„Weiss, weiss, Totenkreis“ von Martina Straten

43622247Titel: Weiss, weiss, Totenkreis
Autorin: Martina Straten
Verlag: Independently published

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar

Inhalt:
„Mysteriöse Morde – ein Bundesland im Ausnahmezustand und eine Kommissarin, die an die Grenzen ihrer Kraft gerät.
Ein Serienkiller zieht seine Kreise im Saarland.
Er tötet nach einem Muster und er ist nicht aufzuhalten.
Da ist der Reiter, der ein junges Mädchen mit seinem Pferd zu Tode hetzt.
Da sind die drei Stundentinnen, die tot in einem alten Lustschloß gefunden werden.
Wer tötet auf eine so grausame Art und was hat ein Kinderheim in den siebziger Jahren mit den Morden zu tun?
Franziska Merten wird mit dem Fall beauftragt und sie gerät an die Grenzen ihrer Kraft.
Verzweifelt versucht sie den Täter aufzuhalten, aber sie hat auch mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen – erst vor Kurzem verlor sie ihre kleine Tochter.
Wird sie es schaffen die Mordserie zu beenden?“

+++ Ein saarländischer Debütroman mit interessanten Ideen +++

Meine Meinung:
Wie ich bereits berichtete, wurde ich im Januar überraschend zu einer Lesung mit Martina Straten eingeladen, bei der sie ihr erstes Buch „Weiss, weiss, Totenkreis“ vorstellte.

Um dieser Rezension etwas klärend vorweg zu stellen: ich lese sehr selten Erstlingswerke im Selfpublishingbereich und ich möchte solche weder mit Debüts in Verlagen noch mit „gestandenen Werken von gestandenen AutorInnen“ vergleichen, denn das wäre nicht besonders fair.
Wer selbst veröffentlicht und sich um Coverdesign, Lektorat, Marketing,… in Eigenregie kümmern muss, hat deutlich höhere Hürden zu überwinden als Schreiberlinge mit Autorenverträgen.

Ich versuche, eine möglichst faire und ein wenig wohlwollende Rezension zu schreiben, da ich als „Saarländerin aus Leidenschaft“ natürlich auch ein wenig voreingenommen bin.

Die guten Seiten

Was mir wirklich von Anfang an ausgesprochen gut gefallen hat, war die Idee, saarländische Sagen mit einer Mordserie zu verbinden.
Das war ein Konzept, das mir so noch nicht begegnet war und bei dem ich nebenbei ein wenig mehr über das Bundesland erfahren habe, in dem ich wohne.

Die Taten selbst fand ich weder zu soft noch zu brutal, allerdings wird es begeisterten Thrillerfans vermutlich nicht blutig genug sein. Ich lese kaum Geschichten mit viel Gewalt, für mich war es daher gerade die richtige Dosis an Schrecken.

Positiv hervorzuheben ist zudem der Titel, der ausgesprochen eingängig ist und thematisch in die Erzählung eingebunden wird.

Franziska ist als Protagonistin eine interessante Frau mit Höhen und Tiefen, die sich gerade selbst ein wenig sucht, ein privates Drama überstanden hat und einem Neuanfang zweifelnd gegenüber steht.
Ihre Geschichte ist gut ausgearbeitet und ihre Entwicklung überzeugend und nachvollziehbar, wenn auch nicht in allen Teilen.

Die weniger guten Seiten

Wie fast jedes Selfpublishing-Debüt hat natürlich auch dieses Buch einige Schwächen, über die ich leider nicht hinweglesen und die ich daher auch nicht unerwähnt lassen möchte.

Der heftigste Fehler, der dem Lektorat nicht hätte entgehen sollen, betrifft den Hintergrund der Figur Michael. Heißt es auf Seite 168 noch, dass er den ersten (und einzigen) positiven Schwangerschaftstest seiner damaligen Partnerin als Geschenk verpackt auf dem Schreibtisch vorgefunden hat, so erfahren wir auf S. 207, sie habe ihm von der Schwangerschaft zwischen zwei Gläsern Weißwein erzählt und ihm ein Ultraschallbild herüber geschoben.

