„Every Heart a Doorway“ von Seanan McGuire

25526296 Titel: Every Heart a Doorway
Autorin: Seanan McGuire
Serie: Wayward Children #1
Verlag: Tor
Übersetzung: Der Atem einer anderen Welt (Fischer Tor)

Inhalt:
„Children have always disappeared under the right conditions; slipping through the shadows under a bed or at the back of a wardrobe, tumbling down rabbit holes and into old wells, and emerging somewhere… else.
But magical lands have little need for used-up miracle children.
Nancy tumbled once, but now she’s back. The things she’s experienced… they change a person. The children under Miss West’s care understand all too well. And each of them is seeking a way back to their own fantasy world.
But Nancy’s arrival marks a change at the Home. There’s a darkness just around each corner, and when tragedy strikes, it’s up to Nancy and her new-found schoolmates to get to the heart of the matter.
No matter the cost.“

Meine Meinung:
Dieses erste Buch aus der Wayward-Children-Serie hat so einige Auszeichnungen gewonnen wie beispielsweise den Hugo Award für die beste Novelle in 2017 und findet immer wieder auf Fantasyseiten Erwähnung, was mich dann doch irgendwann neugierig werden ließ.

Es beginnt relativ vielversprechend: ein Heim für Kinder, die für einige Zeit in einer anderen Welt gelandet waren, aus zahlreichen Gründen wieder ausgestoßen wurden und wieder in ein normales Leben finden sollen – eine ungewöhnliche Idee und ein interessantes Konzept.

Doch leider verpasst es die Autorin, aus diesem Konzept eine wirklich fesselnde Geschichte zu machen.

Die paar wenigen Charaktere, die wir kennenlernen, sind zwar skurril, aber da es keine Vergleichsmöglichkeiten zu anderen Schülern gibt, lässt es sich schwer einschätzen, ob sie in diesem Heim „besonders“ sind oder sich wie all die anderen verhalten und nur beispielhaft hervorgehoben wurden.
Wir erfahren auch nur sehr wenig über ihre Hintergründe und ihr Innenleben. Sie bleiben ziemlich eindimensional wenig unterscheidbar.

Nun gibt es zwar einen Hauptplot, der sich um mysteriöse und bedrohliche Ereignisse dreht, aber all das wirkt ein wenig aufgesetzt, um der eigentlichen Idee eine Geschichte hinzuzufügen. Es passt einfach nicht recht zusammen, will man doch als Leser eigentlich mehr über die phantastischen Welten erfahren.

170 Seiten sind definitiv zu wenig für diese Story. Hätte die Autorin ihrer Erzählung hier und da etwas mehr Tiefgang verpasst und sich mehr Zeit dafür genommen, hätte das ein richtig gutes Buch werden können.
So ist es zwar recht kurzweilig, aber ich denke nicht, dass ich die weiteren Novellen aus dieser Reihe lesen werde.

„Wundersmith: The Calling of Morrigan Crow“ von Jessica Townsend

36260006Titel: Wundersmith: The Calling of Morrigan Crow
Autorin: Jessica Townsend
Serie: Nevermoor #2
Verlag: Lothian Children’s Books
Übersetzung: Das Geheimnis des Wunderschmieds (erscheint am 18.3.2019 bei Dressler)

Inhalt:
„Morrigan Crow has been invited to join the prestigious Wundrous Society, a place that promised her friendship, protection and belonging for life. She’s hoping for an education full of wunder, imagination and discovery – but all the Society want to teach her is how evil Wundersmiths are. And someone is blackmailing Morrigan’s unit, turning her last few loyal friends against her. Has Morrigan escaped from being the cursed child of Wintersea only to become the most hated figure in Nevermoor?

Worst of all, people have started to go missing. The fantastical city of Nevermoor, once a place of magic and safety, is now riddled with fear and suspicion…“

Meinung:
„Wundersmith“ ist das zweite Buch aus der Serie „Nevermoor“, eine Geschichte für Kinder zwischen 9 und 11 Jahren, die aber auch von vielen Erwachsenen sehr gemocht wird.
Auch mich hatte der erste Band bereits so weit überzeugt, dass ich mich auf die Fortsetzung schon sehr gefreut hatte.

