Rezension: „The Secret History of Us“ von Jessi Kirby

Cover The Secret History of Us Titel: The Secret History of Us
Autorin: Jessi Kirby
Verlag: HarperTeen
Seiten: 288

Klappentext:

„Olivia wakes up to realize she doesn’t remember. Not just the accident—but anything from the last four years. Not high school. Not Matt, the guy who is apparently her boyfriend. Not the reason she and Jules are no longer friends. Nothing.
That’s when it hits her—the accident may not have taken her life, but it took something just as vital: her memory. The harder she tires to remember things, the foggier everything gets, and figuring out who she is feels impossible when everyone keeps telling her who she was.
But then there’s Walker. The guy who saved her. The one who broke her ribs pumping life back into her lungs. The hardened boy who keeps his distance despite Olivia’s attempts to thank him. (…)“

Rezension:

Ich hatte dieses Buch in der Onleihe entdeckt und da der Titel mir bekannt vorkam und ich das virtuelle Ausleihen eines Buches testen wollte, griff ich spontan zu ohne mehr über den Inhalt zu wissen.

Es ist eine typische Teenagerdreiecksbeziehung, die allerdings durch den Gedächtnisverlust der Protagonistin zugespitzt wird.
Ich weiß nicht, wie realistisch es ist, aufgrund eines Traumas vier Jahre seines Lebens zu verlieren, sich aber an alles andere zu erinnern. Diese fehlenden Erinnerungen werden von der Autorin auch nicht zu stark thematisiert. Sie spielen insofern eine große Rolle, dass Olivia nicht mehr weiß, zu was für einem Menschen sie nach ihrer letzten Erinnerung geworden ist, welche Beziehungen sich verändert haben, ob und welche Geheimnisse sie hat,…
Die eigentlichen Alltagsschwierigkeiten wie beispielsweise, ob sie auf die nächsthöhere Schule gehen kann oder ob ihr dazu nun das Wissen fehlt, bleiben in dieser Geschichte außen vor.

Hauptaugenmerk liegt auf der Selbstfindung, dem Zusammensetzen der Puzzleteile, die Olivia nach und nach findet, die Ungewissheit, mit der sie zu kämpfen hat. Letztendlich wird die Frage gestellt „Spielen Ereignisse aus der Vergangenheit eine große Rolle für die Persönlichkeitsentwicklung oder gibt es eine ‚Grundpersönlichkeit‘, die unveränderlich ist?“.

Ich hätte mir noch mehr Tiefgang für diese Story gewünscht. All diese psychologischen Fragen wurden leider zu sehr von der Liebesbeziehung überdeckt, allerdings war das gerade bei diesem Titel zu erwarten.

„The Secret History of Us“ ist in erster Linie ein Buch für junge Heranwachsende, die sich täglich mit der Frage „wer bin ich eigentlich?“ konfrontiert sehen, aber auch Erwachsene werden damit gut unterhalten.

 

Rezension: „Boy in a White Room“ von Karl Olsberg

35278718 Titel: Boy in a White Room
Autor: Karl Olsberg
Verlag: Loewe

Klappentext:
Eingesperrt, ohne Erinnerung, erwacht Manuel in einem weißen Raum. Er weiß weder, wer er ist, noch, wie er hierher kam. Sein einziger Kontakt ist eine computergenerierte Stimme namens Alice, durch die er Zugriff auf das Internet hat. Stück für Stück erschließt sich Manuel online, was mit ihm passiert ist: Bei einem Entführungsversuch wurde er lebensgefährlich verletzt. Doch wie konnte er diesen Anschlag überleben? Ist das tatsächlich die Wahrheit? Und wer ist Manuel wirklich?

Meinung:
Mein erster Gedanke nach dem Lesen lautete „äh, was war das denn?“.

Karl Olsberg, der über künstliche Intelligenz promovierte und darüber hinaus u.a. als Unternehmensberater tätig war, versucht sich schon seit einiger Zeit an Jugendbüchern.
Es sind tatsächlich meist interessante Themen, denen er sich widmet, aber es mangelt meiner Meinung nach doch stark an der Ausführung.