So etwas sollte mit einem Lektorat eigentlich nicht passieren. Es ist nicht wesentlich für den Rest der Story, allerdings gerät man bei solchen Stellen ein wenig ins Straucheln und entwickelt dann eine gewisse Skepsis.

Ebenfalls ein wenig hinderlich beim Lesen empfand ich die Tatsache, dass wir von fast allen Charakteren (Ausnahme Franziska) ihre Vergangenheiten en bloc präsentiert bekommen, statt sie Stück um Stück zu entdecken. Das mag den Figuren zwar etwas Tiefe verleihen, aber so gibt es nur noch wenig, was man von ihnen im Laufe der Zeit zu erfahren hofft.

Einen Thriller zeichnet es zudem aus, dass der Leser bzw. die Leserin sich psychisch mit den Opfern verbindet, um sie bangt und sich vor dem Täter mitfürchtet.
Da es hier einige Morde gibt, lernen wir die Menschen immer erst kurz vor ihrem Tod kennen. Wir haben keine Chance, uns mit ihnen zu verbünden, ihren Tod zu bedauern und aus Angst vor weiteren Schlägen zu erzittern.
Dem Thriller fehlt ein wenig der „Thrill“.

Ordnet man es dem Krimi unter, benötigt man entweder ein  „Whodunnit“, was hier aber relativ früh erkennbar ist, oder ein starkes Ermittlerpaar.
Franziska ist sehr gut ausgearbeitet. Eine Figur mit genug Tiefe, genug Emotionen und einer Entwicklung über das gesamte Buch hinweg.
Ihr Partner und noch dazu Untergebener Armin ist jedoch leider alles andere als sympathisch. Ihm fehlt es zu stark an sich widersprechenden Gefühlen, an einem inneren Konflikt und an eigenen Motiven für sein Handeln. Er verhält sich seiner Chefin gegenüber außerdem dermaßen anstandslos – eine Dienstaufsichtsbeschwerde wäre absolut angebracht -, dass er ziemlich unglaubwürdig wirkt. Er macht auch kaum Entwicklung durch, so dass man am Ende nicht sagen könnte, das Team wäre zusammengewachsen. Er ist ein wenig zu „kantig“ und trübt daher leider den Gesamteindruck.

Die ausbaufähigen Seiten

Der Schreibstil hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen. Alles las sich sehr flüssig, obwohl ich hin und wieder über ein paar Wortwiederholungen stolperte. Ein wenig mehr Abwechslung in der Wahl der Verben wäre nett gewesen, aber so etwas kann man leicht verbessern.

Positiv in Erinnerung geblieben ist mir darüber hinaus der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, auch wenn er hin und wieder ein wenig überraschend kommt und prinzipiell etwas zu viel für den kriminalistischen Aspekt in dieser Story offenlegt.

Last but not least widmet sich die Autorin einem heiklen gesellschaftlichen Thema und bindet es recht geschickt in den Spannungsbogen ein. Allerdings gibt es viel zu wenige Erklärungen für die Handlungsmotive des Täters. Wir sehen ihn im Kontext seines früheren Berufes und dann zig Jahre später begegnen wir ihm als Schlächter. Was ist in der Zwischenzeit passiert, was ihn so über die Stränge hat schlagen lassen?
Hier wäre ein wenig mehr „Geschichte in der Geschichte“ wünschenswert gewesen.

Mein Fazit

Ich denke, dass in erster Linie wir Saarländer diesem Buch mit Freude und Interesse begegnen werden, da wir nicht nur seine Autorin sondern auch die Orte und vielleicht sogar die Legenden kennen.

