Kurzrezension: „Killers of the Flower Moon“ von David Grann

29496076.jpg Titel: Killers of the Flower Moon
Autor: David Grann
Verlag: Doubleday

Auszug Klappentext:
„In Killers of the Flower Moon, David Grann revisits a shocking series of crimes in which dozens of people were murdered in cold blood. The book is a masterpiece of narrative nonfiction, as each step in the investigation reveals a series of sinister secrets and reversals. But more than that, it is a searing indictment of the callousness and prejudice toward Native Americans that allowed the murderers to operate with impunity for so long. Killers of the Flower Moon is utterly riveting, but also emotionally devastating.“

Meinung:
Ich hatte etwas anderes von diesem Buch erwartet. Ich ging davon aus, dass ich mehr Hintergründe über das FBI erfahren würde, über die beginnenden Strukturen, die Probleme, die Entstehung des riesigen Systems, was es heute ist.

Ja, man erfährt auch etwas über die Anfänge dieser Einrichtung und die Schwierigkeiten, die sich ihr anfangs boten. Aber dennoch liegt der Schwerpunkt des Buchs auf sehr verwickelten und komplizierten Morden innerhalb eines nordamerikanischen Indianerstamms zwischen 1921 und 1926.

Das Buch ist sehr gut recherchiert, keine Frage. Ich fand es jedoch zu verwirrend und konnte kein rechtes Interesse für das Thema aufbringen.

Rezension: „The Underground Railroad“ von Colson Whitehead

IMG_1161 Titel: The Underground Railroad
Autor: Colson Whitehead
Verlag: Doubleday Books/Random House (Buchseite)
Übersetzung: „Undergroudn Railroad“ (voraussichtlich am 21.8.2017, Hanser Verlag)

„Here was the true Great Spirit, the devine thread connceting all human endeavour – if you can kepp it, it is yours. Your property. Slave or continent. The American imperative.“

Inhalt:
„Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht – doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit?“ (Klappentext deutsche Ausgabe)

Sklaverei ist ein Thema, mit dem ich mich – bis auf ein paar Schullektüren – lesend wenig befasst habe. Vielleicht liegt es daran, dass ich in meinem Alltag keine Berührungspunkte damit habe oder dass ich sehr offen und tolerant erzogen wurde. Ich sehe zwar, dass Rassismus nach wie vor existiert und ich habe eine Meinung dazu, aber es fehlen mir auf diesem Gebiet Erfahrungswerte.

Daher war ich auch nicht verwundert, dass mich dieses hochgelobte Buch nicht wirklich angesprochen hat.
Erinnert mich der Anfang noch stark an „Onkel Toms Hütte“, so waren mir all die Szenen, die Cora nach ihrer Flucht von der Plantage durchlebt, völlig fremd.
Kaum hatte ich mich einigermaßen in das neue Umfeld eingelesen und mich an neue Charaktere gewöhnt, zog mich der Autor schon wieder ein weiteres unbekanntes Terrain mit weiteren Agierenden.
Zwischen all diesen Situationen gab es darüber hinaus „Großaufnahmen“ der Schlüsselfiguren des Romans, die mich wieder aus dem bisher Gelesenen rissen. Ich konnte mich nicht in Ruhe auf die Geschichte einlassen und mich damit gedanklich befassen.

Zudem störte mich das oberlehrerhafte Auftreten von Whitehead, das sich wie ein roter Faden durch die Story zieht. Immer wieder vermag er nicht, einige emotional geladene Situationen für sich im Raum stehen und dem Leser die moralische Bewertung zu lassen. Nein, er schiebt oft ein einem Satz eine unumstößliche Aussage dem Geschehen hinterher, die sagt: „So ist es und nicht anders“.

„The Underground Railroad“ ist sicherlich ein gutes und wichtiges Buch, aber ich konnte mich damit nicht anfreunden.

