Kurzrezension: „The Scorpio Races“ von Maggie Stiefvater

10626594 Titel: The Scorpio Races
Autorin: Maggie Stiefvater
Verlag: Scholastic Press
Übersetzung: Rot wie das Meer

Klappentext:
„It happens at the start of every November: the Scorpio Races. Riders attempt to keep hold of their water horses long enough to make it to the finish line. Some riders live. Others die.
At age nineteen, Sean Kendrick is the returning champion. He is a young man of few words, and if he has any fears, he keeps them buried deep, where no one else can see them.
Puck Connolly is different. She never meant to ride in the Scorpio Races. But fate hasn’t given her much of a chance. So she enters the competition — the first girl ever to do so. She is in no way prepared for what is going to happen.“

Meinung:
Zu dem Buch hab ich nicht viel zu sagen: Pferde, Pferde aus dem Meer, ein gefährliches Pferderennen, Menschen, die Pferde kaufen und verkaufen, ein Junge und ein Mädchen, die Pferde reiten, Happy End.

Es war mein erstes Buch von Maggie Stiefvater und es wird vermutlich auch mein letztes gewesen sein. Es passiert einfach nichts und steckt voller Klischees.

Vielen gefällt das Buch. Mir nicht.

Leben mit der Angst im Nacken

John Greens Buch „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ berührt ein Thema, das mich selbst stark betrifft: Leben mit Angst.

Ich war 16, als ich das erste Mal ohne „Ankündigung“ in einem Kino ohnmächtig wurde. Das war selbst nicht weiter tragisch, aber dort begann meine Angst. Meine Eltern waren natürlich sehr besorgt und haben mich von Arzt zu Arzt gebracht. Ich weiß nicht mehr, was dort untersucht wurde, aber ich blieb ohne Diagnose. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass jemand das Wort „Angststörung“ erwähnt hätte, ein Arzt bot mir lediglich einen „Gesprächskreis“ an, was ich ablehnte, weil ich nicht wusste, was ich dort sollte.
Niemand sagte mir „He, das ist nicht ungewöhnlich, Heranwachsende haben hin und wieder mit Ohnmachtsanfällen zu kämpfen“. Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass ich dieser potentiellen Ohnmacht hilflos ausgesetzt sei und ich jederzeit und überall einfach umkippen könnte.

Ich steigerte mich in eine Angst hinein, die immer schlimmer wurde. Und natürlich: je mehr ich mich verkrampfte, umso schlechter atmete ich, umso näher rückte das Ohnmachtsgefühl.
Ich versuchte, es unter den Tisch zu kehren. Sprach mit niemandem darüber (ich wäre sonst vermutlich ohnehin nur bei Arzt Nr. 15 gelandet), versuchte, so normal wie möglich zu leben, hörte aber ununterbrochen in mich hinein, ob mein Körper wieder das Ruder übernahm oder meine Gedanken ihn in Schach halten konnten.

Wirklich schlimm wurde es dann, als ich daheim auszog und mein Studentenleben begann. Hier musste ich ja nicht mehr funktionieren. Hier beäugte mich niemand kritisch und fragte „geht’s dir nicht gut?“. Ich konnte mich sozusagen meiner Angst komplett überlassen und alle Situationen meiden, die sich nicht gut anfühlten. Ich ging noch zu Vorlesungen, verließ sie aber, sobald es „ungemütlich“ in mir drin wurde“. Ich kapselte mich immer mehr ab, ging zu keiner Feier von Freunden und schließlich auch nicht mehr zum Einkaufen in die Stadt.

Irgendwann – ich muss so zwischen 26 und 27 Jahren alt gewesen sein – dachte ich „Ok, das kann so nicht weitergehen“. Doch statt Hilfe zu suchen, verschrieb ich mir eine eigene Verhaltenstherapie: ich begab mich bewusst in jede Situation, die sich unerträglich für mich anfühlte. Irgendwo hatte ich gelesen „die Angst kommt in Wellen“ und ich versuchte, sie über mich hinwegschwappen zu lassen – immer und immer wieder, bis ich merkte, dass sie weniger bedrohlich wurde. Mein Leben funktionierte nach und nach wieder, ich lernte, die Angst im Hintergrund zu halten.

