Man Booker Prize: Die Shortlist

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Heute wurde die Shortlist des Man Booker Prize bekanntgegeben.

In die engere Auswahl für den Preis kommen:

  • Milkman“ von Anna Burns (meine Rezension)
  • „Washington Black“ von Esi Edugyan (meine Rezension)
  • Everything Under“ von Daisy Johnson (meine Rezension)
  • The Mars Room“ von Rachel Kushner
  • The Overstory“ von Richard Powers
  • The Long Take“ von Robin Robertson

Ich bin ein wenig erstaunt, dass „Warlight“ von Michael Ondaatje nicht auf der Liste gelandet ist. Ich dachte, er sei ein sicherer Kandidat, selbst wenn ich das Buch bisher noch nicht gelesen habe.

Wie man sieht, fehlen mir noch drei Bücher der Longlist („Mars Room“ lese ich momentan), aber ich tippe auf Washington Black“ von Esi Edugyan als Siegertitel.

Die Preisvergabe erfolgt am 16. Oktober in London.

Man Booker Longlist: „Sabrina“ von Nick Drnaso

37533587Titel: Sabrina
Autor: Nick Drnaso
Verlag: Drawn and Quarterly

Inhalt:
When Sabrina disappears, an airman in the U.S. Air Force is drawn into a web of suppositions, wild theories, and outright lies. He reports to work every night in a bare, sterile fortress that serves as no protection from a situation that threatens the sanity of Teddy, his childhood friend and the boyfriend of the missing woman. Sabrina’s grieving sister, Sandra, struggles to fill her days as she waits in purgatory. After a videotape surfaces, we see devastation shown through a cinematic lens, as true tragedy is distorted when fringe thinkers and conspiracy theorists begin to interpret events to fit their own narratives.

Meine Meinung:
Eigentlich bin ich kein Fan von Graphic Novels. Die meisten überfordern mich, weil in einem Bild oftmals so viele Informationen stecken und meine Augen keinen Ruhepunkt finden.
Ich besitze zwar ein paar wenige Bücher dieser Art, aber die beinhalten wenig oder gar keinen Text.

So war ich ein wenig skeptisch, als ich „Sabrina“ zur Hand nahm. Doch meine Bedenken waren unbegründet.

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Die Bilder sind relativ einfach gehalten, die Sprechblasen eher klein und überschaubar. Dadurch gibt es zwar viele Einzelbilder auf einer Seite, dennoch hat mich das nicht von der Geschichte abgelenkt. Ich fand es vielmehr faszinierend, wie schnell ich in das Geschehen hineingezogen wurde.

„Sabrina“ ist er Beweis, dass eine gute Story auch gezeichnet funktionieren kann, dass es mehr vom Inhalt als von der Erzählform abhängt, ob ich als Leser Interesse daran entwickeln kann.

Die Handlung selbst ist düster. Es geht um ein Gewaltverbrechen, das in den Medien breitgetreten wird, um Verschwörungstheoretiker, die es ausschlachten, um Misskommunikation, Fake-News, Isolation.
Natürlich ist das ganze ein wenig „amerikalastig“, dennoch trifft es den Kern unserer heutigen Informationsgesellschaft, ist bedrückend und regt zum Nachdenken an.

Ein wenig gestört hat mich der überraschende Zeitsprung gegen Ende des Buches. Es ist klar, dass er asudrücken soll, dass das Leben weitergeht und irgendwann in den meisten Fällen wieder Normalität eintritt, dennoch kam er für mich etwas zu abrupt.

„Sabrina“ ist eine Graphic Novel, die sich auch für Anfänger in diesem Genre hervorragend eignet. Sie steht meiner Meinung nach völlig zu Recht auf der Longlist des Man Booker und ich hoffe, sie schafft es in die engere Auswahl.

Man Booker Longlist: „Milkman“ von Anna Burns

36047860 Titel: Milkman
Autorin: Anna Burns
Verlag: Faber & Faber

Inhalt:
In this unnamed city, to be interesting is dangerous. Middle sister, our protagonist, is busy attempting to keep her mother from discovering her maybe-boyfriend and to keep everyone in the dark about her encounter with Milkman. But when first brother-in-law sniffs out her struggle, and rumours start to swell, middle sister becomes ‚interesting‘. The last thing she ever wanted to be. To be interesting is to be noticed and to be noticed is dangerous.

