„Die Alpen sehen und sterben“ von Isabella Archan

44430878Titel: Die Alpen sehen und sterben
Autorin: Isabella Archan
Verlag: emons:

Inhalt:
„Ein kaltblütiger Mord im idyllischen Kufstein. Die einzige Zeugin ist Mitzi, eine naive junge Frau. Was sie zunächst aus der Bahn wirft, übt bald eine düstere Faszination auf sie aus, und sie kommt dem Täter immer näher. Kann die ehrgeizige Inspektorin Agnes Kirschnagel, die mit der Aufklärung des Falls betraut ist, ihr trauen? Je mehr Zeit vergeht, desto mehr Menschen sterben. Und der Killer findet immer größeren Gefallen an der »MörderMitzi«“

Meine Meinung:
„Die Alpen sehen und sterben“ lautet der Titel des neuen Romans von Isabella Archan, die mittlerweile zu meinen Lieblingsautorinnen gehört, da mich ihre Bücher immer wieder überraschen.

Dieser Krimi ist außergewöhnlich in vielerlei Hinsicht.

Da wäre zunächst die eigentliche Geschichte: Es ist kein Whodunit – wer mordet, wissen wir bereits nach den ersten Seiten -, allerdings ist es auch kein typisches Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Guten und dem Bösewicht.
Es ist vielmehr eine erzählerische Charakterstudie, die wir aus der Sicht der „Mörder Mitzi“ vermittelt bekommen. Mitzi, die ihre eigene dunkle Vergangenheit hat, lernt einen Mörder kennen, d.h. sie beobachtet ihn bei seinem Tun sogar. Doch statt in wilde Panik zu verfallen, sucht sie seine Nähe und entwickelt eine unerklärliche Faszination für ihn und seinen „Beruf“. Sie will wissen, warum er andere Menschen umbringt, was er dabei empfindet, wie er dabei vorgeht – und gerät immer mehr in einen Strudel, der nicht nur ihr, sondern auch ihm gefährlich wird.

Da wären wir auch bereits bei den weiteren außergewöhnlichen Elementen dieses Buches: die Charaktere.
Neben Mitzi, die mit ungewöhnlichen Mitteln versucht, ein gewöhnliches Leben zu führen, begegnen wir Sam, dem Täter mit den ebenso vielen Kopfbedeckungen wie Identitäten, Heinz, der einen unsichtbaren Freund hat, der droht, sein Leben und dominieren und Agnes, die Inspektorin mit dem Hamster Jo.
Diese Figuren sind ausgesprochen lebendig und wurden mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet. Sie bilden das Herzstück der Geschichte. Sie sind es, die ihr eine Seele und ganz besonderen Charme verleihen.
Es sind sehr spezielle Persönlichkeiten, hin und wieder etwas überzeichnet, aber immer glaubwürdig. Jede hat ihr eigenes Laster zu tragen, doch alle – insbesondere Mitzi – haben dabei ihre Menschlichkeit nicht verloren – in ihrer Tragik stecken stets auch ein Stück Sehnsucht nach einem besseren Leben sowie eine kleine Prise Humor.

Selten trifft man in Krimis auf so viel psychologischen Tiefgang wie bei Isabella Archan, die bereits in „Marie spiegelt sich“ bewiesen hat, dass sie eine ausgezeichnete Beobachterin mit viel Gespür für das Zwischenmenschliche ist.
Ich hätte nicht erwartet, dass sie das in einem weiteren Buch noch würde toppen können – aber in „Die Alpen sehen und sterben“ ist ihr das definitiv gelungen.

Ich könnte noch seitenweise darüber schreiben, wieso ich diesen Roman so liebe und warum ich denke, dass die Isabella Archan eine hervorragende Schriftstellerin ist – doch das beste ist, ihr macht euch selbst ein Bild davon. Man lernt ihr Können erst richtig zu schätzen, wenn man sich auf die Story einlässt und in sie eintaucht.

„Die Alpen sehen und sterben“ ist kein typischer Krimi, aber eine absolute Kaufempfehlung meinerseits!