Heute bin ich bei weitem nicht „angstfrei“ oder „geheilt“. Die Angst sitzt mir IMMER im Nacken, ich werde nervös, sobald sich mein Körper anders anfühlt als üblich. Aber ich habe gelernt, diese Angst als dauernden Begleiter zu akzeptieren und sie einigermaßen zu beeinflussen. Ich meditiere, um nicht in eine Gedankenspirale zu gelangen. Ich ernähre mich besser (Fett und Süßigkeiten fördern die Angst) und ich setze mich nach wie vor immer wieder bewusst Situationen aus, die mir Unbehagen bereiten.

Jemand sagte mal, ich sein ein sehr mutiger Mensch. Nun, ich bin mutig, weil ich mutig sein muss, weil ansonsten die Angst wieder die Kontrolle über meinen Körper übernimmt und ich das nicht möchte. Es fühlt sich schrecklich an, bedrohlich, dunkel.

Zurück zu Green: ich habe HIER gelesen, dass er selbst mit Angststörungen zu kämpfen hat. Ich frage mich allerdings: wenn er es selbst aus eigener leidvoller Erfahrung kennt, wieso spielt er es in seinem neuen Roman so herunter? Wieso lässt er Aza nicht mutiger werden, sie aus freien Stücken zur Therapie gehen, willentlich der Angst die Stirn bieten? Am Ende findet Aza sich zwar mit allem ab, aber wie sie dorthin gekommen ist, bleibt zu unklar, ist keine Hilfe für andere in ihrer Situation – und eine Zwangsneurose ist nochmal eine ganz andere Nummer als eine „einfache“ Panikattacke.

Ich hätte mir eine mutigere Protagonistin, mehr Augenmerk auf ihrer Geschichte als auf der ihrer Romanze gewünscht. Mut ist das erste Gegenmittel gegen die Angst. Man muss den Mut finden, sich ihr zu stellen und dann sollte man jede Hilfe in Anspruch nehmen, die man kriegen kann!

Seid mutig, lasst euch helfen!

Montagsfrage: Bücher im All

mofra_banner2017

Heute stellt das Buchfresserchen eine gar nicht so einfach zu beantwortenden Frage: Wenn die Welt untergehen würde und du ins All oder auf einen anderen Planeten entkommen könntest, welche 3 Bücher/Reihen würdest du retten, damit sie kommenden Generationen erhalten bleiben?

Es sollten ja nun ein paar Bücher sein, die nachfolgenden Generationen Hoffnung und Inspiration und Stoff zum Nachdenken geben. Meine Wahl würde deswegen auf diese fallen:

  • „Stadtgeschichten“ von Armistead Maupin: neue Generationen werden ebenfalls das Problem haben, dass es Menschen jenseits der Normen gibt und Maupin hat schon sehr früh ein fürsorgliches Miteinander in seinen Büchern beschworen.
  • Was wäre ein einsamer Planet ohne „Faust. Eine Tragödie“ von Johann Wolfgang von Goethe? Goethes Werke sind vielschichtig, klug, unberechenbar und zeigen die Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens. „Faust“ finde ich unglaublich eindrucksvoll und ein gutes Beispiel dafür, zu welchen Dingen nicht nur eine erdachte Figur, sondern auch ein Autor in der Lage ist.
  • Ein Märchenbuch würde ich als drittes Buch wählen. Ich bin kein Fan von Märchen, aber Märchen haben seit jeher Schriftsteller inspiriert und neue tolle Geschichten hervorgebracht. Märchen regen die Phantasie an wie kein zweites Genre.

Welche Bücher würdet ihr ins All schießen? 😉

Rezension: „The Toymakers“ von Robert Dinsdale

34846987.jpg Titel: The Toymakers
Autor: Robert Dinsdale
Verlag: Ebury Digital

Klappentext:
„It is 1917, and London has spent years in the shadow of the First World War. In the heart of Mayfair, though, there is a place of hope. A place where children’s dreams can come true, where the impossible becomes possible – that place is Papa Jack’s Toy Emporium.
For years Papa Jack has created and sold his famous magical toys: hobby horses, patchwork dogs and bears that seem alive, toy boxes bigger on the inside than out, ‘instant trees’ that sprout from boxes, tin soldiers that can fight battles on their own. Now his sons, Kaspar and Emil, are just old enough to join the family trade. Into this family comes a young Cathy Wray – homeless and vulnerable. The Emporium takes her in, makes her one of its own. But Cathy is about to discover that while all toy shops are places of wonder, only one is truly magical…“

Meinung:
Dieses Buch begann so wundervoll und vielversprechend: ein riesiger, magischer Spielzeugladen und ein Mädchen, das dort ihr neues Zuhause findet – so unglaublich schön und gefühlvoll geschrieben. Man taucht sofort ein in diese verzauberte Welt, die man sich für die eigene Kindheit auch gewünscht hätte. Man möchte darin verschwinden, träumen,…

Wären da nicht alle die Kleinigkeiten, die dieses Bild trüben.

