„George“ von Alex Gino (SPOILER)

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Titel: George |Autor: Alex Gino | Verlag: Fischer | Originaltitel: George (Scholastic Inc.)

Inhalt:
„The middle-grade debut by Alex Gino, George, tells the story of a girl whom the world identifies as a boy.
When Gino’s heroine is not cast in the lead role for a fourth-grade production of Charlotte’s Web, she decides to reveal her true identity.“

Meine Meinung:
Erst habe ich lange dieses Buch nicht zur Hand genommen, weil ich mich ein wenig vor Büchern fürchte, in denen Kinder sich in unangenehmen Situationen befinden. So etwas spricht für schwierige Emotionen und dafür benötige ich die richtige Stimmung.

Nachdem ich „George“ gelesen hatte, habe ich erneut lang überlegt, ob ich dazu überhaupt eine Rezension verfassen soll.

Dieses Buch hat mich von Anfang bis Ende geärgert.

Eigentlich begann es noch recht vielversprechend: wir begegnen einem Schulmädchen und stellen erst ein paar Seiten später fest, dass es sich offenbar um einen Jungen handelt.
George möchte endlich nicht mehr Versteck spielen, traut sich aber nicht, mit der Wahrheit ans Licht zu kommen, nur ihre Freundin scheint keine Probleme mit ihrer widersprüchlichen Identität zu haben.

Klingt gut? So erzählt schon…..

Aber: dieses Buch missachtet jegliche Form guter Geschichtenerzählung! Flache Charaktere, die noch dazu null eigene Persönlichkeit haben. So betont Georges Bruder immer wieder das „Jungssein“ und fordert maskulines Verhalten von George. Als diese sich schließlich ihm gegenüber irgendwann outet, ist der Bruder dann gar nicht überrascht, denn als Junge habe George ohnehin nichts getaugt. Sicher. So einfach ändert man sein Rollenbild.
Auch Georges Mutter ist da in keiner Weise besser. Zwar will sie es anfangs nicht wahrhaben, sucht dann aber ganz eifrig im Internet nach Informationen und scheint keinerlei Sorgen um das weitere Leben ihrer „Tochter“, die noch keine ist und die sich sehr vielen Widrigkeiten wird entgegensetzen müssen. Schön, dass sie eine so coole und gelassene Mutter ist, aber der Realität dürfte das nicht gerade entsprechen.

Alle, wirklich alle Figuren in dieser Geschichte, die mehr Raum einnehmen als lediglich das Publikum des Bühnenstücks gegen Ende, haben keine bis wenige Schwierigkeiten mit Georges Eröffnung „ich bin kein Junge, ich bin ein Mädchen“. Ich finde es unglaublich verantwortungslos seitens eines Autors/einer Autorin, der/die selbst transgender ist, so locker mit diesem Thema umzugehen. Was ist denn die Message des Buchs und an wen ist es gerichtet?
Sollen Kinder ab 10 Jahren es lesen (teures Hardcover für knapp 15 Euro), die vielleicht große Angst haben, sich zu outen, wird ihnen hier gesagt „macht ruhig, alles wird gut, passiert nichts“. So dürfte die Realität aber noch lang nicht aussehen! Es wäre sehr viel besser gewesen in diesem Fall, aus der Ich-Perspektive zu schreiben und Georges Ängste und Reaktionen deutlicher zu machen. Was geht in den Kids vor, die sich dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen und wie können sie besser damit umgehen? DAS wäre wichtig gewesen zu erfahren.
Richtet sich das Buch bei dem Preis und der Aufmachung an Erwachsene, dann hätte man die Situation ebenfalls verschärfen müssen und sie vielleicht aus der Sicht der Mutter schildern sollen. Auch hier hätte man zeigen sollen, wie man am besten reagiert, wie man mit den eigenen Gefühlen umgeht, wo man hilfreiche Unterstützung findet.

In diesem Buch ist NICHTS von all dem zu finden! Stattdessen haben wir eine seichte Story, die außerdem erzähltechnisch viel früher hätte enden sollen (über den mangelnden Aufbau will ich mich gar nicht mehr weiter auslassen).

„George“ ist in meinen Augen nicht mehr als ein aufgeblähtes Bilderbuch ohne Bilder.
Wenn Gino wirklich so lang (er/sie schreibt was von 12 Jahren) über diese Geschichte nachgedacht hat, dann hätte er/sie mit deutlich mehr Sorgfalt und Verantwortung an das Buch herangehen sollen. Ehrlich gesagt verstehe ich auch die Verlage nicht, die sich dieser schlecht konstruierten Erzählung angenommen haben – das einzige Verkaufsargument war das Thema „transgender“, aber vermutlich reichte das schon aus. Ich finde es extrem traurig. Das hätte gerade eine transgender Person besser machen können und sollen.

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