„Truly Devious“ von Maureen Johnson

29589074. sx318 Titel: Truly Devious
Autorin: Maureen Johnson
Reihe: Truly Devious #1
Verlag: HarperCollins
Übersetzung: Was geschah mit Alice? (Loewe Verlag)

Inhalt: 
„Ellingham Academy is a famous private school in Vermont for the brightest thinkers, inventors, and artists. It was founded by Albert Ellingham, an early twentieth century tycoon, who wanted to make a wonderful place full of riddles, twisting pathways, and gardens. „A place“ he said, „where learning is a game.“
Shortly after the school opened, his wife and daughter were kidnapped. The only real clue was a mocking riddle listing methods of murder, signed with the frightening pseudonym, Truly Devious. It became one of the great unsolved crimes of American history.
True-crime aficionado Stevie Bell is set to begin her first year at Ellingham Academy, and she has an ambitious plan: She will solve this cold case. That is, she will solve the case when she gets a grip on her demanding new school life and her housemates: the inventor, the novelist, the actor, the artist, and the jokester. But something strange is happening. Truly Devious makes a surprise return, and death revisits Ellingham Academy. The past has crawled out of its grave. Someone has gotten away with murder.

Meinung:
Ich lese gerne Krimis und ich lese gerne Jugendbücher, aber seltsamerweise greife ich eher selten zu der Kombination „Krimi für Jugendliche“. In dieses Genre gehört die Truly-Devious-Reihe und ich hatte beim Lesen mehr Spaß als erwartet.

Was mich anfangs etwas irritierte, waren die Zeitsprünge. Es beginnt in der Vergangenheit, als Frau und Tochter des Schulgründers gekidnappt wurden und eine Schülerin stirbt. Ich hatte erwartet, dass wir dieser Geschichte folgen, doch plötzlich befinden wir uns in der Gegenwart und lernen Stevie kennen, die großes Interesse am damaligen Geschehen hat. Ihr Ziel an ihrer neuen Schule ist es, diese Fälle zu lösen.
Letzten Endes wird sie dann aber in einen sehr aktuellen Fall gezogen und dennoch kommt die Vergangenheit immer wieder zutage.

Diese Wechsel in unterschiedliche Zeiten machten es für mich anfangs etwas zäh und ich fragte mich, was aus den ursprünglichen Fällen werden würde. Zum Schluss allerdings wird klar, dass die gesamte Trilogie sich wohl mit diesen Taten befassen wird und wir mehr darüber im nächsten Buch erfahren können.

Die Geschichte hat ansonsten alles, was ein guter Kriminalroman – nicht nur für Heranwachsende – braucht: ein paar sehr interessante Figuren, ein sehr eingegrenzter Raum (was heißt, der Täter ist einer von ihnen), ein paar Liebesdramen, Spannung und ein gut aufgebautes Rätsel.

Ich habe mir letzten Endes eine halbe Nacht um die Ohren geschlagen, um zu erfahren, wie es ausgeht – und wurde mit einem Cliffhanger überrascht.
Einerseits habe ich mich ein wenig darüber geärgert, dass ich nicht wenigstens eine kleine Lösung präsentiert bekam, andererseits ist es ein mutiger Schritt – und ein geschickter Schachzug –  der Autorin gewesen. So möchte man am liebsten sofort das nächste Buch kaufen. Das geht, wenn man Englisch lesen kann, in deutscher Übersetzung liegt bislang aber nur der erste Band vor und Band drei erscheint erst 2020 irgendwann.

„Truly Devious“ hat mir ausgesprochen gut gefallen und eigentlich würde ich es gern als Geschenkidee für Jugendliche empfehlen, wäre da nicht das Problem, dass es keine in sich abgeschlossene Story ist und Band 2 und 3 wohl notwendig sind, um das Geheimnis zu entschlüsseln.

Aber ansonsten eins ehr lesenswertes Buch, das Spaß macht.