Alles beginnt hier recht spannend in einem weißen Raum und schnell ist klar, dass es eine virtuelle Welt ist, in der sich der Avatar befindet. Es folgt eine einigermaßen plausible Erklärung für diesen Zustand, in dem sich Manuel befindet, aber ab etwa der Hälfte der Geschichte wird es extrem abgedreht.

Plötzlich tauchen Charaktere auf, von denen vorher nie die Rede war, es gibt eine superkurze Einführung, keinerlei echte Beschreibungen und unverständliche Handlungen.
Den Plottwist, den sie herbeiführen, hätte ich ja noch verstehen können, hätte man ihn konsequent durchgespielt, doch unversehens befindet man sich in einem neuen Erzählstrang und ab dieser Stelle driftet die Story in eine ausschweifende Erklärung über künstliche Intelligenz und eine moralische Betrachtung zum Zusammenleben Mensch und Maschine ab.

Es ist verwirrend, unausgereifte philosophische Gedanken durchziehen das letzte Drittel und die eigentliche Story verschwindet komplett dahinter.

Die Nomierung von „Boy in a White Room“ für den diesjährigen SERAPH-Literaturpreis kann ich in keiner Weise nachvollziehen.

Rezension: „Magonia“ von Maria Dahvana Headley (Spoiler)

33939439.jpg Titel: Magonia
Autorin: Maria Dahvana Headley
Verlag: Heyne
Originaltitel: Magonia

Klappentext:
„Seit sie klein ist, leidet die 16-jährige Aza an einer seltsamen Lungenkrankheit, die ihr ein normales Leben unmöglich macht. Als sie eines Tages ein Schiff hoch in den Wolken erspäht, schiebt sie das Phänomen auf ihre akute Atemnot. Bis jemand auf dem Schiff ihren Namen ruft …
Nur ein Mensch glaubt ihr diese Geschichte: ihr bester Freund Jason, der immer für sie da war, den sie vielleicht sogar liebt. Aber gerade als sie versucht, sich über die neuen tiefen Gefühle zu Jason klarzuwerden, überstürzen sich die Ereignisse. Aza meint zu ersticken – und findet sich plötzlich in Magonia wieder, dem Reich über den Wolken. Dort ist sie das erste Mal in ihrem Leben nicht mehr krank, sondern stark und magisch begabt. In dem heraufziehenden Kampf zwischen Magonia und Azas alter Heimat, der Erde, liegt das Schicksal aller mit einem Mal in Azas Händen“

Meinung:
Ich wollte dieses Buch wirklich mögen, weil mir die Idee so gut gefiel, aber leider wurde ich enttäuscht.

Ich liebe Urban Fantasy, ich mag es, wenn „normale Menschen“ plötzlich herausfinden, dass es da noch eine weitere Welt in ihrer gibt und dass sie vielleicht sogar ein Teil davon sind, aber hier entwickeln sich die Ereignisse und auch die Charaktere viel zu schnell.

Der Übergang von „todkrankes, schwaches Mädchen“ zu „starkes, fremdes Wesen“ geschieht genauso abrupt wie der Übergang von „eine Feder in meiner Lunge?!“ bis hin zu „ich vermisse den Vogel, der ab und zu in mir wohnt“.
Auch nicht nachvollziehbar war der plötzliche Wechsel zwischen „wir trauern heftig um unsere verstorbene Tochter und Freundin“ und „oh schön, da ist sie ja wieder“….

Schade, schade, schade – diese Geschichte hätte mehr Raum benötigt. Die Welt hätte langsamer eingeführt und detaillierter ausgearbeitet werden. Die Protagonisten hätten mehr Zeit für ihre Entwicklung benötigt. Nebenfiguren hätten besser beleuchtet werden sollen – es sind zu viele Kleinigkeiten, die den Eindruck trüben.