Rezension: „Licht“ von Anthony McCarten

img_1160 Titel: Licht
Autor: Anthony McCarten
Verlag: Diogenes (zur Buchseite)
Originaltitel: Brilliance
Übersetzung: Manfred Allié, Gabriele Kempf-Allié

„Der Regler für moralische Integrität wird abgeklemmt – das moralische Gedächtnis.“

„›Licht‹ ist die Geschichte von zwei sehr unterschiedlichen Männern, die sich treffen, um gemeinsam die Welt zu verändern. Der eine bringt mit seiner Erfindung weltweit Licht ins Dunkel, der andere ist ein Genie des Geldes. Doch während J. P. Morgan aus der Beziehung als reichster Mann der Welt hervorgeht, lässt sich der Erfinder der Glühbirne, Thomas Edison, von der schillernden Welt seines Partners verführen und setzt nicht nur seine Erfindungskraft, sondern auch seine Liebe und sein Seelenheil aufs Spiel.“ (Quelle: Diogenes)

Was wäre die Welt ohne Glühlampe? Wo wären wir heute, hätte sich Edison nicht für die Elektrifizierung der Städte eingesetzt und welchen Preis musste er dafür zahlen?

McCarten beginnt seine Geschichte 1878, als der aufstrebende Bankier J.P. Morgan den zerstreuten, aber vielversprechenden Erfinder Thomas Alva Edison in dessen Labor besucht und ihm ein Angebot unterbreitet, das er nicht abschlagen kann.

Doch statt den historischen Ereignissen chronologisch zu folgen, werden wir nach diesem ersten Zusammentreffen in das Jahr 1929 versetzt, als Edison in einem Zug zum 50. Jubiläum der Erfindung seiner Glühlampe ist, bei einem Halt auf dem Bahnsteig zurückbleibt und sich dort in seinen Erinnerungen verliert, die uns uns in eine Ära voller bahnbrechender Errungenschaften und einem bitteren Kampf um die Macht katapultieren.

Mit Edison und Morgan trafen ein Pragmatiker und ein Visionär aufeinander, die sich zwar respektierten, allerdings nicht mochten.
Es war der Bankier, der das Schicksal mit seinem Geld lenkte und den Erfinder immer mehr von seinem Ziel, etwas Gutes für die Welt zu tun, ablenkte.
Tiefer und tiefer verstrickt Edison sich in Ränkeleien. Wir sehen seinen Zerfall und vermögen ihn nicht aufzuhalten.
Trotz allem ist es schwer, Mitleid für diesen Mann zu verspüren, denn McCarten zeigt uns einen engstirnigen Egozentriker, der seiner Familie das Blaue vom Himmel verspricht, aber nur für seine Erfindungen und Experimente lebt. Niemand ist so genial wie er, andere Ideen als die seinen weist er weit von sich und ist überrascht, als er sich plötzlich einem  „Stromkrieg“ mit seinem ehemaligen Mitarbeiter Nikola Tesla findet.

Der Autor vermischt sehr gekonnt Fiktion und Fakten. Viele Details erwecken sowohl die Zeit selbst als auch die Ereignisse zum Leben.
Es gibt lustige Stellen im Buch, humorvolle, emotionale, allerdings auch sehr grausame.
Leser, die es nicht mögen, wenn Tiere oder Menschen in einer Erzählung gequält werden, sollten besser zu einer anderen Lektüre greifen.

Für mich war „Licht“ ein absoluter Lesegenuss. Ich mochte alles daran: die exzentrischen Charaktere, das Wettrennen um die Macht, das Spiel mit Worten und Symbolik.
Auch haptisch bereitete mir das Buch viel Vergnügen. Ich mag die Größe, das ansprechende Cover, aber besonders das Papier, das sich zwischen den Fingern wunderbar anfühlt.

„Licht“ von Anthony McCarten ist ein hervorragender Roman und eine Geschenkidee für PhysikerInnen, Steampunkfans und alle mit Interesse am technischen Fortschritt.