Meine Meinung:
Stellt Euch vor, ihr taucht für einige Wochen in den Körper einer anderen Person ein. Ihr könnt nichts tun, nur ihren Gedanken zuhören, die ihr unkommentiert ertragen müsst.

So ergeht es einem beim Lesen von „Milkman“. Wir befinden uns sozusagen im Kopf einer 18-Jährigen, die Ende der 70er in Belfast lebt, was nie bewusst erwähnt wird, was man sich aber anhand der Erzählung und in Anbetracht der Nationalität der Autorin erschließen kann.

Auch ansonsten bleibt mehr ungesagt als gesagt. Die Personen sind namenlos und tragen nur symbolische Titel, politische Zustände und gesellschaftliche Probleme werden weitschweifig umschrieben – für alle, die es beim ersten Mal nicht verstanden haben, sogar mehrfach im Laufe der Geschichte.

Die Protagonistin bemüht sich, so weit wie möglich unter dem Radar ihrer Umgebung zu leben, zu der sie sich nicht stark zugehörig fühlt, deren Regeln sie allerdings in großen Teilen verinnerlicht hat.
Selbst als sie ungewollt ins Rampenlicht gerückt wird, verhält sie sich passiv und wird zum Spielball von Gerüchten.

Für mich war dies die Story einer etwas überheblichen Antiheldin, deren Schicksal mich bis zum Schluss nicht wirklich interessiert hat und deren Gedankenstrom mich lähmte und langweilte.

„Milkman“ mag stilsitisch ungewöhnlich sein und historische Ereignisse aus einer neuen Perspektive betrachten, aber dennoch konnte mich der Inhalt nicht begeistern.

Die Longlist des Man Booker Prize

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Die Longlist des Man Booker Prize wurde veröffentlicht:

  • „Snap“ von Belinda Bauer
  • Milkman“ von Anna Burns
  • Sabrina“ von Nick Drnaso
  • „Washington Black“ von Esi Edugyan
  • „In Our Mad And Furious City“ von Guy Gunaratne
  • Everything Under“ von Daisy Johnson
  • The Mars Room“ von Rachel Kushner
  • The Water Cure“ von Sophie Mackintosh
  • Warlight“ von Michael Ondaatje
  • The Overstory“ von Richard Powers
  • The Long Take“ von Robin Robertson
  • Normal People“ von Sally Rooney
  • From A Low And Quiet Sea“ von Donal Ryan

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Ich bin erstaunt: Auf den ersten Blick kam mir nur ein Buch bzw. eine Autorin bekannt vor, aber beim Recherchieren fiel mir auf, dass sich einige der AutorInnen bereits auf meiner To-Read-Liste befinden.

Dieses Jahr würde ich mich wirklich gern durch die komplette Longlist lesen.
Wie sieht es bei euch aus? Interesse am Man Booker? Egal? Verfolgt ihr andere Literaturpreise?

The Man Booker Internation Prize – Shortlist

Gestern wurde die Shortlist des „Man Booker International Prize“ bekanntgegeben.

Dies sind die Nominierten:

  • „Vernon Subutex 1“ von Virginie Despentes (Frankreich)
  • „The White Book“ von Han Kang (Südkorea)
  • „The World goes on“ von László Krasznahorkai (Ungarn)
  • „Like a Fading Shadow“ von Antonio Muñoz Molina (Spanien)
  • „Frankenstein in Baghdad“ von Ahmed Saadawi (Irak)
  • „Flights“ von Olga Tokarczuk (Polen)

Ich finde diese Liste sehr faszinierend und würde am liebsten alle Werke davon lesen, aber vermutlich reicht dafür die Zeit nicht bis zur Preisverleihung am 22.5.2018.

Auf jeden Fall werde ich mir aber „Frankenstein in Baghdad“ anschauen.