Rezension: „Am I Normal Yet?“ von Holly Bourne (Spoiler)

23592235 Titel: Am I Normal Yet?
Autorin: Holly Bourne
Serie: The Spinster Club #1
Verlag: Usborne Publishing Ltd

Inhalt:
All Evie wants is to be normal. She’s almost off her meds and at a new college where no one knows her as the girl-who-went-crazy. She’s even going to parties and making friends. There’s only one thing left to tick off her list…
But relationships are messy – especially relationships with teenage guys. They can make any girl feel like they’re going mad. And if Evie can’t even tell her new friends Amber and Lottie the truth about herself, how will she cope when she falls in love?“

Rezension

„Am I normal Yet?“ befasst sich mit einem nicht nur für Jugendliche wichtigem Thema: das Leben mit einer Zwangsstörung.

Ich war anfangs etwas skeptisch, da ich ja bereits mit John Greens „Schlaft gut ihr fiesen Gedanken“, das sich ebenfalls mit OCD befasst, keine guten Erfahrungen gemacht habe, doch Holly Bourne ist deutlich tiefer in die Materie eingestiegen als Green.

Evie versucht nach einem längeren Krankenhausaufenthalt ein normales Teenagerleben zu führen und an einer neuen Schule neu zu beginnen. Ihr Ziel ist es, ihre Medikamente völlig abzusetzen und nicht mehr als „die Verrückte“ erkannt zu werden.
Wir als Leser begleiten sie auf ihrer Mission und vor allem nehmen wir auch an ihren Therapiesitzungen teil, denn im Gegensatz zu Aza aus Greens Geschichte, verhält sich Evie wenigstens zu Beginn einigermaßen kooperativ und kommt ihrem großen Wunsch immer ein Stückchen näher.

Ebenfalls anders als bei Green finden sich in diesem Buch zwischen den Zeilen Hinweise auf Hilfestellungen für Betroffene. Man mag ein wenig an den erhobenen Zeigefinger denken an diesen Stellen, doch je weiter sich die Story entwickelt, umso klarer wird, dass es sehr wichtige Tipps sind, die die Autorin hier vermittelt.

Zunächst konnte ich zu Evie keine rechte Verbindung finden, begann ihre Erzählung doch mehr oder weniger damit, einen Freund zu finden und dabei ziemlich schlechte Entscheidungen zu treffen, die so überzogen dargestellt wurden, dass sie immerhin amüsieren können.

Doch Evie begibt sich nach und nach in eine Abwärtsspirale, was wir als Leser sehr schnell merken, wovor die Protagonistin jedoch die Augen verschließt. Sie fällt in alte Muster, ihr Zwang, Dinge wiederholt zu tun und ihre Hände blutig zu waschen, wächst und sie lässt niemanden an sich heran, will sie doch nur ein ganz normales Leben führen.
Ich habe an dieser Stelle sehr mit der Figur gelitten und fühlte mich so hilflos – ähnlich wie sich ihre Familie ihr gegenüber fühlen musste.
Holly Bourne ist es eindrücklich gelungen, die Verzweiflung aller Beteiligten darzustellen und die Tragik die entstehen kann, nimmt man in dieser Situation keine Hilfe von außen an.

„Am I Normal Yet?“ ist ein gutes und wichtiges Buch insbesondere für heranwachsende Mädchen, die sich mit Evie vermutlich besser identifizieren können als ein Junge.
Zwangsstörungen sind nach wie vor ein Tabuthema und solche Geschichten können Betroffenen helfen, sich vernünftig damit zu befassen und ggf. Hilfe zu suchen.

Rezension: „Wonder Woman“ von Leigh Bardugo

37645257.jpg Titel: Wonder Woman
Autorin: Leigh Bardugo
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Originaltitel: Wonder Woman

Inhalt:
„Eigentlich will Diana, Tochter der Amazonenkönigin, nur eines: das Rennen gewinnen, in dem sie gegen die schnellsten Läuferinnen der Insel antreten muss. Doch dann erblickt sie am Horizont ein untergehendes Schiff und bewahrt Alia, ein gleichaltriges Mädchen, vor dem Tod. Doch wie Diana vom Orakel erfährt, ist es Alias Bestimmung, die Welt ins Unglück zu stürzen und Krieg über die Menschheit zu bringen. Um dies zu verhindern, reist Diana mit Alia ins ferne New York – und wird unversehens mit einer Welt und Gefahren konfrontiert, die sie bislang nicht kannte.“

Rezension:

Die Marvelcomics kenne ich nur oberflächlich. Ich habe Namen gehört, ein oder zwei Filme gesehen, mich aber nie intensiv damit beschäftigt.
Also ging ich recht unvoreingenommen an dieses Buch heran.

