Montagsfrage: Quartalshighlights

mofra_banner2017

Heute fragt das Buchfresserchen: Ein Quartal des Jahres ist schon vorüber, Zeit für einen Zwischenstand. Hast du schon ein oder mehrere Highlights gelesen?

Mein absolutes Highlight bisher ist:

30288282 „The Immortalists“ von Chloe Benjamin (zur Rezension)

Ich denke immer noch darüber nach, ob ich mein Leben anders führen würde, würde ich den genauen Zeitpunkt meines Todes kennen und ob das eigentlich einen Unterschied machen sollte.

Ein Buch, das ich wirklich jedem sehr ans Herz legen kann!

 

IMG_7688 „Die Terranauten“ von T. C. Boyle (zur Rezensenion)

Boyle macht immer wieder viel Spaß. Für mich sind diese Figuren lebendig geworden. ich frage mich hin und wieder, was sie wohl jetzt machen und würde so gern eine Fortsetzung lesen.

Dieses Buch ist wie eine kleine Soap-Opera, nur besser 😉

 

the-mermaid-and-mrs-hancock „The Mermaid and Mrs. Hancock“ von Imoges Hermes Gowar (zur Rezension)

Auch wenn ich diesem Roman in einigen Punkten recht kritisch gegenüberstehe, hat er mich doch beeindruckt. Die Geschichte ist wundervoll geschrieben, die Protagonistin ist so stark gezeichnet, dass sie immer noch in meinem Kopf herumschwirrt.

 

Was sind eure Quartalshighlights?

Warum das Buchkaufverbot bei mir nicht funktioniert und was ich daraus gelernt habe

IMG_8173.jpg

Frühlingszeit ist Flohmarktzeit – sobald sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen, mache ich die Flohmärkte der Umgebung unsicher auf der Suche nach altem Büromaterial für meine DIY-Projekte, Sammelfiguren und….Büchern.

Schon seit einigen Tagen habe ich regelrecht unter meinem Buchkaufverbot gelitten. Ich plane ein neues Buchprojekt und das soll auch ein wenig von Aktualität leben. Aber viele / fast alle  Neuerscheinungen gehen an mir vorüber. Mir war bislang nicht bewusst, dass ich so viel im Bereich der neuen (englischsprachigen) Publikationen gelesen hatte.

Und dann stolperte ich heute über auf dem Flohmarkt über die gesamte Reihe „Das Zeitalter der Fünf“ von Trudi Canavan. Ich glaub, ich hab ewig davor gestanden, bis mich der Verkäufer mitleidig anschaute und meinte „ich verkauf die drei Bände für 5 Euro“ 🙂
Alle drei! In gutem Zustand! Für 5 Euro!
In dem Moment hab ich gemerkt, wie sehr ich Bücher „brauche“ für mein Seelenheil und wie bescheuert es ist, mich dort einzuschränken.

You live, you learn.

Aber: ich werde nun nicht wahllos die nächsten Bücher kaufen. Ich habe doch in der Zeit gelernt, mehr darauf zu achten, was ich wirklich lesen (und bezahlen) möchte. Es gibt für alles andere immer noch die Stadtbibliothek bzw. Flohmärkte.

Ich erkläre hiermit mein selbstauferlegtes Buckkaufverbot nach 3 Monaten für gescheitert.

Rezension: „The Word is Murder“ von Anthony Horowitz

33797958.jpg Titel: The Word is Murder
Autor: Anthony Horowitz
Verlag: Century

Inhalt:

„A wealthy woman strangled six hours after she’s arranged her own funeral.
A very private detective uncovering secrets but hiding his own.
A reluctant author drawn into a story he can’t control.
What do they have in common?“

Rezension:

Anthony Horowitz habe ich über sein Buch „The House of Silk“, das er im Auftrag des „Arthur Conan Doyle Estate“ geschrieben hatte. Mir hatte diese „neue“ Sherlock-Holmes-Story ausgesprochen gut gefallen und mich neugierig auf diesen Autor gemacht.

Leider funktionierte „The Word is Murder“ für mich überhaupt nicht.

