Leseflaute

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Ein kurzes Hallo aus meiner momentanen Leseflaute.
Man stelle sich vor: man hat Urlaub, aber keine Lust, ein Buch in die Hand zu nehmen…

Die Wochen vor meinem Urlaub haben mich mehr geschlaucht, als ich dachte. Momentan ist mir jeder Buchstabe zu viel, jeder Song zu laut, jeder Film zu anstrengend.

Stattdessen versuche ich, den Kopf ein wenig frei zu bekommen, sei es unterwegs…

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… oder in der örtlichen Stadtbibliothek

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Ich muss allerdings auch zugeben, dass mein Stapel begonnener Bücher einfach zu stark angewachsen war. Ich habe nun erst einmal ein wenig aufgeräumt und bis auf die drei Bücher aus der Bibliothek liegt derzeit nichts mehr auf meinem Lesetisch.

Bei diesen Büchern handelt es sich um:

  • „Der Mann, der Sherlock Holmes tötete“ von Graham Moore
  • „Tote haben kein Zahnweh“ von Isabella Archan
  • „Heilige und andere Tote“ von Jess Kidd

Ich hoffe, dass mit dieser Auswahl der Spaß am Lesen zurückkehrt.

Was macht ihr gegen Leseflauten?

„Vollendet – Die Flucht“ von Neal Shusterman (Spoiler)

41442961 Titel: Vollendet – Die Flucht
Autor: Neal Shusterman
Serie: Unwind Dystology #1
Verlag: Fischer
Originaltitel: Unwind

Inhalt:
Sie sagen, dass du weiterlebst. Sie lügen.Connor, 16 Jahre alt und ständiger Unruhestifter, hat es längst geahnt, doch nun steht es fest: Er soll umgewandelt werden. Seine Eltern haben seinen Körper vollständig zur Organspende freigegeben. Und zwar nicht erst nach seinem Tod. Sondern sofort.Risa ist in einem Waisenhaus aufgewachsen und darf nicht länger auf Kosten des Staates leben. Auch sie soll umgewandelt werden.Als ihre Wege sich unerwartet treffen, müssen Connor und Risa sich blitzschnell entscheiden – Flucht oder Umwandlung? Können sie dem System entkommen, das Jagd auf Menschen wie sie macht?

Meine Meinung:
Nachdem mir die „Arc of Scythe“-Reihe von Shusterman recht gut gefallen hatte, war ich neugierig auf weitere Bücher des Autors und die Inhaltsangabe klang vielversprechend.

Ich finde den Gedanken, dass man seine Kinder als „Teilespender“ hergeben kann, ziemlich gruselig. Diese Idee bietet moralischen/ethischen und emotionalen Zündstoff.  Wäre ein solches System nicht durchdrungen von Macht und dementsprechend Angst nach dem Motto „wenn du nicht machst, was ich dir sage, dann lasse ich dich umwandeln?“ Gäbe es nicht unglaublich viele Ausreißer? Würde es einen „Kinderhandel“ geben?

Shusterman geht auf einige dieser Fragen zwar ein, bleibt aber letzten Endes doch an der Oberfläche. Er reißt ein paar Punkte an, z.B. die Reue einiger Eltern im Nachhinein oder einen Glaubenskult, der um die Umwandlung herum aufgebaut wurde, aber irgendwann verliert sich der Autor leider zu sehr im Phantastischen und verliert die Verbindung zu realen Möglichkeiten.

Besonders im letzten Drittel wird die Geschichte nicht nur sehr sprunghaft, sonder driftet stark ins Märchenhafte ab: Eltern, die die „Einzelteile“ ihres Sohnes zu dessem Geburtstag zusammenkommen lassen, Körperteile, die den Charakter des Empfängers prägen und die Umwandlung bis zur letzten Minute bei vollem Bewusstsein.

All diese Kleinigkeiten haben zusammengenommen mein Leseerlebnis zum Ende hin sehr getrübt, aber ich gehöre auch nicht zwingend zur Zielgruppe, die vermutlich mehr Action als Philosophie erwartet. Und Action gibt es in dieser Erzählung genug.

Kann man lesen, muss man aber nicht.

„Der Bücherdrache“ von Walter Moers

42769910Titel: Der Bücherdrache
Autor: Walter Moers
Verlag: Penguin Verlag

Inhalt:
In den Katakomben von Buchhaim erzählt man sich eine alte Geschichte. Sie handelt vom sprachmächtigen Drachen Nathaviel, den kein Buchling je gesehen hat. Angeblich besteht er aus lauter Büchern, die von der mysteriösen Kraft des Orms durchströmt sind. Die Legende sagt, der Bücherdrache sei die Belesenheit selbst und habe auf jede Frage die richtige Antwort.
Der kleine Buchling Hildegunst Zwei, benannt nach dem zamonischen Großschriftstellers Hildegunst von Mythenmetz, macht sich eines Tages auf den Weg in den Ormsumpf, wo der Drache hausen soll. Für diese Mutprobe muss er zum ersten Mal seine geliebte Heimat, die Lederne Grotte, verlassen. Er wagt sich in Bereiche der Katakomben, in denen es von Gefahren wie den heimtückischen Bücherjägern nur so wimmelt. Und er ahnt nicht, dass die größte Gefahr, die ihm droht, vom Bücherdrachen selber ausgehen wird.