Griechische Mythologie ist im Original faszinierend, als Retelling für mich oft schwierig. Auch hier wird die Sage erneut in eine moderne Umgebung eingebunden, doch so richtig nachvollziehbar war es für mich nicht, dass Diana sich so schnell in der für sie fremden Welt zurechtfand. Sie sagt zwar, das menschliche Leben sei Teil ihrer Ausbildung, dennoch ist es eine Sache, darüber zu lesen, aber eine ganz andere, darin zu agieren.

Leider bleiben auch die meisten Figuren recht eindimensional: Diana will sich beweisen und passt sich so gut wie möglich an – Widersprüche existieren in ihr kaum.
Alia wird eigentlich nur die die gesamte Geschichte geschleppt. Sie hat wenig eigene Wünsche und reagiert mehr als dass sie agiert.
Auf die Nebenfigur Theo hätte man eigentlich komplett verzichten können, da er zur Erzählung kaum etwas beiträgt.
Etwas anderes verhält es sich mit Jason, allerdings kam dessen Entwicklung ein wenig zu überraschend, nichts deutete für mich als Leserin darauf hin.

Die Story selbst ist nett – sie plätschert ein wenig vor sich hin, aber im letzten Drittel geht es schließlich so richtig rund. Allerdings werden auch diese Ereignisse kaum erklärt und vor allem nicht vorher angedeutet, was das Ganze ein wenig zu phantastisch werden lässt.

„Wonder Woman“ ist als Jugendbuch recht ordentlich, aber für erwachsene LeserInnen vielleicht ein wenig zu eintönig.

Rezension: „Puddin'“ von Julie Murphy

28269171Titel: Puddin‘
Autorin: Julie Murphy
Verlag: Balzer + Bray

Inhalt:
„Millie Michalchuk has gone to fat camp every year since she was a girl. Not this year. This year she has new plans to chase her secret dream—and to kiss her crush. Callie Reyes is the pretty girl who is next in line for dance team captain and has the popular boyfriend. But when it comes to other girls, she’s more frenemy than friend. When circumstances bring the girls together over the course of a semester, they will surprise everyone (especially themselves) by realizing they might have more in common than they ever imagined.“

Rezension:

„Puddin'“ ist ein Folgebuch zu „Dumplin'“, das mir wirklich gefallen hatte und ich freute mich darauf, die Geschichte von Millie zu erfahren.

Wie immer sind die Charaktere sehr gelungen. Sie wirken lebendig, haben Stärken und Schwächen, Wünsche und Hoffnungen.

Aber…

Der Plot ist in diesem Buch ziemlich verworren. Es wird nicht richtig klar, warum wir Millie folgen. War es beim ersten Roman der Schönheitswettbewerb, auf den alle hineiferten, so dachte ich zunächst, das Journalistencamp stände für die Protagonistin im Vordergrund. Doch sie wird in dieser Hinsicht erst sehr spät in der Story aktiv. Vorher gründet sie einen „Mädchnclub“, der aber kein besonderes Ziel verfolgt, sie freundet sich – warum auch immer – mit Callie an und kommt ihren Schwarm näher.

Es gibt einfach zu viele Spotlights in „Puddin'“, der rote Faden geht immer wieder ein wenig verloren dadurch.

Was aber noch etwas mehr nervte, waren die vielen „Weisheiten“, die uns die Autorin hier auftischt. In „Dumplin'“ waren sie gut platziert und für die Handlung wesentlich, aber hier folgte ein Lebensrat auf den anderen.

„Puddin'“ ist kein schlechtes Buch. Es macht Spaß, die quierligen Charaktere zu entdecken und ihnen ins Erwachsenenleben zu folgen, allerdings kommt es bei weitem nicht an „Dumplin'“ heran, dass sehr viel sorgfältiger konstruiert wurde.

Rezension: „The Astonishing Color of After“ von Emily X.R. Pan

35604686.jpgTitel: The Astonishing Color of After
Autorin: Emily X.R. Pan
Verlag: Little, Brown Books for Young Readers

Inhalt:
„Leigh Chen Sanders is absolutely certain about one thing: When her mother died by suicide, she turned into a bird.
Leigh, who is half Asian and half white, travels to Taiwan to meet her maternal grandparents for the first time. There, she is determined to find her mother, the bird. In her search, she winds up chasing after ghosts, uncovering family secrets, and forging a new relationship with her grandparents. And as she grieves, she must try to reconcile the fact that on the same day she kissed her best friend and longtime secret crush, Axel, her mother was taking her own life.“

Rezension:

Ich wusste nicht viel über dieses Buch, als ich mit dem Lesen begann. Es war mir in einer Goodreadsgruppe begegnet und klang interessant.

