„Achtundachtzig“ von Marcus Imbsweiler

42391589Titel: Achtundachtzig
Autor: Marcus Imbsweiler
Verlag: Conte Verlag

Inhalt:
28. August 1988. Das Flugtagunglück auf der Ramstein Air Base in Rheinland-Pfalz wird zum Wendepunkt im Leben der Freunde Alwin, Sascha, Andreas und Franziska. Keiner der vier erleidet körperliche Verletzungen und doch wird nichts mehr sein, wie es war. Erst recht, nachdem sich noch am selben Abend eine weitere, folgenschwere Tragödie ereignet.
30 Jahre später, im Sommer 2018, ist es der Suizid einer jungen Frau, der den Polizisten Alwin Bungert vor ein Rätsel stellt. Ein Motiv ist nicht erkennbar, ein Abschiedsbrief, falls er je existierte, verbrannt. Doch das Wiedersehen mit seinen Jugendfreunden beim Jubiläumstreffen des Abiturjahrgangs ’88 reißt alte Wunden auf und legt ein Geheimnis offen. Alwin ahnt, dass an jenem Tag vor drei Jahrzehnten weit mehr zerbrochen wurde als befürchtet.

Meinung:
„Achtundachtzig“, bei diesem Titel wird man erst einmal stutzig, ist es doch eine Zahl, die heutzutage eine negative Konnotation hat. Doch wer den Autor kennt, weiß, dass bei ihm die Zahlen für ein Jahr mit einem besonderen historischen Ereignis stehen.

Befasste sich sein Buch „55“ mit dem Volksentscheid am 23. Oktober 1955, so greift Imbsweiler in diesem Roman das Flugunglück in Ramstein auf, das sich am 28. August 1988 ereignete.

1988 war ich 13 Jahre alt und hatte, da ich in Hessen aufwuchs, von diesem Unglück erst Jahre später erfahren. Als ich dann ins Saarland zog und mein Studium hier aufnahm, lernte ich ein „Ramsteinopfer“ kennen, einen Mitstudenten, der als Kind an diesem Tag hochgradige Verbrennungen erlitten hatte und noch heute einige OPs und Behandlungen über sich ergehen lassen muss.
Natürlich fand ich das schrecklich und schlimm, habe mir aber nie weitere Gedanken darum gemacht, was dieses Ereignis mit den Leuten gemacht haben muss, die Augenzeugen, Opfer oder Angehörige waren.

Imbsweiler nähert sich in dieser Geschichte dem Thema über einen tragischen Fall in der Gegenwart, der die Vergangenheit für vier Personen wieder aufwühlt, die 1988 in Ramstein waren.
Das Unglück selbst erwähnt er erst sehr spät im Buch, doch alles, was wir als Leser vorher miterleben, zeugt bereits davon, dass etwas geschehen sein muss, was eine bis dato intakte Freundschaft nachhaltig beeinflusst und letztendlich zerstört haben muss.

So ist „Achtundachtig“ auch keine lockere Erzählung. Die kurzen, prägnanten Sätze, die distanzierte, emotionslose Perspektive und die Protagonisten, die keinen rechten Zugang zueinander finden – all das trägt zu einer bedrückenden Atmosphäre bei.

Ein ganz klein wenig unnötig fand ich allerdings die Rahmengeschichte, die alles zusammenführt und die am Ende auch eher unzufriedenstellend aufgeklärt wird.

„Achtundachtig“ ist ein sehr lesenswerter Roman für alle, die die Verknüpfung von Historie und Fiktion mögen.

„Der Tod bohrt nach“ von Isabella Archan

40725768Titel: Der Tod bohrt nach
Autorin: Isabella Archan
Verlag: Emons Verlag

Inhalt:
Während Dr. Leocardia Kardiffs zahnärztlichem Nacht-Notdienst taucht ein seltsamer Patient auf, der etwas von Mord stammelt. Welche Wahl bleibt Leo da? Keine. Sie fühlt dem Bösen auf den Zahn und kommt einer Entführung auf die Spur – und auch eine Leiche lässt nicht lange auf sich warten. Hauptkommissar Zimmer und sein Team ermitteln, doch auch Leo setzt den Bohrer an …

Meine Meinung:
Isabella Archan habe ich auf der Frankfurter Buchmesse 2017 kennengelernt. Auch dieses Jahr traf ich sie dort wieder und nur wenige Tage später landete ihr neuestes Buch „Der Tod bohrt nach“ in meinem Briefkasten. Danke dafür!