„The Beautiful“ von Renée Ahdieh

42265183 Titel: The Beautiful
Autorin: Renée Ahdieh
Verlag: G.P. Putnam’s Sons Books for Young Readers

Inhalt:
In 1872, New Orleans is a city ruled by the dead. But to seventeen-year-old Celine Rousseau, New Orleans provides her a refuge after she’s forced to flee her life as a dressmaker in Paris. Taken in by the sisters of the Ursuline convent along with six other girls, Celine quickly becomes enamored with the vibrant city from the music to the food to the soirées and—especially—to the danger. She soon becomes embroiled in the city’s glitzy underworld, known as La Cour des Lions, after catching the eye of the group’s leader, the enigmatic Sébastien Saint Germain. When the body of one of the girls from the convent is found in the lair of La Cour des Lions, Celine battles her attraction to him and suspicions about Sébastien’s guilt along with the shame of her own horrible secret…

Meine Meinung:
Dieses Buch lag der Oktoberbox von Fairy Loot bei. Ein wenig skeptisch war ich schon, bin ich doch kein großer Fan von Vampiren. Aber um das vorweg zu nehmen: das Vampirmäßige der Figuren wird nicht besonders betont in dieser Geschichte.

Große Erwartungen hatte ich nicht, als ich mit dem Lesen begann und so gab es am Ende auch keine großen Enttäuschungen, denn wirklich überzeugen konnte mich die Story nicht.

Das Setting ist ganz nett, auch wenn ich nicht nachvollziehen kann, warum dafür das Jahr 1872 in New Orleans gewählt wurde, da die Stadt und auch die Zeit nur am Rande eine Rolle spielen. Ist allerdings beim Lesen auch kein Hindernis.

Die Figuren sind ganz süß, allerdings ziemlich vorhersehbar. Hin und wieder erinnerten sie mich stark an Charaktere aus einem anderen sehr beliebten Roman, ganz besonders dann, wenn Celine ihre innere Göttin beschwor…
Der männliche Part ist ein wenig eindimensional, aber dafür ein sehr gutaussehnder, mysteriöser junger Mann mit einem tiefen Geheimnis. Mehr braucht es für solch eine Erzählung auch nicht, die im Kern eine jugendliche Romanze ist.

„The Beautiful“ ist kein schlechter Debütroman. Wäre ich etwa 20 jahre jünger, hätte er mir sicher besser gefallen. So war es ein schneller Lesehappen, der bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

 

„Everything, Everything“ von Nicola Yoon

18692431. sy475 Titel: Everything, Everything
Autorin: Nicola Yoon
Verlag: Delacorte Books for Young Readers
Übersetzung: Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt

Inhalt:
My disease is as rare as it is famous. It’s a form of Severe Combined Immunodeficiency, but basically, I’m allergic to the world. I don’t leave my house, have not left my house in fifteen years. The only people I ever see are my mom and my nurse, Carla.
But then one day, a moving truck arrives. New next door neighbors. I look out the window, and I see him. He’s tall, lean and wearing all black—black t-shirt, black jeans, black sneakers and a black knit cap that covers his hair completely. He catches me looking and stares at me. I stare right back. His name is Olly. I want to learn everything about him, and I do. I learn that he is funny and fierce. I learn that his eyes are Atlantic Ocean-blue and that his vice is stealing silverware. I learn that when I talk to him, my whole world opens up, and I feel myself starting to change—starting to want things. To want out of my bubble. To want everything, everything the world has to offer.

Meinung:
Von diesem Buch hatte ich im Rahmen meiner Aktion „5 Bücher, 5 Kapitel“ den Anfang gelesen und beschlossen, es in meinem SUB zu behalten, weil es recht ungewöhnlich klang.

Was mich an dieser Geschichte besonders interessierte, war die Tatsache, dass es eine sehr ungewöhnliche Romanze versprach, leidet die Protagonistin doch unter „SCID“, einem Defekt des Immunsystems, der es ihr unmöglich macht, das Haus zu verlassen.
Ich konnte mir nicht vorstellen, wie sich unter diesen Bedingungen eine Liebesbeziehung zwischen Jugendlichen entwickeln würde.

Es begann alles wirklich interessant mit wortloser Kommunikation von Fenster zu Fenstern, mit langen Chatnächten und Träumereien. Doch in dem Moment, als die Krankenschwester, die angestellt worden war, um für das Wohl von Madeline zu sorgen, den Jungen von nebenan, in den sich das Mädchen so plötzlich verliebt hatte, für einen kurzen Besuch ohne Berührungen in das Haus ließ (natürlich mit den entsprechenden medizinischen Vorkehrungen), wurde ich skeptisch.
Wir hatten im Vorfeld schon etwas über ihre Vorgeschichte erfahren, was mit ihrem Vater und ihrem Bruder passiert ist und ich ahnte, in welche Richtung es sich entwickeln würde.