Gleich zu Beginn war mir klar, dass dies eine sehr intensive Geschichte sein wird. Der Schreibstil ist gerade zu Beginn ungewöhnlich, fesselnd, emotional und mystisch. Die Autorin malt mit Worten. Sie zeichnet ein Bild statt nur zu erzählen.

Auch ihre beiden Protagonisten greifen zu Farben, Zeichnungen und Musik, um die Welt zu erklären, die sich so schnell um sie herum verändert. Sie fühlen sich nicht vorbereitet auf das, was mit ihnen passiert und sie suchen ihren Halt in dem, was nur die Seele auszudrücken vermag.

Faszinierend sind auch die asiatischen Elemente wie der Glaube an Geister und das Verbrennen von Räucherstäbchen, die zwar stellenweise sehr phantastisch wirken, aber nie überzogen oder unglaubwürdig sind. Sie verdichten die Atmosphäre, unterstreichen die Emotionen und helfen den Figuren dabei, ihren Weg durch das Unbekannte zu finden.

„The Astonishing Color of After“ handelt von Verlusten, Freundschaften, Familien und davon, dass man das Schicksal nicht aufzuhalten vermag, dass es Situationen gibt, die man nicht beeinflussen kann, die sich ungewollt entwickeln, aber aus denen man gestärkt hervorgehen und seine Zukunft trotz allem positiv gestalten kann.

Mich hat dieses Buch deutlich mehr begeistert als das letzte Werk von John Green, der ein ähnliches Problem beleuchtet, es aber mit weniger Hingabe und viel distanzierter angeht.

Emily X.R. Pan widmet sich ihrem Thema voller Hingabe und einer gewissen Vorsicht. Es ist keine leichte Aufgabe, die sie ihren Charakteren aufbürdet, doch sie vermag sie überzeugend zu lösen.

Ein tolles Buch, das ich wirklich wärmstens empfehlen kann.

Rezension: „Children of Blood and Bone“ von Tomi Adeyemi

childrenTitel: Children of Blood and Bone (Legacy of Orïsha #1)
Autorin: Tomi Adeyemi
Verlag: Henry Holt Books for Young Readers
Übersetzung: Children of Blood and Bone: Goldener Zorn (erscheint am 27.06.2018)

Inhalt:
„Zélie Adebola remembers when the soil of Orïsha hummed with magic. Burners ignited flames, Tiders beckoned waves, and Zelie’s Reaper mother summoned forth souls.
But everything changed the night magic disappeared. Under the orders of a ruthless king, maji were targeted and killed, leaving Zélie without a mother and her people without hope.
Now, Zélie has one chance to bring back magic and strike against the monarchy. With the help of a rogue princess, Zélie must outwit and outrun the crown prince, who is hell-bent on eradicating magic for good.

Rezension:

„Children of Blood and Bone“ war ein Zufallsfund, als ich krank auf dem Sofa lag und unerhaltsame Lektüre suchte. Ich hatte vorher noch nichts darüber gehört und wusste nicht, dass es ein gefeiertes Debut einer, mit 23 Jahren noch sehr jungen Autorin, ist, die westafrikanische Mythologie in Harvard studiert hat.

Es ist nicht ganz so übliche YA-Story, die von der ersten Seite an packend und flüssig geschrieben ist. Sehr schnell findet man Zugang zu Zélies Welt, die von Götterglauben, Ritualen, dem Leben als Außenseiterin und dem täglichen Kampf ums Überleben geprägt ist.

Mich überraschte diese andere, aber doch bekannte Welt, die die Autorin geschaffen hat. Die westafrikanischen Einflüsse sind deutlich zu erkennen, werden aber durch „echte Magie“ ins Reich der Fantasy transportiert.
Auch gesellschaftliche Unterschiede und Probleme aufgrund äußerlicher Erscheinungen – hier weniger die Haut- als vielmehr die Haarfarbe – weisen starke Parallelen zum aktuellen Zeitgeschehen auf.
Es geht um Andersartigkeit, um Angst vor dem Fremden und verschobene Machtverhältnisse.

Adeyemi ist es sehr gut gelungen, ihr Anliegen und ihre Wünsche an ein faires Zusammenleben in eine mitreißende Geschichte zu verpacken, allerdings gibt es ein paar Dinge, die ich etwas kritisch finde.