„Nevermoor“ ist eine Welt, in die man sich fallenlassen kann. Sie ist bizarr, außergewöhnlich, steckt voller Geheimnisse und Überraschungen.  Mir hat es großen Spaß gemacht, diese Umgebung gemeinsam mit der Protagonistin zu erkunden.

War der Serienauftakt für meinen Geschmack etwas zu „zuckersüß“, so lernen wir hier nun die eher dunklen Seite Nevermoors und seiner Bewohner kennen. Morrigan lernt so einiges über ihr Umfeld, aber auch über sich selbst, ihre Schwächen und Stärken und sieht sich erneut im Zentrum von Misstrauen und Zweifel.

Aber es wäre kein Kinderbuch, würde am Ende nicht alles gut ausgehen – allerdings nicht unbedingt, wie man es als LeserIn erwartet hatte.

Ein leichtes, unterhaltsames Buch, das einen in eine magische Welt entführt und den Alltag für einige Stunden vergessen lässt.
Ich hoffe, es folgen noch ein paar Bände.

„Mortal Engines“ von Philip Reeve

287861 Titel: Mortal Engines
Autor: Philip Reeve
Serie: Mortal Engines Quartet #1
Verlag: Harper Collins US UK
Übersetzung: Mortal Engines – Krieg der Städte

Inhalt:
The great traction city London has been skulking in the hills to avoid the bigger, faster, hungrier cities loose in the Great Hunting Ground. But now, the sinister plans of Lord Mayor Mangus Crome can finally unfold.
Thaddeus Valentine, London’s Head Historian and adored famous archaeologist, and his lovely daughter, Katherine, are down in The Gut when the young assassin with the black scarf strikes toward his heart, saved by the quick intervention of Tom, a lowly third-class apprentice. Racing after the fleeing girl, Tom suddenly glimpses her hideous face: scarred from forehead to jaw, nose a smashed stump, a single eye glaring back at him. „Look at what your Valentine did to me!“ she screams. „Ask him! Ask him what he did to Hester Shaw!“ And with that she jumps down the waste chute to her death. Minutes later Tom finds himself tumbling down the same chute and stranded in the Out-Country, a sea of mud scored by the huge caterpillar tracks of cities like the one now steaming off over the horizon.“

Meine Meinung:
„Mortal Engines“ ist kein neues Buch, es erschien bereits 2001, wurde aber nun von Peter Jackson verfilmt und am 13. Dezember 2018 in den Kinos ausgestrahlt.
Ich hatte zufällig den Trailer gesehen und mich spontan dazu entschlossen, das Buch zu lesen. Ich wusste nichts weiter über den Inhalt, außer dass sich Städte bekriegen.

Ich muss sagen, dieses Buch hat mich in mehrfacher Hinsicht überrascht.

Zunächst hatte ich nicht erwartet, dass es sich eigentlich um ein Kinderbuch handelt. Ja, die Protagonisten sind Teenager, aber die Geschichte ist ausgesprochen kindlich formuliert, die Figuren tragen lustige Namen und alles wirkt ein wenig „überzuckert“, selbst die eher gewalttätigen Szenen.
So ganz passen die Stimmen der Protagonisten nicht zu ihrem Alter, was mich zugegebenermaßen etwas gestört hat, aber insgesamt hat mir der Erzählstil gut gefallen.

Aber ist es das, was man als unbedarfter Leser erwartet, wenn man dieses Buch in der deutschen Übersetzung kauft?

Das hier ist das Cover, mit dem es bei uns veröffentlicht wurde:

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Sieht nicht nach einem Kinderbuch aus, oder? Außerdem liegt es im örtlichen Buchhandel in der normalen SciFi-Abteilung (wobei es sich eher um „Steampunk“ handelt) und nicht bei den Kinder- und Jugendbüchern.
Die Übersetzung klingt nicht ganz so „jung“ wie das Original, aber dennoch merkt man schnell, dass es eigentlich für eine andere Zielgruppe geschrieben wurde.

Ich finde dieses Marketing ein wenig unpassend.
Es mag ja sein, dass der Film „erwachsener“ gestaltet wurde, aber wer zum Buch greift, wird ein wenig irritiert sein. Oder nicht?