Bislang kannte ich nur ihre Reihe rund um die Ermittlerin Willa Stark, die im Conte Verlag erschien ist.
„Der Tod bohrt nach“ ist der dritte Band aus ihrer „Zahnarztserie“, Kriminalgeschichten, in denen eine neugierige Zahnärztin die Hauptfigur ist. Die ersten beiden Bücher kenne ich nicht, habe aber festgestellt, dass das kein Hindernis beim Lesen war.

Dr. Leocardia Kardiff, die sich in einer Beziehung mit einem Hauptkommissar befindet, scheint das große Glück zu haben, immer wieder in Mordfälle verwickelt zu werden. Statt jedoch sich vorsichtig zurückzuziehen und der Polizei die Arbeit zu überlassen, stürzt sie sich selbst wagemutig in den Fall, was hin und wieder zu recht unterhaltsamen und schrägen Situationen führt.

Alle Charaktere sind liebevoll ausgestaltet und kommen sehr sympathisch rüber. Sogar die Bösewichte haben ihre eigentlich ganz netten Seiten. Zumindest versteht man als Leser recht gut die Motivation für ihr Handeln, was sie insgesamt „menschlich“ erscheinen lässt trotz ihrer Taten.

Die Geschichte selbst weist mehrere Handlungsstränge auf, von denen jeder einzelne gut unterhält, und die am Ende alle in einem spannenden Showdown zusammengeführt werden.
Die Idee, eine Zahnärztin als Hobbyermittlerin einzusetzen, finde ich dabei ziemlich originell, ist dies doch ein Bereich, den man eher weniger mit Tod und verbrechen in Verbindung bringt.

Lediglich die Erzählperspektive, die bei der Protagonistin zwischen einem Ich – und einem personalen Erzähler wechseln, fand ich hin und wieder etwas verwirrend, aber man gewöhnt sich daran.

Wer eine leichte Unterhaltung ohne viel Blutvergießen, dafür aber mit viel Humor und sympathischen Figuren sucht, dem wird „Der Tod bohrt nach“ (und vermutlich auch die weiteren Bände aus der Serie) sicherlich gefallen.

„Predator’s Gold“ von Philip Reeve

48722 Titel: Predator’s Gold
Autor: Philip Reeve
Serie: Mortal Engines Quartet #2
Verlag: Eos
Übersetzung: Mortal Engines – Jagd durchs Eis

Inhalt:
„After their airship is attacked by the Green Storm, Tom and Hester find themselves in the icy city of Anchorage and now have to fight their way out of the plaque-infested city filled with thieves and savages before the Huntsman of Arkangel makes his next appearance in this dramatic sequel to Mortal Engines.“

Meine Meinung:
Nachdem ich ja trotz des sehr kindlichen Charakters von „Mortal Engines“ recht angetan war, wollte ich wissen, wie Reeve diese Welt weiterentwickelt hat.

Nach wie vor ist es eine faszinierende Steampunkumgebung, in der wir uns befinden. Mir gefällt die Idee der jagenden Städte unglaublich gut und der Autor hat sie so aufgebaut, dass sie in sich schlüssig ist. Sicherlich bleiben viele Fragen offen, dennoch funktioniert dieses Setting sehr gut für die Geschichte.

Wie so oft in einem zweiten Band einer Serie mangelt es hier leider ein wenig an neuen Ideen. So spannend das erste Buch war, so zäh ist dieses stellenweise.
Zwar begegnen wir neuen Figuren, doch sie tragen nicht sehr viel zur Entfaltung der vorhandenen Charaktere bei, was ich ein wenig schade fand. Die Reaktionen dieser waren vorhersehbar und es irritiert mich nach wie vor, dass die Erzählstimme nicht zum Alter der Protagonisten passt.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich zum nächsten Band greifen werde, aber wer leichte Unterhaltung für zwischendurch sucht, ist hiermit sicher recht gut bedient.

Robin Hobb: Diener der alten Macht

40379455 Titel: Diener der alten Macht
Autorin: Robin Hobb
Serie: Das Erbe der Weitseher #1
Verlag: Penhaligon
Originaltitel: Fool’s Errand
Übersetzung: Eva Bauche-Eppers

Inhalt:
Fünfzehn Jahre sind seit dem schrecklichen Krieg der sechs Provinzen mit den Roten Korsaren vergangen, seitdem herrscht ein unsicherer Friede. Da verschwindet Prinz Pflichtgetreu kurz vor seiner Hochzeit mit einer Prinzessin der Roten Korsaren. Will er der Vermählung ausweichen, wie einige behaupten? Oder ist ihm etwas zugestoßen? Es gibt nur einen, der sich auf die gefahrvolle Suche nach ihm machen kann: Fitz der Bastard mit seinem Wolf Nachtauge. Doch der hat sich geschworen, nie wieder in die Intrigen des Königshofs verstrickt zu werden …

Meine Meinung:
„Das Erbe der Weitseher“ ist die zweite Trilogie von Robin Hobb, die dem Charakter Fitz folgt. Sie hat zwischen der ersten und dieser noch drei weitere Bände verfasst, die zwar im gleichen Land spielen, aber anderen Figuren folgen.

