Rezension: „Durst“ von Jo Nesbø (SPOILER)

35826160 Titel: Durst
Autor: Jo Nesbø
Serie: Harry Hole #11
Verlag: Ullstein (zur Buchseite)
Erscheint am: 15.09.2017
Originaltitel: Tørst

Inhalt:
„Ein Serienkiller findet seine Opfer über die Dating-App Tinder. Die Osloer Polizei hat keine Spur. Der einzige Spezialist für Serientäter, Harry Hole, unterrichtet an der Polizeihochschule, weil er mehr Zeit für seine Frau Rakel und ihren Sohn Oleg haben möchte. Doch Holes alter Chef Mikael Bellmann kennt Olegs Vergangenheit und setzt Hole unter Druck. Der Kommissar gibt schließlich nach und arbeitet hochkonzentriert mit seinen Leuten an dem Fall. In einer Atmosphäre der Angst zögern viele Frauen, sich weiter über die App zu verabreden. Die schlimmsten Befürchtungen werden wahr, als tatsächlich eine weitere junge Frau verschwindet, ausgerechnet eine Kellnerin aus Holes Stammlokal. Und der Kommissar kann nicht länger die Augen davor verschließen, dass der Mörder für ihn kein Unbekannter ist.“

Meinung:
Um es gleich vorweg zu sagen: ich bin kein Fan skandinavischer Thriller/Krimis, versuche mich aber immer wieder daran. Von Nesbø hatte ich bereits das Buch „Leopard“ gelesen, was mir so gar nicht gefallen hatte, aber ich wollte der Reihe eine zweite Chance geben.

Skeptisch war ich bereits, als die App „Tinder“ erwähnt wurde. Es ist immer schwierig, eine Erzählung mit Begriffen aus der Gegenwart des Schreibenden zu spicken. Zum einen verschwinden diese Dinge vermutlich irgendwann wieder, zum anderen gibt es noch sehr viele LeserInnen, die nicht internetaffin sind und mit Apps nichts anzufangen wissen.
Problematisch ist, dass diese Software vom Autor nicht näher erläutert wird. Nicht jedem dürfte die Eigenart von „Tinder“ bekannt sein, was eventuell den Einstieg in die Geschichte etwas erschwert.  Allerdings spielt sie ab einem gewissen Zeitpunkt auch keine Rolle mehr für den Rest der Story, was ich ebenfalls etwas seltsam fand. Warum sie zuerst betonen und in den Mittelpunkt stellen, wenn anschließend nichts mehr damit geschieht?

Kommen wir zu den Figuren: Frauen werden in diesem Roman entweder abgeschlachtet, sind schwach oder werden comicmäßig überzeichnet.
Männer sind Antihelden, dominant, verschlagen und berechnend.
Es mag sein, dass es über die gesamte Serie hinweg, Charakterentwicklung gibt, aber vermutlich wird sie sich in voraussehbaren Bahnen entwickeln. Ich kann mich natürlich irren, allerdings hätte ich mir etwas mehr Abwechslung bei der Darstellung der Personen gewünscht.

Fand ich die Geschichte spannend? Jein. Anfangs gab es einen Mord nach dem anderen, die Ermittlungen liefen nur langsam an.
Den zweiten Teil fand ich dann etwas interessanter, weil hier die typische Täterjagd begann.
Der Schluß wiederum wurde meiner Meinung nach viel zu sehr in die Länge gezogen. Man hätte dieses Buch gut nach den ersten beiden Teilen abschließen können, stattdessen gab es immer mehr Verwicklungen und „Überraschungen“ – bis schließlich am Ende fast jede Figur mit jeder anderen in irgendeinem Zusammenhang stand. Warum das alles? Warum konnte der Autor nicht einfach einige Fäden ungelöst lassen? Er schreibt eine Serie und verwendet auch Stücke aus vorherigen Büchern. Er hätte lose Enden für weitere Geschichten verwenden können, ohne dass der Stand-Alone-Charakter von „Durst“ daran gelitten hätte. Ein guter Thriller beantwortet nicht alle Fragen und führt nicht alle Figuren zu einer „großen Familie“ zusammen.

Für mich war zu viel in der Story vorhersehbar und klischeehaft. Schon als der sogenannte „Experte“ hinzugezogen wurde, ahnte ich, in welche Richtung es sich entwickeln würde. Die ausgelegten roten Heringe konnten mich auch nicht ablenken, selbst diese waren zu typisch.

Ich weiß, dass meine Meinung zu Nesbø seltener vertreten wird. Ich kann den Hype um diese Serie nicht so recht nachvollziehen, aber letzten Endes ist Lesen etwas sehr Individuelles, in das eigene Erfahrungen und Vorstellungen einfließen.
Mit „Durst“ endet für mich jedenfalls die Harry-Hole-Geschichte. Wir werden einfach keine Freunde…

 

 

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