Wie auch immer, nichtsdestotrotz ist es eine unglaublich interessante Welt, die Reeve hier geschaffen hat. Sie ist ein eigenständiger Protagonist neben den Charakteren und hat mich sehr rasch in ihren Bann gezogen. Ich finde die Ideen faszinierend, es macht Spaß, die Umgebung gemeinsam mit den Figuren zu erkunden und ich werde auf jeden Fall auch die anderen Bände lesen.

Eigentlich wäre es schön, von „Mortal Engines“ in der Übersetzung auch Ausgaben mit farbenfrohen Bildern wie im Original zu haben, denn dieses Buch eignet sich mit der entsprechenden Vermarktung hervorragend als Weihnachtsgeschenk für LeserInnen ab vielleicht 13 Jahren.

Rezension: „Nevermoor“ von Jessica Townsend

38352645.jpg Titel: Nevermoor
Autorin: Jessica Townsend
Reihe: Nevermoor #1
Verlag: Orion Children’s Books
Übersetzung: Nevermoor: Fluch und Wunder (Dressler)

Inhalt:
„Morrigan Crow is cursed. Having been born on Eventide, the unluckiest day for any child to be born, she’s blamed for all local misfortunes, from hailstorms to heart attacks–and, worst of all, the curse means that Morrigan is doomed to die at midnight on her eleventh birthday.
But as Morrigan awaits her fate, a strange and remarkable man named Jupiter North appears. Chased by black-smoke hounds and shadowy hunters on horseback, he whisks her away into the safety of a secret, magical city called Nevermoor.“

Rezension:

Dieses Buch begegnet einem gerade überall und als ich kürzlich krank auf dem Sofa lag und Ablenkung mit einer leichten Lektüre brauchte, griff ich zu dieser Geschichte.

Die Altersempfehlung für „Nevermoor“ liegt zwischen 9 und 11 Jahren, man darf also keinen allzu komplexen Schreibstil oder komplizierte Handlungsstränge erwarten.
Natürlich gibt es Abenteuer, aber diese sind überschaubar.
Im Vordergrund stehen eindeutig das Land „Nevermoor“, seine Bewohner und Morrigans Eingewöhnung in diese fremde Umgebung.

Die Welt ist sehr liebe- und vor allem phantasievoll beschrieben. Auf jeder Seite gibt es für den Leser etwas Neues, Ungewöhnliches zu entdecken – fast schon etwas zu viel des Guten. Ich hätte gern die ein oder andere Szene etwas mehr auf mich wirken lassen, aber schon ging es weiter zur nächsten Beschreibung.

Die Figuren sind gut ausbalanciert. Im Zentrum steht Morrigan, daneben gibt es weitere Charaktere, mit denen man sich schnell anfreunden kann. Alle weiteren werden nur gezeigt, für sie gibt es aber keine eigenen Hintergrunderzählungen, was sehr hilfreich ist, da es sonst zu überladen wäre.

„Nevermoor“ ist ein tolles Kinderbuch, das auch Erwachsenen Spaß machen kann.
Etwas weniger „Zauber“ hätte mir gutgetan, aber Kinder werden genau dies vermutlich lieben.

Kurzrezension: „A Boy called Christmas“ von Matt Haig

25882558 Titel: A Boy called Christmas
Autor: Matt Haig
Verlag: Canongate
Deutsche Übersetzung: Ein Junge namens Weihnacht (dtv)

Klappentext:
„You are about to read the true story of Father Christmas.
It is a story that proves that nothing is impossible.
If you are one of those people who believe that some things are impossible, you should put this book down right away. It is most certainly not for you.
Because this book is FULL of impossible things.“

Meinung:
Viel gibt es zu diesem Buch eigentlich nicht zu sagen. Es ist eine nette, liebevolle und lustige Geschichte mit witzigen Illustrationen über den Nikolaus/Santa Claus/Father Christmas und der Erfindung von Weihnachten.

Kann man prima in der hektischen Adventszeit lesen und vorlesen.

Mehr als eine Rezension: Good Night Stories for Rebel Girls

33016249.jpgTitel: Good Night Stories for Rebel Girls
Autorinnen: Elena Favilli, Francesca Cavallo
Verlag: Timbuktu Labs
Deutsche Übersetzung: Good Night Stories for Rebel Girls (Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG)

Klappentext:
„Good Night Stories for Rebel Girls is a children’s book packed with 100 bedtime stories about the life of 100 extraordinary women from the past and the present, illustrated by 60 female artists from all over the world. This book inspires girls with the stories of great women, from Elizabeth I to Serena Williams.“

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Ich habe dieses Buch noch nicht beendet, aber ich kann jetzt schon sagen, dass es für mich nicht nur das „Buch des Jahres“ sondern vermutlich auch das „Buch meines Lebens“ sein wird.