LeserInnen außerhalb dieses Settings werden sich vermutlich ein wenig mit den oben geschilderten Schwächen des Erstlingsromans schwer tun, was aber vielleicht eher auf die VielleserInnen zutrifft.

Wer hin und wieder gern zu einer spannenden Story greift, offen ist für ungewohnte Konzepte und sich nicht an Debütfehlern stößt, wird sicherlich Spaß an „Weiss, weiss, Totenkreis“ haben.

Ich selbst fand diesen Roman recht interessant und würde auch eine Fortsetzung gern lesen.

 

 

„Otherworld“ von Jason Segel, Kirsten Miller

28238589Titel: Otherworld
Autoren: Jason Segel, Kirsten Miller
Serie: Last Reality #1
Verlag: Delacorte Press

Inhalt:
„The company says Otherworld is amazing — like nothing you’ve ever seen before. They say it’s addictive — that you’ll want to stay forever. They promise Otherworld will make all your dreams come true.
Simon thought Otherworld was a game. Turns out he knew nothing. Otherworld is the next phase of reality. It’s everything you’ve ever wanted.
And it’s about to change humanity forever.
Welcome to the Otherworld. No one could have seen it coming.“

Meine Meinung:
Ich bin eher zufällig über diesen Titel gestolpert und da mich alles interessiert, was Realität und Fantasie vermischt, war ich auf diese Geschichte sehr gespannt, zumal gerade der Folgeband erschienen ist.

Der Einstieg fiel mir ehrlich gesagt ein wenig schwer. Alles las sich ein wenig ungelenk: jetzt sind wir hier, jetzt machen wir das, da ist der, nun gehen wir dorthin,…
Aber da ich das Buch überwiegend vor dem Schlafen las und ohnehin nicht mehr viel Energie für Anspruchvolleres hatte, blieb ich darin hängen.

Je weiter ich mich durch die Erzählung bewegte, umso besser fand ich sie.
Das lag nicht unbedingt an den Charakteren, die eher flach sind und sich etwas vorhersehbar verhalten. Doch die Welt als solche ist recht gut gelungen und die Überschneidung mit der Realität wurde spannender als anfangs angenommen.

„Otherworld“ mag kein herausragendes Werk sein, beinhaltet aber einige interessante Ideen und ein facettenreiches Worldbuilding.
Ich habe bereits mit Band 2 begonnen, weil mich die Story gut unterhalten hat.

 „Eine Familie, zwei Räder und das Abenteuer unseres Lebens“ von André Schumacher

43553061 Titel: Eine Familie, zwei Räder und das Abenteuer unseres Lebens
Autor: André Schumacher
Verlag: Holiday

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar.

Inhalt:
„André Schumacher ist ein Besessener. Auf der ganzen Welt war er unterwegs. Heimatlos. Rauschhaft. Süchtig nach der Ferne, nach Menschen, nach Geschichten. Plötzlich wird er Vater, und alles ist anders.

Oder doch nicht?

Mit einem Lastenfahrrad fährt die junge Familie von Bäbelin bei Wismar nach Pamplona in Spanien. Ihr Weg führt sie die Elbe und Moldau hinauf in den Böhmerwald, durch Salzkammergut, Hohe Tauern und das Weltnaturerbe der Dolomiten, entlang der Oberitalienischen Seen, durch die Genussregionen Piemont und Provence, über die Cevennen und die Pyrenäen bis ins Baskenland.

Was die drei dabei erleben? Alles! Hitzewellen und Schneestürme, Spinner und Visionäre, unbeschreibliche Strapazen und Momente größten Glücks.“

Meine Meinung:
André Schuhmacher, geboren 1974 in Rostock, ist ein bekannter Abenteurer, der seine Erlebnisse nicht nur fotografisch festhält, sondern auch darüber schreibt und in Vorträgen davon berichtet.

