Shame on you, Frau Bender und „Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen“

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Dieses Buch befand sich schon seit geraumer Zeit auf meinem SUB. Ich hatte Gutes und ich hatte weniger Gutes darüber gehört und wollte mir nun selbst ein Bild machen.

Ich habe recht schnell gemerkt, dass es mich nervt. Altkluge 9-Jährige erklärt ihre Familienverhältnisse und schmeckt im Essen Gefühle.

Es gibt in diesem Buch wenig Mitgefühl für Menschen innerhalb der Familie und kaum Kontakt zu Leuten außerhalb des kleinen Kreises. Außen toll, innen kaputt.

Was mich aber letzten Endes wirklich sauer machte, war die Szene, in der die Protagonistin (mittlerweile 12 Jahre alt) mit ihrer Freundin mit Puppen spielte…

„Wenn wir mit den nackten Barbies und ab und zu sogar mit Babypuppen spielten, kamen wir uns manchmal vor wie Pädophile.“

Für mich in diesen Zusammenhang und in dieser Situation ein absolutes No-Go!

Erstens: Zwei 12-jährige Mädchen, die mit Puppen spielen, werden sich eher selbst als „Babies“ bezeichnen und (hoffentlich) nicht mal im Entferntesten an Pädophilie in diesem Alter denken. Dann wäre in ihrem Leben schon arg was schief gelaufen.

Und Zweitens: Was hat dieser Satz hier zu suchen? Er ist NICHT lustig. Pädophilie ist in keiner erdenkbaren Weise lustig! Eine verantwortungsbewusste Autorin sollte nicht einmal daran denken, dieses Thema als Witz zu verpacken, auch nicht in einer scheinbar harmlosen Situation! Ebenso sollte ein verantwortungsbewusstes Lektorat diesen Satz näher beleuchten und mit der Autorin besprechen. Man hätte es umformulieren können. Das da ist ein Unding.

Shame on you, Frau Bender!

(Literatur)Themen, zu denen ich keinen Zugang finde

Ich greife sehr gern zu Büchern, die in irgendeiner Weise meinen Horizont erweitern. Ich versuche, mich in mir unbekannte Situationen einzudenken und über die Literatur mehr darüber zu lernen und zu erfahren.

Es gibt allerdings ein paar Themen, zu denen ich einfach keinen Zugang finde, so sehr ich mich auch bemühe.

Dazu gehören:

  1. Gender/Sexualität: ich bin eine Heterofrau, die sich nie weder besonders weiblich noch männlich gefühlt hat. Ich sage immer „ich fühle mich menschlich“. Das nennt man heutzutage wohl „gender neutral“, aber all die Diskussionen rund um dieses Thema berühren mich nicht. Es ist mir egal, ob man für mich das weibliche Pronomen verwendet, ein männliches oder ein neutrales (im Saarland „et“ = „es“). Ich definiere mich nicht über mein Geschlecht oder meine Sexualität und ich weiß einfach nicht, wie es sich anfühlt, wenn man Zeit seines Lebens in diesem Bereich mit Problemen konfrontiert war. Ich lese Bücher zu diesem Thema, aber ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll. Ich respektiere jeden Menschen, so wie er ist (oder gern wäre) und hin und wieder vermag ich nicht einmal, weiblich von männlich zu unterscheiden.
  2. Feminismus: Damit zusammenhängend kann ich nur wenig mit feministischer Literatur oder Debatten anfangen. Mir ist bewusst, dass Frauen vor mir für die Rechte gekämpft haben, die ich in diesem Land nun genießen darf. Mir ist aber auch bewusst, dass es so schnell keine wirkliche Gleichberechtigung geben wird. Ich werde schlechter bezahlt als männliche Kollegen, die die gleiche Arbeit verrichten. Stört mich aber nicht, da ich keinen Wert auf Karriere lege und mich auch nicht über Arbeit oder Lohn definiere. Es ist nicht fair, aber es ist mir egal. Ich sehe auch genug Frauen, die auf gleiche Behandlung pochen, dann aber wiederum ihre weiblichen Reize betonen, um Männer für sich zu gewinnen. Widersprüchliches Verhalten, mit dem ich nicht umgehen kann.
  3. Rassismus: Ich spreche hier nicht von kulturellem Rassismus, sondern von dem, der sich allein auf die Hautfarbe bezieht. Ich lese zwar auch über Ungleichbehandlungen in Deutschland andersfarbigen Menschen gegenüber, ich habe in diesem Bereich nie eine bewusste Erfahrung gemacht. Hier im Saarland sieht man mehr „People of Color“ durch die Nähe zu Frankreich als in Hessen damals (dort waren es die religiösen Unterschiede, die stärker zum Tragen kamen). Ich habe aber keinen Kontakt zu ihnen. Nicht weil ich es nicht wollen würde, mir ist auch die Hautfarbe eines Menschen egal, es hat sich einfach nie ergeben bisher. Ich kenne die Schwierigkeiten nicht, die sie hier auszufechten haben, aber ich informiere mich darüber.
  4. Körperbewusstsein/Äußerlichkeiten: Mittlerweile gibt es ein ganzes Genre zum Thema „Liebe dich selbst, so wie du bist“ und hin und wieder greife ich zu solchen Büchern, stelle aber immer wieder fest, dass ich auch damit nichts anfangen kann. Ich habe kein optimales Gewicht und von Kleidergröße 34 zu 44 schon alles getragen, ich wurde gehänselt, kritisiert, neidisch beäugt. Es gab Zeiten, da hat mir das nicht gefallen, aber es hat mich auch nie dazu gebracht, mich deswegen nicht zu mögen. Mir ist es schnuppe, welche Formen ein Körper hat, ob er schlank ist, dick, krumm, gerade, ob Körperteile fehlen, nicht richtig funktionieren oder was auch immer. Ich bemühe mich, meinen eigenen Körper „gepflegt“ (sauber und gesund) und einigermaßen fit zu halten, um möglichst lang unabhängig leben zu können („Unabhängigkeit“ steht auf meiner persönlichen Werteskala ganz oben), aber ansonsten sind mir der eigene Körper und die Körper anderer Menschen einfach nicht wichtig genug.