„Magonia“ hat für mich leider gar nicht funktioniert. Unausgereift und hektisch.

Kurzrezension: „The Scorpio Races“ von Maggie Stiefvater

10626594 Titel: The Scorpio Races
Autorin: Maggie Stiefvater
Verlag: Scholastic Press
Übersetzung: Rot wie das Meer

Klappentext:
„It happens at the start of every November: the Scorpio Races. Riders attempt to keep hold of their water horses long enough to make it to the finish line. Some riders live. Others die.
At age nineteen, Sean Kendrick is the returning champion. He is a young man of few words, and if he has any fears, he keeps them buried deep, where no one else can see them.
Puck Connolly is different. She never meant to ride in the Scorpio Races. But fate hasn’t given her much of a chance. So she enters the competition — the first girl ever to do so. She is in no way prepared for what is going to happen.“

Meinung:
Zu dem Buch hab ich nicht viel zu sagen: Pferde, Pferde aus dem Meer, ein gefährliches Pferderennen, Menschen, die Pferde kaufen und verkaufen, ein Junge und ein Mädchen, die Pferde reiten, Happy End.

Es war mein erstes Buch von Maggie Stiefvater und es wird vermutlich auch mein letztes gewesen sein. Es passiert einfach nichts und steckt voller Klischees.

Vielen gefällt das Buch. Mir nicht.

Rezension: „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ von John Green

36464432.jpg Titel: Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken
Autor: John Green
Verlag: Hanser
Originaltitel: Turtles all the way down

Klappentext:
„Die 16-jährige Aza Holmes hatte ganz sicher nicht vor, sich an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett zu beteiligen. Sie hat genug mit ihren eigenen Sorgen und Ängsten zu kämpfen, die ihre Gedankenwelt zwanghaft beherrschen. Doch als eine Hunderttausend-Dollar-Belohnung auf dem Spiel steht und ihre furchtlose beste Freundin Daisy es kaum erwarten kann, das Geheimnis um Pickett aufzuklären, macht Aza mit. Sie versucht Mut zu beweisen und überwindet durch Daisy nicht nur kleine Hindernisse, sondern auch große Gegensätze, die sie von anderen Menschen trennen. Für Aza wird es ein großes Abenteuer und eine Reise ins Zentrum ihrer Gedankenspirale, der sie zu entkommen versucht.“

Meinung:
Von John Green hatte ich bisher nur „Looking for Alaska“ gelesen, was mir wirklich gut gefallen hatte. Alaska war eine sehr starke Protagonistin, schillernd, vielseitig, auf ihre eigene Art gefährlich.

Solche Charaktere sucht man vergeblich in „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“.

Daisy ist eine aufgedrehte Teenagerin, die in ihrer Freizeit außer Jungs und Fanfiction kaum etwas anderes kennt. Irgendwann beschwert sie sich bei Aza, dass diese über ihr Leben nichts weiß, aber das tun wir als Leser auch nicht. Wir erfahren *nichts* über ihre Hintergründe oder Daisys Innenleben.

Dafür bekommen wir einen sehr starken Einblick in die Gefühlswelt der Protagonistin Aza. Aza lebt mit einer Zwangsneurose und Angststörungen und gerät immer wieder in eine Gedankenspirale, die sie daran hindert, ein normales Teenagerleben zu leben. So zumindest behauptet es Green. Allerdings ist Azas Angst zu Beginn des Buches nur immer mal wieder am Rande ein Thema. Hier konzentriert sich die Geschichte eher um den verschwundenen Milliardär und die detektivischen Bemühungen der Mädchen.
Erst im letzten Teil drehen sich die Verhältnisse, das Verschwinden gerät in den Hintergrund, dafür verstärken sich Azas Probleme.