„Sagenhaftes Saarland“ von Deana Zinßmeister

44450986Titel: Sagenhaftes Saarland
Autorin: Deana Zinßmeister
Verlag: Conte Verlag

Inhalt:
Heute ist es wieder angesagt, sich an die Geschichten der Heimatregion zu erinnern und sie als Comic, Hörbuch oder Buch zur Hand zu haben. Deana Zinßmeister hat sich die zwölf schönsten Sagen der Saarregion vorgenommen und erzählt sie neu, in zeitgemäßer Sprache, aber historisch treu. Conte bringt sie in einem edel aufgemachten Bändchen heraus: Ein wunderbares Geschenk für Jung und Alt, für Saarländer, Besucher, Freunde.

Meine Meinung:
Wer kennt heutzutage eigentlich noch die Sagen der Region, in der man lebt? Früher hat mir meine Oma viele hessische Legenden erzählt wie die der Wichtelmänner im Lahntal oder dem Riesen vom Rimberg oder der Heiligen Elisabeth in Marburg.

Saarländische Sagen kannte ich bislang gar nicht und es wurde an der Zeit, diese Wissenslücke zu füllen.

Begonnen habe ich mit dem hübschen Büchlein „Sagenhaftes Saarland“ von Deana Zinßmeister und dabei gruselige, lustige und auf jeden Fall interessante Geschichten u.a. aus  St. Ingbert, Mettlach, Schiffweiler und natürlich auch Saarbrücken kennengelernt.
Liebevolle Illustrationen runden die mystische Atmosphäre ab.

„Sagenhaftes Saarland“ hat mir einen guten Einstieg in die Legenden meiner Herzensheimat verschafft. Ein schön gestaltetes kleines Buch, das sich auch als Mitbringsel gut eignet.

„The Silence of the Girls“ von Pat Barker

37969723 Titel: The Silence of the Girls
Autorin: Pat Barker
Verlag: Doubleday Books

Inhalt:
The ancient city of Troy has withstood a decade under siege of the powerful Greek army, which continues to wage bloody war over a stolen woman—Helen. In the Greek camp, another woman—Briseis—watches and waits for the war’s outcome. She was queen of one of Troy’s neighboring kingdoms, until Achilles, Greece’s greatest warrior, sacked her city and murdered her husband and brothers. Briseis becomes Achilles’s concubine, a prize of battle, and must adjust quickly in order to survive a radically different life, as one of the many conquered women who serve the Greek army.
When Agamemnon, the brutal political leader of the Greek forces, demands Briseis for himself, she finds herself caught between the two most powerful of the Greeks. Achilles refuses to fight in protest, and the Greeks begin to lose ground to their Trojan opponents. Keenly observant and coolly unflinching about the daily horrors of war, Briseis finds herself in an unprecedented position, able to observe the two men driving the Greek army in what will become their final confrontation, deciding the fate not only of Briseis’s people but also of the ancient world at large.“

Meine Meinung:
„The Silence of the Girls“ steht dieses Jahr auf der Longlist des „Women’s Prize for Fiction“ und ist eine Neuerzählung der Ilias.

Wie Madeline Miller in „Circe“ hat sich Pat Barker für ihre Version der Geschichte eine weibliche Hauptfigur erwählt, werden Mythen und Sagen doch überwiegend aus der Sicht der glorreichen Männer erzählt. Doch wie ergeht es den Frauen eigentlich in diesen Erzählungen?
Diese Frage beleuchtet die Autorin anhand der Figur der Briseis, die Siegestrophäe der Kriegsmaschine Achilles und dessen neue Bettgespielin.

Gerade im Hinblick auf die #Metoo-Bewegung ist dies eine äußerst aktuelle Story – Frauen als Schmuckstücke erfolgreicher Männer.
Man hätte so viel daraus machen könne, aber mich hat die Umsetzung eher verärgert.

Briseis und ihren Leidensgenossinnen ist die Situation, durch die Hände der Sieger gereicht zu werden, nicht fremd. Die Wahl eines Ehemanns war von Anfang an stark eingeschränkt, die Kriege um Troja haben ihnen das letzte Stück Freiheit genommen.
Doch wehren sie sich? Versuchen sie, ihr Schicksal zu ändern?

Nope. Nö. Nein.