A) Ich wusste sofort, wer der Mörder war, es fehlten mir nur die Hintergründe
B) die Hauptfiguren sind unsäglich nervig

Hier hat sich Horowitz in guter, alter Sidekickmanier selbst ins Buch geschrieben, sozusagen als „Watson“ seines Protagonisten Hawthorne. Ich habe keine Ahnung, wie er auf die Idee kam, dass das der Geschichte einen gewissen Pfiff verpassen könne – es nervt ungemein, wenn er alle paar Seiten von seinen vorherigen Büchern erzählt und jammert, dass das neue Buch „seins“ ist und er sich nicht von Hawthorne in seine Kreativität hineinreden lassen werde. ich wollte ihm mehrfach zurufen „ist ja gut, wir haben das kapiert!“
Dennoch klebt er als Figur an seinem ach-so-klugen Detektiv, hängt an seinem Rockzipfel und hofft, selbst das Rätsel lösen zu können.

Auch Hawthorne mit seiner distanzierten, überheblichen Art ging mir ungeheuer auf den Keks. Natürlich wusste er alles schon viel früher, aber wir als Leser werden komplett im Dunkeln gelassen und sehen keine Zusammenhänge, so sehr wir uns auch bemühen. Doch Hawthorne steht weit über uns und belächelt uns milde…

Tut mir leid, aber das Buch hat mich von Anfang bis Ende einfach nur genervt. Ich wollte lediglich wissen, wie er die Fäden zusammenführt und habe es deswegen bis zum bitteren Schluss gelesen.

Eine Leseempfehlung kann ich nicht wirklich aussprechen.

 

Rezension: „55“ von Marcus Imbsweiler

33297436 Titel: 55
Autor: Marcus Imbsweiler
Verlag: Conte Verlag

Inhalt:

Kurt ist gestorben: das Herz. Und was macht Fred, sein ewiger Widersacher? Stöbert in Fotoalben aus den Fünfzigern. Was verband die beiden Alten?
Freds Enkel Joris weiß nur von politischer Gegnerschaft. Aber Joris fremdelt mit seiner saarländischen Heimat, er war lange fort und hadert – doch er ist nicht der Einzige. Mitten im Dorf sollen Asylbewerber unterkommen. Widerstand formiert sich, zu den Initiatoren gehörte der verstorbene Kurt.
Plötzlich werden Zweifel an seinem natürlichen Tod laut. Die Polizei ermittelt auch gegen Joris, weshalb der selbst mit Recherchen beginnt. Und die ziehen ihn unaufhaltsam in die Vergangenheit – sowohl des Saarlandes, als auch in die seiner eigenen Familie. Es gilt Licht ins Dunkel des Jahres 1955 zu bringen, als jugendliche Liebe und Eifersucht in einer Nacht enden, die alles verändert.

Rezension:

Auch dieses Buch gehörte zu meiner Auswahl am #indiebookday 2018. Wieder einmal habe ich zu einem Werk aus dem Conte Verlag gegriffen.

„55“ – wofür steht diese Zahl? Der Autor führt sie zunächst als die berühmte Startnummer 55 des legendären James Dean ein, der in einem Porsche 550 im Jahr 1955 bei einem Rennen seinen frühen Tod fand.

Doch dass sich die Geschichte nicht um eine Legende, sondern vielmehr um einen für das kleine Saarland legendären Volksentscheid am 23. Oktober 1955 dreht, wird schnell klar, als der Protagonist Joris, der seine Wurzeln in Dürrweiler sucht, einen Unfall mit Todesfolge hinterfragt und dazu ein wenig in der Vergangenheit kramt.

Immer wieder wird die Frage „was bedeutet Heimat?“, die 1955 in diesem kleinen Bundesland eine große Rolle spielte, aufgeworfen und von verschiedenen Seiten beleuchtet.
Da ist zunächst Joris selbst, dessen Mutter aus Dürrweiler stammt, die aber nach Berlin zog und nun möchte Joris den Gründen dafür auf die Spur gehen und seine Verwandtschaft besser kennenlernen.
Da sind die Männer, die nicht aus Deutschland stammen, die in der örtlichen Fußballmannschaft spielen und nicht über ihre Heimat und ihr Schicksal reden wollen.
Da sind die angekündigten Ausländer, denen der kleine Ort eine neue Heimat schaffen soll und vor denen sich viele Bewohner fürchtet.

Der eigentliche Kriminalfall tritt stark hinter die historischen Ereignisse und Verwicklungen zurück, was sicherlich nicht jedermanns Sache ist, aber ich als passionierte Wahlsaarländerin fand diese Verwebung mit der hiesigen Geschichte sehr interessant. Es gibt zugegebenermaßen einige Längen und überflüssige Nebenschauplätze in „55“, dennoch hielten mich zum einen der kurze, prägnante Schreibstil und zum anderen die Hauptfiguren mit ihren Geheimnissen im Lesebann.

Für alles LeserInnen mit Saarlandbezug eine unterhaltsame Lektüre!