In seinem neuesten Buch „Eine Familie, zwei Räder und das Abenteuer unseres Lebens“ schildert er von einer Reise mit seiner Familie quer durch Europa. „Nichts Besonderes“, mag der ein oder andere nun denken, „wozu darüber schreiben?“.  Wenn man die 3517 Kilometer jedoch überwiegend mit Fahrrädern und einem 18 Monate altem Kind bestreitet, dann ist das schon eine ausführliche Erzählung wert.

Erwartet hatte ich eigentlich ausführliche Beschreibungen der Strapazen, die solch ein Unternehmen mit sich bringt, schließlich gibt es nicht nur ein Transportproblem zu bewältigen, denn auch ein Kind möchte bei Laune gehalten und versorgt werden.

Überraschenderweise spielt das alles aber keine große Rolle. Vielmehr geht es um die Landschaft selbst, die Schönheit jeder einzelnen Region, die Besonderheiten und vor allem den Menschen, denen die Drei auf ihrer Reise begegnen.
Es sind diese kleinen, unscheinbaren Momente, die die Tour prägen und die auch mir als Leserin vermitteln: „Es kommt nicht auf das Ziel an, es kommt darauf an, was man aus dem Weg dorthin macht“.

Auch wenn ich selbst keine Reisende bin, bin ich beim Lesen oft ins Grübeln gekommen, denn es geht um viel mehr als nur ein abenteuerliches Unterfangen. Es geht auch darum, wie man sein Leben lebt und ich habe mich immer wieder gefragt: Wie sehen meine Träume eigentlich aus? Was möchte ich gern erkunden? Wo kann und sollte ich Tempo rausnehmen? Wo sollte ich den Weg mal verlassen, um Neues zu entdecken?

Das Buch als solches ist ansprechend gestaltet mit einer Karte, auf der die einzelnen Stationen der Kapitel gekennzeichnet sind, kleinen und großen Fotos mit guten Bildunterschriften und insgesamt einem Layout, das nicht vom Text ablenkt, sondern ihn gekonnt auflockert.

Wer mehr über André Schuhmacher und seine Abenteuer erfahren möchte, kann ihn bei einer seiner Reiseshows kennenlernen, zu denen es HIER die Termine gibt.

„Eine Familie, zwei Räder und das Abenteuer unseres Lebens“ ist eine tolle Empfehlung für alle, die gern reisen oder vom Reisen träumen möchten.

„Die Geschichte der getrennten Wege“ von Elena Ferrante

34623369Titel: Die Geschichte der getrennten Wege
Autorin: Elena Ferrante
Serie: Neapolitanische Saga #3
Verlag: Suhrkamp
Originaltitel: Storia di chi fugge e di chi resta

Inhalt:
„Es sind die turbulenten siebziger Jahre und die beiden inzwischen erwachsene Frauen. Lila ist Mutter geworden und hat sich befreit und alles hingeworfen – den Wohlstand, ihre Ehe, ihren neuen Namen – und arbeitet unter entwürdigenden Bedingungen in einer Fabrik. Elena hat ihr altes neapolitanisches Viertel hinter sich gelassen, das Studium beendet und ihren ersten Roman veröffentlicht. Als sie in eine angesehene norditalienische Familie einheiratet und ihrerseits ein Kind bekommt, hält sie ihren gesellschaftlichen Aufstieg für vollendet. Doch schon bald muss sie feststellen, dass sie ständig an Grenzen gerät.
Ganze Welten trennen die Freundinnen, doch gerade in diesen schwierigen Jahren sind sie füreinander da, die Nähe, die sie verbindet, scheint unverbrüchlich. Würde da nur nicht die langjährige Konkurrenz um einen bestimmten Mann immer deutlicher zutage treten.“

Meine Meinung:
Die Neapolitanische Saga hat mich seit dem ersten Band fasziniert. Buch 3 lag stand sehr lange in meinem Regal, doch immer wieder scheute ich mich davor, denn es ist eine sehr intensive Geschichte, die hier erzählt wird.