Meine Meinung:
Nachdem ich so enttäuscht war von „Prinzessin Insomnia“ freute ich mich, endlich wieder ein „richtiges“ Zamonienbuch in den Händen zu halten.

Die Aufmachung ist toll: ein liebevoll gestaltetes Hardcover mit Lesebändchen und richtig tollen Illustrationen des Autors.

Aber mehr Positives gab’s dann auch nicht mehr…

Es ist eine nette kleine Geschichte, wie immer stilistisch gelungen, aber außer „Buchling trifft Bücherdrachen“ gibt es nix zu erzählen. Die beiden Rahmenhandlungen, die diese Erzählung umschließen, sind völlig überflüssig und tragen nichts zum eigentlichen Geschehen bei.

Moers gelingt es einfach nicht mehr, an seinen großen Erfolg von „Die Stadt der Träumenden Bücher“ anzuknüpfen, schreibt seinen Fans zuliebe aber weiterhin Stories, die versuchen, irgendwas mit Zamonien zu tun zu haben, aber den Charme der ersten Geschichte vermissen lassen.

Für mich war das definitiv das letzte Buch von Walter Moers, das ich gelesen habe. Ich habe mein Vertrauen in seine Erzählkunst nun wirklich verloren.

#Indiebookday 2019

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Heute findet der alljährliche Indiebookday statt!

Zur Feier des Tages habe ich mal eine unabhängige Buchhandlung in der Stadt aufgesucht, die ich aus diversen Gründen sonst eher selten anpeile.

Ich hatte mir im Vorfeld bereits ein Buch herausgesucht, von dem ich mir sicher war, dass es aus einem unabhängigen Verlag kommt, nämlich „Wallace“ von Anselm Oelze aus dem Verlag Schöffling & Co.

Und nach dem Motto „Geld spielt heute keine Rolle“…öhm..wollte ich mir ein weiteres Buch im Laden spontan heraussuchen.
Ich stolperte dort über „Am Ende sterben wir sowieso“ von Adam Silvera aus dem Arctis Verlag.

Da leider mein Handy just in diesem Moment einige Empfangsschwierigkeiten hatte, erkundigte ich mich bei einer netten Verkäuferin, ob dieser Verlag zu den unabhängigen gehörte. Da sie die Frage nicht beantworten konnte, ging sie zu ihrem Kollegen, der an einem Rechner saß. Der schien ihre Frage nicht recht einordnen zu können, warf einen kurzen Blick aus Cover und nickte irritiert. Uhmmm….

An der Kasse erwähnte ich, dass heute der Indiebookday sei. Der Inhaber erwiderte erstaunt „Und Sie haben jetzt nur Bücher aus unabhängigen Verlagen gekauft?“. Ja, hoffe ich zumindest. Ehrlich gesagt wunderte mich diese Reaktion ein wenig, gehört er doch auch zu den Buchhändlern, die zumindest vor Ort recht engagiert sind. Andererseits hatte ich schon so meine Erfahrungen mit dieser Buchhandlung gemacht und diese Reaktion passte leider wieder einmal ins Bild.

Letzten Endes konnte ich später recherchieren, dass der Arctis Verlag immerhin zu einer mittlerweile unabhängigen Verlagsgruppe gehört.

Aber mein Tag wurde dann doch noch gerettet, als mich daheim „Der unmögliche Mord“, herausgegeben von Tanja Karmann und im saarl. Conte Verlag erschienen, mit Unterschriften diverser AutorInnen erwartete!

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So cool:

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Welche Bücher habt ihr am #Indiebookday gekauft?

„Schäfchen im Trockenen“ von Anke Stelling

41738340Titel: Schäfchen im Trockenen
Autorin: Anke Stelling
Verlag: Verbrecher Verlag

Inhalt:
Resi hätte wissen können, dass ein Untermietverhältnis unter Freunden nicht die sicherste Wohnform darstellt, denn: Was ist Freundschaft? Die hört bekanntlich beim Geld auf. Die ist im Fall von Resis alter Clique mit den Jahren so brüchig geworden, dass Frank Lust bekommen hat, auszusortieren, alte Mietverträge inklusive. Resi hätte wissen können, dass spätestens mit der Familiengründung der erbfähige Teil der Clique abbiegt Richtung Eigenheim und Abschottung und sie als Aufsteigerkind zusehen muss, wie sie da mithält. Aber Resi wusste’s nicht. Noch in den Achtzigern hieß es, alle Menschen wären gleich und würden durch Tüchtigkeit und Einsicht demnächst auch gerecht zusammenleben. Das Scheitern der Eltern in dieser Hinsicht musste verschleiert werden, also gab’s nur drei Geschichten aus dem Leben ihrer Mutter, steht nicht mehr als ein Satz in deren Tagebuch. Darüber ist Resi reichlich wütend. Und entschlossen, ihre Kinder aufzuklären, ob sie’s wollen oder nicht. Sie erzählt von sich, von früher, von der Verheißung eines alternativen Lebens und der Ankunft im ehelichen und elterlichen Alltag. Und auch davon, wie es ist, Erzählerin zu sein, gegen innere Scham und äußere Anklage zur Protagonistin der eigenen Geschichte zu werden.