Das alles hat nichts mit Ignoranz von meiner Seite aus zu tun. Ich interessiere mich wirklich für diese Themen und versuche immer, zu verstehen, warum sie andere so stark betreffen. Deswegen führe ich nicht nur Gespräche darüber, sondern greife auch zu dementsprechender Literatur, aber mangels eigener Erfahrungen begreife ich es zwar intellektuell, aber nicht emotional.

Ergeht es euch auch so? Habt ihr auch Themen, von denen ihr meint, ihr solltet euch damit auseinandersetzen, die sich euch aber nicht erschließen?

Montagsfrage

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Heute fragt das BuchfresserchenWenn du Romantik in Büchern magst, was sind für dich absolute No-Gos bei einer Liebesgeschichte?

Ok, ich mag keine Romanzen in Büchern, aber sie sind nun mal Bestandteil vieler Geschichten.

Absolute No-Gos für mich sind:

  • Beziehungen mit akzeptierten/glorifizierten Gewalttaten: man kann sowas doch nicht schwärmerisch darstellen in der Hoffnung, der Leser/die Leserin ist klug genug, so etwas NIE (!) ohne Einwilligung zu tun
  • illegale Romanzen (in meinem Kulturkreis): sehr knapp am No-Go segelt da für mich die Serie „The Mortal Instruments“ vorbei

Meiner Meinung nach hat ein Autor eine Verantwortung gegenüber den Lesern und im weiteren Kreis gegenüber der Gesellschaft. Wenn jemand nur für sich im stillen Kämmerlein so etwas schreibt und vielleicht nur ein kleiner Kreis diese Sachen zu lesen bekommt, dann sag ich nix. Aber wenn solche Sachen groß vermarktet werden, finde ich es unmöglich. Und ja, ich rede u.a. auch von „Fifty Shades of Grey“.

Sehr nervig finde ich:

  • Superschwarm verliebt sich in unscheinbares Mädchen
  • Superfrau verliebt sich in unscheinbaren Typen
  • Frau / Mann dominiert den Partner deutlich
  • dauernder Wechsel zwischen zwei Frauen /zwei Männern, bis sich am Ende für den „richtigen“ Partner entschieden wird

Was stört Euch an Romanzen in Büchern?

Rezension: „Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie“ von Rachel Joyce

37708539 Titel: Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie
Autorin: Rachel Joyce
Verlag: Fischer Krüger
Originaltitel: The Music Shop

Klappentext:
„Mister Frank hat eine besondere Gabe: Er spürt, welche Musik die Menschen brauchen, um glücklich zu werden. In Franks kleinem Plattenladen in einer vergessenen Ecke der Stadt treffen sich Nachbarn, Kunden und die anderen Ladenbesitzer der Strasse. Da taucht eines Tages die Frau in Grün vor Franks Schaufenster auf. Sie ist blass und schön, zerbrechlich und stark zugleich. Doch sosehr er sich auch bemüht, Frank kann einfach nicht hören, welche Musik in ihr klingt …“

Meinung:
Racel Joyce kenne ich bereits über ihre Bücher „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ und „Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte“ – zwei sehr liebevolle Geschichten über Menschen, die sich ein wenig am Rand der Gesellschaft befinden.

Auch mit Frank hat die Autorin erneut eine Figur erschaffen, die alles andere als gewöhnlich ist. Frank liebt Musik, er liebt seine Schallplatten, seinen Laden und die heruntergekommene Straße, in die sich sein Music Shop befindet. Und wie das oft so ist, zieht er ähnliche Menschen in seinen Bann.

