicles“ von Laurie Forest, auf das ich mich schon sehr freue, da mir die ersten beiden Bände ziemlich gut gefallen haben.
Ich bin gespannt, wie es mit Elloran, der schwarzen Hexe, und ihrem Gefährten Lukas weitergeht.

Am 30. Juni schließlich kommen zwei weitere Bücher auf den Markt, die mich interessieren.

„Mexican Gothic“ von Silvia Moreno-Garcia ist ihr zweiter Roman nach „Gods of Jade and Shadow“.
Es ist eine typische Horror/Thriller-Story, die in den 50ern in einem abgelegenen Haus in Mexiko spielt und für die Protagonistin Noemí einige Gefahren und Überraschungen birgt.

Mit „TRUEL1F3“ schließt Jay Kristoff seine Lifelike-Trilogie (SciFi-Jugendbuchreihe) ab und ich hoffe, der letzte Teil kann mit den vorherigen Bänden mithalten.

Auf welche Bücher im Juni freut ihr euch?

Rezension: „This Tender Land“ von William Kent Krueger

Titel: This Tender Land
Autor: William Kent Krueger
Verlag: Atria Books

Inhalt:
„1932, Minnesota—the Lincoln School is a pitiless place where hundreds of Native American children, forcibly separated from their parents, are sent to be educated. It is also home to an orphan named Odie O’Banion, a lively boy whose exploits earn him the superintendent’s wrath. Forced to flee, he and his brother Albert, their best friend Mose, and a brokenhearted little girl named Emmy steal away in a canoe, heading for the mighty Mississippi and a place to call their own.
Over the course of one unforgettable summer, these four orphans will journey into the unknown and cross paths with others who are adrift, from struggling farmers and traveling faith healers to displaced families and lost souls of all kinds. With the feel of a modern classic, This Tender Land is an en­thralling, big-hearted epic that shows how the magnificent American landscape connects us all, haunts our dreams, and makes us whole.“

Rezension

„This Tender Land“ war der erste Buch aus dem „Summer Reading Guide“, für das ich mich entschieden hatte, weil es so ganz anders ist als das, was ich üblicherweise lese und ich solche Aktionen nutze, um einen Blick über den Tellerrand zu werfen.

Huckleberry Finn und die Große Depression

Die Geschichte spielt mitten in der amerikanischen Wirtschaftskrise, als viele Menschen in die Arbeitslosigkeit stürzte und ihre Existenzen bedrohte.

In dieser Zeit fliehen drei Jugendliche und ein Kind aus einer Schule, in der Gewalt auf der Tagesordnung steht und begegnen auf ihrem Weg zu einem besseren Leben den unterschiedlichsten Menschen mit mal mehr und mal weniger achtbaren Motiven, alle um ihr Überleben kämpfend, aber dennoch oft bereit, das Wenige, was sie haben, mit anderen zu teilen.

Die Erzählung erinnerst sehr stark an Huckleberry Finn, was auch – wie man dem Nachwort des Autors entnehmen kann – so beabsichtigt war. Es fängt die Atmosphäre dieses Romans sehr gut auf und verwebt sie mit eigenen Ideen zu einem neuen sommerlichen Abenteuerroman.

Frauen und Magie

Es gibt zwei Dinge, die mich an der ansonsten stimmungsvollen Story ein wenig gestört haben:

Frauen in ihrer typischen Frauenrolle
Alle weiblichen Figuren, die wir hier so begegnen, grasen so ziemlich alle Klischees ab: Sie sind mütterliche Nebenfiguren, die zwar manchmal sehr harsch handeln, aber damit entweder sich selbst oder ein Kind retten wollen, also eine ehrenwerte Absicht hegen.

Das phantastische Element
Ein Teil dieser Geschichte fällt unter das, was man „Magischen Realismus“ nennt, also die Verschmelzung der Realität my mystischen Elementen.
Kann man mögen, muss man aber nicht.
Ich fand, dass es für diese Geschichte eigentlich überflüssig war bzw. dass man es auch hätte stimmiger lösen können. Allerdings erklärt der Epilog, warum es gewählt wurde – was mich ein wenig versöhnte und dem Buch doch einen Stern mehr bescherte als ursprünglich gedacht.

Mein Fazit

„This Tender Land“ ist nach den ersten beiden Abschnitten des Buchs, die etwas brutal sind, eine nette Sommerlektüre, die zwar einige Schwächen aufweist, aber sehr schön erzählt ist und eine ganz eigene Atmosphäre erzeugt.