Meine Meinung:
Zu diesem Buch habe ich eigentlich nur gegriffen, weil es den Preis der Leipziger Buchmesse 2019 verliehen bekommen hat.

Um es gleich vorweg zu sagen: nicht meine Welt, nicht meine Geschichte.

Zwar ist die Protagonistin etwa in meinem Alter, doch das ist auch schon das Einzige, das mich mit ihr verbindet. Ich lebe nicht in Berlin, habe keine Kinder und muss mich in keinem Freundeskreis behaupten, der einer anderen „gesellschaftlichen Klasse“ angehört als ich.

Die gute Resi kommt plötzlich nach all den Jahren, die sie ihre Freunde hätte näher kennenlernen müssen, zur Erkenntnis, dass sie doch etwas von ihnen trennt, dass die Freundschaft auf der Strecke geblieben ist, da sie finanziell sich nicht in ihre Kreise einreihen konnte. Sie jammert und jammert und wundert sich noch dazu, dass ihre öffentliche Kritik am Leben ihrer Clique bei ihr nicht auf Gegenliebe gestoßen ist.

Ernsthaft? Wie oberflächlich muss man denn sein, um nicht zu merken, dass man sich als Freunde vielleicht auseinandergelebt hat und vor allem, dass man die aufkeimenden Unterschiede nicht in aller Öffentlichkeit breittritt?

Aber keine Bange: die Misere führt zu keiner echten Veränderung auf beiden Seiten, man geht sich nun aus dem Weg und zieht um…

„Schäfchen im Trockenen“ ist sicherlich kein schlechtes Buch, aber ich konnte wenig mit der Erzählung anfangen und kein Mitgefühl für die Protagonistin entwickeln.

„Die Reise“ von Marina J. Lostetter

40500563Titel: Die Reise
Autorin: Marina J. Lostetter
Serie: Noumenon #1
Verlag: Heyne Verlag
Originaltitel: Noumenon

Inhalt:
„Wir schreiben das Jahr 2088, und die Menschheit bricht zu den Sternen auf.
Ein geheimnisvolles Objekt, das weit jenseits unseres Sonnensystems entdeckt wurde, soll das Ziel der Reise sein. Eine Reise, die Hunderte von Jahren dauern wird. Alle paar Jahrzehnte wird die Crew geklont, doch nicht jeder Klon ist eine perfekte Kopie seines Vorgängers und jede Generation von Klonen hat ihre ganz besonderen Eigenheiten. So wird bereits die Reise selbst zu einem atemberaubenden Abenteuer für jeden von ihnen, und noch wissen sie nicht, welche Geheimnisse sie erst erwarten, wenn sie ihr Ziel erreicht haben“

Meine Meinung:
Ich liebe SciFi und die Spekulationen darum, was da draußen wohl außer uns sein und wie man dieses Unbekannte erkunden könnte.
Ganz besonders freut es mich immer, wenn ich über eine Autorin stolpere, die sich diesem Genre widmet, ist es doch (leider) ein sehr männlich dominiertes Gebiet.

„Die Reise“ begann ein wenig holprig aber vielversprechend: im All wird ein seltsames „Ding“ entdeckt und man beschließt, dessen Erforschung mit einem großangelegten Projekt zu finanzieren. Da dieses Objekt sehr weit entfernt ist und das Leben der Menschen zu begrenzt, beschließt man, die passendsten Anwärter für diesen Job zu klonen – und ihre weitere Fortpflanzung auf dem Schiff mit weiteren Klonen zu sichern.

Wir begleiten diese Klongruppe nun auf ihrem Weg zu dem unbekannten Gegenstand, doch was eigentlich interessant hätte werden können, entpuppte sich für mich sehr schnell als sehr zäh.
Statt einer einzelnen Figur zu folgen, springen wir zwischen diversen Klonen und diversen Zeiten hin und her und betrachten das Geschehen aus der Sicht unterschiedlicher Klongenerationen, die zwar alle ihre Eigenheiten haben, sich aber im Großen und Ganzen wenig voneinander unterscheiden.
Das eigentliche Ereignis gerät dabei fast vollends in den Hintergrund und es fiel mir immer schwerer, meine Aufmerksamkeit auf die Geschichte zu lenken.

„Die Reise“ ist eine eher soziologische Betrachtung einer möglichen Zukunft, bei der der technische Aspekt zwar vorhanden, aber nicht näher erläutert wird.

Nicht mein Ding.