Ich habe mich beim Lesen immer wieder gefragt „Wieso? Was will John Green hier sagen oder bezwecken?“
Ich denke nicht, dass er Teenager mit Verwaltungsproblemen über diese Story ansprechen oder helfen möchte. Aza hat keinen besonders guten Draht zu ihrer Therapeutin und weigert sich immer wieder, ihre Medikamente zu nehmen. Kein gutes Vorbild für Betroffene.
Außerdem wird ihre Angst bis zum „Showdown“ eher wie ein „Tick“ oder eine „Macke“ beschrieben. Ängste sind aber sehr viel lebensbestimmender. Ich habe selbst als Teenager und Studentin unter Panikattacken (allerdings ohne Zwangsneurose) gelitten. Ich habe mich eingeigelt und irgendwann fast komplett von der Außenwelt abgeschottet. Ich war kaum noch in der Lage, normal zu funktionieren. Ich befand mich dauerhaft „am Ende der Spirale“ (und hab mich am Ende selbst daraus befreit, was ich aber auch niemandem empfehlen würde, weil es langwierig ist). Ängste sind bedrohlicher, viel bedrohlicher als das, was Aza hier erlebt.

Ich hatte das Gefühl, dass Green vielmehr diese Angststörung für philosophische Betrachtungen über das Leben insgesamt benutzte. Dieses Buch steckt voller philosophischer Fragmente, die einfach so in den Raum hineingeworfen werden. Platitüden, abgegriffene Ideen, nicht nachvollziehbare Ansichten ohne Erklärungen – und das alles spielt sich in den Köpfen zweier Heranwachsender ab. Ja sicher…

Ich konnte mit „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ so gar nichts anfangen. Körperlose Figuren als Instrumente entrückter Gedankenspiele, eine Detektivgeschichte, die keine ist, kein interessantes Setting, zusammenhangsloser Plot.Ich kann das Buch nicht weiterempfehlen.

Rezension: „Renegades“ von Marissa Meyer

28421168.jpg Titel: Renegades
Autorin: Marissa Meyer
Serie: Renegades #1
Verlag: Feiwel & Friends

Klappentext:
„The Renegades are a syndicate of prodigies—humans with extraordinary abilities—who emerged from the ruins of a crumbled society and established peace and order where chaos reigned. As champions of justice, they remain a symbol of hope and courage to everyone…except the villains they once overthrew.
Nova has a reason to hate the Renegades, and she is on a mission for vengeance. As she gets closer to her target, she meets Adrian, a Renegade boy who believes in justice—and in Nova. But Nova’s allegiance is to a villain who has the power to end them both.“

Meinung:
Auf dieses Buch von Marissa Meyer hatte ich mich sehr gefreut, denn ich liebe ihre Lunar-Chronicals-Serie! Ich hatte erhofft, sie würde sich wieder einer bekannten Geschichte widmen und sie neu und modern erzählen.

Nun, sie widmet sich durchaus einer bekannten Story: Superhelden treffen auf Superbösewichte, alle haben Superkräfte und… boy meets girl.
Ich muss ehrlich sagen, dass mich das ein wenig enttäuscht hat. Es ist nicht schlecht gemacht. Die Erzählung ist glaubwürdig, in sich relativ logisch, die Charaktere sind nett, es gibt mysteriöse Elemente und ein unerwartetes Ende.

Dennoch.

Zu viel daran erinnerte mich an „Steelheart“ von Brandon Sanderson. Doch wo dieser actionreich und spannend erzählt, wirkt es bei Meyer eher kitschig und belehrend.
Ich kann Novas Motivation für ihre Entscheidungen nicht wirklich nachvollziehen, auch wenn die Autorin den Auslöser sehr eindrücklich schildert. Es wird aber nicht klar, woher sie den Mut nimmt, als Spionin zu arbeiten und wie sie zu ihren plötzlichen Sinneswandlungen kommt. Ihre Emotionen sind zu oberflächlich, zu berechenbar.

„Renegades“ war nett zu lesen, aber wer Superhelden mag, sollte vielleicht doch lieber zu „Steelheart“ greifen.
Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich Band 2 der Serie lesen werde.