Lila und Elena kommen aus einem sehr heruntergekommenen Stadtviertel in Neapel, in dem die Menschen eigen sind und in ärmlichen Verhältnissen leben. Es ist nicht leicht, sich diesem Umfeld zu entziehen. Während Elena das Glück hatte, einen höheren Bildungsweg einschlagen und ihrer Heimat entkommen zu können, arbeitet Lila in einer Wurstfabrik, kämpft gegen frauenfeindliche Übergriffe und zieht ein uneheliches Kind groß. Dennoch scheint sie es zu sein, die in ihrem mehr erreicht hat als ihre Freundin.

Elena verhält sich in dieser Erzählung ausgesprochen destruktiv, sieht nicht das Gute, das sie sich erarbeitet hat, kann ihrer Situation nichts Positives abgewinnen und wendet sich immer wieder an Menschen aus ihrer Vergangenheit, die ihr bereits damals geschadet haben und sich nun kaum besser verhalten.
Sie vergleicht sich ununterbrochen mit ihrer besten Freundin, die wie ein Magnet auf sie wirkt, auf die sie einerseits neidisch ist, aber andererseits auf sie herab blickt.
Auch wenn sich die beiden nur selten real begegnen, so hat Lila auch über die Distanz hinweg einen sehr toxischen Einfluss sie.

Hinzu kommt eine alte Liebe, von der sich Elena nicht fern halten kann, die für sie die Erfüllung ihrer Träume bedeutet, obwohl auch dieses Verhältnis auf keiner guten Basis steht.

Es ist ein wenig anstrengend, Elenas ununterbrochenem Jammern zuzuhören, mitzuerleben, wie sie sich klein macht, dabei aber krampfhaft versucht, wahrgenommen zu werden und Anerkennung zu finden.
Obwohl sie doch offensichtlich sehr intelligent ist, kann sie nicht über ihren Schatten springen und sich von der Meinung anderer lösen.

Dennoch hat Ferrante erneut eine fesselnde Story geschrieben, die so intensiv ist, dass ich das Lesen mehrfach unterbrechen musste, weil es mich stellenweise an eine eigene toxische Freundschaft aus meiner Jugend erinnerte, was nicht immer angenehm war.

„Die Geschichte der getrennten Wege“ steht den beiden ersten Bänden in nichts nach.

Absolut empfehlenswert!

„The Strings of Murder“ von Oscar de Muriel

23257059 Titel: The Strings of Murder
Autor: Oscar de Muriel
Serie: Frey & McGray #1
Verlag: Penguin
Übersetzung: Die Schatten von Edinburgh (Goldmann Verlag)

Inhalt:
Edinburgh, 1888. A virtuoso violinist is brutally killed in his home. Black magic symbols cover the walls. The dead man’s maid swears she heard three musicians playing before the murder.
But with no way in or out of the locked practice room, the puzzle makes no sense…
Fearing a national panic over a copycat Ripper, Scotland Yard sends Inspector Ian Frey to investigate under the cover of a fake department specializing in the occult. However, Frey’s new boss – Detective ‚Nine-Nails‘ McGray – actually believes in such nonsense.
McGray’s tragic past has driven him to superstition, but even Frey must admit that this case seems beyond reason. And once someone loses all reason, who knows what they will lose next…“

Meine Meinung:
„The Strings of Murder“ ist der erste Band einer mehrteiligen Krimireihe des mexikanischen Autors Oscar de Muriel, der nach England zog und sich dort zu seinen Büchern inspirieren ließ.

So verwundert es nicht, dass die Geschichte ganz klassisch bei Jack the Ripper seinen Ausgang nimmt, dann aber für den Protagonisten überraschend nach Schottland wandert.
Dort begegnen wir einem „locked-room mystery“, also dem eigentlichen unmöglichen Mord, den nun das ungleiche Paar Frey und McGray lösen muss.