Zunächst einmal die Protagonistin Cathy. Ich fand es toll, dass sie den Mut hatte, in ihrer Situation sich aus der Sicherheit ihres Elternhauses zu begeben und in eine unbekannte Welt aufzubrechen, um auf eigenen Beinen zu stehen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Doch später ist davon kaum noch etwas übrig. Sie geht unter in diesem riesigen Haus, gerät zwischen die Fronten der Brüder und ist letzten Endes nur ein Spielball im Geschehen.

Überhaupt: Krieg, Rivalität, Kampf – das sind die großen Themen in diesem Roman, so „zauberhaft“ die Geschichte auch erscheinen mag. Eltern, die nicht anecken wollen, die die Auseinandersetzung scheuen und ihre Tochter nicht unterstützen können, weil sie nicht wollen. Zwei Brüder im dauernden Wettbewerb darum, wer das beste Spielzeug baut. Der Vater, der das wohl erkennt, aber nicht eingreift. Immer wieder habe ich ärgerlich den Kopf geschüttelt und die Menschlichkeit gesucht, die in dieser behüteten Welt wenigstens vor dem Krieg draußen hätte zutage treten sollen.

Dann kommt der „richtige“ Krieg, der wie erwartet Menschen verändert. Und an dieser Stelle nahm das Buch seltsame Züge an, es driftete für meinen Geschmack viel zu plötzlich und zu weit ins Phantastische ab, was auch das Ende nicht mehr retten konnte.

Eine toll geschriebene Story, die aber für mich leider zu viele schlecht konstruierte Elemente aufwies.

(Literatur)Themen, zu denen ich keinen Zugang finde

Ich greife sehr gern zu Büchern, die in irgendeiner Weise meinen Horizont erweitern. Ich versuche, mich in mir unbekannte Situationen einzudenken und über die Literatur mehr darüber zu lernen und zu erfahren.

Es gibt allerdings ein paar Themen, zu denen ich einfach keinen Zugang finde, so sehr ich mich auch bemühe.

Dazu gehören:

  1. Gender/Sexualität: ich bin eine Heterofrau, die sich nie weder besonders weiblich noch männlich gefühlt hat. Ich sage immer „ich fühle mich menschlich“. Das nennt man heutzutage wohl „gender neutral“, aber all die Diskussionen rund um dieses Thema berühren mich nicht. Es ist mir egal, ob man für mich das weibliche Pronomen verwendet, ein männliches oder ein neutrales (im Saarland „et“ = „es“). Ich definiere mich nicht über mein Geschlecht oder meine Sexualität und ich weiß einfach nicht, wie es sich anfühlt, wenn man Zeit seines Lebens in diesem Bereich mit Problemen konfrontiert war. Ich lese Bücher zu diesem Thema, aber ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll. Ich respektiere jeden Menschen, so wie er ist (oder gern wäre) und hin und wieder vermag ich nicht einmal, weiblich von männlich zu unterscheiden.
  2. Feminismus: Damit zusammenhängend kann ich nur wenig mit feministischer Literatur oder Debatten anfangen. Mir ist bewusst, dass Frauen vor mir für die Rechte gekämpft haben, die ich in diesem Land nun genießen darf. Mir ist aber auch bewusst, dass es so schnell keine wirkliche Gleichberechtigung geben wird. Ich werde schlechter bezahlt als männliche Kollegen, die die gleiche Arbeit verrichten. Stört mich aber nicht, da ich keinen Wert auf Karriere lege und mich auch nicht über Arbeit oder Lohn definiere. Es ist nicht fair, aber es ist mir egal. Ich sehe auch genug Frauen, die auf gleiche Behandlung pochen, dann aber wiederum ihre weiblichen Reize betonen, um Männer für sich zu gewinnen. Widersprüchliches Verhalten, mit dem ich nicht umgehen kann.
  3. Rassismus: Ich spreche hier nicht von kulturellem Rassismus, sondern von dem, der sich allein auf die Hautfarbe bezieht. Ich lese zwar auch über Ungleichbehandlungen in Deutschland andersfarbigen Menschen gegenüber, ich habe in diesem Bereich nie eine bewusste Erfahrung gemacht. Hier im Saarland sieht man mehr „People of Color“ durch die Nähe zu Frankreich als in Hessen damals (dort waren es die religiösen Unterschiede, die stärker zum Tragen kamen). Ich habe aber keinen Kontakt zu ihnen. Nicht weil ich es nicht wollen würde, mir ist auch die Hautfarbe eines Menschen egal, es hat sich einfach nie ergeben bisher. Ich kenne die Schwierigkeiten nicht, die sie hier auszufechten haben, aber ich informiere mich darüber.
  4. Körperbewusstsein/Äußerlichkeiten: Mittlerweile gibt es ein ganzes Genre zum Thema „Liebe dich selbst, so wie du bist“ und hin und wieder greife ich zu solchen Büchern, stelle aber immer wieder fest, dass ich auch damit nichts anfangen kann. Ich habe kein optimales Gewicht und von Kleidergröße 34 zu 44 schon alles getragen, ich wurde gehänselt, kritisiert, neidisch beäugt. Es gab Zeiten, da hat mir das nicht gefallen, aber es hat mich auch nie dazu gebracht, mich deswegen nicht zu mögen. Mir ist es schnuppe, welche Formen ein Körper hat, ob er schlank ist, dick, krumm, gerade, ob Körperteile fehlen, nicht richtig funktionieren oder was auch immer. Ich bemühe mich, meinen eigenen Körper „gepflegt“ (sauber und gesund) und einigermaßen fit zu halten, um möglichst lang unabhängig leben zu können („Unabhängigkeit“ steht auf meiner persönlichen Werteskala ganz oben), aber ansonsten sind mir der eigene Körper und die Körper anderer Menschen einfach nicht wichtig genug.

Das alles hat nichts mit Ignoranz von meiner Seite aus zu tun. Ich interessiere mich wirklich für diese Themen und versuche immer, zu verstehen, warum sie andere so stark betreffen. Deswegen führe ich nicht nur Gespräche darüber, sondern greife auch zu dementsprechender Literatur, aber mangels eigener Erfahrungen begreife ich es zwar intellektuell, aber nicht emotional.

Ergeht es euch auch so? Habt ihr auch Themen, von denen ihr meint, ihr solltet euch damit auseinandersetzen, die sich euch aber nicht erschließen?

Montagsfrage

mofra_banner2017

Heute fragt das BuchfresserchenWenn du Romantik in Büchern magst, was sind für dich absolute No-Gos bei einer Liebesgeschichte?

Ok, ich mag keine Romanzen in Büchern, aber sie sind nun mal Bestandteil vieler Geschichten.

Absolute No-Gos für mich sind:

  • Beziehungen mit akzeptierten/glorifizierten Gewalttaten: man kann sowas doch nicht schwärmerisch darstellen in der Hoffnung, der Leser/die Leserin ist klug genug, so etwas NIE (!) ohne Einwilligung zu tun
  • illegale Romanzen (in meinem Kulturkreis): sehr knapp am No-Go segelt da für mich die Serie „The Mortal Instruments“ vorbei

Meiner Meinung nach hat ein Autor eine Verantwortung gegenüber den Lesern und im weiteren Kreis gegenüber der Gesellschaft. Wenn jemand nur für sich im stillen Kämmerlein so etwas schreibt und vielleicht nur ein kleiner Kreis diese Sachen zu lesen bekommt, dann sag ich nix. Aber wenn solche Sachen groß vermarktet werden, finde ich es unmöglich. Und ja, ich rede u.a. auch von „Fifty Shades of Grey“.

Sehr nervig finde ich:

  • Superschwarm verliebt sich in unscheinbares Mädchen
  • Superfrau verliebt sich in unscheinbaren Typen
  • Frau / Mann dominiert den Partner deutlich
  • dauernder Wechsel zwischen zwei Frauen /zwei Männern, bis sich am Ende für den „richtigen“ Partner entschieden wird

Was stört Euch an Romanzen in Büchern?