Mit sehr viel Hingabe schildert Joyce die zarten Bande zwischen ihren Charakteren, ihre Schrullen, aber auch ihre Hilfsbereitschaft und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl.

Es ist keine besondere Geschichte, die hier erzählt wird, doch sie steckt so voller Poesie und Kleinigkeiten, über die man lächeln kann, dass es ein Vergnügen ist, sich in sie hinein fallen zu lassen und mit Frank und seinen Freunden zu hoffen, zu bangen, zu leiden und am Ende erleichtert aufzuatmen.

Ein Buch für alle, die sich vielleicht ein wenig traurig oder melancholisch fühlen – „Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie“ schenkt Trost und Hoffnung.

Rezension: „Der Erbe der Schatten“ von Robin Hobb

35015448.jpg Titel: Der Erbe der Schatten
Autorin: Robin Hobb
Serie: Die Chronik der Weitseher #3
Verlag: Penhaligon (zur Buchseite des Verlags)
Originaltitel: Assassin’s Quest

Klappentext:
„Fitz Chivalric hat versagt. Sein skrupelloser Onkel hat den Thron der sechs Provinzen an sich gerissen, und der wahre Herrscher, Prinz Veritas, gilt als tot. Fitz bleibt nur noch eines: Rache! Doch wie soll er bis zu dem Mann vordringen, der ihm alles genommen hat? Einem König, geschützt von Soldaten und Magie? Ohne Rücksicht auf sich selbst, treibt Fitz seine Pläne voran. Da erreicht ihn der Ruf eines Todgeglaubten – Prinz Veritas!“

Meinung:
Nachdem ich bereits mit großer Begeisterung Band 1 und Band 2 aus der Reihe gelesen hatte, war ich sehr gespannt, wie sich die Geschichte um den jungen Fitz weiterentwickeln würde, nachdem sie im zweiten Buch eigentlich in einer Sackgasse mündete.

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Oh, wie überraschte mich die Autorin hier! Es gibt keinen langsamen Einstieg in die Fortsetzung, wir fallen direkt hinein in eine außergewöhnliche, düstere Szene. Völlig fasziniert las ich mich durch die ersten Seiten. Es war so anders als die beiden anderen Romane, sehr viel dunkler als alles zuvor.

Im mittleren Teil normalisiert sich das Geschehen ein wenig und wir lernen neue Charaktere kennen. Einige begleiten Fitz nicht weit auf seiner Reise, weisen ihm aber immer auf ihre eigene Art den Pfad zu seinem Ziel oder zumindest zu dem, was er dafür hält.

Es werden aber auch neue Protagonisten eingeführt, die wichtig für den weiteren Verlauf und von Geheimnissen umwittert sind. Wären sie nicht hinzugekommen, wäre das Leseerlebnis wohl etwas zäher ausgefallen, denn viel passiert im Mittelteil des Wälzers nicht. Doch Fitz‘ neue Begleiter lockern die Story auf und sorgen dafür, dass der Leser genug Abwechslung bekommt.

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Das Ende war nicht ganz das, was ich erwartet hatte. Es deutete eigentlich nichts auf diese Entwicklung in den vorherigen Büchern hin. Es ist sehr mystisch und bedient sich typischen Elementen aus der Fantasy. Ein wenig hadere ich mich dieser Lösung. Monatelang verfolgte ich den königlichen Bastard auf seinem Weg… und dann das?
Es fühlt sich nicht „rund“ an, es ist kein richtiges Ende. Allerdings weiß ich auch, dass es eine weitere Trilogie von Hobb zu FitzChivalry Farseer gibt und vielleicht bzw. sehr wahrscheinlich gibt es dort eine gute Erklärung für den Schluss hier. Dennoch…

Unabhängig davon gehört die „Chronik der Weitseher“ zu den besten Fantasyserien, die ich bislang gelesen habe. Eine ausgeklügelte, stimmige Welt, vielschichtige Figuren und sehr detaillierte Beschreibungen machen diese Bücher zu einem echten Lesegenuss!

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Montagsfrage

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Heute fragt das Buchfresserchen: Habt ihr Angewohnheiten oder Vorlieben, die evtl. mit eurer Leidenschaft für Bücher zusammenhängen? Zum Beispiel Papeterie, Lesetagebücher führen, Schreiben etc.?,

Ich liebe es, stundenlang durch Buchläden zu gehen oder mich in der Stadtbibliothek aufzuhalten. Aber das sind auch die einzigen Vorlieben, die für mich im Zusammenhang mit meiner Leidenschaft für Bücher stehen.

Dass ich Papier und Stifte und Farben mag, hat für mich eher etwas damit zu tun, dass ich damit aufgewachsen bin, dass mein Vater schon diese Dinge sammelte (und Bücher) und sie deswegen aus meinem Leben auch nicht mehr wegzudenken sind.
Allerdings habe ich auch die kreative Ader meiner Großmutter geerbt und auch da gehören Papier & Co. zu meinen bevorzugten Arbeitsmitteln.