Man Booker Longlist: „Milkman“ von Anna Burns

36047860 Titel: Milkman
Autorin: Anna Burns
Verlag: Faber & Faber

Inhalt:
In this unnamed city, to be interesting is dangerous. Middle sister, our protagonist, is busy attempting to keep her mother from discovering her maybe-boyfriend and to keep everyone in the dark about her encounter with Milkman. But when first brother-in-law sniffs out her struggle, and rumours start to swell, middle sister becomes ‚interesting‘. The last thing she ever wanted to be. To be interesting is to be noticed and to be noticed is dangerous.

Meine Meinung:
Stellt Euch vor, ihr taucht für einige Wochen in den Körper einer anderen Person ein. Ihr könnt nichts tun, nur ihren Gedanken zuhören, die ihr unkommentiert ertragen müsst.

So ergeht es einem beim Lesen von „Milkman“. Wir befinden uns sozusagen im Kopf einer 18-Jährigen, die Ende der 70er in Belfast lebt, was nie bewusst erwähnt wird, was man sich aber anhand der Erzählung und in Anbetracht der Nationalität der Autorin erschließen kann.

Auch ansonsten bleibt mehr ungesagt als gesagt. Die Personen sind namenlos und tragen nur symbolische Titel, politische Zustände und gesellschaftliche Probleme werden weitschweifig umschrieben – für alle, die es beim ersten Mal nicht verstanden haben, sogar mehrfach im Laufe der Geschichte.

Die Protagonistin bemüht sich, so weit wie möglich unter dem Radar ihrer Umgebung zu leben, zu der sie sich nicht stark zugehörig fühlt, deren Regeln sie allerdings in großen Teilen verinnerlicht hat.
Selbst als sie ungewollt ins Rampenlicht gerückt wird, verhält sie sich passiv und wird zum Spielball von Gerüchten.

Für mich war dies die Story einer etwas überheblichen Antiheldin, deren Schicksal mich bis zum Schluss nicht wirklich interessiert hat und deren Gedankenstrom mich lähmte und langweilte.

„Milkman“ mag stilsitisch ungewöhnlich sein und historische Ereignisse aus einer neuen Perspektive betrachten, aber dennoch konnte mich der Inhalt nicht begeistern.

Die Longlist des Man Booker Prize

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Die Longlist des Man Booker Prize wurde veröffentlicht:

  • „Snap“ von Belinda Bauer
  • Milkman“ von Anna Burns
  • Sabrina“ von Nick Drnaso
  • „Washington Black“ von Esi Edugyan
  • „In Our Mad And Furious City“ von Guy Gunaratne
  • Everything Under“ von Daisy Johnson
  • The Mars Room“ von Rachel Kushner
  • The Water Cure“ von Sophie Mackintosh
  • Warlight“ von Michael Ondaatje
  • The Overstory“ von Richard Powers
  • The Long Take“ von Robin Robertson
  • Normal People“ von Sally Rooney
  • From A Low And Quiet Sea“ von Donal Ryan

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Ich bin erstaunt: Auf den ersten Blick kam mir nur ein Buch bzw. eine Autorin bekannt vor, aber beim Recherchieren fiel mir auf, dass sich einige der AutorInnen bereits auf meiner To-Read-Liste befinden.

Dieses Jahr würde ich mich wirklich gern durch die komplette Longlist lesen.
Wie sieht es bei euch aus? Interesse am Man Booker? Egal? Verfolgt ihr andere Literaturpreise?

The Man Booker Internation Prize – Shortlist

Gestern wurde die Shortlist des „Man Booker International Prize“ bekanntgegeben.

Dies sind die Nominierten:

  • „Vernon Subutex 1“ von Virginie Despentes (Frankreich)
  • „The White Book“ von Han Kang (Südkorea)
  • „The World goes on“ von László Krasznahorkai (Ungarn)
  • „Like a Fading Shadow“ von Antonio Muñoz Molina (Spanien)
  • „Frankenstein in Baghdad“ von Ahmed Saadawi (Irak)
  • „Flights“ von Olga Tokarczuk (Polen)

Ich finde diese Liste sehr faszinierend und würde am liebsten alle Werke davon lesen, aber vermutlich reicht dafür die Zeit nicht bis zur Preisverleihung am 22.5.2018.

Auf jeden Fall werde ich mir aber „Frankenstein in Baghdad“ anschauen.