Die „Girls“ in diesem Buch schweigen, wie es bereits der Titel andeutet. Sie nehmen es völlig emotionslos und demütig hin, dass sie nur benutzt werden, dass man sich nicht für sie als Menschen interessiert und sie Vergewaltigungen über sich ergehen lassen müssen.
„Wenigstens ist es schnell vorbei“, kommentiert Briseis den nächtlichen Missbrauch durch Achilles…

Ja, es ist unumstritten, dass es auch heute noch Gesellschaften gibt, in denen Frauen keinerlei Rechte besitzen und Eigentum eines Mannes sind, dennoch haben sie Gefühle, Hoffnungen und Wünsche! Sie erleiden physische und seelische Schmerzen, auch wenn Gewalt zu ihrem Alltag gehört – kaum jemand kann so etwas auf Dauer ertragen, ohne nicht im Innern damit zu kämpfen.
Diese Seite vernachlässigt Barker in „The Silence of the Girls“ fast vollständig. Sind die Männer Kampfmaschinen so sind ihre Frauen Sexmaschinen – immer zur Verfügung, immer bereit und alles in allem ergeben und umgänglich.

Unglaublich, wie man als Autorin solche Frauenfiguren entwerfen kann und Mütter ihren jugendlichen Töchtern die Lektüre eines solchen Buches dringend ans Herz legen. Warum? Sollen sie lernen, die Klappe zu halten, wenn es ihnen mies ergeht? Sollen sie lernen, sich unterzuordnen, weil der Mann der Stärkere ist?

Es ist mir völlig schleierhaft, wieso dieses Buch momentan so gehyped wird. Es hat nichts Hilfreiches zur Debatte beizutragen. Gar nichts.

 

„Lifel1k3“ von Jay Kristoff

29456569Titel: Lifel1k3
Autor: Jay Kristoff
Serie: Lifelike #1
Verlag: Knopf Books for Young Readers

Inhalt:
On a floating junkyard beneath a radiation sky, a deadly secret lies buried in the scrap.
Eve isn’t looking for secrets—she’s too busy looking over her shoulder. The robot gladiator she’s just spent six months building has been reduced to a smoking wreck, and the only thing keeping her Grandpa from the grave was the fistful of credits she just lost to the bookies. To top it off, she’s discovered she can destroy electronics with the power of her mind, and the puritanical Brotherhood are building a coffin her size. If she’s ever had a worse day, Eve can’t remember it.
But when Eve discovers the ruins of an android boy named Ezekiel in the scrap pile she calls home, her entire world comes crashing down. With her best friend Lemon Fresh and her robotic conscience, Cricket, in tow, she and Ezekiel will trek across deserts of irradiated glass, infiltrate towering megacities and scour the graveyard of humanity’s greatest folly to save the ones Eve loves, and learn the dark secrets of her past.
Even if those secrets were better off staying buried.“

Meine Meinung:
Wir befinden uns im postapokalyptischen Amerika, in dem es neben der menschlichen Rasse auch Androiden und andere technische Wesen gibt, die jedoch entweder als Sklaven gehalten werden oder sich außerhalb des Gesetzes bewegen.

Wir verfolgen die Geschichte von Eve, die auf einen „Lifelike“ trifft – einem Androiden mit hoch entwickelter KI und Emotionen – und deren Schicksale miteinander verbunden zu sein scheinen.

Es ist eine Geschichte voller Action, die mich schon allein wegen des Themas „Menschen und KI“ sehr interessiert hat.
Ähnlich wie bereits bei der Scythe-Reihe oder den „Wayfarers“ treffen wir auch hier auf eine künstliche Intelligenz, die Gefühle verspürt, mit denen sie umzugehen lernen muss.
Und wieder stellt sich die Frage „Wird eine KI jemals Emotionen entwickeln?“ Kann eine KI uns so ähnlich werden, dass die Unterschiede lediglich im „Material“ liegen und welche Konsequenzen wird das haben?
Ich finde es sehr spannend, wie verschiedene AutorInnen dieses Thema behandeln und dass viele darin übereinstimmen, dass es denkbar wäre und unberechenbare Folgen hätte.

Jay Kristoff hat seine Ideen zu dieser Problematik ausgesprochen gekonnt in einer spannenden Erzählung untergebracht, die sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene geeignet ist. Ja, es gibt eine kleine Romanze, aber dennoch sind es andere Aspekte, die im Vordergrund stehen.

Ich würde ja gern ein wenig über das Ende sprechen, weil es mich unglaublich begeistert hat, doch es würde zu sehr spoilern, was ich hier ausnahmsweise komplett vermeiden möchte.
Das ist ein Buch, dass man selbst gelesen haben muss!

