Rezension: „Licht“ von Anthony McCarten

img_1160 Titel: Licht
Autor: Anthony McCarten
Verlag: Diogenes (zur Buchseite)
Originaltitel: Brilliance
Übersetzung: Manfred Allié, Gabriele Kempf-Allié

„Der Regler für moralische Integrität wird abgeklemmt – das moralische Gedächtnis.“

„›Licht‹ ist die Geschichte von zwei sehr unterschiedlichen Männern, die sich treffen, um gemeinsam die Welt zu verändern. Der eine bringt mit seiner Erfindung weltweit Licht ins Dunkel, der andere ist ein Genie des Geldes. Doch während J. P. Morgan aus der Beziehung als reichster Mann der Welt hervorgeht, lässt sich der Erfinder der Glühbirne, Thomas Edison, von der schillernden Welt seines Partners verführen und setzt nicht nur seine Erfindungskraft, sondern auch seine Liebe und sein Seelenheil aufs Spiel.“ (Quelle: Diogenes)

Was wäre die Welt ohne Glühlampe? Wo wären wir heute, hätte sich Edison nicht für die Elektrifizierung der Städte eingesetzt und welchen Preis musste er dafür zahlen?

McCarten beginnt seine Geschichte 1878, als der aufstrebende Bankier J.P. Morgan den zerstreuten, aber vielversprechenden Erfinder Thomas Alva Edison in dessen Labor besucht und ihm ein Angebot unterbreitet, das er nicht abschlagen kann.

Doch statt den historischen Ereignissen chronologisch zu folgen, werden wir nach diesem ersten Zusammentreffen in das Jahr 1929 versetzt, als Edison in einem Zug zum 50. Jubiläum der Erfindung seiner Glühlampe ist, bei einem Halt auf dem Bahnsteig zurückbleibt und sich dort in seinen Erinnerungen verliert, die uns uns in eine Ära voller bahnbrechender Errungenschaften und einem bitteren Kampf um die Macht katapultieren.

Mit Edison und Morgan trafen ein Pragmatiker und ein Visionär aufeinander, die sich zwar respektierten, allerdings nicht mochten.
Es war der Bankier, der das Schicksal mit seinem Geld lenkte und den Erfinder immer mehr von seinem Ziel, etwas Gutes für die Welt zu tun, ablenkte.
Tiefer und tiefer verstrickt Edison sich in Ränkeleien. Wir sehen seinen Zerfall und vermögen ihn nicht aufzuhalten.
Trotz allem ist es schwer, Mitleid für diesen Mann zu verspüren, denn McCarten zeigt uns einen engstirnigen Egozentriker, der seiner Familie das Blaue vom Himmel verspricht, aber nur für seine Erfindungen und Experimente lebt. Niemand ist so genial wie er, andere Ideen als die seinen weist er weit von sich und ist überrascht, als er sich plötzlich einem  „Stromkrieg“ mit seinem ehemaligen Mitarbeiter Nikola Tesla findet.

Der Autor vermischt sehr gekonnt Fiktion und Fakten. Viele Details erwecken sowohl die Zeit selbst als auch die Ereignisse zum Leben.
Es gibt lustige Stellen im Buch, humorvolle, emotionale, allerdings auch sehr grausame.
Leser, die es nicht mögen, wenn Tiere oder Menschen in einer Erzählung gequält werden, sollten besser zu einer anderen Lektüre greifen.

Für mich war „Licht“ ein absoluter Lesegenuss. Ich mochte alles daran: die exzentrischen Charaktere, das Wettrennen um die Macht, das Spiel mit Worten und Symbolik.
Auch haptisch bereitete mir das Buch viel Vergnügen. Ich mag die Größe, das ansprechende Cover, aber besonders das Papier, das sich zwischen den Fingern wunderbar anfühlt.

„Licht“ von Anthony McCarten ist ein hervorragender Roman und eine Geschenkidee für PhysikerInnen, Steampunkfans und alle mit Interesse am technischen Fortschritt.

11 thoughts on “Rezension: „Licht“ von Anthony McCarten

  1. Ich glaube, das Buch liest mein Freund gerade. Oder zumindest liest er eines, in dem es auch um Thomas Edison geht.

    *recherchieren geh*

    Äh nein. Fast. Er liest „The Last Days of Night“ von Graham Moore, wo ebenfalls reale Ereignisse rund um die Erfindung der Glühbirne fiktional aufgearbeitet werden. Aber dieser Roman ist aus der Sicht des jungen Anwalts Paul Cravath geschrieben, der den Fall von George Westinghouse übernimmt, als dieser von Thomas Edison mit all der Finanzkraft von JP Morgan im Rücken wegen der Erfindung der Glühbirne verklagt wird.
    Also dasselbe Thema, aber die andere Seite. 🙂

    Mein Freund ist jedenfalls sehr begeistert von dem Buch, und ich habe auch vor, es zu lesen, wenn er durch ist. Falls er mir seinen Kindle leiht, versteht sich.

    Gefällt 1 Person

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