Ich bin sehr erfreut, dass ich Penhaligon auch dieser Geschichte noch einmal angenommen hat (alle Bücher wurden bereits zuvor unter anderen Titeln veröffentlicht), denn sowohl die Aufmachung der Bücher als auch die Übersetzung sind überaus gelungen.
Genau genommen ist es die Übersetzung, die mich davon überzeugt hat, ausnahmsweise nicht zum Original zu greifen, denn es ist sprachlich ein Fest, der Erzählung zu folgen. Ich habe selten eine so gelungene Übersetzung im Fantasybereich gelesen!

Inhaltlich steigen wir dort ein, wo der letzte Band der vorherigen Serie endete und auch hier ist es wieder ein sehr langsamer Anfang. Man darf sich allgemein nicht zu viel Action in diesen Büchern erwarten, aber wenn etwas passiert, dann ist es immer von großer Bedeutung und für mich als Leserin teilweise emotional ungewöhnlich schwer zu verarbeiten.

Selten habe ich so „intensive“ Fantasy gelesen wie die von Robin Hobb. Ich weiß nicht, wie ich das Erlebnis anders als „intensiv“ beschreiben soll.
Fitz ist als Protagonist ein sehr vielschichtiger, tiefgehender und etwas düsterer Charakter, der mir immer wieder unter die Haut geht. Das kenne ich in der Art bisher nur von „The Chronicles of Thomas Covenant“ von Stephen R. Donaldson.
Ich muss die Geschichten der Weitseher regelmäßig für eine gewisse Zeit liegen lassen und fürchte mich dann fast schon vor einem Wiedereinstieg, weil ich nie weiß, was mich erwarten und welche Gefühle es bei mir hervorrufen wird.

„Das Erbe der Weitseher“ steht seinen Vorgängern in absolut nichts nach und ich kann die Serien jedem empfehlen, der High Fantasy liebt!

„Mortal Engines“ von Philip Reeve

287861 Titel: Mortal Engines
Autor: Philip Reeve
Serie: Mortal Engines Quartet #1
Verlag: Harper Collins US UK
Übersetzung: Mortal Engines – Krieg der Städte

Inhalt:
The great traction city London has been skulking in the hills to avoid the bigger, faster, hungrier cities loose in the Great Hunting Ground. But now, the sinister plans of Lord Mayor Mangus Crome can finally unfold.
Thaddeus Valentine, London’s Head Historian and adored famous archaeologist, and his lovely daughter, Katherine, are down in The Gut when the young assassin with the black scarf strikes toward his heart, saved by the quick intervention of Tom, a lowly third-class apprentice. Racing after the fleeing girl, Tom suddenly glimpses her hideous face: scarred from forehead to jaw, nose a smashed stump, a single eye glaring back at him. „Look at what your Valentine did to me!“ she screams. „Ask him! Ask him what he did to Hester Shaw!“ And with that she jumps down the waste chute to her death. Minutes later Tom finds himself tumbling down the same chute and stranded in the Out-Country, a sea of mud scored by the huge caterpillar tracks of cities like the one now steaming off over the horizon.“

Meine Meinung:
„Mortal Engines“ ist kein neues Buch, es erschien bereits 2001, wurde aber nun von Peter Jackson verfilmt und am 13. Dezember 2018 in den Kinos ausgestrahlt.
Ich hatte zufällig den Trailer gesehen und mich spontan dazu entschlossen, das Buch zu lesen. Ich wusste nichts weiter über den Inhalt, außer dass sich Städte bekriegen.

Ich muss sagen, dieses Buch hat mich in mehrfacher Hinsicht überrascht.

Zunächst hatte ich nicht erwartet, dass es sich eigentlich um ein Kinderbuch handelt. Ja, die Protagonisten sind Teenager, aber die Geschichte ist ausgesprochen kindlich formuliert, die Figuren tragen lustige Namen und alles wirkt ein wenig „überzuckert“, selbst die eher gewalttätigen Szenen.
So ganz passen die Stimmen der Protagonisten nicht zu ihrem Alter, was mich zugegebenermaßen etwas gestört hat, aber insgesamt hat mir der Erzählstil gut gefallen.