Zunächst das allgemeine Problem: es gibt starke Mädchenfiguren, die im Laufe der Geschichte ihr Handeln infrage stellen und über sich hinauswachsen.
Demgegenüber stehen zwei Jungs, die zwar Einsicht zeigen, aber einfach nicht aus ihrer Haut können. Ganz besonders enttäuscht war ich von Inan. Er, der seine Erziehung zu überwinden scheint und von neuen, besseren Strukturen träumt, verhält sich zum Schluss nicht, wie ich es erwartet hätte. Ja, es gibt Hinweise hier und da, aber seine Motive bleiben zu unklar, wir erfahren zu wenig über sein Innenleben. Warum tut er, was er tut?
Die männlichen Charaktere sind in „Children of Blood and Bone“ relativ schwach und erscheinen in keinem besonders guten Licht. Schade.

Außerdem war ich mir beim Lesen nie so ganz sicher, ob die Autorin sich wirklich Gleichberechtigung für alle oder doch vielmehr umgekehrte Machtverhältnisse (wie bei „The Power“) wünscht. Magie steht in ihrer Welt eher für Waffen als für eine besondere, positive Gabe einzelner Menschen. Dort, wo sie zum Einsatz kommt, hinterlässt sie meist Verwüstung, Schmerzen und Tod.
Ich muss gestehen, dass mich in dieser Hinsicht auch das Ende ein wenig geärgert hat – nicht das, was passiert, sondern wie die Protagonistin es in ihrem letzte Gedanken bewertet. Ich hatte mehr von ihr erwartet, eine stärkere Persönlichkeit in dieser Situation, eine optimistischere Reaktion.
Mir ist klar, dass es als Cliffhanger für den zweiten Band der Trilogie dient, aber irgendwie trübt es meinen Eindruck vom Buch ein ganz klein wenig.

Trotz allem: eine starke YA-Fantasystory, die das Potential hat, sich in den Folgebänden zu einem Highlight in diesem Genre zu entwickeln.

Rezension: „The Cruel Prince“ von Holly Black

cruel-prince-bookTitel: The Cruel Prince (The Folk of the Air #1)
Autorin: Holly Black
Verlag: Little, Brown Books for Young Readers

Inhalt:
Jude was seven years old when her parents were murdered and she and her two sisters were stolen away to live in the treacherous High Court of Faerie. Ten years later, Jude wants nothing more than to belong there, despite her mortality. But many of the fey despise humans. Especially Prince Cardan, the youngest and wickedest son of the High King.
To win a place at the Court, she must defy him–and face the consequences.

Rezension:

Dieses Buch geisterte fast durch alle Booktube-Channel, die ich regelmäßig anschaue. Immer wieder kommt es dann vor, dass ich mich einem Hype nicht entziehen kann, auch wenn ich von Anfang an skeptisch bin.

Ich sag es gleich: ich verstehe den Hype nicht.

Eigentlich stimmen die Zutaten für ein typisches YA-Buch: Elfen, Menschen, Intrigen, Grausamkeiten, gutaussehende Jugendliche mit Eigenheiten,…

Aber: ich habe keine Ahnung, worauf dieses Buch hinaus will. Es werden so viele Aspekte beleuchtet: die Freundschaft zwischen den menschlichen Zwillingen, die sich auseinanderleben, die Geschwisterliebe zwischen Menschen und Elfen, die gemeinsam aufgewachsen sind, das Verhältnis der Menschen zu den Elfen, das Machtgefüge der Elfen, die Brutalität hinter der Schönheit,… sobald ich das Gefühl hatte zu wissen, welcher Handlungsstrang im Vordergrund stand, wechselte der Blick auf etwas anderes.
Es gibt so viele Ideen hier, aber keine bekommt genug Raum, um sich zu entwickeln.

Die Charaktere leiden unter der Sprunghaftigkeit der Geschichte: ihre Persönlichkeiten werden nur oberflächlich beleuchtet, ihre Motive bleiben unklar, ihre Gefühle, die doch eigentlich in ihrer Lage sehr intensiv sein müssten, sind – bis auf eine Ausnahme –  kaum erkennbar.

All das führte dazu, dass ich das Ende der Story überhaupt nicht verstanden habe. Gut, es ist der erste Teil einer Trilogie, vermutlich wird es im zweiten Band etwas klarer. Aber ich werde die Serie nicht weiterlesen.

„The Cruel Prince“ hat sicher seine begeisterte Leserschaft, die auch Holly Black liebt, aber ich finde dieses Buch ziemlich schwach im Aufbau.