Leider wurde die Story dann auch viel zu kitschig für meinen Geschmack, alles war viel zu süß trotz aller Widrigkeiten und ich las eigentlich nur noch quer, um zu erfahren, ob ich Recht behalten sollte.

Ja, ich behielt Recht.

Den Twist, den die Autorin hier gegen Ende eingebaut hat, nimmt dem Buch seine Besonderheit – und das alles nur, um ein Happy End erzwingen zu können, das so gewöhnlich war wie jede andere Jugendromanze.

Schade, „Everything, Everything“ enpuppte sich für mich als eine ziemliche Enttäuschung, allerdings gehöre ich auch nicht unbedingt zur Zielgruppe dieses Romans.

„Sorcery of Thorns“ von Margret Rogerson

42201395 Titel: Sorcery of Thorns
Autorin: Margret Rogerson
Verlag: Margaret K. McElderry Books

Inhalt:
All sorcerers are evil. Elisabeth has known that as long as she has known anything. Raised as a foundling in one of Austermeer’s Great Libraries, Elisabeth has grown up among the tools of sorcery—magical grimoires that whisper on shelves and rattle beneath iron chains. If provoked, they transform into grotesque monsters of ink and leather. She hopes to become a warden, charged with protecting the kingdom from their power.
Then an act of sabotage releases the library’s most dangerous grimoire. Elisabeth’s desperate intervention implicates her in the crime, and she is torn from her home to face justice in the capital. With no one to turn to but her sworn enemy, the sorcerer Nathaniel Thorn, and his mysterious demonic servant, she finds herself entangled in a centuries-old conspiracy. Not only could the Great Libraries go up in flames, but the world along with them.

Meinung:
„Sorcery of Thorns“ war mein erstes Fairy-Loot-Buch und kam in einer wirklich hübschen Sonderausgabe mit einem Interview und einem unveröffentlichten Kapitel (das ich nich nicht gelesen habe).

Ich hatte keine besonders hohen Erwartungen an die Geschichten, wiederholsen sich im YA-Bereich doch so viele Plots. Doch ich wurde positiv überrascht.

Elisabeth begegnet uns zunächst als ehrgeizige, aber sehr angepasste und zurückhaltende junge Bibliothekarin. Sie saugt die Lehren ihrer Vorbilder in sich auf, ohne sie zu hinterfragen und lebt in ihrer eigenen kleinen Blase der Welt.
Bis diese eines Tages in ihren Grundfesten erschüttert wird.

Die Entwicklung, die dieser Charakter nun durchlebt, hat mich positiv überrascht.
Elisabeth wächst weit über sich hinaus, geht über ihre Grenzen und zeigt sehr viel Leidenschaft und Mut.
Als die ersten „starken Männercharaktere“ ins Spiel kamen, befürchtete ich eine typische Prinz-rettet-schwaches-Mädchen-Erzählung, doch ich wurde eines Besseren belehrt. Ja, es gibt eine kleine Lovestory, aber sie bleibt Nebensache.
Im Mittelpunkt steht bis zum Schluss das Mädchen, das zu einer furchtlosen jungen Frau wird und ihre Vorurteile überwindet.

„Sorcery of Thorns“ ist ein tolles Buch für introvertierte Teenagermädels, die sich unsicher fühlen und Angst davor haben, eigene Wege zu gehen. Es ist eine mutmachende Geschichte, die zeigt, dass Frauen nicht nur „nette Deko“, sondern echte Kämpferinnen sind, die die Welt retten können.

YA und Weiblicher Grusel

Ich bin mir nicht sicher, ob da langsam ein neues Genre entsteht („YA Feminist Horror), aber ich las gerade mehr oder weniger zufällig zwei Bücher, in denen jungen Mädchen eine Hauptrolle spielen und übernatürliche Horrorelemente beinhalten.