Aber ist es das, was man als unbedarfter Leser erwartet, wenn man dieses Buch in der deutschen Übersetzung kauft?

Das hier ist das Cover, mit dem es bei uns veröffentlicht wurde:

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Sieht nicht nach einem Kinderbuch aus, oder? Außerdem liegt es im örtlichen Buchhandel in der normalen SciFi-Abteilung (wobei es sich eher um „Steampunk“ handelt) und nicht bei den Kinder- und Jugendbüchern.
Die Übersetzung klingt nicht ganz so „jung“ wie das Original, aber dennoch merkt man schnell, dass es eigentlich für eine andere Zielgruppe geschrieben wurde.

Ich finde dieses Marketing ein wenig unpassend.
Es mag ja sein, dass der Film „erwachsener“ gestaltet wurde, aber wer zum Buch greift, wird ein wenig irritiert sein. Oder nicht?

Wie auch immer, nichtsdestotrotz ist es eine unglaublich interessante Welt, die Reeve hier geschaffen hat. Sie ist ein eigenständiger Protagonist neben den Charakteren und hat mich sehr rasch in ihren Bann gezogen. Ich finde die Ideen faszinierend, es macht Spaß, die Umgebung gemeinsam mit den Figuren zu erkunden und ich werde auf jeden Fall auch die anderen Bände lesen.

Eigentlich wäre es schön, von „Mortal Engines“ in der Übersetzung auch Ausgaben mit farbenfrohen Bildern wie im Original zu haben, denn dieses Buch eignet sich mit der entsprechenden Vermarktung hervorragend als Weihnachtsgeschenk für LeserInnen ab vielleicht 13 Jahren.

Englischsprachige Neuerscheinungen im November

Ein neuer Monat steht vor der Tür und neue Bücher kündigen sich an.
Ich stelle Euch heute aus dem englischsprachigen Bereich diejenigen vor, die mich interessieren:

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An erster Stelle steht bei mir „Wundersmith“ von Jessica Townsend, die Fortsetzung von „Nevermoor“, was ich euch HIER vorgestellt habe.

Morrigan Crow and her best friend Hawthorne Swift are now proud scholars in the elite Wundrous Society, but life is far from perfect. Does Morrigan have what it takes to prove that she belongs in the Society?

Das Buch erscheint am 13.11. und ich freue mich schon sehr!

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Weiter geht es mit „Archenemies“ von Marissa Meyer, Teil 2 der Serie „Renegades“ (Rezension von Band 1 ist HIER). Ich fand das erste Buch zwar nicht herausragend, möchte aber dennoch wissen, wie die Geschichte weitergeht.

Time is running out.
Together, they can save the world.
But they each other’s worst nightmare.

„Archenemies“ erscheint am 6. November.

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Von Maria V. Snyder hatte mir „Poison Study“ recht gut gefallen und auch hier klingt der Klappentext recht interessant:

Terra Cotta Warriors have been discovered on other planets in the Milky Way Galaxy. And Lyra Daniels‘ parents are the archaeological Experts (yes with a capital E) on the Warriors and have dragged her to the various planets to study them despite the time dilation causing havoc with her social life.
When one of the many Warrior planets goes silent, and looters attack her research base, Lyra becomes involved in discovering why the Warriors were placed on these planets. And, more importantly, by who.“

Das Buch erscheint am 19.11.

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Liane Moriarty kennt man von ihrem Roman „Big Little Lies“, der auch als Serie verfilmt wurde.
„Nine Perfect Strangers“ klingt erneut nach einer spannenden Story:

Could ten days at a health resort really change you forever? In Liane Moriarty’s latest page-turner, nine perfect strangers are about to find out…

Der Roman erscheint am 6. November.

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Wenn ich gar nicht weiß, was ich so lesen soll, greife ich meist zu einem Werk von Brandon Sanderson – ein Garant für gute Unterhaltung.
„Skyward“ ist der erste Band einer neuen Trilogie.

Defeated, crushed, and driven almost to extinction, the remnants of the human race are trapped on a planet that is constantly attacked by mysterious alien starfighters. Spensa, a teenage girl living among them, longs to be a pilot. When she discovers the wreckage of an ancient ship, she realizes this dream might be possible—assuming she can repair the ship, navigate flight school, and (perhaps most importantly) persuade the strange machine to help her. Because this ship, uniquely, appears to have a soul.

Veröffentlichungsdatum hierfür ist der 6. November.

Auf welche Bücher im November freut ihr euch?