Leider gibt es noch keine Übersetzung, aber Band 2 ist bereits für Ende Mai auf Englisch angekündigt. ich bin ausgesprochen gespannt, wie es weitergehen wird.

Absolute Leseempfehlung.

„Der Zorn der Gerechten“ von Neal Shusterman

36508919 Titel: Der Zorn der Gerechten
Autor: Neal Shusterman
Serie: Arc of a Scythe #2
Verlag: Fischer Sauerländer
Originaltitel: Thunderhead

Inhalt:
„Citra hat es geschafft.
Sie wurde auserwählt und als Scythe entscheidet sie jetzt, wer leben darf und wer sterben muss.
Doch als wenn das nicht schon schwer genug wäre, übernehmen skrupellose Scythe die Macht und stellen neue Regeln auf. Die wichtigste Regel lautet, dass es ab jetzt keine Regeln mehr gibt.
So beginnt Citras Kampf für Gerechtigkeit.
Ein Kampf, den sie nur gemeinsam gewinnen kann mit ihrer großen Liebe Rowan.“

Meine Meinung:
Nachdem ich bereits das erste Buch der Serie gelesen hatte und in in unserer Bibliothek zufällig über den zweiten Band stolperte, wollte ich nun doch wissen, wie sich die Geschichte um Citra und Rowan weiterentwicklen würde.

Zunächst einmal betreten wir die Welt, wie wir sie schon aus der ersten Geschichte kennen: es gibt die KI „Thunderhead“, die die Menschen beschützen soll, sie überwacht und Regeln erschaffen hat, an die sie sich selbst auch halten muss.
Dann sind da noch die Scythe, die darüber entscheiden, wer leben und wer wirklich sterben muss.
Scythe und KI dürfen keinerlei Kontakt zueinander haben, um die Entscheidungen eigenständig treffen zu können.

Klingt nach einem durchdachten System, doch schnell schon wird klar, dass es nicht perfekt ist. Zum einen hat Thunderhead als eine Art Experiment beschlossen, Teile der Umgebung seiner Dauerüberwachung zu entziehen. Es gibt also einige „dunkle Ecken“, in denen die Regeln gebrochen werden können.
Zum anderen ist auch die Gesellschaft der Scythe nicht perfekt, verstößt gegen ihre eigenen Grundsätze und spaltet sich mehr und mehr in zwei Teile, von denen einer die eigenen Interessen über die der Menschheit stellt.

Was anfangs wie eine nette Story für Jugendliche wirkt, entpuppt sich im Verlauf des Buches als eine sehr komplexe Erzählung, die immer wieder die Frage der Moral und des Gewissens aufwirft. Selbst die KI kann sich dem nicht entziehen und sucht nach Schlupflöchern in der Programmierung, um ihre Regeln umgehen zu können und die Scythe, die ihr viel bedeuten, zu schützen vermag.
Zwar beruft sie sich dabei stets auf Wahrscheinlichkeitsberechnungen, doch sie scheint sich weiterzuentwickeln. Sie kämpft verstärkt gegen Empfindungen an, die sie so nicht verspüren sollte, weil sie nicht das Wohl aller betreffen.

Ich finde es interessant, dass in der Literatur vermehrt künstliche Intelligenzen auftauchen, die uns nicht unähnlichen sind und in ihrer selbständigen Weiterentwicklung Gefühle erleben.
Was werden diese Emotionen mit einer allwissenden Maschine machen? Werden sie die „Vernunft“ überwiegen oder wird sich am Ende doch die mathematische Seite durchsetzen können, die keine Rücksicht auf Emotionen nimmt?

In „Der Zorn der Gerechten“ erhalten wir darauf keine Antwort. Doch alles sieht danach aus, als würden wir im dritten Band, der noch nicht veröffentlicht wurde, mehr darüber erfahren. ich bin schon sehr gespannt.