Da wäre zum einen von Claire Legrand das Buch „Sawkill Girls“:

Auf einer Insel treibt ein Monster sein Unwesen und erfordert weibliche Opfer, um stärker zu werden. Val, eine Jugendliche aus dem Ort, ist seine Dienerin und bringt die Mädchen zu ihm. Nur die vereinten Kräfte dreier Frauen können den Horror beenden…

Es ist eine teilweise sehr blutrünstige Story, die hier erzählt wird. Teile davon fand ich recht überzogen und ein wenig unpassend, aber ich denke, dass Teenagern mit Hang zum Grusel dieser Roman gefallen könnte. Hinweis: es gibt detailliert geschilderte gleichgeschlechtliche Sexszenen, d.h. die Leserin sollte in einem passenden Alter dafür sein.

In „Wilder Girls“ von Rory Power geht es ein wenig mehr um den romantischen und verzweifelten Zusammenhalt junger Mädchen.

Vor zwei Jahren brach auf einer Insel, auf der sich eine Schule für Mädchen befindet, ein unbekannter Virus aus. Nach und nach befällt er alle Lebewesen. Die Männer und etwas älteren Frauen überleben es nicht, die jüngeren Frauen leiden entsetzlich und ihr Körper deformiert sich mit jedem Schub aufs Neue.
Das Festland sucht ein Gegenmittel – bis etwas passiert, dass für das Ende der Experimente sorgt.

Auch in diesem Buch ist der Gruselteil stellenweise sehr facettenreich und nicht für ganz junge Leserinnen gedacht. Doch die Geschichte ist packend geschrieben, die Charaktere sind sympathisch und ihre Angst fast greifbar.

Ich bin gespannt, ob es künftig weitere Erzählungen in dieser Richtung geben wird.

„Field Notes on Love“ von Jennifer E. Smith

43601774Titel: Field Notes on Love
Autorin: Jennifer E. Smith
Verlag: Delacorte Press

Inhalt:
Having just been dumped by his girlfriend, British-born Hugo is still determined to take his last-hurrah-before-college train trip across the United States. One snag: the companion ticket is already booked under the name of his ex, Margaret Campbell. Nontransferable, no exceptions.
Enter the new Margaret C. (Mae for short), an aspiring filmmaker with big dreams. After finding Hugo’s spare ticket offer online, she’s convinced it’s the perfect opportunity to expand her horizons.
When the two meet, the attraction is undeniable, and both find more than they bargained for. As Mae pushes Hugo to explore his dreams for his future, he’ll encourage her to channel a new, vulnerable side of her art. But when life off the train threatens the bubble they’ve created for themselves, will they manage to keep their love on track?“

Meinung:
„Field Notes on Love“ hatte ich mir für meine Sommerleseliste herausgesucht. Ich hab mich eine Weile um dieses Buch herumgedrückt, weil ich kein Fan von Romanzen bin, aber es ging mir ja darum, über meinen Leseschatten zu springen.

Ich bin sehr froh, dass ich es getan habe!

Jennifer E. Smith hat hier keine typische Boy-meets-Girl-Schnulze geschrieben, wie ich anfangs befürchtete, vielmehr betrachtet sie sehr einfühlsam die verschiedenen Spielarten von Liebe.

Da wäre zunächst die Familie von Hugo, der zu Sechslingen gehört und zum ersten Mal etwas ohne seine fünf Geschwister unternimmt. Alle haben mit der Trennung zu kämpfen und auch wenn es zu Streitereien kommt, sorgen sie sich umeinander.

Mae ihrerseits hat zwei Väter und eine Großmutter und auch hier bekommen wir einen Einblick, wie Liebe in diese sehr speziellen Familie funktioniert.

Und dann ist da natürlich noch die wachsende Liebe zwischen Hugo und Mae, die sich beide erst selbst finden müssen, bevor sie einen fremden Menschen lieben können.

„Field Notes of Love“ ist eine wundervolle, behutsam erzählte Geschichte, die uns auf eine ganz besondere Sommerreise mitnimmt und die ich an einem Tag regelrecht verschlungen habe, weil ich mich in ihr so wohl fühlte.

Wer meint, dass die Idee ein wenig weit hergeholt sei, der sollte sich diesen Artikel auf „The Guardian“ anschauen: „Man finds woman with same name as ex to join him on round-the-world trip“.

Ein richtig, richtig schönes Buch für die Sommerzeit, das ins Reisegepäck gehört!