Wer britische Krimis liebt, wird Gefallen an dieser Serie finden.
Das Rätsel selbst ist nicht besonders schwer zu lösen, allerdings birgt es einige interessante Aspekte und liebevoll beschriebene Charaktere, die einem schnell ans Herz wachsen und immer wieder zum Schmunzeln bringen.

„The Strings of Murder“ ist eine nette, kleine Geschichte für zwischendurch. Ich denke, ich werde auch die Folgebände nach und nach lesen.

„The Seven Deaths of Evelyn Hardcastle“ von Stuart Turton

35967101Titel: The Seven Deaths of Evelyn Hardcastle
Autor: Stuart Turton
Verlag: Raven Books
Übersetzung: Soll Mitte 2019 bei Klett-Cotta erscheinen

Inhalt:
At a gala party thrown by her parents, Evelyn Hardcastle will be killed–again. She’s been murdered hundreds of times, and each day, Aiden Bishop is too late to save her. Doomed to repeat the same day over and over, Aiden’s only escape is to solve Evelyn Hardcastle’s murder and conquer the shadows of an enemy he struggles to even comprehend–but nothing and no one are quite what they seem.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist gerade in aller Munde, nicht zuletzt weil es den „Costa First Novel Award 2018“ gewonnen hat.

Auch mich hatte der Klappentext neugierig gemacht. Ein Mord, der sich täglich wiederholt? Ein Protagonist, der dieses Rätsel lösen muss? Klingt spannend!

Die Geschichte begann sehr interessant. Ich war völlig fasziniert von der Idee, die ein wenig in den SciFi-Bereich driftet, Zeitreise, Körperwechsel,… anschneidet, aber dennoch im klassischen „Whodunnit“-Setting bleibt.

Doch dieses Konzept birgt auch einige Probleme.

Da wäre zunächst der Protagonist, dessen Persönlichkeit nie recht herausgearbeitet wird, da er diverse Figuren vereinnahmt, die eigene Persönlichkeiten mit sich bringen. Jemand warnt ihn zu Beginn, dass sein eigenes Ich darin komplett aufgehen kann, aber diese Gefahr spielt am Ende keine Rolle. Je weiter das Geschehen voran schreitet, umso souveräner geht er mit der Situation um, was ich ein wenig widersprüchlich fand.  Wieso diesen potentiellen Spannungsbogen aufbauen, wenn er nicht genutzt wird?

Weiterhin erfahren wir über diesen mysteriösen Mann kaum etwas. Wir kennen nicht seine Motive (an die er sich selbst nicht erinnern kann), seine Gefühlswelt dreht sich lediglich um den Mord. Er ist eher ein „Mittel zum Zweck“, eine Figur, die den Leser an die Hand nimmt und sagt „guck mal, was der Autor sich Tolles ausgedacht hat“, er bleibt als eigenständige Figur ziemlich im Dunkeln.

Schwierig fand ich es darüber hinaus, dass wir uns in einer Art „Blase“ befinden. Bezüge zur Außenwelt werden nicht bzw. erst am Schluss hergestellt, was dazu führt, dass die Erklärung, die wir letztendlich für das Setting bekommen, nicht besonders zufriedenstellend ausfällt. Man kann es einfach nicht in einem größeren Kontext sehen, man bekommt es einfach so hingeworfen und ein wenig hat es den Anschein, als erwarte der Autor dafür großen Applaus.

Auch wenn meine Kritik ein wenig harsch ausfällt, ist „The Seven Deaths of Evelyn Hardcastle“ ein recht unterhaltsames Buch mit ungewöhnlichen Ansätzen. Allerdings finde ich den Hype ein wenig überzogen.

Hinweis: in Amerika wurde diese Geschichte unter dem Titel „The 7 1/2  Deaths of Evelyn Hardcastle“ veröffentlicht.