„Zwischen zwei Sternen“ von Becky Chambers

35075705Titel: Zwischen zwei Sternen
Autorin: Becky Chambers
Serie: Wayfarers #2
Verlag: Fischer TOR
Originaltitel: A Closed and Common Orbit (Hodder & Stoughton)
Übersetzung: Karin Will

Inhalt:
„Früher hatte Lovelace ihre Augen und Ohren überall. Als KI-System der Wayfarer hat sie alles mitbekommen, was auf ihrem Raumschiff passierte, und für das Wohlbefinden der Crew gesorgt, für die Lovelace immer mehr eine Freundin war als nur ein System.
Dann kam der totale Systemausfall. Ihre Crew sah nur eine Möglichkeit, Lovelace zu retten: Ein Reboot all ihrer Systeme. Als sie aufwacht, ist sie in einem Bodykit gefangen, mit all seinen Beschränkungen – in einer Gesellschaft, in der eine solche Umwandlung verboten ist. Doch Lovelace ist nicht allein: Pepper, eine Technikerin, die ihr Leben riskiert hat, um die KI zu retten, hilft Lovelace, ihren Platz in der Welt zu finden. Denn Pepper weiß selbst nur zu genau, wie es ist, ganz auf sich allein gestellt zu sein und das Universum neu kennenzulernen …“

Meine Meinung:
Das erste Buch dieser Reihe hatte ich bereits vor einiger Zeit gelesen. Es konnte mich eigentlich nicht so recht begeistern, dennoch griff ich aus einer Laune heraus zum zweiten Band, der mir in einer örtlichen Buchhandlung ins Auge gesprungen war.

Ich habe diesen Kauf nicht bereut.

Die Hauptfiguren

Wie schon im ersten Band stehen auch in diesem die Figuren im Vordergrund, weniger die SciFi-Welt als solche. Doch während es in Teil 1 eine ganze Crew ist, deren Weg wir folgen, so ist es hier auf zwei bzw. drei Charaktere begrenzt.

Zunächst ist da Sidra, die zuvor als Lovelace ein Schiff gelenkt hat. Sie ist eine hochentwickelte KI, die nun in einem synthetischen Körper steckt, der ihr einerseits mehr Freiheiten gibt, sie andererseits jedoch beschränkt.

Außerdem lernen wir Pepper kennen, die Technikerin, die Lovelace damals gerettet hat. Sie gehört zwar zur menschlichen Rasse, wurde allerdings viele Jahre liebevoll von einer KI namens „Eule“ aufgezogen und ihrerseits gerettet.

So unterschiedlich die Herkunft von Sidra und Pepper auch sein mag, so sehr ähneln sie sich in ihrer Entwicklung. Beide müssen ihre Umgebung erkunden, sich darin zurechtfinden, ihre Stärken und Schwächen ausloten, um sich schließlich über ihre Umstände erheben zu können.

Diversity

Die Autorin verwebt geschickt diese Schicksale von Mensch und KI zu einer faszinierenden Geschichte in einer Welt voller schillernder Wesen, für die es nicht auf das Äußere oder das Geschlecht ankommt. Vielmehr geht es um ein friedliches, verständnisvolles Miteinander in einer sehr diversen Gesellschaft und darum, offen zu sein für das, was einen verbindet.
Es sind nicht die Unterschiede, die Chambers im Gegensatz zu vielen anderen SciFi-Autoren hervorhebt, sondern die Gemeinsamkeiten.
Diversity bedeute für sie optische, soziologische und kulturelle Vielfalt, die letzten Endes aber darauf fußt, dass jedes Individuum empfindsam ist und seinen Platz in der Welt nur mit Hilfe anderer ausfüllen kann.
Diversity ist in diesem Buch gelebte Selbstverständlichkeit.

Mein Leseeindruck

Mich hat „Zwischen den Sternen“ emotional stärker berührt, als ich es erwartet hatte.
Peppers Überlebenswille, Eules Hilfsbereitschaft und Sidras Selbstfindung haben mich nachdenklich gestimmt. Gäbe es zwischen KI und Mensch am Ende vielleicht doch so keine große Kluft, wie einige Prognosen es andeuten, wenn KIs empfindungsfähig wie wir wären? Würde der Verstand tatsächlich die Emotionen überlagern oder wäre es nicht doch alles ein wenig komplexer?

Mir hat der zweite Band der Wayfarers-Reihe ausgesprochen gut gefallen, so gut, dass ich den dritten Band vorbestellt habe, der Ende März auf Deutsch erscheinen wird.

Ein lesenswertes Buch auch die diejenigen, die nicht gern zu SciFi greifen.