Ich muss ein wenig ausholen, um das zu erklären:
Seit ich denken kann (und das ist schon recht lang, ich bin 42 Jahre alt), war ich rebellisch. „Rebellisch“ bedeutet in dem Fall nicht, dass ich mich gegen alles und jeden aufgelehnt hätte. Ich habe vielmehr dort rebelliert, wo es um ein respektloses Verhalten oder sinnlose Regeln ging. Ich habe Mitschüler, Lehrer und auch wildfremde Menschen, die sich auf offener Straße unkorrekt verhalten haben, zur Rechenschaft gezogen – spontan und ohne über die Konsequenzen für mich nachzudenken.

Natürlich haben meine Eltern mein „kritisches Denken“ begrüßt, aber sie wollten auch, dass ich ohne Probleme durchs Leben kam und mit diesem Verhalten eckte ich an und schuf mir durchaus hin und wieder Schwierigkeiten.
Letzten Endes wussten sie nicht, wie sie mit meiner Rebellion umgehen sollten, sie war ihnen selbst zu fremd und sie hatten nicht den gleichen Mut und das gleiche Selbstvertrauen, dass ich in dieser Hinsicht schon früh an den Tag legte.
So gaben sie mir (unbewusst) einen widersprüchlichen Rat mit auf den Weg: „Bleibe kritisch, aber im Zweifel sind die anderen erfahrener als du es bist – und befinden sich im Recht.“

Versucht mal, rebellisch zu sein, wenn ihr anderen nicht auf Augenhöhe begegnet, sondern ihrem Verhalten mit mehr Respekt gegenübertretet als ihr euch gegenüber habt…. ich konnte nie wirklich festmachen, warum meine Rebellion sich innerlich so seltsam anfühlte, richtig und dennoch falsch und ich habe sie irgendwann unterdrückt.

Und dann las ich diesen Satz.

To the rebel girls of the world:
Dream bigger
Aim higher
Fight harder
And, when in doubt, remember
You are right.

Ich war zunächst regelrecht „entsetzt“: Wie jetzt? Es ist ok, wenn  ich Recht habe? Es ist ok, wenn ich härter kämpfe? Es gibt Menschen, die das wirklich und ehrlich gutheißen und fördern?

Ich war sprachlos und ich begann die Geschichten der 100 Frauen zu lesen. Frauen, die sich nicht haben „reinreden“ lassen. Sie sind mit Sicherheit vielen Schwierigkeiten begegnet auf ihrem Weg, aber sie haben sich nicht sagen lassen, dass die anderen Recht haben. Sie blieben sich treu, gingen ihren Weg und machten die Welt zu einem besseren Ort.

Wahnsinn.

So viele Frauen und Mädchen (und ich bezweifle nicht, dass es auch Männer dieses Kalibers gibt), die mir den Rücken stärken, die mir durch ihr Leben zeigen „es ist richtig, was du tust“.

Ihr glaubt nicht, wie viel Kraft und Selbstvertrauen mir DAS gibt!

Um es noch einmal zu betonen: meine Eltern liebten mich und wollten nur das Beste für mein Leben. Ich weiß das und schätze es sehr! Allerdings hatte ich eine explosive Eigenschaft in meinem Genpool, die sie versuchten, in ruhigere Bahnen zu lenken.
Vielleicht war es hilfreich, vielleicht auch nicht.

Aber jetzt weiß ich mehr denn je, dass Rebellion, die eine positive Veränderung bezweckt, eine große Stärke ist, etwas, das gefördert werden muss, denn Rebellinnen sind oft allein auf weiter Flur unterwegs. Wir benötigen Unterstützung, selbst wenn sie aus einem Kopfnicken besteht. Wir tun das nicht nur für uns, wir tun es für alle!

Dies ist ein Buch, dass ich allen Frauen, Männern, Mädchen und Jungs absolut ans Herz legen möchte! Lest es, lebt es und gebt es weiter! Die Welt braucht solche „Rebellen“.